Stif Kurzschrift

Ein experimentelles Kurzschriftsystem

www.reintechnisch.de :: Start: 17.09.2020 :: Stand: 07.10.2020

Einführung

Von 2018-2020 habe ich mit dem Kurzschriftsystem Stio experimentiert, was eine Vereinfachung der Stiefografie war. Mit diesen Erfahrungen möchte ich hier mit einer weiteren Modifikation experimentieren.

Warum nochmal was Neues? Mit Stio wollte ich vor allem Stiefo auf eine Zeile bekommen. Denn der Höhenversatz ist im Alltag als Notizschrift recht störend. Gleichzeitig wollte ich Stiefo vereinfachen, so dass die Lernzeit deutlich verkürzt wird. Vision ist, ein wirklich einfach zu erlernendes Kurzschriftsystem zu entwickeln, was sich an den heutigen Bedürfnissen orientiert.

Heute sind viele Menschen nicht mehr bereit, so viel Zeit zu investieren, um ein übliches Stenosystem zu erlernen und auch flüssig im Alltag nutzen zu können. Es gibt kaum noch Menschen, die Steno im Alltag nutzen.

Mein Eindruck ist, dass die gängigen Systeme auf maximale Schreibgeschwindigkeit optimiert sind. Man kürzt, so weit es irgendwie geht. Dafür braucht es viele Konzepte, die zu Komplexität führen (Höhenversatz, mehrstufige Buchstaben, Verbindungslängen). Auch kommen viele Ausnahmen und Sonderregeln hinzu. Mit so einem System kann man nur umgehen, wenn man viel Zeit in das Lernen investiert. Hierbei geht es nicht um Wochen, sondern um Jahre. Man kann es vergleichen mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Auch die Stiefografie ist da keine Ausnahme, obwohl oft was anderes behauptet wird. Zumindest dann nicht, wenn man über die Grundschrift hinaus will.

Stenosysteme haben sich früher aneinander messen müssen und ein System, was nicht so screibflüssig optimiert gewesen wäre, hätte keine Chance gehabt. Die Lernzeit spielte damals keine große Rolle, weil es zu einem zentralen Werkzeug gehörte, was in bestimmten Berufen absolut notwendig war. Genauso, wie man heute viel Zeit damit verbringt, Computerprogramme zu lernen, investierte man damals die Zeit in das Werkzeug Steno.

Die Wikipedia schreibt zur DEK: "Diese sinnbildliche Darstellung der Vokale ist der häufigste Kritikpunkt an der DEK, da dies zu schwer zu lernen sei. [...] Die Kritik ist jedoch insoweit ungerechtfertigt, als das Ziel der Stenografie nicht die leichte Erlernbarkeit, sondern die besonders effektive Nutzung gegebener grafischer Möglichkeiten zur Verminderung des Schreib-, aber nicht unbedingt des Lernaufwandes ist. " (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stenografie#System-Entwicklung)

Nach 2 Jahren Erfahrung mit Stio ist mein Fazit, dass einiges dieser Schrift noch zu kompliziert ist, um sie schnell zu lernen. Die Hoch-Tiefstellung als ein ungewohntes Konzept hatte ich schon weggekürzt. Das war sinnig und sehr erleichternd. Ein Konzept von Stiefo blieb aber erhalten, die unterschiedlich langen Verbindungen, die für Vokale oder Vokalkombinationen benutzt werden.

Dieses Konzept ist interessant, weil man hier sehr schreibschnell Vokale kodiert. Eine enge Verbindung bedeutet kein Vokal, eine einfache Verbindung stellt ein "e" dar, eine lange Verbindung ein "u".

Ein großer Nachteil dieses Konzeptes ist, dass es einem von der Normalschrift nicht geläufig ist und deshalb fällt das Erlernen schwer. Dieses Konzept hat auch Auswirkungen auf die schwere Lesbarkeit. Wenn es einem nicht gelingt, die Längen immer exakt zu machen, ist man beim Lesen am Rätselraten. Gerade zwischen enger und einfacher Länge fällt die Unterscheidung schwer.

Das Konzept kennt man nicht aus der Normalschrift. Deshalb vermute ich darin eine zusätzliche Lernschwierigkeit.

Die neue Kurzschrift Stif ist ein Versuch, das Konzept noch weiter zu vereinfachen, so dass sich das System wesentlich einfacher erlernen lässt. Dies geht klar auf Kosten der Schreibschnelligkeit. Man lässt ja ein effizientes, aber schwer zu erlernendes Konzept fallen und ersetzt es durch ein weniger effizientes System, was aber einfacher zu lernen ist.

Im Grunde ist das eine Fortsetzung der Idee, die ich auch schon mit Stio versucht habe. Bei Stio wurde das schwierige Konzept der Höher- und Tieferstellung fallen gelassen. Auch ein effizientes Kodierkonzept, aber schwer zu lernen. Jetzt lasse ich mit Stif auch noch das Konzept der unterschiedlichen Verbindungslängen fallen.

Interessant ist jetzt, dass Stif nun kein Konzept mehr nutzt, was man nicht auch von der Langschrift her kennt.

Nebenher soll bei Stif einiges besser gelöst werden, was sich bei Stio nicht so bewährt hat.

Man könnte es auch anders herum sagen: Stif ist ein Versuch, die möglichst einfach zu lernenden Kurzschriftkonzepte zu nutzen, weil schon diese Konzepte genügend dazu beitragen, seine Schreibgeschwindigkeit zu verdoppeln. Mit einer kommenden Aufbauschrift dürfte man problemlos auf Faktor 4 kommen.

Neben der Schreibgeschwindigkeit ist auch interessant, dass man müheloser schreibt, weil man den Stift für das gleiche Resultat deutlich weniger bewegen muss.

Konzepte

  • Das Hauptkonzept der Verkürzung gegenüber der Langschrift ist die Vereinfachung der Buchstaben, die sich nach genügend Übung wesentlich schneller schreiben lassen. Viele andere Konzepte, die man in Kurzschriften findet, wurden zugunsten der leichten Erlernbarkeit fallen gelassen.
  • Konsonanten werden nahezu alle von Stiefo übernommen. Diese sind gut optimiert und sie sind in sich ein schlüssiges Konzept.
  • Weil "r" und "n" bisher schwer auseinanderzuhalten waren und beim Lesen zu Problemen führten, wird für "r" ein neues Zeichen eingeführt.
  • Die Idee mit Strichen über Vokalen, um Umlaute darzustellen, wird fallen gelassen, weil es den Schreibfluss unterbricht. Es soll mal ein Versuch sein, ob man darauf verzichten kann und ob sich der neue Ansatz bewährt. Auch sonst wird nicht mit Strichen über Vokalen oder Konsonanten in der Grundschrift gearbeitet.
  • Alle Vokale wandern jetzt konsequent unter die Grundlinie. Damit hat man ein einfaches und durchgängiges Prinzip: Alles über der Grundlinie sind Konsonanten, alles unter der Grundlinie sind Vokale. Vokale haben grundsätzlich halbe Höhe. Auf eine gut lesbare Vokaldarstellung wird in Stif wert gelegt.
  • Es bleibt bei einer konsequenten Kurrentschrift, Wörter schreibt man fortlaufend, ohne den Stift abzusetzen.
  • Vokale und Konsonanten sind fließend miteinander verbunden, die Verbindungslänge zwischen den Buchstaben spielt keine Rolle mehr.
  • Wie Stiefo/Stio:
    • keine Unterscheidung Klein- /Großschreibung
    • man schreibt, wie man spricht, deshalb kein "c", "x" und "y" nötig
    • Konsonanten, die man nicht spricht, fallen weg. Beispiele: führt -> fürt; Höhe -> höe
    • Schreibraum: 1 Höhe über Grundlinie, halbe Höhe unter Grundlinie. Das entspricht dem Schreibraum der Normalschrift.
    • Zeichengrößen: Oberhalb der Grundlinie gibt es hohe und halbhohe Zeichen. Unterhalb der Grundlinie gibt es nur halbhohe Zeichen.
    • Doppelte Konsonanten werden nicht geschrieben.
    • Satzzeichen können weiter verwendet werden, auch der Punkt soll später in der Aufbauschrift nicht für etwas anderes verwendet werden.
    • Auch wenn in Stif ein "ä" definiert wurde, wird es in der Regel durch das schreibschnellere "e" ersetzt. In Ausnahmenfällen, wo die Unterscheidung wichtig ist oder das Lesen verbessert, kann aber auf das "ä" zurückgegriffen werden.
    • Alle Konsonanten sind von Stiefo übernommen, inkl. der oft vorkommenden Konsonantenkombinationen st, sp, ng/nk, nd/nt, sch, ch, pf.

Die Konsonanten

Alle Konsonanten sind schon aus Stio und Stiefo bekannt. Lediglich das "R" wurde durch ein neues Zeichen ersetzt, was in Stiefo-Aufbauschrift das "X" ist. Der Grund dafür: In der Praxis fiel auf, dass r und n sich so wenig unterscheiden, dass es oft zu Verwechselungen kommen kann, insofern man nicht absolut präzise schreibt.

Bei allen Konsonanten, die im Abstrich zurück laufen, brauchen einen kleinen waagerechten Strich zur Kopplung mit Vokalen. Dies betrifft B, H, M, P, S, T, Z, nd/nt, st, sch, ch. Bei Konsonanten, wo der Abstrich in Schreibrichtung zeigt, können Vokale direkt angekoppelt werden ohne waagerechten Strich. Dies betrifft D, F, G, J, K, L, N, R, W, ng/nk, pf, cht, sp.

Die Vokale

  • A - wie auch bei Stio, eine mittlere rechtslaufende Schleife
  • E - eine rechtslaufend Punktschleife. Punktschleifen sind in vielen Steno-Systemen zu finden, weil man sie recht schnell schreiben kann. Aus der Langschrift kennt man sie nicht. In der Stiefo-Aufbauschrift findet man sie. Weil das E recht häufig vorkommt, brauchte es hier ein schnell zu schreibendes Zeichen.
  • I - wie auch bei Stio. Am Anfang eines Wortes kann der Abstrich weggelassen werden. Am Ende eines Wortes kann der Aufstrich weggelassen werden.
  • O - Zugunsten eines besseres Bezuges zur Langschrift wurde das aus Stio bekannt "u" verlegt hin zu "u" und hier gibt es ein neues Zeichen. Es ist auch rund und damit dem "o" näher. Es hat Ähnlichkeit mit dem "i", wird aber unten rund nach links gezogen. Der Abstand zum "i" sollte groß genug sein, um es nicht zu verwechseln.
  • U - Das "o" bei Stio wurde hier zum "u", weil es mit der Langschrift besser korreliert. Eigentlich wollte ich dieses Zeichen ersetzen, weil es sich nicht so gut schreibt. Mit einem zusätzlichen Schlenker am Anfang schreibt es sich aber hinreichend gut, das hatte ich auch als Alternative bei Stio schon probiert. Sollte es doch nicht passen, wird es später noch ersetzt.
  • AU - Ist eine simple Verknüpfung von "A" + "U", die auch schreibschnell ist.
  • Ä - Ist eine Verschmelzung von "A" + "E", die schreibschnell ist. Eigentlich ist ein "Ä" gar nicht nötig, weil man es durch "E" ersetzen kann. Es könnte aber die Lesbarkeit verbessern, weshalb es experimentell als Zeichen definiert wird. Mal schauen, ob sich das bewährt.
  • EU - Ist eine Verschmelzung von "E" + "U", die schreibschnell ist.
  • EI - Ist eine Verschmelzung von "E" + "I", die schreibschnell ist.
  • Ö - Ist eine Verschmelzung von "O" + "E", die schreibschnell ist.
  • Ü - Ist eine Verschmelzung von "U" + "E", die schreibschnell ist. Hier ist die Punktschleife für natürlicheres Schreiben links herum.

Beispieltext

Beispieltext 01:

Beispieltext 02:

Bei dem "i" habe ich mir aus Stio eine leichte Schräglage angewöhnt, wo der Abstrich unten schon leicht nach links neigt. In Stio war das kein Problem, weil keine Verwechselungsgefahr. In Stif hingegen ist das keine gute Idee, weil man es irgendwann mit dem "o" verwechselt. Der Unterschied zwischen "i" und "o" sollte möglichst groß sein, damit es nicht zu Fehlinterpretationen beim Lesen kommt. Auch die Größe der E-Punktschleife muss ich noch üben, damit sie nicht mit dem "a" zu verwechseln ist. Die A-Schleife sollte ich hingegen groß genug schreiben. Kleine Regel dazu: Das "e" darf innen keinen leeren Innenkreis haben, das "a" hingegen muss ihn haben.

Beispieltext 03:

Info: Ich nutze kein "Ä", wo es nicht nötig ist, stattdessen ein "e". Grund: Das "e" ist schneller zu schreiben. Ein Doppel-N bei "wenn" und "denn" hätte es auch nicht gebraucht, aber hier gibt es Verwechselungsgefahr mit "wen" und "den". Später in der Aufbauschrift wird es für solche häufigen Wörter Kürzel geben, dann erledigt sich das Thema. Grundsätzlich kann man aber Wörter auch mit doppelten Konsonanten schreiben, wenn es der Lesbarkeit dient.

Beispieltext 04:

(Originaltext Quelle: http://www.engelbrecht-media.de/s_das_geschenk.html)

Beispieltext 05: