Sfera 125 Wartungshandbuch

Hier soll mit der Zeit ein kleines Wartungshandbuch wachsen. Wenn ich Lust und Zeit habe und gerade am Roller schraube, werde ich hier Infos nachtragen. So wird vielleicht - Stück für Stück - hier etwas entstehen.

Wir können auch was Gemeinsames draus machen: Wer Lust hat, einen kleinen Beitrag hier zu veröffentlichen, wie etwas geht - gerne. Schickt mir einfach Infos per Mail zu.

Fehler macht jeder - deshalb nehmt die Infos hier nur als Anregung und prüft selber, ob es so auch wirklich funktioniert. Trefft die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen! Wem Fehler auffallen, kann mir die gerne mitteilen.

21.06.2011 :: Zündkerze wechseln

Hierzu muss die Abdeckung im Fußraum demontiert werden (unterhalb der Sitzbank, eine Schraube lösen). Nun sieht man auf der rechten Seite (in Fahrtrichtung) den Kerzenstecker, den man abzieht. Darunter befindet sich die Zündkerze. Zum Lösen der Zündkerze braucht es einen geeigneten recht kurzen Kerzenschlüssel, Infos dazu findet man auch im Hauptartikel zur Sfera.

Auf diesem Bild sieht man den ausgebauten Motor von rechts. In der schwarzen Kunststoffabdeckung rechts oben sieht man das Loch, in der die Zündkerze verbaut ist.

22.09.2007 :: Der Laderegler

Die Lichtmaschine der Sfera hat mehrere Spulen, die getrennte Stromkreise versorgen. Die Beleuchtung läuft nicht über die Batterie, wird also von einer extra Spule mit Strom versorgt. Für das Laden der Batterie ist eine weitere Spule zuständig. Es handelt sich also nicht um 1 Phasen Drehstrom, nicht 3Phasen, wie bei manch anderem Roller.

Der Laderegler nutzt dabei auch nur die negative Halbwelle, für die positive Halbwelle ist er hochohmig (Einweggleichrichtung). Es ist ein Negativregler, eine Seite der Ladespule ist an Plus, die andere Seite am Regler, worüber der Kontakt zu Masse hergestellt oder unterbrochen wird, je nach Ladezustand. Ist die Batteriespannung unterhalb von ca. 13.5-14.4 Volt, wird jede negative Halbwelle zur Batterie durchgeschaltet, worüber dann Ladeströme bis etwa 8 A fließen können. Ist hingegen die Batteriespannung über der Ladeendspannung, wird die negative Halbwelle nicht durchgeschaltet und die Batterie damit nicht mit Spannung versorgt. Die Spule läuft in diesem Fall leer.

Im Regler ist vermutlich ein Thyristor verbaut, der zündet, falls die Batteriespannung niedriger als der Schwellwert ist.

Der Regler hat 5 Anschlüsse: A, A, G, +B, GND. Vermutlich dienen die beiden A-A nur als Übergangsstecker für die Verkabelung und werden nicht für die eigentliche Laderegelung benötigt. Hierüber läuft die Spannung des zweiten Stromkreises, der für die Beleuchtung zuständig ist. Merkwürdigerweise gibt es aber trotzdem irgendeine elektrische Verbindung zur Ladeelektronik, die mir nicht ganz klar ist. Der Regler funktioniert aber auch ohne Verkabelung an A-A.

An G ist die Generatorspule angeschlossen. +B ist der Anschluß zur Batterie, GND ist Masse.

Testen kann man den Regler mit zwei Gleichspannungsnetzteilen. Zuerst schließt man ein Netzteil zwischen +B (Plus) und G (Minus) an. Der Ausgang wird erstmal mit einer 12 V Lampe belastet (z.B. 5 Watt Lampe) (zwischen +B und Masse). Wenn man nun die Spannung langsam bis 16 Volt hochfährt, sollte die Lampe stetig heller werden. Weil die Last keine Spannung in den Regler speist, ist dieser durchgeschaltet. Dreht man das Netzteil polungsmäßig um, dürfte kein Strom fließen und die Lampe ist aus.

Schließt man nun am Ausgang ein Netzteil mit z.B. 15 Volt Gleichspannung an und dreht dann langsam das andere Netzteil hoch, sollte der Ausgang stabil auf 15 Volt bleiben, also nicht mit der Spannung des Eingangsnetzteiles angehoben werden, selbst wenn dies auf 20-25 Volt hochgedreht wird. Vorsicht: Im Fehlerfall wird in das zweite Netzteil eine höhere Spannung eingespeist, wofür dieses geeignet sein muss.

Der Laderegler ist übrigens das Zigarettenschachtelgroße Teil im gerippten Aludruckgußgehäuse. Hersteller ist typischerweise DUCATI. Untergebracht auf der rechten Seiten unter der Verkleidung. Siehe SferaBild016 (mittig im Bild)

Der Laderegler wird manchmal auch als Gleichrichter bezeichnet, was natürlich technisch nicht korrekt ist.

31.08.2007 :: Variomatik-Wartung

So alle 4000-6000 Km sollten die Vario-Rollen geschmiert werden, alle 10.000 Km etwa muss ein neuer Treibriemen drauf. Weil für beides der Aufwand recht groß und ähnlich ist, mache ich es so, dass ich beides in einem Abwasch mache, und zwar nach etwa 6000-8000Km. Damit dehne ich also das Schmierintervall etwas aus.

Die Variorollen sollten dabei dann auch gewechselt werden, sie haben sich meistens eingeschliffen. Man besorgt sich also einen neuen Treibriemen, Variorollen und etwas Variorollenfett. Man sollte dieses spezielle Fett benutzen, weil die Fettung der Rollen sowieso kritisch ist. Da braucht das beste was gibt. Vermutlich wird auch Castrol LMX gut geeignet sein (grünes Fett), das hab ich aber noch nicht ausprobiert. Dieses Fett ist jedenfalls gut beschaffbar, gibt es in vielen Auto-Zubehörläden.

Was es auch braucht, ist ein spezielles Werkzeug zum Blockieren der Variomatik, um die Zentralmutter lösen zu können. Kann man sich auch mit ein paar Blechen selber bauen.

Zuerst entfernt man den Seitendeckel der Variomatik. Dann muss die Variomatik blockiert werden, so dass man die Zentralmutter lösen kann. Dann lässt sich die Variomatik herausnehmen. Schön darauf achten, keine Teile zu verlieren und genau merken, welche Scheibe, Hülse etc. wohin gehört.

Die Variomatik lässt sich von hinten aufschrauben. Nun kommt man an die Variorollen heran. Diese kann man begutachten, meist sind sie tief eingelaufen, also an verschiedenen Stellen flach geschliffen. Die Gleichflächen sollte man ebenfalls begutachten, ob die nicht schon irgendwo durchgeschliffen sind. Wenn die Chromschicht erstmal durch ist, hält die Variomatik nicht mehr lange. Das gilt auch für die Vario-Gleitfläche des Treibriemens.

Die Variomatik befreit man von altem Fett und säubert alles gut, z.B. mit Waschbenzin. Dann wird gut gefettet und die neuen Variorollen eingelegt. Dann kann die Variomatik wieder zugeschraubt werden - Gummidichtung nicht vergessen und richtig einlegen. Schrauben am besten mit Loctite Schraubensicherung "wiederlösbar" festsetzen.

Beim Einbau der Variomatik zieht man auch gleich einen neuen Treibriemen auf. Wichtig: Die Variomatik muss im Bereich, wo der Treibriemen läuft, absolut fettfrei sein. Ebenso der Treibriemen selber. Also nicht mit fettigen Fingern anfassen und mit Wasch-Benzin oder Kaltreiniger säubern.

Die innere Buchse der Variomatik muss hingegen gut gefettet sein, damit die Scheiben sich gut bewegen können.

Die Zentralmutter muss nun wieder gut angezogen werden, in dem man zuvor die Variomatik blockiert. Drehmoment: 40-44 Nm. Auch hier empfiehlt sich Loctite Schraubensicherung - schon mancher hat während der Fahrt seine Variomatik verloren. In so einem Fall kann dann die Kurbelwelle Schrott sein, hier also sorgfältig arbeiten.

Nach einem Check, ob alles korrekt eingebaut ist, kann man mit noch offenem Variodeckel einen Probelauf machen. Dann schraubt man den Variodeckel wieder auf.

Zeitbedarf ungeübt: ca. 4 Stunden

31.08.2007 :: Tachowelle wechseln

Bei der Sfera scheint die Tachowelle ein echter Schwachpunkt zu sein. Nach ca. 10.000 Km ist die oft schon defekt. Woran liegt das eigentlich? Nach genauer Inspektion ist mir aufgefallen, dass die Plastikummantelung an einem engen Bogen unten am Rad durch die ständige Bewegung aufreißt. Das dann eindringende Wasser ist das Problem: Die Welle fängt an zu rosten und verdickt sich dadurch. Irgendwann klemmt sie dann im Führungsrohr und genau an der Stelle bricht sie dann, weil sie sich ja da dann nicht mehr drehen kann.

Eine gute Idee kann es daher sein, den unteren Bereich, der stark beim Einfedern arbeitet, mit einer zusätzlichen Gummi-Ummantelung zu versehen, die man wasserdicht aufklebt. Der Klebstoff muss natürlich flexibel sein, z.B. ein Kontaktkleber.

Das Wechseln der Tachowelle ist eine mittlere Katastrophe. Das liegt vor allem daran, dass im Bereich ab Kotflügel die Durchführungen sehr eng werden.

Zuerst einmal muss man die Verkleidungen des Lenkers und der Vorderpartie, wo der Scheinwerfer eingebaut ist, demontieren. Auf die Schrauben im Handschuhfach achten, der Scheinwerfer wird zuerst entnommen, dann kann die restliche Verkleidung demontiert werden. Dann muss auch der Kotflügel abgeschraubt werden, entnehmen lässt er sich nicht, dazu müsste man die ganze Gabel ausbauen. Aber zumindest hat man so etwas mehr Bewegungsfreiheit.

Die Tachowelle wird oben am Tacho und unten am Rad abgeschraubt. Ebenso diverse Schellen oder Kabelbinder entfernt, die die Tachowelle halten. Den Weg, wo die Tachowelle langgelegt ist, muss man sich gut merken, am besten schnell mal ein Foto machen.

Die Welle muss nun erstmal herausgefädelt werden. Die schwierigste Stelle ist die Gummiabdichtung an der Kotflügeldurchführung. Am besten mit Öl nachhelfen, sonst rutscht es nicht.

Beim Versuch, die neue Tachowelle durch die Gummidurchführung hindurch zu bekommen, hab ich nach einer Stunde vergeblichen Mühens aufgegeben. Mir erschien das eine Unmöglichkeit. Also hab ich Teile der Gummidurchführung mit einem scharfen Messer weggeschnitten, bis die Welle gut hindurch ging. Später, wenn alles korrekt verbaut ist, wird diese Stelle mit Pattex Montage Kraftkleber Spezial (und nur der funktioniert, weil silanvernetzendes Polymer, alle anderen Pattex Montage Kleber haben gänzlich andere Eigenschaften) abgedichtet. Evtl. funktioniert auch Silikonkautschuk.

Die Tachowelle muss ordentlich verlegt werden und alle vorherigen Befestigungen müssen wieder eingebaut werden (Befestigungslaschen, Kabelbinder usw.). Nachdem man sie ordnungsgemäß verbaut hat, testet man, ob sie sich richtig bewegen kann, in dem man den Lenker zu beiden Endanschlägen bewegt. Die Welle darf in keinem Bereich gequetscht und geknickt werden. Auch sollte sie nicht an scharfen Kanten scheuern. Ggf. mit Gewebeklebeband zusätzlich schützen oder Kabelbinder entsprechend anbringen.

Zum Schluß kann man die Verkleidungen wieder anbringen.

Zeitaufwand ungeübt: mindestens 4 Stunden.

30.08.2007 :: Demontage Kupplung

Zuerst einmal muss die Variomatikabdeckung herunter. Die Kupplung sitzt an der Welle zum Hinterrad. Um die Zentralmutter zu lösen, muss man das Kupplungsgehäuse mit einem geeigneten Werkzeug blockieren. Man muss sich hierfür irgendwas bauen, was in die Löcher der Kupplungsglocke greift und diese hält. Im einfachsten Fall ein stabiles Holzbrett mit zwei M8er Schrauben, die in zwei gegenüberliegende Löcher der Glocke eingreifen. Nach dem Lösen der Mutter lässt sich die Kupplung herausnehmen.

Jetzt muss die Mutter mit 46er Schlüsselweite gelöst werden. Zuvor sollte man mit einer Reißnadel die Position markieren, um sie später wieder in etwa so fest anzuziehen. Die Mutter nur erstmal lösen, nicht ausdrehen!!! Wenn die Mutter gelöst ist, muss die Kupplung im Schraubstock mit 2 M8er Schrauben als Abstandshalter zusammengedrückt werden. Nun kann man die 46 er Mutter herausdrehen, ohne das einem die Kupplung um die Ohren fliegt (Treibriemenfeder). Schraubstock dann ganz vorsichtig öffnen und Kupplung, Feder und Riemenscheibe entnehmen. Rückhaltekrause abziehen. Dann die Führungsstücke (Zapfen) an der Riemenscheibe entnehmen. Dann kann die feste Riemenscheibe von der variablen Riemenscheibe gelöst werden.

Außendurchmesser Grenzwert der Buchse: 40,955 mm. Innendurchmesser Verschleißwert Halbscheibe: 41,035 mm. Feder sollte 121 mm lang sein.

Kugellager können ausgetrieben werden mit geeignetem Rohrstück. Wenn die Kupplungsbeläge runter sind, muss eine neue Kupplungseinheit rein.

Dichtungsringe und O-Ringe evtl. erneuern.

Beim zusammenschrauben die 46er Mutter mit Durchschlag fest treiben, etwa 5mm weiter als Ausbaumarkierung. Sollte mit Loctite Schraubensicherung zusätzlich befestigt werden. Anzugsmoment müssten 55-60Nm sein.

Die Kupplungsglocke wieder einbauen und mit 44Nm Zentralmutter anziehen. Diese zusätzlich mit Loctite Schraubensicherung sichern.

30.08.2007 :: Variomatikabdeckung entfernen

Ich glaub, zuerst muss mal die Verkleidung auf der linken Seite runter. Dann den Belüftungsschlauch der Variomatik vorne abziehen. Der Deckel ist insgesamt mit 11 Schrauben (SW10) rundum angeschraubt. Diese schrittweise über Kreuz lösen. Dann kann der Deckel abgenommen werden.

Beim Zusammenbau kreuzweise anziehen, 11-13 Nm.