Lasuren Langzeittest

Winfried Mueller :: reintechnisch.de :: Start: 26.06.2011 :: Stand: 29.08.2011

Im Juni 2009 begann ich mit einem Langzeit-Test für Außenlasuren. Mich beschäftigten dabei einige Fragen. Zum ersten wollte ich wissen, ob es starke Unterschiede zwischen den Lasuren unterschiedlicher Hersteller gibt. Wenn man herumfragt oder in Foren recherchiert, werden zwar immer wieder Empfehlungen ausgesprochen. Diese widersprechen sich jedoch stark, es scheint sich kein einheitliches Bild herauszubilden. Ist die Einschätzung dann vielleicht doch nur subjektiv und objektiv gibt es nur wenig Unterschiede zwischen den Herstellern?

Die zweite Frage, die mich beschäftigte, war der Unterschied im Verhalten von Dünn- und Dickschichtlasuren.

Die dritte Frage war für mich besonders spannend: Wie schneiden die Produkte der Naturfarbenhersteller gegenüber den konventionellen Herstellern ab? Konventionelle Hersteller greifen auf chemisch stark veränderte Hochleistungs-Materialien zurück, gepaart mit Bioziden, um Schimmelpilzen und Mikroorganismen entgegenzuwirken und lange haltbare Beschichtungen zu kreieren. Haben gegen solche "Hightech-Waffen" Naturfarbenhersteller überhaupt eine Chance, was Haltbarkeit angeht? Muss man vielleicht bei Öko in Kauf nehmen, dass die Anstriche nicht sonderlich lange halten? Oder stimmt es, was manche behaupten, dass Anstriche von Naturfarbenherstellern sogar wesentlich bessere Eigenschaften haben und die ganze moderne Farbenindustrie in Wirklichkeit schlechtere Produkte hat, aber in der Werbung uns das blaue vom Himmel verspricht?

Eine letzte Frage, die mich beschäftigte: Bringen Biozide in Außenlasuren tatsächlich große Verbesserungen? Sie sind ja giftig und belasten die Umwelt. Wenn man auf sie verzichten könnte, wäre das ökologisch sinnvoll.

Spannende Fragen, auf die ich eine Antwort wollte.

Der Teststand

Der Teststand ist frei bewittert mit einem Winkel von 45 Grad. Die einzelnen Testbretter sind aus Kiefer und etwa 90x270 mm groß bei 18mm Dicke. Sie waren gehobelt und wurden mit Korn 120 angschliffen. Der Stand ist nach Süden hin ausgerichtet. Weil Bäume und Häuser die Sonne teilweise behindern, kann man von etwa 4-6 Stunden täglicher direkter Sonnenbestrahlung ausgehen.

Auch der Dachüberstand aus einem senkrechten Zinkblech wurde für Tests benutzt. Hier wurde die jeweilige Lasur dünn aufgebracht. Bei Blech kann man besser beobachten, wie eine Lasur erodiert und abwittert. Hier werden die Quell- und Schwindbewegungen und weitere Einflüsse vom Holz eleminiert.

Die Testkandidaten

Die Lasuren und Öle wurde nach Herstellervorgaben verarbeitet. In den meisten Fällen wurde keine Grundierung vorgenommen, weil von dem Hersteller nicht spezifiziert.

Der Test wurde mit unterschiedlichsten Farben/Lasurtönen gemacht. Das hatte praktische Gründe. Proben von Lasuren musste ich ja möglichst günstig besorgen. Die meisten Lasuren wurden als Sonderposten über Ebay eingekauft, aber auch einige Bekannte halfen mir mit Lasur-Resten aus. Diese Basis ist nicht optimal, einerseits können manche Produkte bereits recht lange gelagert gewesen sein, andererseits kommt es bei Lasuren stark auf den Farbton an. Manche Farbtöne verhalten sich sehr gutmütig und sind langlebig, andere Farbtöne machen Probleme. Trotzdem ließen sich mit weiteren Beobachtungen und Gegenproben zahlreiche Erkenntnisse untermauern.

Die untere Reihe der Testbretter wurde am 26.07.2009 montiert. Die obere Reihe dann am Ende August/Anfang September.

Untere Reihe von links nach rechts

NummerProduktFarbeSystemAufträge
01PNZ ColorölhellblauÖl-Wasser Mittelschicht2
02Osmo LandhausfarberoyalblauÖl-Wachs Decklack2
03Auro Lasur 160dunkelrotÖl-Wasser Dickschicht3
04ConsolancremeweißAlkyd-Wasser Decklack2
05PNZ HolzwachsantikweißÖl-Wachs-Wasser Mittelschicht2
06Natural LasurnussÖl Dünnschicht2
07Osmo EinmallasurnussÖl-Wachs Dickschicht1
08Leinöl + Pigment umbraumbraÖl Dünnschicht2
09Ohne Behandlungkeine--
10Leinöl BiopinkeineÖl-
11Livos Kaldet (grundiert mit Firnis)Öl Dünnschicht1+3
12Osmo HolzdeckfarbeweißÖl-Wachs Decklack3
13Brillux Grund 835, Fensterlack 860weißAlkyd Decklack1+2
14Tungöl KremerkeineÖl2
16Leinos 810/840 DecklackultramarineÖl Decklack1+3

Obere Reihe von links nach rechts

NummerProduktFarbeSystemAufträge
20Sikkens Cetol HLSEiche dunkelAlkyd Dünnschicht3
21Natural TerrassenölDouglasieÖl2
22Clou YachtlackfarblosAlkyd-Urethan Lack5
23Xyladecor Dekor-LasurblauAcryl-Wasser Dickschicht3
24PNZ Holz-LasurgrauÖl-Wasser Dickschicht2
25Sadolin PinotexnussAcryl-Wasser Dünnschicht3
26Sadolin ClassicnussAlkyd Dünnschicht3
27Sadolin SolidPalisanderAlkyd Dickschicht2
28Sadolin ExtraEiche rustikalAlkyd Dickschicht2
29Xyladecor HolzschutzlasurnussAlkyd Dünnschicht3
30Xyladecor FensterlasurMahagoniAlkyd Dickschicht2
31Xyladcor Dickschicht UV-LasurBucheAlkyd Dickschicht2
32Gori 33mahagoniAcryl-Wasser Dünnschicht3
33Gori 44oregon pineAlkyd Dünnschicht3
34Remmers HK-LasurnussAlkyd Dünnschicht3
35Ultranature Holz-LasurnussÖl Dickschicht3
37Steinert DrachenölfarblosÖl2

Verzerrende Einflüsse

Wie schon oben geschrieben, hatten viele Lasuren schon eine längere Lagerzeit hinter sich. Meine Erfahrung ist, dass Alkyd- und Ölsysteme recht unkritisch sind, was längere Lagerzeiten angeht. Bei wasserbasierten Systemen hingegen kann eine Verkeimung einsetzen oder andere chemische Prozesse, die die Qualität mindern. Auro 160 war nicht überlagert, Xyladecor Decor-Lasur war recht wahrscheinlich überlagert, die Sadolin-Produkte waren ok, ebenso PNZ und Consolan. Es gab bei der Verarbeitung bei keinem Produkt Anzeichen von Qualitätsmängeln.

Einen großen Einfluss auf die Haltbarkeit hat die Art der Bewitterung und diese ist je nach Anwendungsfall völlig verschieden. Kann ein Holz z.B. schlecht abtrocknen, bilden sich verstärkt Schimmelpilze. Ein ständig wasserbelastetes Teil leidet sehr schnell, weil auch die Quell- und Schwindbewegungen stark sind. Meine Testbedingungen waren einerseits durch die Vollbewitterung und die Sonne (UV) recht massiv einwirkend, andererseits konnten die Bretter auch recht gut abtrocknen.

Die Farben der Lasuren spielen eine große Rolle. Die unterschiedliche Haltbarkeit kann mitunter darauf zurückzuführen sein. Wobei man durch genaue Beobachtung schon solche Effekte von anderen Effekten trennen kann.

Die einzelnen Test-Bretter verhalten sich natürlich auch sehr unterschiedlich, je nachdem, wie das Holz gewachsen ist und welcher Teil des Stammes es war. Solche Effekte muss man bei der Beurteilung berücksichtigen. Bei Kiefer kann austretendes Harz die Oberflächenschicht zerstören, wodurch dann verstärkt Wasser eindringen kann.

Erste Eindrücke nach 2 Monaten (Oktober 2009)

Nach ein paar feuchten Tagen zeigten sich bereits im Oktober 2009 starke Auffälligkeiten bei einigen Proben. Auch was das Quellverhalten angeht, so verhalten sich die Bretter unterschiedlich. Einige Bretter sind so stark gequollen, dass die 5mm Abstand zum Nachbarbrett aufgebraucht sind und die Bretter so direkt aneinander stoßen. Ein paar Bretter sind auch schon gerissen.

Stark mitgenommen sieht Probe 05 (PNZ Wachs weiß) aus. Überall sieht man dunkle Verfärbungen durch Pilze, die Oberfläche ist stärker aufgequollen und rissig.

Das rohe Holz (09) ist mittlerweile in den weichen Bereichen stark angegraut. Auch gibt es punktförmige dunkle Verfärbungen durch Pilze.

Mit Leinöl (10) und Tungöl (14) behandeltes Öl ist hingegen noch nicht vergraut. Ein paar dunkle Punkte durch Pilze gibt es aber auch hier.

Zwischen der Holzdeckfarbe von Osmo (12) und dem Brillux Fensterlack (13) fällt auf, dass Osmo wesentlich stärker verschmutzt. Die Neigung, Schmutz auf der Oberfläche anzusammeln, ist also bei Osmo stark vorhanden. Beide Hölzer arbeiten aber recht wenig, genauso wie auch bei Osmo Landhausfarbe (02) oder Consolan (04). Das spricht für eine recht dichte Beschichtung.

Der Leinos Decklack 840 (16) hingegen ist recht offenporig, das Holz arbeitet stark. Das Holz ist mittlerweile an mehreren Stellen gerissen.

Remmers HK-Lasur (34) fällt ebenso durch eine sehr offenporige Oberfläche mit kaum Schichtbildung auf. Das Brett arbeitet auch sehr stark, es haben sich zahlreiche Risse gebildet.

Ergebnisse Filmbeständigkeit nach 2 Jahren (06/2011)

Die Filmbeständigkeit habe ich durch eine dünne Schicht auf einem senkrecht angebrachten Zinkblech getestet, welches ebenso frei bewittert wurde (siehe Bild ganz oben, die obere Dachleiste). Neben den Lasuren habe ich hier auch die Haltbarkeit diverser Öle getestet.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass alle Produkte konventioneller Hersteller eine gute Filmbeständigkeit aufweisen. Nach 2 Jahren sind bei allen getesteten Produkten keine Abwitterungserscheinungen zu erkennen. Der Film ist also durchweg gut intakt und meist leicht glänzend auf der Oberfläche, was für wenig Erosion spricht. Auch eine Versprödung oder abblättern ist nicht zu erkennen. Hier braucht es wesentlich längere Zeiträume, um den Zerfall zu beobachten. Auch diverse getestete Klarlacke (Clou, Liberon, Oli) halten sich gut.

Bei nahezu allen Naturfarbenprodukten hingegen sind stärkere Zerfallserscheinungen des Filmes zu beobachten. Am schlechtesten schneiden hier nachvollziehbar die nicht pigmentierten Öle ab. Viele Öle sind bereits nach einem Jahr abgewittert, manche Öle schafften es auch 1,5 Jahre. Auffällig gut haltbar sind die farblosen Öle von Osmo. Das Osmo Hartwachsöl ist zwar oberflächlich erodiert, die Schicht ist aber durchweg intakt. Auch das Osmo Klaröl zeigt nach 2 Jahren kaum Erosionserscheinungen und ist vollständig intakt. Hier muss aber auch erwähnt werden, dass Osmo natürliche Grundstoffe vermutlich stärker modifiziert und damit nicht den Anspruch vieler anderer Naturfarbenhersteller hat.

Erstaunt hat mich Natural: Das Terrassenöl witterte recht schnell ab. Das farblose Öl war nach einem Jahr schon vollständig weg, das Pigmentierte hielt etwa 6 Monate länger. Auch das Natural Finish-Öl schuppte nach etwa einem Jahr ab. Das Natural Möbelöl und Parkettöl hingegen, welche ja für innen gedacht sind, waren wesentlich besser. Eine Vermutung ist, dass die hohen Harz-Anteile vom Terrassenöl und Finishöl die Alterungsbeständigkeit herabsetzen. Diese Theorie hatte ich auch schon im Internet gefunden und auch bei anderen Ölen ist es ähnlich: Auro Pursolid ist ohne Harze und hielt über 1,5 Jahre recht gut, Livos Naturöl-Siegel mit recht viel Harzanteil, fing nach etwa 1 Jahr auch schon an, abzuschuppen. Eine deutlich erhöhte Haltbarkeit hatte der Natural Wetterschutz, der wohl nicht sichtbare kleinste Pigmente enthält. Nach 2 Jahren war er zu 50 % abgeschuppt.

Diese Betrachtung nur am Rande, sie ist wenig praxisrelevant. Öle für den Innenbereich sind der schädigenden UV-Strahlung ja wesentlich weniger ausgesetzt. Ausnahme sind evtl. Fensterbänke oder Fensterrahmen bei Südseite, wo täglich viel Sonne drauf scheint.

Auffällig war noch: Rustins Teaköl wird oft nachgesagt, ein ausgezeichnetes Außenöl zu sein. Der Filmtest zeigt hingegen eher unterdurchschnittliche Ergebnisse. Innerhalb eines Jahres war der gesamte Film abgewittert. Auffallend positiv war hingegen Owatrol, welches nach gleichem Zeitraum noch keinerlei Abwitterung erkennen lässt. Bleibt abzuwarten, wie sich Owatrol weiter verhält.

Bei den pigmentierten ölbasierten Produkten schneidet Osmo auch wieder sehr gut ab, sowohl die Landhausfarbe, wie auch die Lasur. Osmo ist kein Naturfarbenhersteller, versucht aber trotzdem, so weit es geht, ökologisch sinnvoll zu produzieren. Als Basis werden hier auch Pflanzen-Öle eingesetzt, wie bei den Naturfarbenherstellern. Biozide enthalten beide Produkte nicht. Nach 2 Jahren Bewitterung sehen die Schichten völlig intakt aus.

Tungöl wird gegenüber Leinöl eine wesentlich höhere Standzeit im Außenbereich nachgesagt. Ganz ähnlich soll es mit Leinöl-Standöl sein. Ich konnte hier aber keine eindeutigen Ergebnisse ermitteln. Tungöl war nach 1,5 Jahren zu 20% abgeschuppt, wohingegen Leinöl-Firnis einheitlich erodierte. Nach 2 Jahren waren beide abgetragen. Das Standöl neigte auch eher zum abschuppen und war nach 2 Jahren zu 90% abgetragen. Es war aber auch wegen der Konsistenz dicker in der Schicht.

Der Decklack 840 von Leinos ist ein Sonderfall. In der Farbe Ultramarine ist er sehr anfällig und wittert stärker ab. Eine zweite Probe in braun ist da schon wesentlich besser. Und trotzdem erkennt man an der matten Oberfläche deutliche Erosionserscheinungen.

Ähnlich ist es mit Auro 160 - eine Probe in Ultramarine wittert deutlich stärker ab, als die Probe in dunkelrot. Die dunkelrote ist nach 2 Jahren noch fast durchweg in Ordnung, zeigt aber auch eine matte Oberfläche. Die blaue Oberfläche ist schon zu etwa 30% abgeschuppt.

Livos Kaldet war noch gut intakt, aber die Oberfläche ist deutlich erodiert. Ganz ähnlich, wie die Natural Lasur.

Gut gehalten hat sich die wasserbasierte PNZ-Lasur in altgrau. Die Schicht ist vollständig intakt. Auch hier ist zu vermuten, dass PNZ Produkte zwar auf natürlichen Ölen basieren, diese aber stärker modifiziert sind.

Ergebnisse Proben nach 2 Jahren (06/2011)

Zu jeder Probe gibt es ein Bild, links im Neuzustand im Juni 2009, rechts nach 2 Jahren im Juni 2011.

Probe 01: PNZ-Coloröl

Das Coloröl verhält sich wie eine deckende Farbe. Es ist auf Basis Öl-Wachs in Wasser emulgiert, biozidfrei. Auffällig war, dass die Oberfläche schon nach wenigen Wochen recht rissig wurde. Ich führe das darauf zurück, dass das Coloröl kaum ins Holz eindringt, also nur oberflächlich das Holz bedeckt. Gleichzeitig dringt wohl auch Wasser durch die Schicht. Interessant ist, dass es zwar nach einigen Monaten schon recht mitgenommen aussah, dieser Zustand sich dann aber nicht weiter verschlechterte. Der Endzustand ist noch recht akzeptabel und nicht renovierungsbedürftig.

Probe 02: Osmo Landhausfarbe

Osmo Landhausfarbe (Öl-Wachs-Lösemittel, biozidfrei) hat sich bemerkenswert gut geschlagen. Die Oberfläche sieht fast wie am ersten Tag aus. Kaum Schmutzablagerungen, keine schwarzen Pilzverfärbungen, nur ein sehr kleiner Riss unten links. Die Beschichtung hält Wasser recht gut vom Holz weg, was an geringem Quellverhalten zu beobachten war. Die Beschichtung ist vollkommen intakt.

Probe 03: Auro Lasur 160

Auro Lasur 160 ist eine Öl-Wasser Emulsion, biozidfrei. Sie hat sich recht gut gehalten. Die Oberfläche ist noch gut intakt. Ein paar kleine schwarze Punkte zeigen etwas Pilzbefall. Das Holz ist unter der Lasur deutlich vergraut.

Probe 04: Consolan

Consolan ist eine Wetterschutzfarbe (deckend) auf Alkyd in Wasser emulgiert. Sie ist biozidhaltig. Die Ergebnisse sind erstklassig, es gibt keinerlei Beanstandungen. Verfärbende Pilze sind keine zu finden. Der kleine hellbraune Fleck unten mittig entstand durch ein Stück rostendes Metall, was einige Tage darauf lag. Die Anschmutzung der Oberfläche ist gering. Das Quellverhalten des Holzes ist auch gering.

Probe 05: PNZ-Holzwachs

PNZ-Holzwachs ist auf Öl-Wachs-Wasser Basis, biozidfrei. Es verhält sich ähnlich, wie das Coloröl, dringt also nur wenig in die Oberfläche ein und bleibt recht durchlässig. Dadurch war auch hier nach wenigen Wochen eine rissige Oberfläche zu beobachten und unter der Lasur vergraute das Holz recht schnell. Das machte bei der weißen Lasur schon nach kurzer Zeit eine sehr unschön aussehende Oberfläche. Interessanterweise veränderte sich dieser Zustand dann aber nicht mehr wesentlich. Ein Abblättern ist nicht zu beobachten.

Probe 06: Natural Lasur

Natural Lasur ist auf Ölbasis mit Lösemittel verdünnt, biozidfrei. Sie ist recht dünnflüssig und hinterlässt so gut wie keine Film auf der Oberfläche. Das Holz bleibt damit recht offenporig, Wasser kann recht gut eindringen, aber genauso gut wieder ausdünsten. Streicht man über die Oberfläche, ist direkt das Holz spürbar. Die Färbung ist noch gut erhalten. Es gibt lediglich ein paar kleine Frasspuren von Wespen. Unterhalb der unteren Schraube wurde zusätzlich Natural Wetterschutz aufgetragen, was zu einer deutlichen Schichtbildung führt. Etwa 1,5 Jahre sah dieser Bereich sehr gut aus, es war eine dünne glänzende Schicht auf dem Holz. Mittlerweile blättert diese Schicht allerdings partiell ab, ein Renovierung wäre nötig. Hier zeigt sich, dass mehr nicht unbedingt besser ist. Zusätzlichen Wetterschutz würde ich nach dieser Erfahrung nicht für Fassaden oder Zäune verwenden, jedoch an allen Bauteilen, die keine starken Quellbewegungen machen sollen.

Die dunklere Färbung im rechten Bereich ist noch eine feuchte Stelle - kurz vor dem Foto hatte es geregnet.

Probe 07: Osmo Einmallasur

Osmo Einmallasur ist ein lösemittelhaltiges Öl-Wachs-Gemisch, biozidfrei. Ich war skeptisch, ob ein Auftrag tatsächlich ausreicht, hab es für diesen Test aber absichtlich dabei belassen. Die Lasur ist im Grunde deckend, durch den einmaligen Auftrag gab es aber Bereiche, wo die Schichtdicke so dünn war, dass das hellere Holz noch durchschimmerte. Nach 2 Jahren ist das Holz nachgedunkelt, die Oberfläche erstaunlich gut und makellos. Sie ist etwas matter, was auf etwas Erosion hindeutet. Ein paar wenige Harzdurchschläge sieht man. Ein klein wenig verfärbender Pilzbefall ist zu erkennen, fällt durch die dunkle Farbe aber kaum auf. Ein kleiner Riss unten rechts ist im Holz entstanden.

Der leichte Schatten im unteren Bereich ist noch etwas Restfeuchtigkeit vom Regen.

Probe 08: Leinölfirnis + Pigment umbra gebrannt

Hier habe ich Leinölfirnis (Biopin) mit dem Pigment umbra gebrannt (Kremer-Pigmente) gemischt. Das Verhalten und der Zustand ist ganz ähnlich, wie die Natural-Lasur: Eine offenporige Oberfläche, die Wasser aufnimmt und wieder abgibt. Das Holz ist inzwischen deutlich gedunkelt. Die Färbung der Oberfläche ist gut intakt. Ein paar minimale Frasspuren durch Wespen gibt es auch hier.

Hier zeigt sich, dass diese recht preiswerte ökologische Variante durchaus gute Ergebnisse liefert. Nicht geeignet ist diese Variante für maßhaltige Holzkonstruktionen, die also möglichst wenig quellen und schwinden sollen.

Probe 09: Rohes Holz

Für Vergleichszwecke wurde eine Holzprobe roh belassen. Das Holz vergraute nach ein paar Monaten, wird aber regelmäßig im Frühling/Sommer massiv durch Wespen abgefressen. Das führt zu einem nicht zu vernachlässigenden Verlust an Holzsubstanz.

Probe 10: Leinöl Firnis

Das Leinöl Firnis (Biopin) schützte das Holz in den ersten Monaten vor Vergrauung. Während das rohe Holz schon grau war, hatte diese Probe noch ihre Ursprungs-Holzfarbe. Doch die Vergrauung wird nicht wirklich lange aufgehalten. Bei feuchtem Wetter dauert es hier auch nur ein paar Wochen länger, und das Holz ist auch hier grau. Wespen machen sich genauso dran zu schaffen, wie an rohem Holz. Einzinger Unterschied ist die Rückseite, die ja kein Wasser abbekommt. Diese ist beim rohen Holz ebenfalls grau, bei dem geölten Holz aber noch in der Ursprungs-Holzfarbe.

Probe 11: Livos Kaldet Lasur

Die Livos Kaldet Lasur basiert auf Öl und Lösemittel, biozidfrei. Hier wurde zuerst mit Leinölfirnis grundiert. Die Lasur hinterlässt eine sehr dünne Oberflächenschicht, die etwas das Wasser abhält. Das Holz ist inzwischen deutlich nachgedunkelt, die Schicht etwa aberodiert, aber trotzdem noch gut in Ordnung. Es gibt ein paar punktförmige schwarze Verfärbungen durch Schimmelpilze. Im Bereich des Astes ist die Lasur wegerodiert.

Probe 12: Osmo Holzdeckfarbe weiß

Die Osmo Holzdeckfarbe basiert auf Öl-Wachs-Lösemittel ohne Biozid. Auffällig war die starke Verschmutzung der Oberfläche nach recht kurzer Zeit. Dieser Schmutz ist oberflächlich und lässt sich wegwischen, wurde aber absichtlich nie gereinigt. Die Schicht selber ist gut intakt.

Probe 13: Brillux Fensterlack

Ein klassischer Fensterlack auf Alkydharzbasis mit entsprechender Grundierung, biozidfrei. Hier zeigte sich gegenüber Osmo vor allem, dass die Oberfläche nicht zur Verschmutzung neigt. Die Lackoberfläche ist sehr gut erhalten, lediglich im oberen Bereich hat das Holz einen kleinen Riss bekommen.

Probe 14: Tungöl

Diese Probe ist mit reinem Tungöl behandelt. Es verhielt sich in Sachen Vergrauung ganz ähnlich, wie die Probe mit Leinöl-Firnis. Auch sonst gibt es kaum Unterschiede. Wespen wollte in diesem Frühling erstmal nicht dran und bedienten sich zuerst an den Proben mit rohem Holz und der mit Leinöl-Firnis. Doch eine Woche später, war dann auch diese Probe dran und wurde gut oberflächlich abgekaut. Auf der Unterseite gleiches Resultat, wie bei Leinöl: Diese ist noch vollständig in der Holz-Ursprungsfarbe.

Probe 16: Leinos Decklack

Hierbei handelt es sich um einen lösemittelbasierten Öllack. Dieser hat ziemlich versagt. Die Schicht ist stark aberodiert und vollständig durchzogen von Mikrorissen. Sie wirkt völlig ausgewaschen und ist matt. Etwas kann man die schlechten Eigenschaften dem Ultramarine-Pigment zuschreiben. Gleicher Lack in braun schlägt sich wesentlich besser, erodiert aber auch merklich.

Die Verarbeitung des Lackes ist nicht sonderlich gut, so entstehen z.B. stärkere Pinselstriche, die nicht verlaufen.

Probe 20: Sikkens Cetol HLS Dünnschichtlasur

Sikkens Cetol HLS ist eine Dünnschichtlasur, die eine deutliche, leicht glänzende Schicht auf der Oberfläche hinterlässt, insofern man, wie empfohlen, 3x behandelt. Dies wurde hier im Test auch gemacht. Sie ist recht dünnflüssig und zieht somit recht gut ins Holz ein, was für einen guten Verbund zwischen Holz und Lasur sorgt.

Die Lasur hat sich recht gut bewährt. Die Schicht ist nahezu vollständig intakt. Links unten sieht man leichte Harzausblühungen der Kiefer. Unter der Lasur ist das Holz vergraut, teilweise recht stark.

Die Lasur ist biozidhaltig.

Probe 21: Natural Terrassenöl Lärche

Natural Terrassenöl in Lärche pigmentiert. Hier wurde der Versuch bereits nach einem Jahr im Juni 2010 abgebrochen, daher stammt auch das rechte Bild nach einem Jahr Bewitterung. Anfangs sah noch alles sehr gut aus. Das Öl ist recht harzreich und bildet eine Schicht auf dem Holz. Diese war in den ersten Monaten auch gut intakt und hielt Wasser davon ab, ins Holz einzudringen. Als dann aber der Herbst und Winter kam, bei dem das Holz relativ lange immer wieder der Feuchtigkeit ausgesetzt war, vergraute die Oberfläche stark und es entstanden auch viele schwarze Punkte (Bläuepilz). Zudem war nach dem einen Jahr etwa 2/3 der Schicht wegerodiert. Daraufhin machte ich ein neues Testholz fertig, um die Ergebnisse ein zweites mal zu verifizieren. Dieses ist jetzt auch etwa 1 Jahr bewittert.

Die Oberfläche wirkt matt, es sind aber bisher nur wenige Stellen völlig wegerodiert. Insgesamt wirkt es wesentlich besser, trotzdem ist auch hier jetzt eine Nachpflege dringend nötig.

Hier zeigt sich, dass eine jährliche Nachpflege unbedingt nötig ist. Und eine Vergrauung kann das pigmentierte Öl auch nicht aufhalten, maximal etwas verzögern.

Probe 22: Clou Yachtlack

Hier zeigt sich schön: Der Lack an sich hat eine sehr gut beständige Oberfläche. Er glänzt noch gut und ist überwiegend intakt. Das Holz darunter wird sehr gut vor Feuchtigkeit geschützt, es vergraut auch nicht. Für Kiefer typisch ist die Kontrastverstärkung von Früh- und Spätholz durch UV-Licht-Einwirkung.

Jetzt aber kommt die unschöne Seite: Sobald irgendwo die Lackschicht defekt ist, zieht Wasser ins Holz unter den Lack. Diese Stellen verfärben sich dunkelgrau. Hier sind es 4 Fehlstellen, links übereinander 3 Stück und rechts unten ein recht langer Bereich, der an einer scharfen Kante entstand. Solche Kanten sind besonders gefährdet im Außenbereich, weil hier der Lack dünn wird. Die anderen Fehlstellen können z.B. durch herabfallende Steine, durch Vögel oder andere Tiere entstanden sein. Man kann Holz im Außenbereich nie so schützen, dass keinerlei mechanische Defekte in der Oberflächenschicht entstehen.

Werden Fehlstellen schnell beseitigt, kann die Verfärbung verhindert werden. Hierzu müsste man aber regelmäßig inspizieren.

Positiv ist: Der Clou Yachtlack hat eine wirklich gute Beständigkeit im Außenbereich. Er blättert nicht ab, wurde nicht rissig oder porös und auch die Oberfläche wurde nicht aberodiert, wurde also nicht matt.

Probe 23: Xyladecor Dekor-Lasur

Diese biozidfreie wasserbasierte Kunstharzlasur machte zunächst einen sehr guten Eindruck. Nach einem Jahr war die Oberfläche noch vollkommen intakt und makellos. Doch jetzt nach 2 Jahren sieht die Schicht sehr mitgenommen aus und ist an vielen Stellen aufgerissen. Hier ein Detailfoto, was dies besser verdeutlicht:

Es gibt viele Stellen, wo durch Risse Feuchtigkeit ins Holz gekommen ist und wo sich auch schwarze Pilze anlagern. Die Quellbewegungen des Holzes scheinen die Oberfläche weiter zu zerstören.

Probe 24: PNZ Holz-Lasur

Die PNZ-Holzlasur besteht aus natürlichen Ölen, die in Wasser emulgiert sind. Der hier verwendete Farbton grau ist deckend, streng genommen ist es also eher eine Farbe und keine Lasur.

Das Produkt hat sich gut gehalten, die Oberfläche ist komplett intakt. Sie neigt lediglich durch ihre matte Oberfläche dazu, das sich Schmutz und grüne moosartige Organismen ansammeln. Das ist jedoch nur oberflächlich und kann entfernt werden.

Probe 25: Sadolin Pinotex

Sadolin Pinotex ist eine biozidfreie wasserbasierte Lasur. Sie machte innerhalb des ersten Jahres einen sehr guten Eindruck. Der Film war vollständig intakt. Jetzt nach 2 Jahren sieht die Oberfläche recht mitgenommen aus. Es gibt zwar weiterhin Bereiche, wo der Film vollständig intakt ist, aber auch zahlreiche Bereiche, wo der Film aufriss, Wasser eindrang und schwarze Verfärbungen entstanden. Neben rissartigen Oberflächendefekten gibt es auch zahlreiche punktförmige defekte, was durch austretende Harze entstanden sein könnte. Hier nochmal eine Detailaufnahme:

Bereiche, wo Risse in der Oberfläche entstanden sind, quellen bei Regen recht stark auf. Das könnte ein Indiz sein, dass die Lasur nur unmittelbar auf der Oberfläche liegt und nicht tiefer einedrungen ist.

Probe 26: Sadolin Classic

Sadolin Classic ist eine biozidhaltige, lösmittelbasierte Dünnschichtlasur. Der Film wirkt durchweg noch intakt. Unter dem Film gibt es besonders im linken unteren Bereich dunkle Verfärbungen.

Probe 27: Sadolin Solid

Sadolin Solid ist eine biozidhaltige Dickschicht-Alkydharz Lasur. Das Holz ist an zahlreichen Stellen rissig geworden und Wasser dringt ein. Schwarze Verfärbungen entstehen an diesen Stellen. Auf dem Bild ist das durch die dunkle Farbe der Lasur nicht so gut sichtbar. Die dunkle Farbe könnte aber auch dafür verantwortlich sein, dass das Holz stärker gearbeitet hat und dadurch auch Risse entstanden. Denn bei Sonne wird es besonders heiß. Auch gibt es zahlreiche kleine rissförmige und auch punktförmige Defekte. Ansonsten wirkt die Oberfläche aber noch recht intakt.

Probe 28: Sadolin Extra

Auch hier handelt es sich um eine biozidhaltige Dickschicht-Alkydharz Lasur. Einerseits ist der Film noch gut intakt, andererseits ist er auf der linken Seite stark von verfärbenden Pilzen befallen. Meist handelt es sich dabei um punktförmige Verletzungen der Oberflächenschicht, was auf Harzaustritt zurückzuführen sein könnte. Auch gibt es ein paar rissförmige Verletzungen des Films. An einigen wenigen Stellen blättert die Lasur bereits ab. Unter der Lasur hat sich an einigen Stellen das Holz grau verfärbt.

Probe 29: Xyladecor Holzschutzlasur

Xyladecor Holzschutzlasur ist eine biozidhaltige, lösemittelbasierte Dünnschicht-Alkydharz Lasur. Auffällig an dieser Lasur ist, dass sie sehr dünn eingestellt ist, recht gut ins Holz einzieht und kaum eine Oberflächenschicht hinterließ. Die Oberfläche blieb recht matt. Im Gegensatz z.B. zu Sikkens Cetol HLS oder Sadolin Classic, die eher eine dünne glänzende Schicht bildeten, die man deutlich auf dem Holz erkennt.

Das Holz ist nach 2 Jahren jetzt deutlich grau unter der Lasur geworden, jedoch ziemlich gleichmäßig. Es gibt keine auffälligen Verfärbungen, die Oberfläche wirkt also sehr gleichmäßig. Das deutet darauf hin, dass die Oberfläche recht offenporig bleibt.

Die Lasur wirkt mittlerweile recht ausgewaschen und an einigen Stellen blättert sie ab oder ist wegerodiert.

Probe 30: Xyladecor Tür- und Fensterlasur

Xyladecor Fensterlasur ist eine biozidfreie, lösmittelhaltige Dickschichtlasur auf Alkydharz-Basis. An diesem Beispiel sieht man schön, wie stark die Farbwirkung von der Holzfarbe abhängt. Das frische gelbe Holz sorgt für ein kräftig-strahlendes Rot. Mittlerweile ist das Holz unter der Lasur aber deutlich vergraut, so dass eine ganz andere Farbwirkung entsteht. An einigen Stellen ist das Holz unter dem Film deutlich stärker vergraut, wodurch ein ungleichmäßiges Bild entsteht. Besonders rechts oben ist starker schwarz-verfärbender Pilzbefall zu sehen. An ein paar ganz wenigen Stellen ist die Lasur abgeblättert. Im Regen erkennt man gut, dass viele lange Risse im Film sind. Diese sind auch durch eindringende Pilze schwarz verfärbt. Unten rechts gibt es auch etwas grünlichen Belag.

Diese Lasur wird übrigens vom Hersteller mit "Bis zu 5 Jahre Wetterschutz" beworben. Und auch mit "UV-Schutz, damit die Farbbrillanz lang erhalten bleibt."

Probe 31: Xyladecor Dickschicht UV-Lasur

Diese Lasur ist nach 2 Jahren arg mitgenommen. Entlastend muss beachtet werden, dass es sich um eine wenig pigmentierte Lasur im Farbton Buche handelt. Sie wird aber als "extrem UV-beständig - auch helle Farbtöne auf der Wetterseite" beworben. Genau das wollte ich mal wissen, ob das gelingt, deshalb auch die helle Farbauswahl. Auch wird sie mit "Bis zu 7 Jahre Wetterschutz" beworben. Das Fazit ist ernüchternd: Die Oberfläche ist großflächig punktartig zerstört, wo schwarze Pilzverfärbungen entstehen. An vielen Stellen ist der Film unterwandert und hat sich grau oder dunkelgrau verfärbt. Es gibt einige wenige Stellen, die noch gut intakt sind und wo die ursprüngliche Holzfarbe erhalten geblieben ist. Hierdurch ergibt sich aber auch ein sehr ungleichmäßiges Oberflächenbild.

Bei der Lasur handelt es sich um eine dickschichtige, biozidhaltige, lösemittelbasierte Alkyd-Lasur.

Probe 32: Gori 33

Gori 33 ist eine dünnschichtige wasserbasierte Acryllasur ohne Biozide. Diese Lasur zieht recht gut ins Holz ein und bildet kaum einen Film auf dem Holz. Es ensteht also kein glänzender Film, sondern eher eine matte Oberfläche.

Die Oberfläche wirkt immer noch sehr gleichmäßig, wenn auch deutlich vergraut. Die Vergrauung ist aber einheitlich über die ganze Fläche, was eine gewisse Offenporigkeit vermuten lässt. Bei Regen erkennt man dies auch deutlich. Die Beschichtung ist vollständig intakt, es ist nichts abgeblättert oder soweit aberodiert, dass Holz sichtbar wäre. Ein paar Risse im Holz haben zu ein dunkleren Verfärbung geführt, die aber bei der dunklen Grundfarbe kaum auffallen.

Probe 33: Gori 44+

Gori 44 ist eine dünnschichtige, lösemittelbasierte, biozidhaltige Alkydlasur. Hier wollte ich auch mal wieder einen hellen Farbton ausprobieren. Anfangs sah alles sehr vielversprechend aus. Nach einem Jahr war die Holzfarbe noch schön erhalten. Doch dann baute sie relativ schnell ab und die Oberfläche vergraute immer mehr. Nach 2 Jahren blätterte sie dann auch noch an zahlreichen Stellen ab. Die rechte Seite erscheint im Bild dunkler, weil sie hier durch vorherigen Regen noch feucht ist. Hierdurch zeigt sich auch der starke farbliche Unterschied zwischen trockenem und nassen Holz. Die Oberfläche ist auch durchweg rissig, wodurch überall Wasser direkt ins Holz eindringt.

Beworben wird diese Lasur mit "Micro-Moleküle auf Alkydharzbasis dringen tief ins Holz ein und sorgen für bessere Wirksamkeit und längere Haltbarkeit." Dies war jetzt nicht beobachtbar, wobei man auch hier sagen muss, dass es sich um einen sehr hellen, wenig pigmentierten Farbton handelt. Es ist eigentlich illusorisch zu glauben, dass man mit so einer Dünnschichtlasur das Holz längere Zeit vor Vergrauung schützen kann. Das abblättern zu diesem Zeitpunkt überrascht jedoch etwas. Hier schneidet die Gori 33 deutlich besser ab. Oder liegt das lediglich am anderen Farbton oder sonstigen Effekten?

Probe 34: Remmers Aidol HK-Lasur

Hierbei handelt es sich um eine dünnschichtige, lösemittelbasierte, biozidhaltige Alkydharz-Lasur. Auffallend war bei Applikation, dass die Lasur gut ins Holz einzieht und keine sichtbare Schichtbildung entstand. Es zeigte sich auch recht schnell bei Bewitterung, dass diese Lasur sehr offenporig ist, Wasser also gut eindringen, aber auch wieder gut abtrocknen kann. Dies sorgte mit der Zeit für eine gleichmäßige Vergrauung, weshalb das Holz nun etwas dunkler wirkt. Das rechte Bild täuscht etwas, weil es noch etwas feucht vom letzten Regen war. Es fiel auch auf, dass das Holz recht stark arbeitete - auch ein Indiz für die sehr offenporige Oberfläche.

Die Oberfläche ist vollkommen intakt. Sie wirkt fast wie eine ölbasierte Lasur, z.B. wie Probe 06 Natural Lasur. Das Holz ist durch die Offenporigkeit von Rissen durchzogen.

Probe 35: Ultranature Lasur

Die Ultranature ist eine ölbasierte, lösemittelhaltige, biozidfreie Lasur. Für eine ölbasierte Lasur etwas ungewöhnlich war die stärkere Schichtbildung - ganz anders als z.b. die Lasur von Natural, die keine erkennbare Schicht hinterlässt. Die Lasur ist auch recht deckend und versteckt das Holz fast vollständig.

Man sieht auch hier deutlich die Vergrauung des Holzes unter der Lasur, was zu einem anderen Farbeindruck führt. Die Oberfläche ist in einem guten, vollständig intakten Zustand. Dunkel verfärbende Pilze findet man fast nicht. Unten rechts ist Harz an einem Ast stärker ausgetreten, was sich aber nicht sonderlich nachteilig auswirkte. Ein auffällig langer Riss geht links von oben nach unten durchs Holz, am Riss findet man aber keine Auffälligkeiten.

Probe 37: Steinert Drachenöl

Das Steinert Drachenöl basiert auf natürliche Harzen und Ölen, nicht pigmentiert. Es ist ein recht schichtbildendes Öl, was für Kettensägen-Skulpturen entwickelt wurde. Es wurde abweichend von den anderen Proben erst im Juni 2010 bewittert, die Testzeit betrug also nur 1 Jahr.

Auf der einen Seite zeigt sich, dass unpigmentierte Öle keine Vergrauung aufhalten können. Weil das Öl aber eine relativ dichte Schicht auf der Oberfläche bildet, entstand nach ca. 6 Monaten ein sehr ungleichmäßiges Oberflächenbild: Immer mehr Stellen, bei denen die Oberflächenschicht durchdrungen ist und die grau werden. Der Rest hingegen noch voll in Holzfarbe.

Die unbewitterte Rückseite ist noch vollständig intakt und in Holzfarbe.

Bemerkenswerte Produkte

Einige Produkte sind mir positiv aufgefallen oder haben mich überrascht. Diese möchte ich hier nochmal zusammenfassen.

Osmo ist mir in vielerlei Hinsicht positiv aufgefallen. Von der Osmo Einmallasur, die ich auch wirklich nur einmal gestrichen habe, hätte ich diese positiven Eigenschaften nicht erwartet. Das war insofern erstaunlich, weil diese Lasur bei Stiftung Warentest nur mit befriedigend abgeschnitten hat. Ich habe diese Lasur auch bei einem Gartenzaun eingesetzt und sie bewährt sich gut. Hervorzuheben ist, dass dies trotz Verzicht auf Biozide gut funktioniert, zumindest bei den hier eingesetzten dunklen Farbtönen (Nuss und Ebenholz/schwarz hatte ich getestet).

Die Osmo Landhausfarbe - ebenfalls ohne Biozide - hat sich auch erstaunlich gut bewährt.

Die farblosen Öle von Osmo sind äußerst filmstabil, was der Filmtest auf einem Blech zeigte. Das macht das Osmo Hartwachsöl zu einem Kandidaten für die Innenflächen von Fensterrahmen. Dort hat man ja auch im Innenbereich mit erhöhter UV-Belastung zu rechnen. Wegen der guten UV-Stabilität kann ich mir auch einen Außeneinsatz vorstellen, z.B. bei Gartenmöbeln - falls man mal kein Außenöl griffbereit hat.

Beim Filmtest hat mich auch das Owatrol Öl überrascht. Habe ich diesem Produkt bisher keine sonderliche Bedeutung beigemessen und es für ein gewöhnliches Halböl gehalten. Der Film ist aber wesentlich beständiger, als man das von nicht modifizierten natürlichen Ölen kennt.

Die wasserbasierte PNZ Holzlasur ist zwar etwas schmutzanfällig, hat mich aber durch ihre gute Haltbarkeit ebenso überrascht. Auch der Filmtest hat hier erstklassige Ergebnisse gezeigt. Ähnlich erging es mir mit der recht schichtbildenden ölbasierten Ultranature Lasur, die erstklassig abschnitt.

Die Sikkens Cetol HLS hat sich als Dünnschichtlasur mit deutlich versiegelnder Schichtbildung gut bewährt. Bei den offenporigen Dünnschichtlasuren ist die Remmers Aidol HK-Lasur am offensten und hat sich bestens bewährt. Xyladecor Lasur hat sich hier auch gut bewährt, was ich wegen negativer Kritik in manchen Foren nicht erwartet habe. Erstaunlich fand ich auch die Ergebnisse der Gori 33, weil es sich hier um eine wasserbasierte und biozidfreie Lasur handelt, die zudem für Kinderspielzeug und Innenräume freigegeben ist. Auch die Verarbeitung ist durch ihre thixotrope Einstellung erstklassig. Sie punktet damit vielseits und macht sie zu einem interessanten Produkt.

Bei offenporigen ökologischen Oberflächen auf Ölbasis ist die Natural-Lasur ein gutes Produkt. Sie zieht vorzüglich ins Holz ein und färbt gut ein.

Erstaunt hat mich, dass auch ein pigmentiertes Leinölfirnis sehr gut funktioniert und damit ein ökologischer Preistipp ist.

Bei diesen nicht schichtbildenden Ölvarianten muss allerdings beachtet werden, dass Wespen eine Gefahr darstellen können. Diese knabbern gerne an offenen Holzoberflächen herum, im Test gab es aber nur einige wenige Frasspuren.

Die Auro 160 hat als wasserbasiertes Ölprodukt mit konsequenter ökologischer Ausrichtung recht gut abgeschnitten, trotz dem Verzicht auf Biozide. Sie ist mehr schichtbildend, hier gibt es z.B. keine Probleme mit Frasspuren.

Nicht ökologisch, aber gute Ergebnisse brachte bei diesem Test auch die Consolan Wetterschutzfarbe. Gegenüber der Osmo Landhausfarbe kann man hier allerdings irgendwann Probleme mit abblätternden Schichten bekommen, was die Renovierung schwierig macht. Wenn so beschichtete Flächen aber regelmäßig nachgepflegt werden, sollte auch Consolan langfristig gut funktionieren.

Wenn es um Klarlack im Außenbereich geht, so hat Clou Yachtlack erstklassig abgeschnitten. Auch der Filmtest zeigte beste Ergebnisse. Mit Klarlack behandelte Flächen im Außenbereich müssen aber gut gewartet werden, weil durch kleinste Fehlstellen schnell Wasser eindringt und dann mit starken Verfärbungen zu rechnen ist.

Abschließende Bewertung

Beim Test der Filmbeständigkeit auf einer Metallplatte fiel klar auf: Produkte auf Basis natürlicher Öle, Harze und Wachse erodieren relativ schnell ab. Unpigmentierte Produkte waren oft schon nach 1 Jahr aberodiert, pigmentierte Produkte hatten schon deutlich an Schichtdicke verloren und einige waren nach 2 Jahren auch schon aberodiert.

Hier gibt es in der Tat große Fortschritte bei den modernen Beschichtungen sowohl auf Acryl- wie auf Alkydharzbasis (teilweise auch Alkyd-Urethan z.B. Clou Yachtlack). Diese zeigten durchweg nach 2 Jahren keinerlei Erosionserscheinungen, auch nicht die unpigmentierten Klarlacke.

Aus der Reihe fallen Produkte zweier Hersteller (Osmo und PNZ), die sich auch recht naturnah einstufen und auf Basis natürlicher Rohstoffe produzieren, die aber vermutlich diese Grundstoffe stärker modifizieren. So kann man aus natürlichen Ölen z.B. Alkydharze herstellen. Dies könnte erklären, warum trotz natürlicher Grundstoffe die Haltbarkeit der Schicht wesentlich besser war.

Der Test zeigte allerdings deutlich, dass gute Filmbeständigkeit noch lange keine gute Holzbeschichtung ausmacht.

Diverse Dickschichtlasuren zeigten klar, dass die Idee nicht aufgeht, Holz möglichst dick und dicht zu beschichten. Holz widersetzt sich stark diesen Versuchen der Oberflächenabdichtung. Durch Quell-Schwindbewegungen reißen solche Beschichtungen auf, Wasser dringt ein, Pilze siedeln sich an und verfärben Fehlstellen. Dampfdruck und austretende Harze zerstören die Oberfläche, auch hier dringt wieder Wasser ein und Verfärbungen treten auf. Fehlstellen können durch mechanische Belastungen entstehen (Tiere, Steine etc.). Schichten können von Wasser unterwandert werden und lösen sich ab. Holz vergraut auch unter den Schichten, weil Wasser eindringt.

Hier zeigte sich auch, dass die Dickschichtprodukte diverser Hersteller sich nicht sonderlich unterschieden. Die Hauptproblematik bleibt, dass eine Abdichtung einer Holzoberfläche nur schwer dauerhaft gelingt.

Hier muss allerdings auch erwähnt werden, dass die meisten Dickschichtlasuren nicht grundiert wurden, weil es der Hersteller nicht in seinen Merkblättern erwähnt hatte. Es handelte sich vor allem um Heimwerkerprodukte, die auf Einfachheit in der Verarbeitung optimiert sind. Bei Profi-Produkten wird in der Regel immer mit einer dünnflüssigen Grundierung behandelt, womit die Ergebnisse deutlich besser ausfallen dürften.

Die Grundaussage bleibt: Will man Holz dicht versiegeln, so ist diese Versiegelung relativ pflegeintensiv. Defekte in der Schicht müssen recht bald beseitigt werden, ansonsten entstehen schnell größere Probleme.

Wegen der Vergrauung des Holzes hat sich auch gezeigt, dass helle und wenig pigmentierte Lasuren besonders problematisch sind. In Verbindung mit Dickschichtlasuren können schnell stark fleckige Oberflächen entstehen. Da gibt es dann Bereiche, die noch sehr gut geschützt sind, andere, die schon vollständig unterwandert und vergraut sind oder wo Pilze schwarzgrau verfärben.

Dunkle Lasuren hingegen verdecken die dunklen Verfärbungen durch Pilze (Nuss, Palisander).

Bemerkenswert, dass die Proben, die weiß deckend gestrichen wurden, sehr gut abschnitten (Brillux, Osmo, Consolan). Weiß hat den Vorteil, dass das Holz sich weniger erwärmt und damit z.B. keine Harze herausgedrückt werden, die die Schichten beschädigen würden. Auch wenn es aus der Mode gekommen ist, Fenster weiß zu streichen, so scheint es aus technischer Sicht doch eine vorteilhafte Wahl zu sein.

Das auch schichtbildende, recht dichte Beschichtungen auf Basis natürlicher Harze und Öle problematisch sein können, haben ein paar Produkte aufgezeigt: Ungleichmäßige Verfärbung bei Natural Terrassenöl und Steinert Drachenöl. Ein Teilbereich des Testbrettes der Natural-Lasur, wurde zusätzlich mit Natural Wetterschutz beschichtet. Dieser Bereich zeigte erstmal einen wesentlich besseren Schutz des Holzes - es vergraute nicht so schnell und dort perlte das Wasser auch ab. Nach 2 Jahren blätterte der Wetterschutz jedoch stellenweise ab.

Einige Produkte haben bewiesen, dass eine dünnschichtige, möglichst offenporige Oberflächenbehandlung eine bessere Alternative für Holz ist. Hier hat man zwar mit größeren Quell-Schwindbewegungen und Rissneigung zu rechnen, jedoch schafft man hier keine problematischen Übergang von offenporigem Holz zu dichter Beschichtung. Die Vorteile sind eine gleichmäßige Oberflächenvergrauung unter der Beschichtung, keine Pilznester, wo stärkere Verfärbungen auftauchen und Wasser kann recht ungehindert aus dem Holz wieder raus, wird also nicht von dichten Schichten gehindert. Gut zu beobachten war dies bei Gori 33, Remmers Aidol HK, Xyladecor Holzschutzlasur, Natural Lasur, Leinölfirnis pigmentiert.

Einige Dünnschichtprodukte haben diese sehr offenporigen Eigenschaften nicht. Sie bilden einen dünnen, aber recht dichten Film aus. Hier entstanden teilweise ähnliche Probleme, wie bei Dickschichtlasuren, z.B. eine fleckige Oberfläche.

Der Test zeigt, dass Vollbewitterung von Holz eine starke Belastung darstellt. Gerade die ständige Feuchtigkeitsbelastung durch Regen setzt den Beschichtungen stark zu. Wenn man durch konstruktive Maßnahmen erreichen kann, dass Feuchtigkeit vermieden wird oder sehr schnell wieder abtrocknet, können Beschichtungen wesentlich länger halten. Es ist z.B. nicht ungewöhnlich, dass Holzfenster mit Dickschichtlasur 7-10 Jahre ohne Nachpflege durchhalten können, wenn sie gut behandelt wurden und vor Feuchtigkeit weitgehend geschützt sind.

Der Beobachtungszyklus von 2 Jahren lässt sicherlich schon eine recht gute Beurteilung zu, jedoch ist es auch interessant, wie sich die Lasuren weiterhin verhalten werden. Es kann durchaus sein, dass Lasuren, die jetzt noch gut aussehen, nach einem weiteren Jahr sehr geschädigt sind, andere hingegen wesentlich länger durchhalten. Das gilt auch für den Filmtest, hier werden Unterschiede erst nach wesentlich längerer Zeit auffallen.

Die Proben wurden absichtlich in keiner Form gewartet. Auch diese Frage ist natürlich spannend: Was wäre, wenn man Schäden recht kurzfristig beseitigt? Wären dann Lasuren, die jetzt schlecht abgeschnitten haben, doch recht lange haltbar? Typisches Beispiel sind Öllacke, die zwar relativ schnell oberflächlich erodieren, die man aber sehr schnell nachölen kann.

Interessant ist der Vergleich von modernen Anstrichstoffen mit den Beschichtungen von Naturfarbenherstellern. Hier gibt es keinen Gewinner, es gibt aus beiden Lagern Produkte, die ihre Tauglichkeit bewiesen haben. Bei den Naturfarbenherstellern klappte das sogar oft ohne Biozide. Aber auch biozidfreie Produkte von konventionellen Herstellern waren gut im Test. Der Nutzen von Bioziden scheint mir da manchmal zweifelhaft. Sie verhindern weder eine Vergrauung des Holzes unter der Lasur, noch halten sie verfärbende Pilze zurück. Es findet sich im Test kein Zusammenhang, dass biozidhaltige Lasuren deutlich besser abschneiden. Konventionelle Hersteller statten ihre Lasuren in der Regel biozidhaltig aus, weil es in einigen Fällen was bringen könnte und in anderen Fällen zumindest nicht schadet. Das dadurch Umwelt und Verarbeiter unnötig belastet werden, wird hier zu wenig berücksichtigt.