Holzöle und Holzwachse im Vergleich

Konventionelle-Hersteller

Winfried Mueller, www.reintechnisch.de, Start: 28.03.08, Stand: 05.06.09

Hintergrundinfos Konventionelle Hersteller

Lange Zeit spielten Öle und Wachse bei konventionellen Farbherstellern kaum eine Rolle. Stattdessen ging es darum, die Möglichkeiten der Chemie immer weiter auszureizen, um die Produkteigenschaften moderner Anstrichstoffe auf die Bedürfnisse des Marktes hin anzupassen. Öle und Wachse als alt hergebrachte Behandlung von Holz war nicht mehr In, stattdessen entstanden moderne Lacke, die schnell und einfach zu verarbeiten sind und gute Gebrauchseigenschaften aufweisen, z.B. eine große Härte für große Oberflächenbeanspruchung. Auch ging es darum, preiswerte Produkte auf Basis von Erdöl zu entwickeln.

Erst in den letzten 10-20 Jahren ist ein starker Trend in Richtung Ökologie und Umweltbewusstsein zu beobachten. Ein gesellschaftlicher Wandel ist im Gange - zurück zur Natur. Mittlerweile gibt es immer schärfere Richtlinien, was die Reduzierung von Lösemitteln und schädlichen Inhaltsstoffen angeht. Und Kunden verlangen immer öfter nach besonders ökologischen Anstrichstoffen. Klar - wer will sich schon Gift ins Haus holen. Das stärkere Umweltbewusstsein und auch die Skandale mit hochgiftigen Holzschutzmitteln in den 70er Jahren haben wach und vorsichtig gemacht (PCP, Lindan).

Mittlerweile ist der Markt für Öle und Wachse wieder so groß geworden, dass sich der Einstieg vieler konventioneller Hersteller lohnt. Auch sie wollen im Markt für ökologische Holzbehandlung mitspielen. Gerade im Bereich Holzfußböden im Innen- und Außenbereich wird mehr und mehr geölt. Und hier werden auch große Mengen an Öl benötigt.

Mitunter sind die Produkte nur oberflächlich betrachtet ökologisch. Es fehlt meist eine Volldeklaration. Man weiß also nicht, was drin ist. Und natürlich werden hier Rohstoffe meist stärker chemisch verändert. Denn dies ist ja eine Stärke konventioneller Hersteller: Durch chemische Prozesse entweder die Produkteigenschaften zu verbessern oder aus billigen Rohstoffen hinreichend gute Produkte zu kreieren.

Chemische Veränderung braucht Energie. Auch ist die Frage, wie solche neuen Stoffe langfristig auf Mensch und Umwelt wirken.

Auch findet man Stoffe, auf die viele Naturfarbenhersteller verzichten. Meist werden sie eingesetzt, um professionellen Verarbeitern eine schnelle und problemlose Verarbeitung zu ermöglichen. Antihautbildner wären ein Beispiel dafür. Man will ja heute einerseits ökologisch sein, andererseits soll aber genauso rationell und preiswert gearbeitet werden, wie das bei High-Tech Produkten möglich ist. Im Do-it-Yourself (DIY) Bereich soll die Anwendung möglichst bequem und unkompliziert sein. Wenn das mit chemischen Zusätzen gelingt, ohne dass es dem durchschnittlich-interessierten Kunden auffällt, dann wird das auch gemacht.

In der Regel wird heutzutage aber auch bei konventionellen Herstellern auf stark problematische Inhaltsstoffe verzichtet und getrocknete Öle sind nach Prüf-Norm auch unbedenklich (Fast alle Produkte erfüllen die DIN-EN 71-3 Sicherheit von Kinderspielzeug). Die meisten Hersteller haben hier ihre Hausaufgaben gemacht und selbst bei Ökotest schneiden zahlreiche konventionelle Produkte im Bereich Öle und Wachse gut ab.

Ein großer Vorteil von Produkten konventioneller Hersteller ist die Verfügbarkeit. Über vorhandene Vertriebskanäle werden nun auch diese Ökoprodukte vertrieben. So findet man in vielen Baumärkten solche Produkte. Hingegen sucht man nach Produkten bestimmter Naturfarbenherstellern oft vergebens.

Persönlich versuche ich, wo es geht, auf Produkte von Naturfarbenherstellern zurückzugreifen. Viele dieser Hersteller haben große Erfahrungen in den letzten 30 Jahren damit sammeln können, wie man mit überwiegend naturbelassenen Rohstoffen beste Öle und Wachse herstellen kann.

Produktvorstellungen

Clou - Alfred Clouth Lackfabrik GmbH & Co. KG

Clou Produkte haben seit vielen Jahren eine weite Verbreitung - man findet sie in nahezu jedem Baumarkt. Das Produktsortiment umfasst vor allem Beizen, Lacke, Öle und Wachse zur Obeflächenbehandlung von Holz. Es ist ein Traditions-Familienunternehmen, welches 1917 gegründet wurde. Alfred Clouth leitet derzeit das Unternehmen in der dritten Generation. Clou ist kein Naturfarbenhersteller, das Thema Umweltschutz und Umweltmanagment wurde aber gerade in den letzten Jahren aufgegriffen. Zu den Produkten gibt es leider keine Volldeklaration der Inhaltsstoffe, jedoch gibt es - wie seit ein paar Jahren Vorschrift - zu jedem Produkt ein Sicherheitsdatenblatt, in dem kritische Stoffe aufgelistet sind.

Clou Produkte sind qualitativ hochwertig und genießen einen guten Ruf bei Heimwerkern wie auch bei professionellen Verarbeitern.

Homepage: http://www.clou.de

Clou Antik-Wachs fest

Dieser Wachs wird in einer Dose angeboten und hat ein pastöse Konsistenz. Es ist ein klassischer Wachs ohne zusätzliche Öle. Solche klassischen Wachse bestehen in der Regel aus diversen Wachsen und Lösemitteln. Als Lösemittel kommen Isoparaffine zum Einsatz, beim Wachs findet man im Sicherheitsdatenblatt Bienenwachs und Carnaubawachs. Auf der Dose findet man keine Sicherheitshinweise und auch das Sicherheitsdatenblatt zeigt, dass der Antik-Wachs recht unbedenklich ist. Geprüft nach DIN 53160 auf Schweiß- und Speichelechtheit.

Das Wachs kann auf unbehandeltes Holz aufgetragen werden. Aber auch auf geölten oder lackierten Flächen sollte es problemlos funktionieren, was eigene Tests bestätigten. Das ist ja nicht unüblich für die klassischen Wachsprodukte. Manche Hersteller empfehlen ihre Produkte sogar für die Lederpflege oder als Bohnerwachs. Solche Produkte haften in der Regel recht gut auf unterschiedlichsten Oberflächen und können z.B. auch dazu benutzt werden, Oberflächen gleitfähiger zu machen.

Auf unbehandeltem Holz kann dieser Wachs die Oberfläche pflegeleichter machen und einen gewissen Seidenglanz verleihen. Auch fassen sich gewachste Oberflächen angenehm an. Ausschließlich gewachste Oberflächen sind aber nur wenig gegen Feuchtigkeit geschützt. Auch Alkohol und andere Löse- und Reinigungsmittel vertragen solche Oberflächen nicht. Für mehr Beständigkeit gegen Feuchtigkeit sollte man auf jeden Fall vorher ölen.

Verarbeitung: Mit Tuch in Faserrichtung ganz dünn aufreiben - wie eine Schuhcreme. Trocknen lassen und dann mit Tuch oder Bürste auf Seidenglanz polieren. Nach meinen Erfahrungen kann man bereits nach 30 Minuten polieren, wenn es ganz schnell gehen muss, auch nach 5 Minuten. Es macht aber auch nichts, ein paar Stunden damit zu warten. Diese Behandlung kann man auch wiederholen, um eine stärkere Wachsschicht zu erzielen. Es bringt übrigens nichts, den Wachs dick aufzutragen, das verlängert nur die Trockenzeit und beim Polieren trägt man alles wieder ab, was zu viel aufgetragen wurde.

Das Produkt riecht recht wenig, Isoparaffine als Lösemittel sind fast geruchlos.


Innoskins/Owatrol

Owatrol ist eine Marke, die in Deutschland von der innoskins GmbH vertrieben wird. Es gibt zwar mehrere Owatrol Produkte, das bekannteste mit Kult-Charakter ist jedoch das Owatrol Öl.

Um Owatrol Produkte hat sich ein gewisser Zauber oder Kult entwickelt. Unglaublich, was diese Produkte alles können sollen! Wirklich? Ich bin da etwas skeptisch und wenn man die Internetforen liest, relativiert sich zumindest die zauberhafte Wirkung.

Homepage: http://www.owatrol.de

Owatrol-Öl

Owatrol-Öl ist ein sehr dünnflüssiges Öl. Es besteht wohl aus pflanzlichen Ölen und Lösemitteln auf Kohlenwasserstoff-Basis, also irgendwas in Richtung Benzin oder Terpentinersatz. Mit etwa 50 % Lösemittel ist es wie ein Halböl angesetzt. Es zieht wegen der Dünnflüssigkeit recht gut ins Holz ein. Es trocknet recht schnell, dünne Schichten auf einer Glasscheibe sind nach 10-12 Stunden bereits staubtrocken.

Owatrol-Öl scheint mir eher etwas zum Grundieren zu sein, weil vermutlich keine Harze gelöst sind. Als Grundierung wird es auch empfohlen. Für strapazierfähige Oberflächen sollte man also nachträglich ein Hartöl auftragen.

Das Owatrol beim Grundieren von Holz irgendwelche Vorteile gegenüber einem gewöhnlichen Halböl auf Leinölbasis bietet, hat sich mir bei ersten oberflächlichen Tests noch nicht erschlossen. Vielleicht entdecke ich ja noch das Wunder von Owatrol ;-)

Eindringvermögen: Auf Buche aufgebracht saugt es etwa 250 g/m² auf (60 Minuten, 1. Auftrag, 20 Grad, Rest einpoliert). Ein Halböl aus Balsam-Terpentin und Leinöl-Firnis brachte im Vergleich mit 240 g/m² fast die gleichen Ergebnisse. Auf Fichte aufgebracht saugt Owatrol nach 1 Stunde etwa 100 g/m². Typische Eindringtiefen bei Buche sind 1-4 mm, bei Fichte 0.5-2mm.

Das Öl soll "dreimal nasser als Wasser" sein, womit wohl das gute Eindringvermögen bildhaft beschrieben werden soll. Vermutlich ist damit die geringere Oberflächenspannung gegenüber Wasser gemeint - aber das trifft auch für ein gewöhnliches Halböl zu (70 mN/m bei Wasser gegenüber etwa 20-25 mN/m bei einem Leinöl-Benzin-Gemisch).

Daneben kann Owatrol noch einiges: Man kann es auf rostige Teile streichen, die konserviert werden. Und das recht gut, weil es tief in den Rost einzieht. Darauf kann man dann einen Decklack streichen. Natürlich sollte loser Rost trotzdem entfernt werden. Übrigens: Auch ein Leinöl-Firnis oder ein daraus hergestelltes Halböl kann das gut.

Owatrol lässt sich auch in Kunstharzfarben und Ölfarben einmischen, womit die Streichfähigkeit verbessert wird.


Liberon

Liberon ist vielen Restauratoren ein Begriff. Es ist ein französiches Traditionsunternehmen, welches sich auf klassische Oberflächenprodukte für Holz spezialsiert hat: Schellack, Beizen, Öle, Antik-Wachse. Aber auch moderne PU-Möbellacke findet man.

Liberon ist in manchen Baumärkten zu finden und hat sich als Marke gut etabliert.

Die Dokumentation auf der Internetseite ist recht dürftig: Man findet keine aussagekräftigen Produktdatenblätter. Sicherheitsdatenblätter fehlen ganz.

Liberon Holzöl innen

Ein Öl mit etwa 50 % Lösemittel, was sich gut verarbeiten lässt. Lösemittel wird Benzin sein, zumindest riecht es danach. Nach 15-30 Minuten wird der Überstand abgenommen. Nach Trockung hat es eine recht gute Härte und Zähigkeit.

Praktische 1-Liter Blechdose mit Schraubverschluss.

Geprüft nach DIN EN 71-3 - für Kinderspielzeug geeignet.


Bona

Bona ist ein schwedisches Unternehmen, was mittlerweile seit 90 Jahren besteht (2009). Bona ist weltweiter Marktführer bei Parkett-Versiegelungen. Die Produkte sind also für Holzfußböden spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt ca. 500 Mitarbeiter. Der Umsatz 2007 lag bei 150 Millionen Euro.

Bona Carl's 90 Oil

Ein High-Solid Öl mit 90% Festkörperanteil. Lt. Herstellerinfos ist die Basis ausschließlich Kiefernöl bzw. Tallöl. Dieses wird bei der Papierherstellung aus dem Harz des Holzes gewonnen. Man findet kein Leinöl oder Tungöl, wie bei fast allen Produkten anderer Hersteller. Außer Leinos ist mir kein Hersteller bekannt, der auch Tallöl benutzt.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.

Bona Carl's HS-Wax

Ein lösemittelfreies High-Solid Wachs. Die Zubereitung lt. Sicherheitsdatenblatt liest sich typisch für solche lösemittel- und wasserfreien Wachse: Diverse Öle wie Safloröl, Leinöl, Leinölstandöl, in denen natürliche Wachse gelöst sind (Carnaubawachs, Bienenwachs). Hinzu kommen noch Sikkative.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.

Bona Carl's Hartwachsöl

Eine Mischung aus pflanzlichen Ölen, pflanzlichen Wachsen und Testbenzin als Lösemittel. Wird typischerweise 2x dünn gerollt, ohne das der Überstand poliert wird. Man kann jedoch nach Trocknung noch mit weißem Pad auf Glanz polieren.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.