Holzöle und Holzwachse im Vergleich

Konventionelle-Hersteller

Winfried Mueller, www.reintechnisch.de, Start: 28.03.08, Stand: 05.06.09

Hintergrundinfos Konventionelle Hersteller

Lange Zeit spielten Öle und Wachse bei konventionellen Farbherstellern kaum eine Rolle. Stattdessen ging es darum, die Möglichkeiten der Chemie immer weiter auszureizen, um die Produkteigenschaften moderner Anstrichstoffe auf die Bedürfnisse des Marktes hin anzupassen. Öle und Wachse als alt hergebrachte Behandlung von Holz war nicht mehr In, stattdessen entstanden moderne Lacke, die schnell und einfach zu verarbeiten sind und gute Gebrauchseigenschaften aufweisen, z.B. eine große Härte für große Oberflächenbeanspruchung. Auch ging es darum, preiswerte Produkte auf Basis von Erdöl zu entwickeln.

Erst in den letzten 10-20 Jahren ist ein starker Trend in Richtung Ökologie und Umweltbewusstsein zu beobachten. Ein gesellschaftlicher Wandel ist im Gange - zurück zur Natur. Mittlerweile gibt es immer schärfere Richtlinien, was die Reduzierung von Lösemitteln und schädlichen Inhaltsstoffen angeht. Und Kunden verlangen immer öfter nach besonders ökologischen Anstrichstoffen. Klar - wer will sich schon Gift ins Haus holen. Das stärkere Umweltbewusstsein und auch die Skandale mit hochgiftigen Holzschutzmitteln in den 70er Jahren haben wach und vorsichtig gemacht (PCP, Lindan).

Mittlerweile ist der Markt für Öle und Wachse wieder so groß geworden, dass sich der Einstieg vieler konventioneller Hersteller lohnt. Auch sie wollen im Markt für ökologische Holzbehandlung mitspielen. Gerade im Bereich Holzfußböden im Innen- und Außenbereich wird mehr und mehr geölt. Und hier werden auch große Mengen an Öl benötigt.

Mitunter sind die Produkte nur oberflächlich betrachtet ökologisch. Es fehlt meist eine Volldeklaration. Man weiß also nicht, was drin ist. Und natürlich werden hier Rohstoffe meist stärker chemisch verändert. Denn dies ist ja eine Stärke konventioneller Hersteller: Durch chemische Prozesse entweder die Produkteigenschaften zu verbessern oder aus billigen Rohstoffen hinreichend gute Produkte zu kreieren.

Chemische Veränderung braucht Energie. Auch ist die Frage, wie solche neuen Stoffe langfristig auf Mensch und Umwelt wirken.

Auch findet man Stoffe, auf die viele Naturfarbenhersteller verzichten. Meist werden sie eingesetzt, um professionellen Verarbeitern eine schnelle und problemlose Verarbeitung zu ermöglichen. Antihautbildner wären ein Beispiel dafür. Man will ja heute einerseits ökologisch sein, andererseits soll aber genauso rationell und preiswert gearbeitet werden, wie das bei High-Tech Produkten möglich ist. Im Do-it-Yourself (DIY) Bereich soll die Anwendung möglichst bequem und unkompliziert sein. Wenn das mit chemischen Zusätzen gelingt, ohne dass es dem durchschnittlich-interessierten Kunden auffällt, dann wird das auch gemacht.

In der Regel wird heutzutage aber auch bei konventionellen Herstellern auf stark problematische Inhaltsstoffe verzichtet und getrocknete Öle sind nach Prüf-Norm auch unbedenklich (Fast alle Produkte erfüllen die DIN-EN 71-3 Sicherheit von Kinderspielzeug). Die meisten Hersteller haben hier ihre Hausaufgaben gemacht und selbst bei Ökotest schneiden zahlreiche konventionelle Produkte im Bereich Öle und Wachse gut ab.

Ein großer Vorteil von Produkten konventioneller Hersteller ist die Verfügbarkeit. Über vorhandene Vertriebskanäle werden nun auch diese Ökoprodukte vertrieben. So findet man in vielen Baumärkten solche Produkte. Hingegen sucht man nach Produkten bestimmter Naturfarbenherstellern oft vergebens.

Persönlich versuche ich, wo es geht, auf Produkte von Naturfarbenherstellern zurückzugreifen. Viele dieser Hersteller haben große Erfahrungen in den letzten 30 Jahren damit sammeln können, wie man mit überwiegend naturbelassenen Rohstoffen beste Öle und Wachse herstellen kann.

Produktvorstellungen

Clou - Alfred Clouth Lackfabrik GmbH & Co. KG

Clou Produkte haben seit vielen Jahren eine weite Verbreitung - man findet sie in nahezu jedem Baumarkt. Das Produktsortiment umfasst vor allem Beizen, Lacke, Öle und Wachse zur Obeflächenbehandlung von Holz. Es ist ein Traditions-Familienunternehmen, welches 1917 gegründet wurde. Alfred Clouth leitet derzeit das Unternehmen in der dritten Generation. Clou ist kein Naturfarbenhersteller, das Thema Umweltschutz und Umweltmanagment wurde aber gerade in den letzten Jahren aufgegriffen. Zu den Produkten gibt es leider keine Volldeklaration der Inhaltsstoffe, überhaupt hält sich Clou mit näheren Produktinfos sehr zurück. Jedoch gibt es - wie seit ein paar Jahren Vorschrift - zu jedem Produkt ein Sicherheitsdatenblatt, in dem kritische Stoffe aufgelistet sind. Leider sind viele nicht Online abrufbar.

Clou Produkte sind qualitativ hochwertig und genießen einen guten Ruf bei Heimwerkern wie auch bei professionellen Verarbeitern. Clou hat für beide Zielgruppen eine eigene Produktlinie.

Seit einiger Zeit gibt es die Produktlinie "Lumberjack". Hier wird stärker auf natürliche Rohstoffe gesetzt und auch angegeben, was drin ist. Dies aber lange nicht so konsequent, wie man das von den Naturfarbenherstellern kennt. Ich hab den Eindruck, das nur die besonders natürlichen Stoffe aufgelistet werden, die problematischen verschweigt man lieber. So findet man z.B. im Lumberjack Holzöl im Sicherheitsdatenblatt Butanonoxim und Cobaltsalze. In der Produktbeschreibung steht hingegen unter "Was ist drin" nur: Leinöl, Wundbenzin. Im Lumberjack Hartwachsöl befindet sich sogar Xylol (aromatische Kohlenwasserstoffe) und Ethylbenzol, beide als gesundheitsschädlich eingestuft. In der Produktbeschreibung steht unter "Was ist drin" nur: Leinöl, Wurzelharz, Wundbenzin, vergällter Alkohol. Ich fühle mich da irre geführt. Diese Zutaten gehören nach meiner Einschätzung auch nicht in eine Produktlinie, die dem Verbraucher Natürlichkeit suggeriert. Naturfarbenhersteller zeigen, dass man auf solche Stoffe verzichten kann (mit Ausnahme von Cobalt).

Homepage: http://www.clou.de

Clou Hartöl

Clou Hartöl enthält etwa 60% Lösemittel und ist damit gut dünnflüssig. Es wird stark vom Holz aufgesaugt, dringt also recht tief ein. Das Lösemittel riecht man auch deutlich, es erinnert mich an diverse Holzlacke (Lösemittel auf Erdölbasis). Als Hautverhinderungsmittel ist Butanonoxim drin. Laut Sicherheitsdatenblatt sind natürliche Öle und Naturharze enthalten, genaueres erfährt man nicht.

Die Verarbeitung ist relativ unkritisch. Auch wenn das Produkt nach längerer Wartezeit eindickt, wird es nicht klebrig. Im Gegenteil, es lässt sich sehr leicht abwischen - der Lappen gleitet gut über die Fläche. Das Zeitfenster für die Abnahme des Überstandes ist nicht sonderlich kritisch. Leider macht der Hersteller keine Angaben, wann der Überstand abgenommen werden soll. Nach eigenen Tests würde ich die typische Zeit von 20-30 Minuten empfehlen. Aber selbst nach 60 Minuten ist nicht mit Problemen zu rechnen und das empfiehlt sich beim ersten Auftrag, wenn man das Holz tief sättigen will.

Weil es tief einzieht, feuert es das Holz auch stärker an. Bei einer Probe auf Buche hat die Oberfläche etwa 200g/m² aufgenommen, bei 60 Minuten Einzugszeit und leichtem Einpolieren des Überstandes. Beim zweiten Auftrag nach 24 Stunden waren es nur noch 30g/m², der dritte Auftrag lag unter 3g/m². Wer also tief imprägnieren will, kommt mit den Herstellerangaben von 12m² pro Liter bei weitem nicht hin. Auf Buche sollte man dann besser mit 2-4m² pro Liter rechnen, bei 2-3 Aufträgen.

Das Öl trocknet recht hart auf, was eine Probe auf einer Glasscheibe zeigte. Damit kann man es auch leicht schichtbildend mit Lappen aufpolieren. Die Trocknung geht recht schnell, nach 12-24 Stunden ist es oberflächlich trocken. Laut Herstellerempfehlung sollte man nicht mehr als ein Auftrag pro Tag machen, insgesamt typischerweise 2-3. Den dritten Auftrag würde ich nur noch dünnst mit Lappen aufpolieren. Das Öl selber hat wenig Eigengeruch - ist das Lösemittel nach 1-2 Tagen raus, riecht man nur noch wenig.

Gegenüber dem Clou Holzöl, welches es auch noch gibt, soll Clou Hartöl etwas harzreicher und beanspruchbarer sein.

Für Kinderspielzeug geeignet (nach DIN EN 71, Teil 3 geprüft).

Das Öl gibt es farblos wie auch in den Farben rotbraun und hellbraun.

Angenehm ist, dass es das Öl auch in kleinen 0,25l Gebinden gibt. Der Preis lag 2010 bei 15 Euro pro 0,75l Dose.

Clou Antik-Wachs fest

Dieser Wachs wird in einer Dose angeboten und hat ein pastöse Konsistenz. Es ist ein klassischer Wachs ohne zusätzliche Öle. Solche klassischen Wachse bestehen in der Regel aus diversen Wachsen und Lösemitteln. Als Lösemittel kommen Isoparaffine zum Einsatz, beim Wachs findet man im Sicherheitsdatenblatt Bienenwachs und Carnaubawachs. Auf der Dose findet man keine Sicherheitshinweise und auch das Sicherheitsdatenblatt zeigt, dass der Antik-Wachs recht unbedenklich ist. Geprüft nach DIN 53160 auf Schweiß- und Speichelechtheit.

Das Wachs kann auf unbehandeltes Holz aufgetragen werden. Aber auch auf geölten oder lackierten Flächen sollte es problemlos funktionieren, was eigene Tests bestätigten. Das ist ja nicht unüblich für die klassischen Wachsprodukte. Manche Hersteller empfehlen ihre Produkte sogar für die Lederpflege oder als Bohnerwachs. Solche Produkte haften in der Regel recht gut auf unterschiedlichsten Oberflächen und können z.B. auch dazu benutzt werden, Oberflächen gleitfähiger zu machen.

Auf unbehandeltem Holz kann dieser Wachs die Oberfläche pflegeleichter machen und einen gewissen Seidenglanz verleihen. Auch fassen sich gewachste Oberflächen angenehm an. Ausschließlich gewachste Oberflächen sind aber nur wenig gegen Feuchtigkeit geschützt. Auch Alkohol und andere Löse- und Reinigungsmittel vertragen solche Oberflächen nicht. Für mehr Beständigkeit gegen Feuchtigkeit sollte man auf jeden Fall vorher ölen.

Verarbeitung: Mit Tuch in Faserrichtung ganz dünn aufreiben - wie eine Schuhcreme. Trocknen lassen und dann mit Tuch oder Bürste auf Seidenglanz polieren. Nach meinen Erfahrungen kann man bereits nach 30 Minuten polieren, wenn es ganz schnell gehen muss, auch nach 5 Minuten. Es macht aber auch nichts, ein paar Stunden damit zu warten. Diese Behandlung kann man auch wiederholen, um eine stärkere Wachsschicht zu erzielen. Es bringt übrigens nichts, den Wachs dick aufzutragen, das verlängert nur die Trockenzeit und beim Polieren trägt man alles wieder ab, was zu viel aufgetragen wurde.

Das Produkt riecht recht wenig, Isoparaffine als Lösemittel sind fast geruchlos.


Innoskins/Owatrol

Owatrol ist eine Marke, die in Deutschland von der innoskins GmbH vertrieben wird. Es gibt zwar mehrere Owatrol Produkte, das bekannteste mit Kult-Charakter ist jedoch das Owatrol Öl.

Um Owatrol Produkte hat sich ein gewisser Zauber oder Kult entwickelt. Unglaublich, was diese Produkte alles können sollen! Wirklich? Ich bin da etwas skeptisch und wenn man die Internetforen liest, relativiert sich zumindest die zauberhafte Wirkung.

Homepage: http://www.owatrol.de

Owatrol-Öl

Owatrol-Öl ist ein sehr dünnflüssiges Öl. Es besteht wohl aus pflanzlichen Ölen und Lösemitteln auf Kohlenwasserstoff-Basis, also irgendwas in Richtung Benzin oder Terpentinersatz. Mit etwa 50 % Lösemittel ist es wie ein Halböl angesetzt. Es zieht wegen der Dünnflüssigkeit recht gut ins Holz ein. Es trocknet recht schnell, dünne Schichten auf einer Glasscheibe sind nach 10-12 Stunden bereits staubtrocken.

Owatrol-Öl scheint mir eher etwas zum Grundieren zu sein, weil vermutlich keine Harze gelöst sind. Als Grundierung wird es auch empfohlen. Für strapazierfähige Oberflächen sollte man also nachträglich ein Hartöl auftragen.

Das Owatrol beim Grundieren von Holz irgendwelche Vorteile gegenüber einem gewöhnlichen Halböl auf Leinölbasis bietet, hat sich mir bei ersten oberflächlichen Tests noch nicht erschlossen. Vielleicht entdecke ich ja noch das Wunder von Owatrol ;-)

Eindringvermögen: Auf Buche aufgebracht saugt es etwa 250 g/m² auf (60 Minuten, 1. Auftrag, 20 Grad, Rest einpoliert). Ein Halböl aus Balsam-Terpentin und Leinöl-Firnis brachte im Vergleich mit 240 g/m² fast die gleichen Ergebnisse. Auf Fichte aufgebracht saugt Owatrol nach 1 Stunde etwa 100 g/m². Typische Eindringtiefen bei Buche sind 1-4 mm, bei Fichte 0.5-2mm.

Das Öl soll "dreimal nasser als Wasser" sein, womit wohl das gute Eindringvermögen bildhaft beschrieben werden soll. Vermutlich ist damit die geringere Oberflächenspannung gegenüber Wasser gemeint - aber das trifft auch für ein gewöhnliches Halböl zu (70 mN/m bei Wasser gegenüber etwa 20-25 mN/m bei einem Leinöl-Benzin-Gemisch).

Daneben kann Owatrol noch einiges: Man kann es auf rostige Teile streichen, die konserviert werden. Und das recht gut, weil es tief in den Rost einzieht. Darauf kann man dann einen Decklack streichen. Natürlich sollte loser Rost trotzdem entfernt werden. Übrigens: Auch ein Leinöl-Firnis oder ein daraus hergestelltes Halböl kann das gut.

Owatrol lässt sich auch in Kunstharzfarben und Ölfarben einmischen, womit die Streichfähigkeit verbessert wird.


Liberon

Liberon ist vielen Restauratoren ein Begriff. Es ist ein französiches Traditionsunternehmen, welches sich auf klassische Oberflächenprodukte für Holz spezialsiert hat: Schellack, Beizen, Öle, Antik-Wachse. Aber auch moderne PU-Möbellacke findet man.

Liberon ist in manchen Baumärkten zu finden und hat sich als Marke gut etabliert.

Die Dokumentation auf der Internetseite ist recht dürftig: Man findet keine aussagekräftigen Produktdatenblätter. Sicherheitsdatenblätter fehlen ganz.

Liberon Holzöl innen

Ein Öl mit etwa 50 % Lösemittel, was sich gut verarbeiten lässt. Lösemittel wird Benzin sein, zumindest riecht es danach. Nach 15-30 Minuten wird der Überstand abgenommen. Man sollte nicht zu lange warten, weil das Öl zu Klebrigkeit neigt.

Nach Trockung hat es eine recht gute Härte und Zähigkeit.

Praktische 1-Liter Blechdose mit Schraubverschluss.

Geprüft nach DIN EN 71-3 - für Kinderspielzeug geeignet.


Bona

Bona ist ein schwedisches Unternehmen, was mittlerweile seit 90 Jahren besteht (2009). Bona ist weltweiter Marktführer bei Parkett-Versiegelungen. Die Produkte sind also für Holzfußböden spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt ca. 500 Mitarbeiter. Der Umsatz 2007 lag bei 150 Millionen Euro.

Bona Carl's 90 Oil

Ein High-Solid Öl mit 90% Festkörperanteil. Lt. Herstellerinfos ist die Basis ausschließlich Kiefernöl bzw. Tallöl. Dieses wird bei der Papierherstellung aus dem Harz des Holzes gewonnen. Man findet kein Leinöl oder Tungöl, wie bei fast allen Produkten anderer Hersteller. Außer Leinos ist mir kein Hersteller bekannt, der auch Tallöl benutzt.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.

Bona Carl's HS-Wax

Ein lösemittelfreies High-Solid Wachs. Die Zubereitung lt. Sicherheitsdatenblatt liest sich typisch für solche lösemittel- und wasserfreien Wachse: Diverse Öle wie Safloröl, Leinöl, Leinölstandöl, in denen natürliche Wachse gelöst sind (Carnaubawachs, Bienenwachs). Hinzu kommen noch Sikkative.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.

Bona Carl's Hartwachsöl

Eine Mischung aus pflanzlichen Ölen, pflanzlichen Wachsen und Testbenzin als Lösemittel. Wird typischerweise 2x dünn gerollt, ohne das der Überstand poliert wird. Man kann jedoch nach Trocknung noch mit weißem Pad auf Glanz polieren.

Erfahrungen mit diesem Produkt habe ich nicht.


Ikea

Ikea Skydd Holzöl

Skydd Holzöl wird von Ikea für die Behandlung von Küchen-Schneidebrettern empfohlen. Es besteht ausschließlich aus Paraffinöl (Weißöl), ist also ein Mineralöl. Weißöl findet man in vielen Kosmetikprodukten, Vaseline besteht fast ausschließlich aus Paraffin (Paraffinum liquidum).

Weißöl ist ein nicht härtendes Öl. Die damit behandelten Brettchen bleiben also immer ölig. Damit wäscht es sich auch relativ schnell wieder aus der Oberfläche heraus. Und es neigt dazu, Schmutz anzuziehen. Bei Schneidebrettern hat man allerdings auch einen "selbstheilenden" Effekt: Schneidet man z.B. mit dem Messer drauf rum und verletzt die geölte Oberfläche, verteilt sich das flüssige Öl kurze Zeit später wieder. Getrocknete Öle sind ja fest und können sich nicht mehr fließen. Ganz ähnlich verhalten sich auch nicht trocknende Lebensmittelöle, wie z.B. Olivenöl oder Rapsöl.

Weißöl an sich ist ungiftig, inert (reagiert mit nichts) und löst keine Allergien aus. An sich also ein unproblematischer Stoff. Allerdings kann Paraffinöl auch nicht vom Körper abgebaut werden. Es gibt Hinweise, dass es sich bei Konsum größerer Mengen in Organen anreichern kann.

Persönlich würde ich darauf verzichten, Mineralöl für Küchenbrettchen zu verwenden. Wenn man wirklich seine Küchenbrettchen mit nicht trocknenden Ölen behandeln will, dann doch besser mit einem pflanzlichen Lebensmittel-Öl, welches der Körper auch abbauen kann.

Ob man Küchenbrettchen überhaupt mit nicht trocknenden Ölen behandeln sollte, da gehen die Meinungen auseinander. Persönlich würde ich eher zu trocknenden Ölen greifen.

Für Arbeitsplatten und Möbel sollte man Skydd Holzöl keinesfalls verwenden - hier sind nicht trocknende Öle in der Regel die falsche Wahl.

Behandla Holzöl

Behandla Holzöl ist ein wasserbasiertes Ölprodukt: Rund 2/3 des Doseninhaltes ist schlicht Wasser. Das erklärt auch, wie man den günstigen Preis von 5,99 Euro für die 750ml Dose hinbekommt. Der Rest sind recht hochwertige Öle (Tungöl, Leinöl).

Wasserbasierte Öle lassen das Holz beim Auftrag quellen und ziehen weniger tief ins Holz ein. Auch entsteht eine rauhe Oberfläche, die man nach Trocknung nochmal fein schleifen sollte, um dann nochmal Öl aufzutragen. Auch hier wird dann das Holz wieder leicht rauh - so glatte Oberflächen, wie bei "echten" Ölen erreicht man nur schwer.

Trotz dieser Nachteile heißt das nicht, das von wasserbasierten Ölen grundsätzlich abzuraten ist. Man kann mit solchen Produkten durchaus gute und beanspruchbare Oberflächen hinbekommen.

Wasserbasierte Öle feuern oft nicht so stark an, was auch bei Behandla Holzöl so ist. Die Verarbeitung ist unauffällig und so, wie ich das von anderen Herstellern kenne. Man trägt es satt auf und wartet 15 Minuten. Dann wird noch vorhandener Überstand verteilt. Man braucht nicht, wie bei normalen Ölen, richtig trocken zu wischen. Es reicht, wenn alles schön verteilt ist und kein weißes Öl mehr irgendwo auf der Oberfläche steht.

Auch beim zweiten Auftrag sollte man übrigens satt auftragen. Wasser verdunstet nämlich relativ schnell und dann würde das Öl nicht mehr richtig einziehen. Es soll vielmehr über die 15 Minuten eine gut flüssige Schicht stehenbleiben, die man erst danach abwischt. Insgesamt sollte man bei einer Arbeitsplatte mindestens 3 mal ölen.

Man kann durchaus, wie der Hersteller schreibt, schon nach wenigen Stunden ein weiteres mal ölen. Um jedoch einen Zwischenschliff machen zu können, muss das Öl mindestens 24 Stunden durchgetrocknet sein.

Arbeitsgeräte (Pinsel etc.) kann man mit Wasser und Seife auswaschen - das ist praktisch. Bei Lappen muss man auch die Selbstentzündungsgefahr beachten.

Bei der Nachpflege sollte es reichen, mit einem ölfeuchten Lappen über die Platte zu wischen. Das geht schnell und kann so öfters mal gemacht werden. In der Anfangszeit kann man das ruhig monatlich einmal machen, später alle 6-12 Monate.

Von den Inhaltstoffen besteht Behandla aus Tungöl (Holzöl), Leinöl, Methylzellulose, Wasser, Sikkativen und Emulgator. Der Hersteller deklariert es als "lebensmittelecht".

Persönlich empfinde ich die Arbeit mit wasserbasierten Ölen nicht sonderlich angenehm. Weil es auch wenig Grund gibt, mich mit solchen Produkten anzufreunden, nutze ich lieber "echte Öle".

Laut Presseberichten produziert übrigens der Naturfarbenhersteller Biopin die Behandla Öle und Lasuren für Ikea (http://www.djd.de/files/bauenwohnenjahr.swf).


Rustins

Rustins Danish Oil

Danish Oil hat international weite Verbreitung gefunden und ist recht beliebt. Wenn von Danish Oil gesprochen wird, ist meist jenes vom Hersteller Rustins gemeint. Der Begriff selber ist nicht klar definiert, steht aber in der Regel für ein Öl, welches zumindest Tungöl enthält.

Rustins Danish Oil kommt in einer schönen Blechdose mit Schraubverschluss. Ein Blech-Schraubverschluss, der auch nach längerer Benutzung noch funktioniert. Wenn in Deutschland Öle in Schraubdosen geliefert werden (was selten ist), dann oft mit unschönen Plastikverschlüssen, die verkleben und dann nicht mehr zu öffnen sind. Manchmal sind es diese kleinen praktischen Details, warum man ein Produkt mag...

So schön die Blechdose auch ist, sie hat auch ein Nachteil: Mir ist aufgefallen, dass sich Inhaltsstoffe absetzen, die nur durch längeres Schütteln sich wieder vollständig vermischen. Bei einer Glasflasche sieht man, wann sich alles aufgelöst hat, bei Blech nicht. Rustins Danish Oil sollte also immer gut durchgeschüttelt werden!

Das Öl ist recht dünnflüssig. 70 % sind immerhin reines Lösemittel, was relativ viel ist. Das Lösemittel hat einen typischen Geruch nach Benzin. Produkte aus England und USA erfüllen oft nicht die hohen deutschen Standards, was gesundheitliche Aspekte angeht, insofern kann es z.B. sein, dass das Lösemittel nicht aromatenfrei ist. Auch kleine Mengen Methanol sind im Sicherheitsdatenblatt angegeben.

Bei der Abnahme des Überstandes darf man nicht zu lange warten, weil das Öl zu Klebrigkeit neigt. Ist nämlich ein Großteil des Lösemittel verflogen, bleibt eine sehr klebrige Masse übrig, die man nicht mehr abwischen kann. Man kann aber mit frischem Öl alles wieder flüssig machen. Typischerweise wird der Überstand nach 10-15 Minuten abgenommen und insgesamt 3 Aufträge gemacht. Dazwischen lässt man mindestens 4-6 Stunden trocknen, wer es nicht eilig hat, sollte besser 24 Stunden warten.

Die Poren sind meist nach dem ersten Aufrag schon gut geschlossen, so das weitere Aufträge kaum noch wegsaugen. Man kann insofern die weiteren Aufträge ganz dünn mit Lappen vornehmen. Je dünner man aufträgt, um so früher muss nachpoliert werden, weil das Lösemittel schneller verfliegt. Die Anfeuerung des Öles ist recht zurückhaltend. Es zieht nämlich nicht sehr tief ins Holz ein. Bei einem Test auf Buche waren es nach 20 Minuten Einwirkzeit gerade mal 32g/m², die ins Buchen-Holz eingezogen waren. Öle, die sehr tief sättigen, schaffen bis zu 250g/m². Geringe Einzugstiefe hat auch Vorteile: Die Gefahr von Fleckenbildung ist geringer, gerade auch bei dünnen Furnieren. Und bei saugfähigen Untergründen zieht einem nicht so viel Öl weg (z.B. MDF/HDF).

Eine Besonderheit beim Danish Oil ist das Mattierungsmittel, was dem Öl zugesetzt wurde. Dadurch trocknet es an der Oberfläche seidenmatt bis seidenglanz. Arbeitet man also leicht schichtbildend, entsteht keine stark glänzende (manche sagen auch speckige) Oberfläche. Bei feinem Schliff hat man aber auch hier einen gewissen Seidenglanz.

Rustins Danish Oil ist für Kinderspielzeug freigegeben.

Das Öl lässt sich auch im Außenbereich einsetzen, hier empfiehlt der Hersteller bis zu 6 Aufträge.

Mit 16,10 Euro pro Liter (2010) ist es recht preiswert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man mit Danish Oil wegen der guten Füllkraft und den kurzen Trockenzeiten schnell recht gut wirkende Oberflächen aufbauen kann. Aufgrunddessen ist es vermutlich auch so beliebt.

Oft liest man im Internet, Danish-Oil würde fast ausschließlich aus Tungöl bestehen. Ich glaube, das ist ein Irrtum, auch der Hersteller schreibt nichts in diese Richtung. Er schreibt lediglich, dass auch Tungöl drin ist. Die Klebrigkeit der Masse die entsteht, wenn das Lösemittel verflogen ist, zeigt auch deutlich, dass da nicht nur Öl im Spiel ist. Auch der Geruch ist nicht typisch Tungöl. Welche sonstigen Öle, Naturharze oder Kunstharze (Alkydharze, Urethane) drin sind, weiß man nicht.

Der Geruch des trocknenden Öles ist etwas gewöhnungsbedürftig und erinnert an Urin oder Kuhmist, riecht also deutlich säuerlich. Ich hab das mal ein paar Freunde riechen lassen und alle fanden es recht eckelig. Ich könnte keine Produkte verkaufen, die so riechen. Nach 4 Wochen ist der Geruch deutlich verringert, aber immer noch deutlich wahrnehmbar. Der Geruch ist auch nicht irgendwie öltypisch und ich kenne kein Öl, was auch nur annähernd so riecht.

Danish Oil gibt es z.B. noch von Briwax - ebenso eine in London ansässige Firma (http://www.briwax.co.uk). In USA verkauft die Firma Rust-Oleum (http://www.rustoleum.com) unter der Marke WATCO ein Danish Oil.

Es gibt auch Hersteller, die verkaufen reines voroxidiertes Leinöl unter der Bezeichnung "Danish Oil". Der Begriff selbst hat also wenig Aussagekraft.


Zweihorn

Die Firma Zweihorn ist seit vielen Jahren bei Profis dafür bekannt, erstklassige Oberflächenprodukte für Holz herzustellen. Früher ein eigenständiges mittelständiges Unternehmen mit etwa 50 Angestellten, gehört Zweihorn seit 2005 zu einem der weltweit größten Lackhersteller - Akzo Nobel.

In der Naturtrend Produktlinie findet man diverse Öle und Wachse. Von der Zusammensetzung und der Verarbeitung erinnern sie stark an PNZ-Produkte. Dies fällt besonders auf, weil beide recht untypische Öle in den meisten Produkten verwenden: Mohnöl, Distelöl, Sojaöl, Rüböl, Sonnenblumenöl, Nußöl und Rapsöl.

Zweihorn Naturtrend Projektöl NPO

Anders als die meisten gängigen Öle, beinhaltet das Zweihorn Projektöl kein Leinöl und auch kein Tungöl. Stattdessen wird auf Distelöl, Mohnöl, Nußöl, Rapsöl, Sojaöl und Sonnenblumenöl zurückgegriffen. Solche Öle haben eigentlich nicht so hochwertige Eigenschaften, man kann aber durch chemische Prozesse diese soweit veredeln, dass hervorragende Produkteigenschaften dabei herauskommen. Aus solchen Ölen werden ja z.B. auch Alkydharze produziert.

Es gibt 2 Vorteile dieser Öle: Einerseits hat man den herben Leinöl- oder Tungölgeruch nicht, andererseits fehlt dem Öl die gelbliche Färbung.

Neben diesen Ölen sind auch noch Carnaubawachs, Candelillawachs und Bienenwachs enthalten. Weiterhin mit 70% relativ viel Lösemittel in Form aromatenfreier Kohlenwasserstoffe (Benzin).

Das Öl ist besonders für helle Hölzer gut geeignet, weil es nicht gelblich verfärbt (Ahorn, Birke, Fichte). Auf heller Fichte aufgetragen, hab ich so gut wie keinen farbllichen Unterschied zu nicht geöltem Holz feststellen können. Der Hersteller spricht deshalb auch von "Nicht anfeuernd". Mit der nicht gelblichen Verfärbung nimmt dieses Öl eine Sonderstellung ein.

Allerdings ist "nicht anfeuernd" irreführend, es gibt nämlich viele Hölzer, bei denen das Öl stark anfeuert, so z.B. auf Buche. Diese wird, wie bei allen anderen Ölen auch, stark dunkler. Viele weitere dunklere Holzsorten reagieren so. Das ist einfach ein Effekt, den man bei allen Ölen hat, insofern sie nicht mit weißen Pigmenten wieder aufgehellt werden. Als Probe kann man Holz mit Wasser oder Waschbenzin feucht machen - in etwa so sieht es nach dem Ölen aus.

Das Öl ist relativ dünnflüssig und zieht gut in den Untergrund ein. Nach 30 Minuten nimmt man den Überstand ab. Das Öl verhält sich recht unkritisch, wenn man die Zeit etwas überschreitet.

Mit 100g/m² beim ersten Auftrag auf Buche, liegt es im Durchschnitt. Der erste Auftrag sperrt schon gut, so dass beim zweiten Auftrag nur noch < 3g/m² aufgesogen wurden. Insofern ist es bei Möbeln möglich, schon den zweiten Auftrag nur noch dünn mit Lappen aufzutragen.

Insgesamt sind 3 Aufträge sinnvoll, damit die Holzfaser wirklich gut gesättigt ist. Dazwischen sollten 12-24 Stunden Trockenzeit liegen.

Auf eine Glasplatte dünn aufgetragen, trocknet es recht hart aus.