Holzöle Anwendungsfälle

Winfried Mueller, www.reintechnisch.de, Start: 01.11.2008, Stand: 16.02.2017

Inhalt


Wenig Geruchsbildung bei Schrankinnenseiten

Eigentlich sollte man Schrankinnenseiten nicht ölen, weil Öle über lange Zeit Sauerstoffzufuhr brauchen. Das kann über Jahre gehen. Ist der Sauerstoffaustausch in Schrankinnenseiten hingegen behindert, kommt es ganz schnell zur Geruchsbildung, was je nach Öl sehr unangenehm sein kann.

Bei den Ölen gibt es große Unterschiede, was die Geruchsbildung angeht. Leinöl und Tungöl neigen beide stärker zu Geruchsbildung, wobei man diese aber gerade wegen der sonstigen guten Eigenschaften schätzt. Auch kommt es sehr darauf an, wie tief ein Öl ins Holz einzieht. Für strapazierfähige Oberflächen will man eigentlich eine tiefe Imprägnierung, aber das führt dann auch zu stärkerer Geruchsbildung.

Ich hab dazu mal einen Geruchstest mit zahlreichen Ölen gemacht (Sep 2010). Probeplatten mit 10x10cm Größe (Buche) wurden geölt und 6 Wochen bei 20 Grad ohne direkte Sonneneinstrahlung getrocknet. Dann kamen die einzeln jeweils in ein Clipverschlußbeutel und lagen dort 4 Tage. In den Beuteln ist nur noch wenig Sauerstoff und die sind auch recht dicht. Nach dieser Zeit wurde probegeschnüffelt, mit mehreren Personen, weil jeder eine andere Sensibilität hat.

Zu unserem Erstaunen gab es einige Produkte, die völlig geruchlos waren bzw. die unter der Wahrnehmungsschwelle blieben.

Geruchlos waren diese Produkte:

  • Clou Holzwachs W1
  • Osmo Dekorwachs
  • Osmo Topoil
  • Livos Ardvos
  • Zweihorn NPO
  • Osmo Hartwachsöl

Einen geringen Geruch hatten diese Produkte:

  • Öl-Wachs Eigenherstellung (Leinölfirnis + ca. 6% Bienenwachs)
  • Rustins Danish Oil
  • Livos Koimos Parkettöl
  • Livos Naturöl-Siegel
  • Steinert Drechsleröl
  • Natural Parkettöl
  • Biofa Arbeitsplattenöl

Einen stärkeren Geruch hatten diese Produkte:

  • Clou Hartöl
  • Leinos Hartöl
  • Auro PurSolid

Osmo und Zweihorn enthalten weder Leinöl noch Tungöl, insofern neigen sie nicht so zu Geruchsbildung. Die Livos Produkte ziehen durch den Wachsanteil nicht sehr tief ins Holz, was die geringe Geruchsbildung erklärt. Ganz ähnlich ist es bei Clou Holzwachs und auch der Eigenherstellung aus Leinöl+Wachs.

Grundsätzlich gilt: In Schrankinnenteilen das Öl möglichst kurzzeitig einziehen lassen (3-5 Minuten reichen völlig). Ein Auftrag reicht in der Regel, wobei ein zweiter Auftrag, der auch wieder relativ schnell heruntergewischt wird, kaum Probleme machen sollte. Vorsicht, Öl nicht in Löcher oder Spalten einziehen lassen. Stärker saugende Bereiche nicht nachölen.

Livos hat übrigens einige ölbasierte Produkte, die laut Datenblatt auch für Schrankinnenbereich geeignet sein sollen: Livos Kaldet Holzlasur 270 (direkt ohne Grundieröl) und Livos Darix Möbellasur (Wobei die Aussagen zu Darix widersprüchlich sind.). Alisa Hartöl 284 wird als bedingt geeignet angegeben. In einem weiteren Infoblatt empfiehlt Livos für Schrankinnenteile eindeutig Kaldet oder aber die Landis-Schellack-Grundierung (als nicht ölbasierte Variante).

Ich wäre noch sehr vorsichtig, Schrankinnenteile zu ölen, aber nach diesem Test kann man eigene Experimente an realen Objekten in Erwägung ziehen. Erkenntnisse würden mich interessieren.

Alternativen: Eine Alternative wäre die Grundierung mit Schellack. Man trägt ihn einmal auf, in der Menge, dass er vollständig einzieht, also keine Glanzstellen entstehen. Evtl doch vorhandene Glanzstellen kann man nach Trocknung mit Schleifvlies oder Schleifpapier abnehmen. Danach wird mit einem ölfreien Wachs behandelt, z.B. Briwax, Clou Antik-Wachs, Biopin Bienenwachs. Mitunter kann man auf Grundierung auch verzichten, diese macht die Oberfläche aber beanspruchbarer. Reine Wachsprodukte schützen nur wenig.

Weblinks:

Wenig Anfeuerung

Öle verändern die Holzfarbe mitunter erheblich in Richtung dunkler. Man spricht auch vom sogenannten Naßeffekt - das Holz sieht nach dem Ölen in etwa so aus, wie mit Wasser angefeuchtet.

Oft ist Anfeuerung erwünscht, weil es sehr schön die Maserung hervorhebt. Mitunter möchte man aber nahezu bei der Holzfarbe bleiben, wie unbehandelt. In diesen Fällen gibt es einige Möglichkeiten.

Man kann vollständig auf Öl verzichten und nur mit einem Wachs arbeiten. Reine Wachse ohne Ölzusätze verändern die Holzfarbe so gut wie nicht. Nadelhölzer eignen sich gut für eine reine Wachsbehandlung. Typischerweise sind die sogenannten Antikwachse reine Wachsprodukte. Auch das Biopin Bienenwachs wäre so ein Wachs.

Sonderlich beanspruchbar sind gewachste Oberflächen aber nicht. Für eine Kommode oder einen Apothekerschrank reicht das oft aus, Tischoberflächen hingegen sind gewachst zu empfindlich. Feuchtigkeit und heiße Sachen hinterlassen schnell Flecken.

Um eine gewachste Oberfläche etwas beanspruchbarer zu machen, ist eine Grundierung mit Schellack eine gute Möglichkeit. Schellack feuert ein wenig an, aber nicht so viel wie Öl. Schellackgrundierung eignet sich im Gegensatz zu Öl auch für alle Innenflächen, an die kaum Sauerstoff kommt.

Man grundiert mit einem dünnen Schellack (1Teil Schellack auf 6 Teile Spiritus) einmal, achtet dabei darauf, nur so viel aufzutragen, wie das Holz wegsaugt. Nach Trocknung - meist innerhalb von 1-2 Stunden - geht man nochmal mit Schleifvlies drüber, um evtl. glänzende Stellen zu entfernen. Dann kann auch schon der Antikwachs aufgetragen werden. So entstehen schöne Oberflächen, die auch kurzzeitig Wasser vertragen, nicht jedoch längere Zeit, weil dann der Schellack milchig wird.

Clou Holzwachs W1 ist beansprucharer, hier ist es aber wie mit so vielen Wachsprodukten: In Wirklichkeit sind es Wachs-Öl Gemische, was man aus der Produktbezeichnung nicht erkennt. Bei Clou W1 wird durch den Wachsanteil verhindert, das Öl tief ins Holz einzieht. Das verhindert stärkere Anfeuerung. Oberflächlich wird trotzdem eine gut beanspruchbare Oberfläche aufgebaut.

Manche wasserbasierte Öle feuern sehr wenig an. Ein Produkt mit sehr wenig Farbveränderung ist Auro Hartgrundierung 127. Typisch sollte man nachträglich nochmal mit Aqua-Fußbodenwachs Nr. 187 drübergehen. Für mäßig beanspruchte Flächen reicht jedoch auch die alleinige Behandlung mit der Hartgrundierung, dann jedoch mindestens 2-maliger Auftrag mit Zwischenschliff.

In eine andere Richtung gehen Öle mit Weißpigmenten. Das Öl feuert zwar an, die Weißpigmente jedoch hellen wieder auf, so dass unterm Strich die Farbe etwa wie vor der Behandlung war. Die meisten weißpigmentierten Öle funktionieren auf hellen Hölzern recht gut (Birke, Pappel, Ahorn, helle Fichte). Bei dunkleren Hölzern hingegen wird es schwierig, weil dort die Weißpigmente auffallen. Hier braucht es Öle, die extrem kleine Weißpigmente haben. Gute Erfahrungen habe ich hier mit dem Parkettöl weiß von Natural gemacht. Auf Eiche und heller Fichte, die kaum angefeuert werden soll, habe ich mit Auro Hartöl weiß gute Erfahrungen gemacht.

Ein Öl, was auch relativ zurückhaltend anfeuert, ist Osmo Hartwachsöl oder Osmo Topoil. Das Osmo Hartwachsöl gibt es auch in weiß, welches die sowieso geringe Anfeuerung noch kompensiert.

Öle bringen typischerweise auch etwas Gelbfärbung mit rein, weil sie eine Eigenfarbe haben. Es gibt einige wenige Öle, die sehr wenig Eigenfärbung mitbringen. Hier wird meist auf Leinöl als Basis verzichtet und auf Öle mit weniger Eigenfarbe zurückgegriffen. Mitunter wurden diese auch chemisch verändert. Solch ein Öl ist z.B. das Zweihorn NPO Projektöl. Der Hersteller spricht von "nicht anfeuerndes" Öl. Nach meiner Erfahrung war das Öl auf heller Fichte in der Tat kaum anfeuernd, auf Buche verhielt es sich hingegen stark anfeuernd, wie andere Öle auch.

Tische und Arbeitsplatten

Bei Arbeitsplatten spielt das Thema Wasserbelastung eine besondere Rolle. Auch andere Flüssigkeiten aus Lebensmitteln können die Oberfläche belasten: Zitronensaft, Wein, Essig oder Spülmittel.

Mechanische Beanspruchung ist ebenfalls ein Thema. Normal schnippelt man zwar nicht direkt mit Messer auf einer Arbeitsplatte rum, aber es werden auch Teller, Töpfe und sonstige Sachen drübergeschoben. Und manchmal hantiert man eben doch mal direkt mit einem Messer, ohne ein Schneidebrettchen drunterzulegen.

Das Holzöle in diesem Bereich lebensmittelecht sind, hat hier eine besondere Bedeutung. Schließlich sind Lebensmittel oft damit in direkter Berührung. Hier die richtige Auswahl zu treffen, ist gar nicht so einfach:

  • Lebensmittel-Leinöl: Kauft man ein Marken-Leinöl, welches als Lebensmittel im Handel ist, hat man eine große Sicherheit, keine problematischen Chemikalien auf die Arbeitsplatte zu bekommen. Nachteil ist, dass das Öl Monate braucht, bis es härtet. Man kann die Platte zwar sofort nach dem Ölen benutzen, so richtig beanspruchbar wird sie aber erst mit der Zeit. In den ersten Monaten muss man recht häufig nachölen. Es kann sein, dass eine so geölte Oberfläche nie die Belastbarkeit und Gebrauchseigenschaften bekommt, wie bei Einsatz von optimierten Arbeitsplattenölen. Auch wäscht sich das noch nicht getrocknete Öl immer wieder schnell aus.
  • Von nahezu allen anderen Lebensmittelölen ist abzuraten, da sie gar nicht oder nur unbefriedigend härten. Ein Öl, was ständig flüssig oder schmierig bleibt, zieht Schmutz an und schützt das Holz wenig. Auch muss dann recht oft nachgeölt werden. Solche Öle können auch ranzige Gerüche absondern.
  • Es gibt durch Sonnenlicht voroxidiertes pures Leinöl. Dieses trocknet auch ohne Sikkative (chemische Trocknungsbeschleuniger) innerhalb von wenigen Tagen. Bei dem Lieferant http://www.dick.biz findet man es z.B. unter der Bezeichnung Linolja (voroxidierte Version). Bei http://www.leinoelpro.de findet man ebenso ein rohes Leinöl, was zwar nicht voroxidiert ist, aber trotzdem relativ schnell trocknen soll. Erfahrungen habe ich mit beiden Produkten nicht. Wohl aber mit selbst hergestelltem voroxidierten Leinöl.
  • Tungöl: Auch als chinesisches Holzöl bekannt, auch rein pflanzlicher Ursprung vom Tungölbaum. Dieses Öl trocknet von alleine innerhalb weniger Tage und ist sehr gut beanspruchbar. Es enthält pflanzliche Bestandteile, die das Öl im flüssigen Zustand zu einem reizenden Stoff machen. Getrocknet soll jedoch keine Gefahr mehr davon ausgehen. Diese Erkenntnis scheint relativ gut gesichert zu sein. Es gibt auch professionell hergestellte Arbeitsplattenöle, die Tungöl enthalten.
  • Leinöl-Firnis: Neben Leinöl enthält dieser noch Sikkative. Es ist recht gut abgesichert, dass die heute eingesetzten Sikkative in getrocknetem Zustand ungefährlich sind. Nur beim Schleifen sollte man eine Staubschutzmaske tragen. Problem ist jedoch, dass man nie weiß, wie verunreinigt technische Öle sind. Insofern würde ich nur Leinöl-Firnisse von sehr vertrauenswürdigen Quellen einsetzen, z.B. von etablierten Naturfarbenherstellern.
  • Arbeitsplattenöle: Zahlreiche Hersteller haben Öle im Programm, die speziell für Arbeitsplatten entwickelt wurden. Auch diese enthalten in aller Regel Sikkative und oft auch Tungöl, beides Stoffe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unkritisch sind. Es ist davon auszugehen, dass verantwortungsvolle Hersteller solche Öle besonders auf Lebensmittelverträglichkeit hin testen. Mitunter gibt es hierfür auch schriftliche Zusagen/Freigaben.
  • Standard Holzöle: Von den technischen Eigenschaften eignen sich auch die meisten Holzöle für Tischplatten und Arbeitsplatten. Bei wachshaltigen Produkten muss man genauer schauen, weil Wachs temperaturempfindlich ist. Stärker schichtbildende Öle können bei Feuchtebelastung fleckig werden. Auch hier würde ich aber nur auf Öle zurückgreifen, die von Naturfarbenherstellern kommen, mit einer Volldeklaration der Inhaltsstoffe ausgestattet sind und die vom Hersteller auch für Tische und Arbeitsplatten empfohlen werden. Und auch die Freigabe für Kinderspielzeug (DIN-EN 71.3) sollte vorhanden sein.

Bei Arbeitsplatten sollte rundum gut behandelt werden, vor allem auch die Stirnflächen. Auch bei Ausbrüchen darauf achten. Es soll einfach keine Stelle geben, wo Wasser stärker eindringen kann.

Ein großer Fehler wird bei L-förmig verbundenen Arbeitsplatten über Eck gemacht. Weil Holz quer etwa Faktor 10 mehr arbeitet als längs, muss das Holz dort reißen, wenn man es hier fest miteinander verleimt. Man muss sich dabei vor Augen führen, dass eine 60cm breite Arbeitsplatte durchaus 5-12 mm in der Breite arbeiten kann oder will. Je nach Luftfeuchte wird sie ganz erheblich breiter oder schmaler. Hat man aber gegen Längsholz verleimt, ist das Holz eingesperrt. Dadurch entstehen extreme Kräfte an dieser Stelle und irgendwann wird es hier reißen oder die Leimfuge bricht.

Eine Möglichkeit einer sinnvollen Verbindung ist, dass man erstmal ein paar Lamellos oder 2 Nuten mit einer Fremdfeder vorsieht. Damit werden beide Platten genau in Höhe gehalten, wenn sie verbunden sind. Von unten wird die Platte so bearbeitet, dass 2 Arbeitsplattenverbinder die Platten zusammenhalten können. Man sollte möglichst lange Arbeitsplattenverbinder nehmen, z.B. 10-15cm. Nachdem man die Platte und die Kanten gut geölt hat und alles getrocknet ist, kann man nun zusammenbauen. Es wird keinesfalls geleimt, sonst könnte die Platte nicht arbeiten. Die Arbeitsplattenverbinder dürfen nicht zu fest angezogen werden.

Was passiert nun, wenn die Platte arbeitet? Die Arbeitsplattenverbinder kippen leicht, stehen also nicht mehr im 90 Grad Winkel. Dadurch ziehen sie die Platte etwas stärker zusammen, weshalb man sie ursprünglich nicht zu fest ziehen darf. Und damit dieser Kippvorgang nicht zu stark ist, müssen sie lang genug sein. Und der Schlitz, durch den der Gewindestab geht, muss auch breit genug ausgearbeitet sein. Der Arbeitsplattenverbinder muss konstruktiv so ausgeführt sein, dass er gut solche Kippbewegungen mitmachen kann, in der Regel können das die einfachen Standard-Arbeitsplattenverbinder. Beide Platten können sich so also gegeneinander verschieben.

Die Stoßkanten werden oben ein klein wenig gebrochen bzw. gefast. Keinesfalls dürfen hier Dichtmassen eingebracht werden, weil die starken Breitenveränderungen keine Dichtmasse mitmachen könnte. Das gilt auch für eingebaute Spülen oder Herdflächen: Diese dürfen nicht mit Silikonen oder ähnlichen Dichtmassen eingeklebt werden. Dichtmassen, die ähnlich wie Knetgummi dauerhaft plastisch weich bleiben, sind hingegen unkritisch.

Am Wandabschluß kann hingegen mit Dichtmassen gearbeitet werden, wobei hier die Fugen mit Querholz auch kritisch sind. Diese muss breit genug sein, damit sie sich gut dehnen kann.

Auf geölten Arbeitsplatten halten Silikondichtmassen in der Regel schlecht. Dichtmassen auf Basis von MS-Polymer haften in der Regel wesentlich besser, sind allerdings nicht ganz so Langzeitstabil. 7-10 Jahre sind aber in der Regel kein Problem. Die geölte Oberfläche sollte mit Benzin gereinigt werden. Und frühestens 14 Tage nach Ölung verfugen. Man muss übrigens nicht zwangsläufig verfugen. Im Gegensatz zu Spanplatten ist etwas Wasser an den Kanten nicht so kritisch.

Bei Tischen ist die Beanspruchung ganz unterschiedlich. Es gibt Tische, die super gepflegt und fast nicht belastet werden. Ein hochwertiger Wohnzimmertisch, auf dem ständig eine Tischdecke liegt, wird fast nicht beansprucht. Ein Tisch in einer Kneipe hingegen wird massiv beansprucht.

Vor Ölauftrag ist es bei Massivholzplatten gut, die Oberfläche zu wässern und nach Trocknung zu schleifen. Mit einem Schwamm oder einem Pinsel macht man hierzu die Oberfläche feucht. Dadurch stellen sich Holzfasern auf, die Oberfläche wird rau. Nach Trocknung werden diese aufgestellten Fasern dann weggeschliffen. Beim Schleifen eher sanft mit wenig Druck arbeiten, damit man die Fasern nicht einfach nur niederdrückt, sondern sie wirklich wegschleift. Natürlich sollte das Schleifpapier auch ordentlich scharf sein. Für hochwertige Oberflächen kann man wässern-trocknen-schleifen ruhig 2-3 mal wiederholen. Bei furnierten Oberflächen würde ich eher von abraten, weil mir hier Substanzerhaltung (dünnes Furnier) wichtiger erscheint.

Bei Hartholz schleift man typisch bis 240er Papier, bei Nadelhölzern reicht oft 150 oder 180er Papier aus. Je feiner man schleift, um so glatter, aber auch um so kratzempfindlicher wird die Oberfläche.

Es gibt mehrere Alternativen, zu ölen. Ein klassisches Verfahren ist, das Holz gut und tief zu sättigen. In diesem Fall sollte der erste Auftrag ein dünnflüssiges lösemittelhaltiges Öl sein. Der zweite Auftrag kann dann mit gleichem Öl oder mit einem dickflüssigeren Öl erfolgen. Das Öl lässt man möglichst lange einziehen, damit das Holz gut gesättigt wird. Klassisch verwendet man hierfür für den ersten Auftrag Halböl - also Leinöl-Firnis, was 1:1 mit einem Lösemittel verdünnt ist. Der zweite Auftrag kann dann Leinöl-Firnis pur sein.

Spezialisierte Holzöle diverser Hersteller können bessere Ergebnisse bringen (härter, beanspruchbarer). Auch kann die Verarbeitung etwas einfacher sein (schnellere Trocknung, bessere Sättigung). Wegen Lebensmittelkontakt sollte man nur Öle aussuchen, deren Inhaltsstoffe einem vollständig bekannt sind. Mit ein wenig Fachwissen weiß man auch, welche Inhaltsstoffe wie zu bewerten sind.

Wachs sollte man auf Arbeitsplatten vermeiden: Feuchtigkeit sorgt schnell für ungleichmäßiges Glanzbild - dort wo es mal nass war, ist die Oberfläche stumpf. Und Wachs ist sehr temperaturempfindlich. Eine heiße Tasse Kaffee kann schon Abdrücke auf der Oberfläche ergeben.

Auch färben sollte man beanspruchte Tisch- oder Arbeitsplatten nicht. Weil die Oberfläche offenporig bleibt, können eindringende Flüssigkeiten die Pigmente oder Farbstoffe verändern und die Oberfläche wird fleckig. Wenn man nachölt, nehmen Kratzer besonders Pigmente auf, diese werden dann noch stärker sichtbar.

Längere Wasserbelastung führt zu Flecken, insofern sollte man geölte Holzarbeitsplatten nach Gebrauch trocken wischen. Bei Tischen sollte man verschüttete Flüssigkeiten möglichst bald abnehmen. Mit Desinfektionsmitteln auf Alkoholbasis sollte man grundsätzlich nicht an geölte Flächen. Die Reinigung mit Spülmittel und Wasser ist in der Regel kein Problem. Noch milder sind Neutralreiniger (z.B. Frosch Neutralreiniger).

Das Gute an geölten Tischen und Arbeitsplatten ist: Man kann sie jederzeit auffrischen. Entweder nur durch Nachölen oder auch beliebig schleifen, falls mal hartnäckige Flecken entfernt werden sollen.

Spezialitäten:

  • Osmo Hartwachsöl und das recht ähnliche Osmo Topoil ist schichtbildend und versiegelt die Oberfläche relativ dicht. Vorteil ist, dass längere Wasserbelastung hier unkritisch ist. Nachteilig ist, dass diese Schicht auch verletzt werden kann und man schlechter nacharbeiten/reparieren kann. Interessant finde ich diese Möglichkeit z.B. direkt im Bereich rund um die Spüle. Wobei man dieses Öl auch in 2 Varianten verarbeiten kann: Kaum schichtbildend, in dem man wie bei einem klassischen Öl den Überstand abnimmt. Stärker schichtbildend, in dem man dünn streicht und den Überstand nicht entfernt.
  • Das Biofa Arbeitsplattenöl ist lösemittelfrei und riecht nur wenig. Die Verarbeitung und Beanspruchbarkeit ist gut. Das 250ml Gebinde ist recht preisgünstig zu bekommen.
  • Tungöl hat einen guten Ruf, was Beanspruchung mit Wasser angeht. Auch mechanisch ist es gut beanspruchbar. Manche verwenden es pur, andere mischen es mit Leinöl-Firnis. Der erste Auftrag kann genauso mit Lösemittel als Halböl verdünnt werden (Orangenöl, Benzin, Balsam-Terpentin). Tungöl ohne Sikkativ braucht etwa 1-2 Wochen, um oberflächlich getrocknet zu sein. Manche Sorten riechen längere Zeit noch recht intensiv. In den ersten Monaten muss man aufpassen, dass immer genug Sauerstoff an die Oberfläche kommt.

Weblinks:

MDF und HDF

Hartfaserplatten und mitteldichte Faserplatten sind unglaublich saugfähig. Sie saugen ein dünnflüssiges Öl wie ein Schwamm auf. Manchmal ist das gar nicht so schlecht. So kann ein Hartöl z.B. eine dünne HDF-Platte stabilisieren und ziemlich wasserresistent machen, weil es die komplette Platte durchtränkt. Oft aber stört auch der massive Ölverbrauch und die Anzahl der Durchgänge, ehe man eine Platte wirklich komplett gesättigt hat.

Insofern sollte man hier recht dickflüssige Öle einsetzen. Man kann Leinöl-Firnis pur verwenden oder dieses noch mit einem Standöl andicken. Oder man verwendet Standöl, was so dick wie Honig ist, pur. Standöl bekommt man z.B. bei kremer-pigmente.de. Wird das Standöl nicht sikkativiert, muss man mit mindestens 2 Wochen Trockenzeit rechnen.

Auch viele neuere Pure Solid Öle, die lösemittelfrei sind, sind recht dickflüssig. Diese eignen sich gut. Auro PurSolid hat für diesen Zweck z.B. gut funktioniert.

Öle, die recht harzreich sind, sperren nach dem ersten Auftrag die Saugfähigkeit gut ab, so dass der zweite Auftrag dann sättigt. Gute Erfahrungen hab ich z.B. mit Livos Kunos Naturöl-Siegel, Natural-Finish-Öl, Steinert-Drechsleröl oder Steinert-Drachenöl gemacht. Auch bestens funktionieren viele Osmo-Produkte, die durch einen Wachsanteil wenig ins Material einziehen, z.B. Osmo TopOil, Osmo Hartwachsöl oder Dekorwachs und Landhausfarbe zum colorieren.

Stirnkanten sind besonders saugfähig, diese lassen sich z.B. mit einem dick angesetzen Schellack vor dem Ölen sperren. Man trägt den Lack einmal auf und schleift nach Trocknung nochmal kurz die Oberfläche an. Zu viel Schellack sollte man nicht auftragen, damit die Oberfläche noch saugfähig bleibt. Grundsätzlich sind auch andere farblose lösemittelhaltige Lacke verwendbar, z.B. Clou Yachtlack.

Ein späterer Wachsauftrag ist gut möglich. Stirnkanten kann man durch richtige Kombination von Öl und Schellack absolut glatt bekommen. Nach dem ersten Ölen sollte man diese nochmal fein schleifen.

Von wasserbasierten Wachsen, Lasuren und Ölen auf MDF rate ich eher ab. Das MDF quillt durch das Wasser auf und die Oberfläche wird rauh. Es ist nicht unmöglich, mit wasserbasierten Produkten zu arbeiten, jedoch ist der Aufwand groß, um gute Oberflächen damit hinzubekommen.

Weblinks:

Dünne Furniere und Multiplex

Bei dünnen Furnieren ist von der einen Seite unterschiedlich tief Kleber ins Holz eingezogen, der mitunter sogar bis zur Oberfläche der anderen Seite durchgezogen ist (Leimdurchschlag). Wenn man nun von der anderen Seite ein tief einziehendes Öl aufbringt, wird dieses sehr unterschiedlich tief einziehen. Resultat sind fleckige Oberflächen - dort wo das Öl tiefer einziehen kann, wird das Holz stärker angefeuert. Auch Multiplex ist natürlich davon betroffen, insbesondere, wenn die Deckschicht aus sehr dünnem Furnier besteht.

Solche Probleme können auftreten, müssen aber nicht. Wenn man jedoch das Risiko minimieren will, sorgt man für geringere Eindringtiefe. Im einfachsten Fall kann es sein, dass eine kürzere Einzugszeit weiterhilft: Man lässt das Öl z.B. nur 5 Minuten einwirken und nimmt dann den Überstand ab. Bedenken sollte man allerdings, dass auch nach Abnahme des Überstandes das Öl im Holz weiterkriecht. So lange, bis es anfängt zu trocknen.

Auch die richtige Auswahl des Öles ist wichtig. Ich würde eher zu dickflüssigeren Ölen greifen (z.B. lösemittelfreie PureSolid-Öle). Auch gibt es spezialisierte Produkte, die extra auf furnierte Oberflächen abgestimmt sind.

Wachse sind auf furnierten Oberflächen in der Regel problemlos, weil sie eher auf der Oberfläche bleiben, also nicht tief ins Holz einziehen. In der Regel ölt man zuerst, um einen Tiefenschutz herzustellen und verwendet dann einen Wachs, der die Oberfläche schützt. Auch Kombinationsprodukte - Hartwachsöle - kann man einsetzen.

Spezialitäten:

  • Osmo Hartwachsöl zieht nicht sonderlich tief ein und ergibt in der Regel einheitliche Oberflächen. Für Möbel sollte man es aber für eine schönere Oberfläche mehrmals dünn mit Lappen aufbringen. Der erste Auftrag kann auch mit Pinsel erfolgen, wenn man nach 10-15 Minuten den Überstand mit Lappen verreibt und dann abnimmt. Ähnlich funktioniert auch Osmo TopOil.
  • Livos Kunos Arbeitsplattenöl dringt recht wenig ein und wird auch schon nach 3 Minuten wieder abgewischt.
  • Es gibt mittlerweile auch Öle, die als Lösemittel Wasser verwenden. Oft feuern diese weniger an und dringen auch nicht so tief ein. Hier kann man Versuche machen. Produkte wären z.B. die Auro Hartgrundierung oder das Biopin Fußbodenöl. Allerdings verarbeiten sich wasserbasierte Produkte nicht so angenehm (Oberfläche wird rau, Streichfähigkeit nicht so gut). Bei Furnieren kann Wasser auch den Leim lösen.

Was man meiden sollte:

  • Öle, die lange Trockenzeiten haben, z.B. pures Lackleinöl ohne Sikkativ
  • lange Einzugszeiten
  • Halböle oder sonstige stark lösemittelverdünnte Öle.

Besonders unbedenklich

Öle und Wachse von Naturfarbenherstellern sind in der Regel schon recht unproblematisch. Es werden größtenteils naturbelassene Rohstoffe eingesetzt. Allerdings benötigt man für eine Optimierung der Verarbeitung und Belastbarkeit ein paar Rohstoffe, die in seltenen Fällen auch zu Problemen führen können.

Menschen, die chemikaliensensibel sind, müssen besonders acht geben. Hier sollte auf alles verzichtet werden, was nicht unbedingt nötig ist. Ähnlich vorsichtig sollte man bei allem sein, womit kleine Kinder in Berührung kommen. Oder wenn man Produkte ölt, die intensiv mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.

Viele Öle von Naturfarbenherstellern sind für solche Anforderungen freigegeben, auch wenn Sie Lösemittel, Sikkative und Naturharze enthalten. Überhaupt muss man sagen, dass Öle im Vergleich zu fast allen konventionellen Lacken besonders verträglich sind.

Für den Fall, dass man es noch weiter treiben will, hier einige Anregungen.

Man kann mit purem Leinöl arbeiten, dem nichts hinzugefügt wurde. Es sollte lediglich gereinigt und entschleimt sein. Solch ein Öl bezeichnet man auch als Lackleinöl. Zu bekommen z.B. bei http://www.kremer-pigmente.de oder http://www.leinoelpro.de. Grundsätzlich bekommt man hiermit gut geölte Oberflächen hin. Man braucht aber viel Zeit: Für die Trocknung sollte man 6-10 Wochen einplanen. Die Oberfläche ist allerdings schon nach wenigen Tagen relativ unempfindlich.

Ein wenig schneller geht es mit Leinöl-Standöl, weil dieses schon vorpolymerisiert ist. Bei Kremer-Pigmente gibt es ein Öl, was etwa die Konsistenz wie dünnflüssiger Honig hat - für ein Öl also relativ dick (Viskosität 50 dPas). Dieses Öl trocknet in dünnen Schichten schon nach einer Woche recht gut. Und obwohl es so dickflüssig ist, zieht es noch erstaunlich gut z.B. auf Buche ein. Man lässt es am besten 8 Stunden oder länger einwirken, ehe man den Überstand abwischt. Natürlich kann man Leinöl-Standöl auch mit Lackleinöl mischen, um es dünnflüssiger zu machen. Leinöl-Standöl ist ebenso reines Leinöl, welches lediglich durch Wärme und Sauerstoff angedickt wurde.

Es gibt auch sonnengebleichtes Leinöl, welches noch dünnflüssig ist, aber recht schnell trocknet. Von dick.biz gibt es z.B. das Linolja sonnengebleicht. Sowas lässt sich auch selber herstellen: Man nimmt eine alte Bratpfanne, in die man Lackleinöl füllt (in meinem Test von kremer-pigmente.de). Etwa halb voll. Diese wird mit einer Glasplatte abgedeckt. Nun muss die Pfanne an einem gut sonnigen Platz aufgestellt werden. Das Öl braucht etwa 2 Monate gute Besonnung in den Sommermonaten. Man sollte die Glasplatte täglich einmal runternehmen und das Öl leicht durchrühren. So kommt Sauerstoff ins Öl, was für den Prozess benötigt wird. Man kann auch einen stechenden Geruch wahrnehmen, besonders wenn das Öl durch die Sonne recht heiß ist (70-80 Grad können es durchaus werden). Spätestens dann, wenn im Öl sich nach 2-3 Monaten schleimig-feste Stoffe bilden, sollte man den Prozess beenden. Dann füllt man das so gewonnene Öl durch ein Sieb in Flaschen. Typischerweise trocknet so eine Öl nach 2-3 Tagen dünn aufgetragen auf einer Glasscheibe. Das Öl ist übrigens nach so einer Behandlung noch recht dünnflüssig und extrem hell. Wenn man es aber einige Tage an einem dunkleren Ort aufbewahrt, wird es auch wieder wesentlich dunkler.

Ein Gegentest zeigte übrigens, dass Sauerstoff die Trockeneigenschaften fördert: Eine Probe, die luftabgeschlossen ebenso für 3 Monate besonnt wurde, brauchte etwa 7 Tage für die Trocknung einer Probe auf einer Glasplatte.

Tungöl - auch ein Pflanzenöl - ist besonders interessant, weil es auch ohne Sikkative innerhalb von 1-2 Wochen gut durchtrocknet. Die Belastbarkeit der Imprägnierung ist recht gut. Leider hat rohes Tungöl giftige Inhaltsstoffe, weshalb man bei Verarbeitung Handschuhe tragen sollte. Im getrockneten Zustand soll es unproblematisch sein. Man findet es auch in vielen fertigen Ölen von Naturfarbenherstellern, die u.a. auch für Spielzeug oder Arbeitsplatten empfohlen werden.

Es gibt noch 2 Öle, die für Oberflächen mit geringerer Beanspruchung verwendet werden können: Walnussöl oder Safloröl (Distelöl). Hier gilt das Selbe, wie für Leinöl - sie brauchen 6-10 Wochen, um zu trocknen. Beide haben etwas weniger Gelbfärbung und riechen auch nicht so streng. Dies kann bei bestimmten Anwendungsfällen günstig sein. Auch aus diese Öle könnte man durch vorherige Sonnenbehandlung zu schnellerer Trocknung anregen.

Leinöl-Firnis enthält Sikkative. Davon ist es vor allem Kobalt, welches fast von allen Herstellern verwendet wird, unter bestimmten Umständen aber belasten kann, besonders, wenn man größere Mengen behandeltenen Holzes schleift (Schutzmaske verwenden). Es gibt jedoch auch kobaltfreie Firnisse, die meist nur einen Mangantrockner verwenden. Kremer-Pigmente hat den "Kremer-Leinöl-Firnis", der Mangan als Sikkativ verwendet. Im Sicherheitsdatenblatt findet man deshalb auch keine besonderen Gefahrenhinweise - selbst Handschutz braucht es danach nicht. Nachteil dieses Firnis ist, dass er nicht so schnell trocknet. Oberflächlich ist er zwar auch nach 24 Stunden getrocknet, mir ist es aber schon passiert, dass nach 3-4 Tagen bei Sonne Öl wieder aus dem Holz ausgeschwitzt ist. Insofern würde ich mindestens 1-2 Wochen vor Beanspruchung trocknen. Ein zweiter Auftrag kann aber nach 2-3 Tagen erfolgen.

Von Livos gibt es das KOIMOS-Naturöl Nr. 196, welches ebenfalls sehr schonend abgestimmt ist (für Allgergiker): Es enhält kein Kobalt, keine Lösemittel, kein Tungöl und keine Naturharze, auf die manche allergisch reagieren können. Klar sollte sein, dass dieses Öl nicht ganz so hoch beanspruchbar ist.

Das PurSolid Öl von Auro und auch das Einmalöl ist ebenso noch recht schonend zusammengesetzt: Keine Naturharze, keine Lösemittel. Jedoch enthält es Tungöl und vermutlich auch Kobalt.

Wenn es nur um Lösemittelfreiheit geht, gibt es noch das Pure Solid Öl von Kreidezeit. Es enthält jedoch Naturharze, Tungöl und vermutlich auch Kobalt. Weitere Lösemittelfreie Öle findet man hier: HolzOeleLoesemittelfrei

Bei Wachsen werden hauptsächlich Bienenwachs und Carnaubawachs eingesetzt, die beide als unproblematisch gelten. Viele Wachse brauchen jedoch Lösemittel, damit man sie verarbeiten kann. Lösemittel sind innerhalb weniger Tage verflogen, belasten also nur während der Verarbeitung. Lösemittelfreie Wachse gibt es in der Form, dass diese in Leinöl gelöst sind, z.B. beim Auro Hartwachs 171. Die Ölkomponente enthält auch wieder Sikkative, hier wird man also auch geringe Mengen an Kobalt finden. Wer auf Lösemittel wie auf Sikkative verzichten will, könnte noch im Heißverfahren Wachs auftragen. Die Firma Livos hat zudem speziell für Allergiker das Neutral-Sortiment, in dem man auch Wachse findet.

Fazit: Man kann auf fast alles verzichten und nur noch naturbelassene Öle und Wachse einsetzen. Diese Zutaten gibt es sogar in Lebensmittelqualität. Die Qualität einer solchen Behandlung ist schon recht gut. Für höhere Beanspruchbarkeit und einfachere Verarbeitung braucht es allerdings genau die Zusätze, die in den meisten Ölen enthalten sind.

Partielle Aufarbeitung

Mitunter muss eine geölte Fläche partiell aufgearbeitet werden, z.B. um einen Kratzer zu entfernen. Anfangs war ich immer wieder frustriert, dass mir das nur schwer gelang. Mittlerweile klappt das in zahlreichen Fällen sehr gut.

Der erste Tipp: Bei der Nachbehandlung muss der Endschliff an der betroffenen Stelle viel feiner sein. Das hat was damit zu tun, dass man bei der durch Öl gehärteten Oberfläche viel tiefere Kratzer ins Holz macht. Der typische Endschliff eines Möbels ist bei mir Korn 220. So geschliffene Oberflächen arbeite ich partiell mit Korn 320-400 auf.

Der zweite Tipp: Nach dem feinen Schliff nehme ich ein sehr feines Schleifvlies (Mirka Mirlon ultra fine). Damit gehe ich nochmal drüber. Das erzeugt eine Oberfläche, die dem Rest schon sehr ähnlich ist.

Erst jetzt trage ich Öl auf diese Stelle auf. Dieses Öl arbeite ich etwas mit Lappen ein und entferne den Überstand nach relativ kurzer Zeit. Typisch so nach 2-5 Minuten. Jetzt kann man auch erkennen, ob das alles wie gewünscht funktioniert hat. Wenn nicht, kann man jetzt gleich nochmal ran und verändert je nach Erscheinungsbild seine Strategie.

Mitunter kann es sinnvoll sein, eine komplette Fläche nochmal nachzuölen, auch wenn man nur partiell geschliffen hat. So erreicht man ein einheitlicheres Oberflächenbild, falls das mit partieller Nachölung nicht so richtig klappen will.

Über eins muss man sich im Klaren sein: Jedes Holz verändert sich farblich durch UV-Licht. Durch partielles Schleifen trägt man dies oberflächliche Farbveränderung ab. Das Holz darunter hat einen anderen Farbton. Insofern wird man bei allem, was schon länger dem UV-Licht ausgesetzt war, zwangsläufig eine leichte Fleckigkeit bekommen. Dies wird mit der Zeit aber weniger, weil das UV-Licht dann wieder wirkt.