Ölen von Holzoberflächen

Winfried Mueller, www.reintechnisch.de, Start: 24.03.2008, Stand: 03.09.2016

Übersicht

Einführung

Industriell gefertigte Möbel und Gegenstände aus Holz sind größtenteils lackiert. Hierbei wird die Holz-Oberfläche durch eine Kunststoffschicht versiegelt. Es ist ein Verfahren, was sich gut rationalisieren lässt und damit in großen Stückzahlen günstig zu produzieren ist. Solange die Lackoberfläche nirgendwo beschädigt ist, wird das Holz sehr gut vor Nässe und Flüssigkeiten, wie auch Verschmutzung geschützt.

Ein gänzlich anderes Verfahren ist das Ölen von Holz. Hierbei werden die Holzfasern der Oberfläche mit Öl getränkt. Es bildet sich damit keine Schicht aus, die auf dem Holz liegt. Die verwendeten Öle trocknen nach kurzer Zeit zähelastisch im Holz aus.

Dieses Verfahren bietet eine Reihe von Vorteilen. Die meisten Holzöle sind für den Menschen völlig unbedenklich. Sie sind so in der Verarbeitung angenehmer als Lacke und das fertig geölte Holz beinhaltet keine Stoffe, die das Wohlbefinden beeinträchtigen. Insofern ist Ölen von Holz besonders in der Ökoszene beliebt.

Interessanterweise entstanden in Deutschland die meisten Naturfarbenhersteller weltweit. So haben wir heute in Deutschland ein unglaublich reiches Angebot an hochwertigen Holzölen, die weitgehend auf natürlichen Rohstoffen basieren. Diese Produkte sind auch ein Exportschlager, man findet sie in der ganzen Welt.

Das Ölen von Holzoberflächen ist ein Verfahren, was schon seit hunderten von Jahren genutzt wird. Die so behandelten Teile sind recht langlebig und lassen sich sehr gut aufarbeiten.

Für den Heimwerker ist es eine Methode, die einfach auszuführen ist und schnell zu guten Ergebnissen führt.

Das Schönste an diesem Verfahren ist für mich die angenehme Holzoberfläche, die sich sehr gut anfühlt. Man hat direkt Kontakt mit dem Holz, es verschwindet nicht unter einer Lackschicht. Fein geschliffen sind solche Flächen eine Wohltat für berührende Hände.

Ölen ist also ein Verfahren, mit dem man die Ursprünglichkeit des Holzes in Aussehen, Haptik und Ökologie weitgehend bewahrt.

Die Grundlagen des Verfahrens

Ein Öl wird auf das Holz aufgetragen. Es zieht tief in die Holzporen ein. Überschüssiges Öl auf der Oberfläche wird vollständig entfernt. Es entsteht also keine Schicht auf dem Holz.

Öl, was flüssig bleiben würde, ist eher ungünstig. Es zieht Staub und Dreck an. Die Oberfläche wäre schnell unansehnlich. Durch Wasser könnte so ein Öl auch relativ schnell ausgewaschen werden.

Stattdessen verwendet man Öle, die aushärten bzw. trocknen. Das Gebräuchlichste ist herkömmliches Leinöl, wie man es auch als Lebensmittel nutzt. Trägt man es auf Holz auf, härtet es nach 2-10 Wochen aus. Es reagiert mit Luftsauerstoff und Licht (Oxydation, Polymerisation). Die Konsistenz von ausgehärtetem Öl ist zähelastisch.

Es gibt nicht viele Öle, die so aushärten und deshalb nutzbar sind. Hauptsächlich sind es noch Walnussöl, Mohnöl, Safloröl und das Tungöl (auch chin. Holzöl oder nur Holzöl genannt). Durch chemische Veränderung lassen sich heutzutage auch andere Öle nutzen.

Weil Leinöl sehr gute Eigenschaften hat und preisgünstig ist, ist dies auch die Basis vieler Holzöle. Aber auch Öle, die hauptsächlich auf Tungöl basieren, sind im Angebot. Tungöl ist ein Pflanzenöl, welches vorwiegend aus China kommt (Tungölbaum, Holzölbaum).

In den meisten Anwendungsfällen kann man nicht mehrere Wochen warten, bis das Öl getrocknet ist. Deshalb werden dem Öl Trockenstoffe zugesetzt, sogenannte Sikkative. Sie sorgen dafür, dass die Trocknung beschleunigt wird. Oft werden hierfür Verbindungen von Kobalt, Zirkonium, Mangan, Zink und Calcium verwendet. Das Öl wird auch oft noch gekocht, um die Eigenschaften zu verändern oder Verunreinigungen zu entfernen. Leinöl, was so veredelt wurde und beschleunigt trocknet, nennt man in der Regel Leinöl-Firnis. Der Begriff wird jedoch nicht immer einheitlich verwendet.

Hersteller von Holzölen setzen dann noch Harze und andere Öle hinzu (Dammar, Kolophonium, Rizinusöl, Orangenschalenöl, diverse Standöle), was die Eigenschaften des Öles weiter verbessert oder für die konkrete Anwendung passend macht. Mitunter werden auch Wachse hinzugesetzt. Standöle sind übrigens Öle, die durch Voroxidation bereits eingedickt sind. Diese trocknen schneller und mit Ihnen kann man die Viskosität erhöhen.

Jeder Holzölhersteller hat sein eigenes Rezept, um auf bestimmte Eigenschaften des Öles Einfluss zu nehmen. Oft werden die Öle mit Lösemitteln verdünnt, damit sie tiefer in die Oberfläche eindringen können und stabilisierende Harze sich im Öl lösen. Auch geht es darum, die mit Harzen, Wachsen und Standölen entstehende dickflüssige Mischung wieder dünnflüssig zu bekommen.

Einige Öko-Hersteller setzen natürliches Terpentin aus Kiefern oder Terpene aus Zitrusfrüchten (Orangenöl/Orangenterpene/Zitrusterpene) ein. Diese riechen meist recht intensiv und können in seltenen Fällen allergische Reaktionen hervorrufen. Wobei Orangengeruch viele auch als angenehm empfinden, nicht jedoch, wenn man täglich damit arbeiten muss. Andere nutzen Testbenzin, Isoaliphate oder Isoparaffine, die selbst Ökotest für relativ harmlos hält, sie stammen jedoch aus der Erdölchemie. Was schlussendlich sinnvoller ist, darauf gibt es keine leichte Antwort. Die Tendenz in den letzten Jahren geht klar hin zu Isoaliphaten/Isoparaffinen, wobei gleichzeitig immer mehr Lösemittel reduziert werden.

Die große Herausforderung der Öko-Öl-Hersteller ist, gute Öleigenschaften zu erzielen, ohne dabei auf problematische Stoffe zurückgreifen zu müssen. Gerade im Bereich Lösemittel und Trockenstoffe ist dies eine echte Herausforderung, bei der man meist Kompromisse wählen muss. Es geht auch um zweierlei: Eine gute Verarbeitung einerseits, gute Eigenschaften der Holzoberfläche im täglichen Gebrauch andererseits.

Mit einmal Ölen ist es meist nicht getan. Eine Holzoberfläche wird typischerweise 2-3 mal nacheinander behandelt. Die meisten Öle härten innerhalb von 12-24 Stunden soweit durch, dass zwischengeschliffen werden kann. Dann erfolgt ein nächster Ölauftrag.

Sehr glatte und hochwertige Oberflächen werden bis zu 10 mal geölt und mit feinem Schleifpapier, Schleifpad oder Schleifvlies zwischengeschliffen. Moderne Holzöle erzielen jedoch schon nach 2-3 Aufträgen erstklassige Oberflächen.

Besonderheiten einer geölten Oberfläche

Das Holz bleibt an der Oberfläche, es entstehen keine Schichten, die das Holz bedecken, wie man das vom Lackieren kennt. Das Holz bleibt auch offenporig und diffusionsdurchlässig. Es kann also Luftfeuchtigkeit aufnehmen und abgeben, kann quellen und wieder schwinden. Umgangssprachlich sagt man, es atmet. Bei lackierten Oberflächen hingegen entsteht eine recht dichte Oberflächenbeschichtung, welche das Holz von der Umgebung hermetisch verschließt. Man spricht auch von Versiegelung.

Eine Lackschicht kann beschädigt werden. Eindringendes Wasser lässt das Holz quellen und der Lack reißt weiter auf. Auch gibt es hässliche graue Verfärbungen an den Stellen, wo der Lack beschädigt ist.

Öl hingegen ist tief in die Holzoberfläche eingezogen und hat dort die Holzporen gefüllt. Zudem ist es zähelastisch und macht so die Bewegungen des Holzes beim Quellen und Schrumpfen mit. Beschädigungen der Oberfläche legen kein ungeschütztes Holz frei, weil das Öl tief eingezogen ist. Dies ist ein großer Unterschied zu lackierten Flächen.

Weil eine geölte Oberfläche aber nicht dicht ist, können Flüssigkeiten langsam eindringen. Dies braucht aber Zeit. Verschüttete Flüssigkeiten auf einer geölten Arbeitsplatte kann man wegwischen, ohne dass man ein Eindringen beobachtet. Man sollte eine Arbeitsplatte aber nicht längere Zeit direkter Feuchtigkeit aussetzen.


Auf gut geöltem Holz perlt Wasser von der Oberfläche ab, jedoch dringt es mit der Zeit ins Holz ein. Muster: Buchenholz imprägniert mit Tungöl pur.

Färbende Flüssigkeiten, wie Rotwein oder Tinte, können Flecken hinterlassen, die man nur noch schwer weg bekommt. Meist aber auch erst nach längerem Einwirken.

Geölte Oberflächen lassen sich sehr gut nacharbeiten. Man kann beliebig nachschleifen und partiell neu ölen. Auch kann zur kompletten Auffrischung alle paar Jahre unkompliziert neu geölt werden. Im einfachsten Fall reinigt man hierzu die Oberfläche und poliert mit einem Lappen einmal dünn Öl auf. Das ist schnell und einfach gemacht. Hingegen sind Fehlstellen in einer lackierten Oberfläche nur schwer zu beseitigen.

Die meisten Öle sind nach Trocknung für den menschlichen Organismus völlig unkritisch. So sind sie auch meist für Kinderspielzeuge freigegeben und speichelecht (DIN EN 71-3). In der Zeitschrift Ökotest findet man zudem Tests, welche Öle als unbedenklich gelten. Bei Außenölen (Terrassen- und Gartenmöbelöl) muss man hingegen aufpassen, manche Hersteller mischen Biozide mit ein.

Holz-Öle feuern an. Darunter versteht man, dass die Maserung stärker zu Tage tritt und das Holz etwas dunkler wird. Man spricht auch vom "Nasseffekt", macht man nämlich Holz nass, bekommt es etwa so ein Aussehen, wie nach dem Ölen. Da die meisten Öle gelblich sind, kommt auch dieser Farbeindruck mit hinein.


Anfeuern: Das Buche-Teil links ist durch das Öl stark angefeuert, rechts ein unbehandeltes Teil. Für Buche ist dies schon ein Extrembeispiel, normal wird diese nicht so stark angefeuert. Material: Buche Flugzeugsperrholz 2mm, Öl: Kreidezeit Pure Solid

Möchte man diese Farbänderungen nicht, so gibt es mehrere Möglichkeiten: Es gibt Öle, die mit Weißpigmenten ausgestattet wurden, die das Holz wieder aufhellen. Es gibt Öle, die wenig Gelbfärbung haben. Und es gibt Öle, die meist durch Wachse daran gehindert werden, tief in das Holz einzudringen, wodurch der Anfeuerungseffekt wesentlich geringer ausfällt. Hier ist z.B. das Hartwachsöl oder das Topoil von Osmo zu nennen.

Manche Öle mit Wasser als Lösemittel neigen auch zu weniger Anfeuerung, so z.B. die Hartgrundierung 127 von Auro.

Trotzdem gilt: Es ist nicht einfach, der Anfeuerung von Ölen entgegenzuwirken und man muss meist Kompromisse eingehen. In vielen Fällen ist aber diese Anfeuerung gerade erwünscht, weil sie die Schönheit eines Holzes erst richtig zur Geltung bringt.


Anfeuerung von Esche: Durch das Öl kommt die Maserung erst richtig schön zum Ausdruck.

Anfeuerung von Kiefer: Der Gelbton des Holzes wird unterstützt, weil auch das Öl in Richtung gelb geht. (Ikea Regalbrett Ivar)

Sicherheitshinweis - Selbstentzündungsgefahr

Wer Holz ölen will, muss unbedingt eines wissen: Selbstenzündungsgefahr!!! Mit Öl getränkte Lappen können sich unter bestimmten Voraussetzungen selbst entzünden. Das liegt daran, dass das Öl mit Luftsauerstoff reagiert und diese Reaktion Wärme freisetzt. Ein zusammengeknüllter Lappen kann wenig Wärme abgeben und sich deshalb so stark aufwärmen, dass er zu brennen anfängt.

Insofern sollte man alle Lappen, Pads, Schwämme oder Farbroller so trocknen, dass sie sich währendessen nicht entzünden können. Manche empfehlen, sie in Wasser zu tauchen und im Freien zu trocknen. Lappen nicht zusammenknüllen oder achtlos in den Müll werfen. Andere empfehlen, gebrauchte Lappen in luftdichten Blechgebinden zu lagern bzw. zu entsorgen.

Was ich auch schon gesehen habe: Gebrauchte Lappen in einen luftdicht verschließbaren Druckverschlußbeutel zu packen. Bevor man verschließt, drückt man die Restluft gut raus. Ob dies ein in allen Lebenslagen sicheres Verfahren ist, mag ich nicht zu beurteilen.

Während der Arbeit sollte man Lappen immer ausgebreitet ablegen. Schwämme sind besonders tückisch, weil sie Wärme im Innern nicht schnell genug abführen können.

Ich trockne Lappen immer ausgebreitet im Freien und habe bisher noch keine starke Erwärmung feststellen können. Aber selbst wenn sie anfangen sollten zu brennen, sind sie im Freien so gelagert, dass nichts weiter passiert. Später kommen sie erstmal in einen verschlossenen Metalleimer, der ebenso weit entfernt von brennbaren Sachen steht.

Das Tückische daran ist, dass oft nichts passiert und man so unachtsam werden kann. Die Gefahr ist aber nicht nur theoretisch, bei bestimmten Voraussetzungen kann die Selbstentzündung ganz schnell gehen. Viele haben damit leidvolle Erfahrungen gemacht, auch ich hab das schon praktisch erprobt und bestätigt bekommen (ein Eimer voll zusammengeknüllter Lappen bei strahlender Sonne). Man muss hier absolut penibel darauf achten.

Lass niemals einen öligen Lappen achtlos liegen!

Es reicht nicht, diesen Sicherheitshinweis einmal gelesen zu haben: Man muss sich hier echt Gedanken machen, wie man das Problem wirklich sicher löst. Unachtsamkeit kann extreme Folgen haben.

Übrigens: Auch manche Lacke durchlaufen Trocknungsprozesse, bei denen sie Wärme abgeben. Auch hier gelten die gleichen Sicherheitsregeln.

Verarbeitung


Board aus Mutenye, geölte Oberfläche.

Zu Anfang ein paar ganz einfache Hinweise, wie man Hölzer ölt. Später werde ich noch Tipps zur Verfeinerung geben.

Der einfache Einstieg

Die Holzoberfläche muss geschliffen werden. Ordentlicher Schliff ist eine Grundvoraussetzung für gute Oberflächen. Je nachdem, wie gut die Oberfläche schon ist, beginnt man mit einem entsprechend groben Papier und arbeitet sich dann zu feinerem Papier hin. Bei gehobelten Oberflächen kann man meist schon mit Korn 100, Korn 120 oder Korn 150 begonnen werden. Für den Endschliff reicht 180er, für feinere Arbeiten 240er Papier.

Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen Maschinenschliff und Handschliff. Wirkt ein 120er Schliff mit einem Schwingschleifer schon recht glatt, braucht es bei Handschliff für gleiche Ergebnisse eher ein 180er Papier. Durch die schnellen Bewegungen der Maschine dringt das Korn nicht so tief in die Fläche ein. Allerdings führen die kreisenden Bewegungen des Schwingschleifers evtl. zu Schleifkringeln auf der Oberfäche, weshalb man dann doch noch zu feinerem Papier greifen muss. Bei Bandschleifmaschinen, die nur in Maserrichtung arbeiten, kann Korn 120 hingegen schon zu ausreichend gutem Oberflächenbild führen.

Bei Handschliff immer in Maserrichtung hin und her schleifen. Schleifklotz verwenden. Auch bei Maschinenschliff sollte man den letzten Schliff mit etwas feinerem Papier von Hand machen.

Die Oberfläche wird ordentlich entstaubt. Bei allen Schleifarbeiten am besten Staubschutzmaske tragen.

Nun wird geölt. Schutzhandschuhe tragen, am besten chemikalienfeste aus Nitril. Der Ölauftrag kann bei Möbelstücken mit einem Pinsel erfolgen. Das Öl wird satt aufgetragen, so dass die Oberfläche vollständig mit Öl benetzt ist. Das ist wichtig, damit immer genug Öl da ist, was das Holz "nachziehen" kann. Mitunter werden im Laufe der nächsten Minuten auch Stellen wieder trocken, weil das Öl schon weggezogen ist. Diese werden immer wieder neu mit Öl benetzt. Entweder, in dem man neues Öl nachgibt, oder das auf der Fläche stehende Öl mit dem Pinsel verteilt.


Öl satt aufgetragen, so dass die ganze Oberfläche glänzend benetzt ist

Man sollte es aber mit der Ölmenge auch nicht übertreiben, sonst verbraucht man zu viel vom teuren Öl. Hauptsache, die Oberfläche ist feucht. Wenn das Öl sehr dünnflüssig und das Holz sehr saugfähig ist, hat man keine Chance, das Holz überall feucht zu halten. Dann belässt man es nach 5-10 Minuten.

Je nach Öl hat man ungefähr 15-30 Minuten Zeit, bis der nächste Arbeitsgang erfolgen muss: Das überschüssige Öl muss vollständig von der Oberfläche abgewischt werden. Vollständig! Hierzu nimmt man am besten einen Lappen aus Baumwolle, ich nehme manchmal auch Zewa-Papier-Küchentücher und reibe erst zum Schluß mit einem wenig fusselnden Baumwolllappen nochmal drüber.

Im Werkstattbedarf findet man auch sogenannten Putzrollen. Das sind stabile und saugfähige Papiertücher auf großen Rollen, meist in hellblauer Färbung. Auch diese eignen sich gut für die Abnahme des Ölüberschusses.

Gewischt wird (zumindest zum Schluß) - wie beim schleifen auch - in Faserrichtung.

Es ist wirklich wichtig, dass man die Oberfläche gut abreibt, also kein Öl mehr auf der Oberfläche stehen bleibt (Glanzstellen). Wir lackieren hier ja keine Oberfläche und wollen keine Deckschicht. Zudem würde nur eine klebrige Schicht entstehen, die unschön aussieht. Beim ersten Auftrag ist die Oberfläche nach dem Abwischen matt, hat also keine glänzenden Stellen mehr.

Stellen, die man mit Händen berührt hat, müssen nochmals ausgewischt werden, sonst hinterlässt das unschöne Stellen. Auch müssen wir das Möbelstück so lagern, dass keine unschönen Flächen durch den Kontakt zum Untergrund entstehen. Am besten stellt man es an unauffälligen Stellen auf dünne Holzleisten, Dreikantstäbe oder Nägel.

Wie oben geschrieben: Selbstenzündungsgefahr, Lappen entsprechend aufbewahren, dass nichts passiert. Nicht zusammenknüllen, sondern ausbreiten. Und den Pinsel kann man z.B. in Waschbenzin ordentlich auswaschen.

Nach 24 Stunden sind die meisten Öle oberflächlich getrocknet. Jetzt wird mit einem 240-320er Papier - falls nötig - die Oberfläche nochmal geglättet. Mitunter stellen sich nämlich ein paar Holzfasern auf, die nun spürbar werden. Man geht nur ganz sanft mit wenig Druck recht schnell über die ganze Fläche. Mit den Fingern fühlt man, ob noch Rauheiten vorhanden sind. Danach wird wieder entstaubt. Alternativ verwendet man Schleifvlies.

Nun erfolgt der nächste Ölauftrag. Diesmal schon wesentlich sparsamer - das Holz saugt jetzt kaum noch Öl auf. An manchen Stellen wird mehr Öl weggesaugt, diese benetzt man immer wieder neu. Besonders Stirnflächen können unglaublich viel Öl wegsaugen, die man erst beim zweiten oder dritten Auftrag gesättigt bekommt. Auch hier gilt - Stellen, die immer wieder Öl wegsaugen, lässt man nach 5-10 Minuten in Ruhe. Die werden beim nächsten Durchgang weiter gesättigt.

Nach 15-30 Minuten reibt man wieder alles mit einem Tuch nach, so dass das überschüssige Öl vollständig entfernt wird.

Nach weiteren 24 Stunden ist die Oberfläche staubtrocken. Eine vollständige Aushärtung ist erst nach 7-14 Tagen erreicht. In vielen Fällen reichen 2 Aufträge, wer eine feinere und dichtere Oberfläche wünscht, kann in gleicher Weise noch einen dritten und vierten Auftrag machen. Auf jeden Fall sollte der letzte Auftrag das Holz überall gut gesättigt haben. Dies gilt vor allem für höherbeanspruchte Flächen.

Verfeinerungen und Alternativen

Nass schleifen ist eine interessante Alternative: Nachdem der erste Auftrag nach etwa 24 Stunden getrocknet ist, trägt man zuerst neu Öl auf. Ganz dünn! Nun erst schleift man die ölgetränkte Oberfläche. Das hat mehrere Vorteile: Das Schleifpapier setzt sich nicht zu, verklebt nicht. Nassgeschliffene Oberflächen werden meist feiner und glatter. Auch massiert man durch das Schleifen das Öl in die Oberfläche ein. Die Mischung aus Schleifstaub und Öl setzt sich in die Unebenheiten und gleicht diese aus. Und auch trockener Schleifstaub gelangt nicht mehr in die Luft, was die Arbeit angenehmer macht.

Allerdings sollte man dabei mit Schutzhandschuhen (z.B. aus Nitril) arbeiten, weil die Trockenstoffe und Lösemittel im Öl nicht sonderlich gut für die Haut sind. Manche reagieren auch allergisch darauf.

Schleifpapier oder Schleifvlies? Gerade beim Nassschleifen macht sich ein Schleifvlies wesentlich besser. Hier geht meine Empfehlung ganz klar zum Schleifpad bzw. Schleifvlies.

Nachträglich muss auf jeden Fall wieder sehr gut abgewischt werden. Hier ist das ordentliche Abwischen sogar noch wichtiger. Sonst hat man später ein klebriges Öl-Holzstaubgemisch auf der Oberfläche.

--

Einmassieren ist übrigens generell eine interessante Maßnahme, um das Öl in die Oberfläche zu pressen. Auch erwärmt sich das Öl und wird dünnflüssiger. So eine behandelte Oberfläche ist später beanspruchbarer. Dafür gibt es sogenannte Massier-Pads. In der Fußbodenbehandlung ist dies Standard, wo maschinell mit Massier-Pads das Öl in die Oberfläche eingebracht wird. Von Hand an Möbeln geht das auch. Auch mit einem Lappen oder einem Ballen kann man das Öl einmassieren. Ich war erstaunt, wie viel Öl man so noch ins Holz gedrückt bekommt. Besonders beanspruchte Flächen sollte man auf jeden Fall so behandeln. Bei Möbeln kann man auch maschinell mit Pad und Schwingschleifer einpadden. Weil der Schwingschleifer dabei ziemlich mit Öl eingesaut wird, sollte man hierfür ein extra Gerät verwenden, was man nur noch zu diesem Zweck benutzt. Auch sollte man bedenken, dass Schwingschleifer mit eigener Absaugung (fast alle) den öligen Schleifstaub durchs Gerät saugen und damit zerstört werden können. Abhilfe kann eine spezielle Schleifplatte sein, die keine Absauglöcher enthält.

--

Um feinere Oberflächen zu bekommen, kann man für den Zwischenschliff auch feineres Schleifpapier verwenden. Gut bewährt hat sich 320er oder 400er Körnung. Bei sehr feinen Objekten (z.B. Messergriffe) kann man bis Korn 2000 schleifen. Es gibt Hölzer, da sieht man selbst bei einem 1000er Schliff noch leichte Schleifspuren im Gegenlicht. Schleifpads lassen sich auch gut für den Zwischenschliff verwenden, wie oben schon empfohlen. Die Körnung von Schleifpads ist leider nicht standardisiert, hier muss man ein wenig experimentieren, um die richtige Körnung zu finden. Ich nehme typischerweise die feinste Korngröße des jeweiligen Herstellers für Möbel und Holzkleinteile. Bei einigen Herstellern hat sich dafür die Farbe grau etabliert und als Bezeichnung "sehr fein" oder "ultrafine".

--

Für feine Oberflächen wird manchmal empfohlen, das Holz vor dem Ölen zu wässern, wie man es typischerweise vor dem Lackieren oder Beizen macht. Wässern bedeutet, die Oberfläche mit einem feuchten Tuch, Pinsel oder Schwamm nass zu machen. Hierdurch stellen sich die Holz-Fasern auf und die Oberfläche wird rau. Durch die maschinelle Bearbeitung kann das Holz auch stark gepresst worden sein. Solch eine Oberfläche entspannt sich beim wässern, was ebenso zu einer Rauheit führt.

Nach dem Trocknen schleift man die Fläche nun wieder glatt. Es braucht hierfür scharfes Schleifpapier und man schleift sanft mit wenig Druck. Sonst würde man die Fasern nur wieder flach drücken, wobei diese sich beim wässern wieder aufstellen würden. Je nach Güte und Holzsorte wässert und schleift man 1-3 mal.

Nach so einer Prozedur sollten sich wesentlich weniger Holzfasern durch Feuchtigkeit aufstellen - die Oberfläche bleibt trotz Einwirkung von Feuchtigkeit relativ glatt. Genau dies kann nun Vorteile beim Ölen haben: Einerseits erspart man sich evtl. einen Zwischenschliff, das wäre aber kein wirklicher Vorteil - man hat ja zuvor mehr Arbeit. Interessanter ist aber: Auch im Gebrauch von geölten Flächen, die mit Wasser stark strapaziert werden, kann die Oberfläche rau werden. Eine geölte Oberfläche ist ja diffusionsoffen, es kann also Feuchtigkeit mit der Zeit eindringen und das Holz quellen lassen. Wenn das Holz dann wieder trocknet, bleibt eine Rauheit zurück. Es kann nun sein, dass zuvor gewässert-geschliffene Flächen nicht so stark dazu neigen. Ob dies praktisch so ist, habe ich noch nicht eindeutig überprüfen können. Jedoch hab ich die Erfahrung gemacht, dass geölte Flächen, die durch Wassereinwirkung rau wurden, nach erneutem Schleifen nicht mehr so stark zum Rauwerden neigen. Wie auch immer, das Wässern vor dem Ölen ist eine relativ selten eingesetzte Technik, bei Auro findet man es z.B. als Empfehlung im Merkblatt zum PurSolid Hartöl 123. Wässern würde ich für alle Oberflächen empfehlen, die später mit Wasser auch stark strapaziert werden - Arbeitsplatten, Küchenbereich, Badbereich, Bootsbereich, Holz im Kontakt mit Handschweiß.

--

Manche Öle sind recht dickflüssig und haben Probleme, tief genug ins Holz einzudringen. Meist sind es Öle, die keine zusätzlichen Lösemittel beinhalten. Für optimalen Schutz könnte es sinnvoll sein, entweder ein dünnflüssiges Grundieröl zu verwenden oder aber das Öl zu verdünnen. Typischerweise wird hierfür Balsam-Terpentinöl verwendet (kein billigen Terpentin-Ersatz der oft gesundheitsschädliches Toluol und Benzol enthält). Man mischt 80% Öl mit 20 % Terpentin, mitunter kann man bis 50% Öl und 50 % Terpentin hochgehen. Ein weiteres Lösemittel wäre aromatenfreies Waschbenzin bzw. Testbenzin. Nicht alle Öle vertragen alle Lösemittel, insbesondere, wenn schon Lösemittel enthalten sind. Hier sollte man in den technischen Merkblättern nachschauen.

Beispiel: Das Fußbodenhartöl von Kreidezeit ist recht dünnflüssig und zieht stark ins Holz ein. Man muss beim ersten Auftrag auf Buche mehrfach nachpinseln. Der Grund ist, dass es schon von Haus aus mit Balsam-Terpentinöl verdünnt ist. Das neue Pure Solid Hartöl ist lösemittelfrei, enthält also kein Terpentin. Es ist wesentlich dickflüssiger und zieht auf Buche beim ersten Auftrag weniger weg. Hier wird aber auch vom Hersteller empfohlen, bei wenig saugenden Hölzern mit Balsam-Terpentinöl 20-50% zu verdünnen.

Hier darf man sich aber auch nicht irretieren lassen: Tests zeigten, dass ein Öl mit 50% Lösemittel sehr schnell wegzieht. Man hat den Eindruck, dass das Holz unglaublich viel Öl aufsaugt. Unverdünntes Öl hingegen bleibt recht lange auf der Oberfläche, was den Eindruck hinterlässt, dass kaum was vom Holz aufgesaugt wird. In Wirklichkeit ist es aber so, dass lediglich das Aufsaugen von unverdünntem Öl langsamer erfolgt, mit der Zeit aber trotzdem viel Öl aufgesaugt werden kann. Verdünntes Leinöl dringt nicht zwangsläufig tiefer ins Holz ein, bei einigen Proben waren die Ergebnisse in Sachen Eindringtiefe nahezu gleich.

Es gibt aber noch einen anderen Grund für Lösemittel im Öl: Die Verarbeitung ist einfacher. Dicke lösemittelfreie Öle lassen sich schwerer verteilen und der Überstand ist mitunter nur schwer zu entfernen. Bei ebenen Flächen ist das meist unkritisch, aber bei stark verwinkelten Oberflächen wird es zunehmend schwieriger.

Weil zusätzliches Lösemittel eine Umweltbelastung darstellt, verdünne ich nur, wenn unbedingt nötig. In den meisten Anwendungsfällen funktionieren PurSolid-Öle auch ohne Verdünnung bestens. Lediglich bei der Nachpflege vereinfachen Lösemittel das Auftragen.

--

Eine andere Möglichkeit, mehr Öl ins Holz zu bekommen, ist die Erwärmung. Auch dann wird es nämlich dünnflüssiger. Man kann die zu verarbeitende Menge in einem Wasserbad auf 50-60 Grad erhitzen und dann auftragen. Die Werkstatt sollte gut geheizt sein, sonst wird das Öl durch das kalte Holz schnell wieder abgekühlt. Überhaupt sollte man nicht unter 10 Grad ölen, am besten jedoch bei normaler Zimmertemperatur. Wenn man das Öl mit Maschine und Pad einmassiert, entsteht auch Wärme, womit das Öl tiefer eindringt. Auch das Vorwärmen des Holzes mit einem Heizlüfter ist möglich. Die Erwärmung einer eingeölten Fläche mit einem Heißluftfön ist vorstellbar, birgt aber eine gewisse Entzündungsgefahr. Besonders bei Ölen, die Lösemittel beinhalten.

Im Internet liest man auch von der Benutzung eines Bügeleisens, welches man ebenso auf ca. 60-80 Grad einstellt. Man bügelt dann mit einem untergelegten Lappen das Öl in die Oberfläche. Dieses Verfahren erinnert an die Poliermaschinen für Parkettböden, die einen Heizlüfter integriert haben. Im Profibereich findet dieses Verfahren im Zusammenhang mit High-Solid Produkten und Vermeidung von Lösemitteln derzeit seine Verbreitung (z.B. Firma http://www.columbus-clean.com mit der E430 Thermo Einscheibenmaschine in Verbindung mit Natural Heißtechnik-Produkten).

Bei Ölen, die viel Lösemittel beinhalten, ist der Heißauftrag evtl. nachteilig. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einem Halböl (50:50 Leinölfirnis:Terpentin) die Eindringtiefe bei 50 Grad geringer war, als bei 20 Grad. Dies ist damit zu begründen, dass das Lösemittel durch die höhere Temperatur schneller verdunstet und deshalb das Eindringvermögen herabgesetzt wird.

Was die gewünschte Eindringtiefe angeht, kommt es natürlich immer auf den Anwendungsfall an. Bei einem Regal oder einem Schrank ist die Eindringtiefe nicht sonderlich wichtig. Bei einem Fußboden, einer Küchenarbeits- oder Tischplatte hingegen benötigt man optimal machbaren Schutz, weshalb hier für den ersten Auftrag tief einziehendes Öl nützlich sein kann.

Der erste Auftrag ist übrigens immer der Wichtigste. Dieser füllt die meisten Poren und nur dieser hat Tiefenwirkung. Alle weiteren Aufträge ziehen nicht mehr tief ein, weil die Poren durch den ersten Auftrag schon weitestgehend verschlossen sind. Versaut man den ersten Auftrag, kann man das später nicht mehr korrigieren.

Wird Holz sehr oft geölt, kommt es irgendwann doch zur Schichtbildung: Eine ganz dünner Ölfilm liegt auf dem Holz. Die Oberfläche fängt etwas an zu glänzen und fühlt sich sehr glatt an. Typischerweise entstehen solche Oberflächen je nach Öl nach dem dritten bis siebten Auftrag.

--

Beim abwischen des Öles: Es macht einen Unterschied, ob man das Holz zum Schluß mit einem trockenen Lappen ausreibt, oder ob man einen schon ölgetränkten Lappen benutzt. Gerade bei den letzten Schichten gehe ich zum Schluß mit einem Lappen drüber, der schon ganz leicht mit Öl getränkt ist. Damit legt sich nochmal ein ganz dünner Ölfilm über das Holz. Dieser muss jedoch wirklich ganz dünn sein. Typischerweise mache ich das bei feinen Flächen, die 5-10 mal geölt wurden und dann einen Seidenglanz haben sollen. Und dann auch nur bei den letzten 1-2 Schichten.

Bei den letzten Schichten kann man auch wie bei einer Politur arbeiten: Man reibt die Oberfläche nur noch mit einem leicht ölgetränkten Lappen in kreisenden Bewegungen ab. Zum Schluß zieht man nochmal in Faserrichtung drüber. Auch hier ist wieder wichtig, dass nur hauchdünne Schichten zurückbleiben.

--

Wenn Zeit knapp ist: Braucht man überhaupt mehrere Ölaufträge? Reicht vielleicht, nur einmal zu ölen? Manche Hersteller bieten das als Verarbeitungsalternative an. So schreibt z.B. Natural bei seinem Parkettöl, dass man es nass-in-nass aufträgt: Auftrag und nach 30 Minuten wird überall dort, wo trockene Stellen sind, neues Öl aufgegeben. Dies kann man bis zu 3 mal wiederholen, man lässt also insgesamt 90 Minuten das Öl einziehen und gibt dem Holz, was es braucht. So kann man prinzipiell mit jedem Öl vorgehen, was eine recht lange offene Zeit hat und man erreicht gerade bei saugenden Hölzern eine bessere Durchtränkung beim ersten Auftrag.

Jedoch habe ich auch hier die Erfahrung gemacht: Eine sehr sparsame zweite Ölung macht Sinn, weil das Holz dieses noch gut aufnimmt. Und dies ist auch erklärbar: Nachdem man den Überstand beim ersten Ölen abgenommen hat, erstarrt das Öl nicht sofort im Holz. Es zieht vielmehr noch tiefer ein, verteilt sich weiter im Holz. Das lässt sich nicht aufhalten, jedoch ziehen manche Öle länger nach, andere werden recht schnell so dickflüssig, dass nach 2-3 Stunden nichts mehr fließt. Weil jedenfalls immer Öl sich noch verbreitet, dünnt die Oberfläche wieder etwas aus. Außerdem verdunstet ja Lösemittel, typischerweise verschwinden so 50% des aufgetragenen Öl-Lösemittelgemisches wieder.

Und diese Ausmagerung der Oberfläche muss dann durch einen zweiten Auftrag nochmal gesättigt werden. Dieser zweite Auftrag wird nun auch kaum noch weggezogen, weil das Holz schon gut gesättigt ist. Ausnahmen gibt es bei saugfähigen Hölzern oder Hirnholz. Wie gut ein Öl sättigt, hängt auch immer von dessen Zusammensetzung ab.

Man sieht also: Empfehlungen, nur einmal zu ölen, können zwar grundsätzlich schonmal gute Ergebnisse bringen, mindestens einmal dünn mit Öl nachreiben macht jedoch immer Sinn für optimale Oberflächen. Öle, die relativ dickflüssig sind und nur langsam ins Holz einziehen, eignen sich besonders gut, wenn man aus Zeitersparnis nur einmal behandeln möchte. Gleichzeitig sollten diese Öle dann nach 2-3 Stunden einen recht zügigen Übergang zur Aushärtung haben (z.B. Natural Parkettöl, Auro PurSolid 123, Kreidezeit Pure Solid).

--

Beim abreiben von kleinen Möbelstücken habe ich mir angewöhnt, in der Hand immer ein Zewa-Tuch zu haben und das Möbelstück damit festzuhalten. Denn Schutzhandschuhe, auf denen sich Öl abgelagert hat, machen wieder ölige Flecken auf der Oberfläche. Zum Schluß gehe ich trotzdem nochmal kurz mit einem Lappen über die Stelle, wo ich zuvor mit der anderen Hand festgehalten habe.

--

Ein vielleicht 10 cm breiter Malerspachtel macht sich sehr gut für verschiedene Zwecke beim Ölen. Es sollte ein Edelstahl-Spachtel sein, damit man keine Rostflecken macht. Er sollte auch gut entgratet sein, um keine Kratzer auf dem Holz zu hinterlassen. Auch Kunststoff-Spachtel können verwendet werden. Zum Auftragen des Öles auf Bretter kann man statt Pinsel, das Öl mit diesem Spachtel verteilen. Das geht sehr effizient, braucht aber etwas Übung. Zwischendurch verteile ich das Öl mit dem Spachtel immer wieder auf der Oberfläche, dazu muss er sehr flach gehalten werden. Später kann man das überschüssige Öl auch wieder gut mit dem Spachtel abziehen, bevor man mit einem Lappen nachwischt.

Manche Handwerker nutzen auch einen Fensterabzieher. Jedoch muss man hier darauf achten, dass die Lippe nicht aus echtem Gummi, sondern aus Weichkunststoff ist. Gummi verträgt sich nämlich nicht mit Öl. Gummilippen sind meist in schwarz, Kunststofflippen farbig oder durchsichtig. Gerade auf größeren Flächen, wie Tischplatten und Türen, hab ich gute Erfahrungen damit gemacht. Spart jede Menge Tücher und erleichtert die Arbeit. Das abgezogene Öl kann man in ein Glas abstreifen, sammeln und für wenig anspruchsvolle Arbeiten noch verwenden.

--

In der Regel wird ein Holz, was man ölt, nicht vorbehandelt. In manchen Fällen macht eine Vorbehandlung jedoch Sinn. Manche Hölzer beinhalten Stoffe, die der Trockung des Öles entgegenstehen. Dies ist z.B. bei Eiche der Fall. Ob man vorbehandeln muss, sollte man experimentell herausfinden. Fast jeder Hersteller von Holzölen hat auch entsprechende Produkte zur Vorbehandlung.

--

Grundieren: Normalerweise wird Öl ohne Grundierung aufgetragen. Mitunter bietet sich jedoch auch eine vorherige Grundierung an, z.B. um unterschiedliches Saugverhalten des Holze auszugleichen. Eine ökologisch sinnvolle Alternative ist Schellack (von der Lackschildlaus). Man fertigt eine recht dünne Lösung von Schellack/Spiritus im Verhältnis 1:4 bis 1:8 an. Auch fertige Produkte gibt es, z.B. Livos Landis-Schellack Grundierung Nr. 718 oder Naturhaus Naturharzgrund. Damit grundiert man dann einmal dünn. Man muss so auftragen, dass der Schellack gut in das Holz einzieht und keine Oberflächenschicht stehen bleibt. In der Regel gelingt das problemlos, wenn man dünn aufträgt und sich nirgendwo Tropfnasen bilden. Nach guter Austrockung - typisch 12-24 Stunden - kann man dann wie gewohnt ölen. Wenn es schnell gehen soll, fönt man die Fläche trocken und kann bereits nach 30-60 Minuten weiterarbeiten. Sollten sich nach der Abtrocknung irgendwo Glanzstellen auf der Oberfläche gebildet haben, so sind diese vor dem Ölauftrag wegzuschleifen.

Die Grundierung bewirkt eine gewisse Absperrung des Untergrundes. Das Öl dringt dann nicht mehr so tief ein, weil viele Poren bereits mit Schellack abgedichtet sind. Das bringt einige Vorteile: Der Ölverbrauch sinkt stark und das Öl feuert nicht mehr so stark an. Auch Holz, was beim Ölen zu Fleckigkeit neigt, erscheint durch diese Vorbehandlung gleichmäßiger. Die Fleckigkeit kommt ja vor allem durch unterschiedliche Saugfähigkeit des Untergrundes, die so egalisiert wird. Durch die Grundierung wird z.B. auch das enorme einziehen von Öl bei Hirnholz vermindert. Bei stark saugendem Hirnholz kann man auch dickeren Schellack im Verhältnis 1:2 ansetzen.

Nachteilig kann je nach Anwendungsfall sein, dass das Öl durch die Grundierung nicht mehr so tief einzieht. Damit kann die Schutzwirkung beeinträchtigt werden, muss aber nicht. Es kommt hier sehr viel auf den Einzelfall an und man sollte entsprechende Versuche machen.

Prinzipiell kann man mit fast jedem dünnflüssigem Lack grundieren und gerade bei industriell gefertigen Möbeln werden gerne Kunstharzlacke verwendet. Die Möbel bekommen dann einen Öko-Touch, in dem man nachträglich nochmal mit einem Öl drüber wischt. Persönlich würde ich aus ökologischen Gründen auf Kunstharzlacke verzichten, weil Schellack hier bestens funktioniert. Und Spiritus/Alkohol als Lösemittel ist völlig unkritisch. Schellack kann auch über Jahrzehnte gelagert werden. Aber: Keinesfalls für feuchtebeanspruchte Flächen verwenden. Schellack mag keine Feuchtigkeit, die über Stunden einwirkt.

Sollen Oberflächen nur mit Wachs und nicht mit Öl behandelt werden, bietet sich eine vorherige Grundierung mit Schellack ebenso an (z.B. 1:4 Mischung). Man grundiert wieder auf die gleiche Weise: Der Lack soll dünnflüssig sein, so dass er vollständig in das Holz eindringt und keine glänzende Schicht auf dem Holz bildet. Falls dies doch partiell passiert, kann mit feinem Schleifpapier überschliffen werden. Eine Grundierung bei Wachs ist deshalb wichtig, weil Wachs alleine nicht sonderlich gut schützt. So können sich z.B. durch Wasser schnell Flecken bilden oder die Holz-Fasern stellen sich auf. Wachs in Kombination mit Öl oder anderer Grundierung hingegen kann gut schützen und bringt interessante Oberflächen.

--

Trockenzeitoptimierung: Die meisten fertigen Holzöle trocknen oberflächlich recht schnell. Bereits nach 12-24 Stunden fühlt sich die Oberfläche trocken an und ist leicht beanspruchbar. Öl zieht jedoch tief ins Holz ein und dort braucht es mehrere Monate, bis es wirklich durchgetrocknet ist. Oft stört das nicht, aber manchmal führt das zu Problemen. Einerseits kann Öl bei Sonneneinstrahlung oder Erwärmung wieder ausschwitzen, andererseits kann es zu verstärkter Geruchsbildung kommen, besonders wenn zu wenig Sauerstoff an die Oberfläche kommt.

Die Trockenzeit lässt sich optimieren, wenn man schon nach jedem Auftrag länger wartet. Besonders der erste Auftrag, der tief ins Holz einzieht, sollte genügend Zeit bekommen, wenn möglich. Wenn man diesen erstmal 1-2 Wochen trocknen lässt, wird man später wesentlich weniger Geruchsbildung haben.

Die Angaben der Hersteller sind Minimalzeiten, weil heute gewerblich alles schnell gehen muss und kurze Trockenzeiten ein Verkaufsargument sind. Den meisten Ölen tut es gut, wenn man ihnen längere Trockenzeiten zugesteht. Durch gute Planung kann man oft problemlos Trockenzeiten mit einrechnen.

Ob es überhaupt zu Problemen bei der Trocknung kommt, hängt sehr vom Anwendungsfall ab.


Produktreste: Bleibt was vom Öl übrig, sollte man es keinesfalls wieder ins Originalgebinde zurückkippen. Auch arbeitet man nicht direkt aus dem Originalgebinde heraus. Es geht darum, keine Verschmutzungen einzuschleppen. Im Originalgebinde ist so immer erstklassiges Öl, welches so lange gelagert werden kann. Auch sollte dieses Gebinde möglichst schnell wieder verschlossen werden. Produktreste kann man in Schraubdeckelgläser lagern. Was sich bei mir auch bewährt hat, sind Druckverschlussbeutel. Hierin lassen sich für kurze Zeit sehr gut Produktreste lagern, zumal man auch die Restluft fast vollständig vor dem Verschließen herausdrücken kann. Diese sollte man natürlich zusätzlich noch in ein Glas stellen, falls sie defekt sind und auslaufen. Abgenommene Ölüberstände können auch aufgefangen werden und zum Ölen von Teilen genutzt werden, wo es nicht so auf erstklassige Qualität ankommt. Evtl. verdünnt man diese nochmal etwas.

Säubern von Arbeitsgeräten

Noch flüssiges Öl kann mit Waschbenzin oder Terpentin entfernt werden. Arbeitsgeräte säubere ich in der Regel mit aromatenfreiem Waschbenzin (gibt es z.B. bei http://www.kremer-pigmente.de), weil ich das für besser verträglich halte, als Terpentin. Auch Terpentinersatz oder Farbverdünner meide ich, weil man nie weiß, welches Gebräu da genau drin ist. Trotzdem, mit all dem kann man seine Pinsel usw. sauber bekommen.

Alkohol oder Spiritus hingegen eignet sich nicht, darin lösen sich die meisten Öle und deren Harze nur schlecht.

Orangen- oder Zitrusterpene (Orangenöl, Zitrusöl) funktionieren auch gut, um Pinsel zu säubern. Manche mögen sie und vertragen sie gut, andere reagieren allergisch oder mit Unwohlsein darauf. Dieses Lösemittel ist mit ca. 8 Euro pro Liter auch etwas teurer.

Manche benutzen ausschließlich warmes Wasser und eine Pflanzenseife, um Pinsel zu reinigen. Als Pflanzenseife bietet sich Marseiller Seife an. Manche nutzen dieses Verfahren als Nachbehandlung für Pinsel, die zuvor mit Lösemittel gereinigt wurden.

Tipp: Für Arbeitspausen kann man Pinsel in ein hohes-schmales Glas oder eine Weithalsflasche stellen. Der Pinsel muss vollständig hinein passen, damit man das Behältnis zuschrauben kann. Ein Schluck Lösemittel sorgt dafür, dass der Pinsel nicht eintrocknet. Zuschrauben ist wichtig, damit kein Lösemittel verdunstet. Pinselstiele sollten nicht lackiert sein, weil sich diese evtl. im aufsteigenden Lösemitteldampf auflöst. Manche empfehlen, ölige Pinsel in Wasser zu stellen, wodurch die Trockung des Öles unterbunden wird. Grundsätzlich funktioniert dies, fand ich aber nicht sonderlich praktikabel, weil man beim Weiterarbeiten den Pinsel erstmal wieder ordentlich trocken bekommen muss. Auch muss man hier darauf achten, dass der Pinsel keine rostenden Teile hat.

Schleifen

Vom Schleifen hängt zentral ab, wie gut schlussendlich eine Oberfläche wird. Das gilt besonders für eine geölte Fläche, weil wir hier ja keine Schicht mehr auftragen, die evtl. Unebenheiten ausgleichen würde. Kratzer quer zur Faser fallen z.B. unschön auf.

In Sachen Arbeitsschutz sollte man mit Staubmaske arbeiten. Für gelegentliche Arbeiten hat sich z.B. eine 3M FFP2 9322 für etwa 2-3 Euro bewährt. Auch andere Hersteller bieten FFP2 Masken an, man sollte auf ein vorhandenes Ausatemventil achten.

Das Schleifpapier sollte ordentlich scharf sein, sonst trägt man kein Holz ab sondern poliert nur die Oberfläche, in dem man die Holzfasern verdichtet. Das führt zu keinen guten Oberflächen.

Bei Schleifpapier gibt es große Qualitätsunterschiede. Papier aus dem Baumarkt ist oft ein Witz. Als ich das erste mal Markenpapier in den Händen hielt, staunte ich nicht schlecht, was damit runterzuholen war. Das hatte Biss!

Ich nutze seit Jahren das weiße Papier von Indasa (Rhynalox Plus), bin damit sehr zufrieden und kann es empfehlen. Es hat auch recht preisgünstig. Lediglich das dünne Trägerpapier ist für manche Situationen etwas ungünstig.

Weitere Qualitätshersteller sind Klingspor, Mirka und Starcke (Ersta/Matador). Ein Blick auf Ebay lohnt sich, wenn man günstig an gutes Schleifpapier kommen möchte.

Leider haben Qualitätshersteller auch einfache Papiere mit geringer Standzeit im Angebot, hier also nicht die billigsten Papiere kaufen. Ich hab z.B. schlechte Erfahrungen mit dem gelben Klingspor PS 30 D Papier gemacht.

Man sollte sich immer schön hocharbeiten von groben zu feinerem Papier.

Beim Schleifen gibt es eine Grundregel: Wer den geringsten Schleifaufwand will, arbeitet sich stufenweise über die Korngröße nach oben. Physikalisch kann man sich das so klar machen: Mit der jeweils feineren Korngröße muss man die Spuren der gröberen Korngröße herausschleifen. Mit einem Korn 40 hinterlässt man noch sehr tiefe Kratzer im Holz, die durch etwas feineres Korn 60 sehr schnell herausgeschliffen sind. Würde man aber sofort mit einem sehr feinen Korn 240 arbeiten, braucht man sehr lange, um diese tiefen Kratzer herauszuschleifen.

Und es gibt noch eine Grundregel: Mit der gröbsten Korngröße schleift man erstmal alle Fehler aus einer Oberfläche heraus. Die Oberfläche muss hier schon einheitlich wirken. Alle feineren Korngrößen sind nur noch dazu da, die Kratzer der jeweils gröberen Körnung herauszuschleifen.

Typische Korngrößen für unsere Zwecke sind 40, 60, 80, 120, 150, 180, 220, 240, 320, 400. Der Wert gibt an, wieviel Maschen pro Zoll das Sieb hat, mit dem das Schleifmittel gesiebt wurde. Das entspricht in etwa, wievel Körner nebeneinander auf 25.4mm Länge passen. Das ergibt bei einem 120er Papier ungefähr 0.2mm und bei einem 240er Papier ungefähr 0.1mm Korngröße.

In der Praxis muss man abwägen, welche Sprünge man beim Schleifen macht. Das hängt von vielen Gegebenheiten ab: Vom Holz, von der Größe der Fläche, ob Hand- oder Maschinenschliff, von der Qualität des Papiers und auch von der Verfügbarkeit des Papiers. Wer nicht so oft schleift, braucht nicht 10 verschieden Körnungen vorrätig zu halten.

Im einfachsten Fall schleift man bereits vorgeschliffenes Holz. Holzplatten sind typisch schon mit Korn 80 vorgeschliffen. Man schleift dann mit 100 - 120 - 180. Wer es noch feiner will, hängt noch Korn 240 und evtl. Korn 320 hinten dran. Man sieht hier auch: Je feiner, um so größer können die Sprünge werden.

In der Regel reichen in der Praxis folgende 7 Körnungen:

  • 40 - 60 - 80 - 120 - 180 - 240 - 320

Fürs Ölen gelten folgende Richtwerte:

  • Für einfache Ansprüche reicht bei vielen Hölzern ein Endschliff bis Korn 120
  • Für gehobene Ansprüche schleift man bis Korn 240
  • Für sehr feine Oberflächen oder bei sehr dichten Hölzern schleift man bis Korn 320
  • Für extrem hohe Anforderungen von edlen Objekten und besonderen Hölzern kann ein Schliff bis Korn 600-800 Sinn machen, dann aber in der Regel Nassschliff mit Öl.

Wichtig: Dem Öl ist es egal, wie gut eine Oberfläche geschliffen ist. Man kann auch Oberflächen ölen, die nur mit Korn 40 geschliffen wurden. Man kann sogar sägerauhes Holz ölen. Es geht hier einzig darum, was einem gefällt und was man von den Gebrauchseigenschaften her Sinn macht.

Bei Furnieren müssen wir vorsichtig sein, die sind im Nu durchgeschliffen. Je nach Situation beginnt man hier mit Korn 120-240.

Bei rauen Oberflächen beginnt man mit 80er Papier oder sogar 60er. Diese Papiere braucht man auch, wenn man zuvor Farben herunterschleifen will. Mitunter kanna auch ein Korn 40 nötig sein.

Dichte Harthölzer müssen feiner geschliffen werden, als Weichhölzer. Bei Weichhölzern reicht oft auch ein Endschliff mit 120er Korn.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, macht man am besten mal Proben, die man verschieden fein schleift. Nach dem Ölen kann man dann die Oberfläche begutachten.

Grundsätzlich gibt es 100% gestreutes Papier, wo Korn an Korn liegt. Und offen gestreute Papiere, wo zwischen den Körnern Leerräume sind. Gerade bei harzreichen Hölzern setzt sich Schleifpapier schnell zu, da sind die offen gestreuten Papiere im Vorteil (z.B. das rote Indasa-Papier Rhynowood).

Nach Trocknung der ersten Ölung haben sich in der Regel immer ein paar Fasern aufgestellt. Die Oberfläche wirkt dann etwas rauh. Für die Glättung eignet sich feines Schleifpapier in Körnung 240-320. Man schleift hier nur noch ganz sanft, denn man will ja nur die aufgestellten Fasern entfernen.

In der Regel ziehe ich es vor, diesen Zwischenschliff mit einem feinen Schleifvlies zu machen. Hierfür nehme ich z.B. das grauen Mirka Mirlon Ultrafein mit Körnung 1500. Welches Schleifvlies für welchen Zweck am besten geeignet ist, muss man selbst rausfinden.

Schleifvlies kann auch gut verwendet werden, um komplizierte Formen zu schleifen, die man mit normalem Schleifpapier nicht geschliffen bekommt. Hier sollte man dann auf gröbere Körnungen zurückgreifen. Schleifvlies hat grundsätzlich einen wesentlich geringeren Abtrag, als Schleifpapier.

Manche nutzen Stahlwolle, die es in verschiedenen Feinheitsgraden gibt. Feinheitsgrad 000 ist gut für die Endbearbeitung geeignet. Persönlich mag ich Stahlwolle nicht so, weil feine Metallspäne auf der Oberfläche zurückbleiben können, die später zu rosten anfangen. Bei gerbstoffreichen Hölzern wie Eiche würde ich gänzlich von abraten. Es gibt wohl aber auch Edelstahlwolle, die da unproblematischer ist. Persönlich sehe ich im Schleifvlies einen vollwertigen Ersatz, der Stahlwolle überflüssig macht.

Wer maschinell schleifen möchte: Exzenterschleifer haben sich gut bewährt, um Oberflächen von Möbeln zu schleifen. Sie sind auch geeignet, um alte Farben herunterzuschleifen. Ganz ähnlich arbeiten Schwingschleifer, wobei das Schleifbild von Exzentern durch die zusätzliche Rotation in der Regel besser ist.

Dreieckschleifer arbeiten nach gleichem Prinzip, haben aber eine kleinere dreieckige Schleifplatte, mit der man gut in Ecken kommt. Zum Schleifen von Flächen sind sie weniger geeignet.

Der Abtrag von Exzenter- und Schwingschleifern hängt vom Schwingkreisdurchmesser und von der Drehzahl ab. Typisch liegt der Schwingkreisdurchmesser zwischen 1,5-5 mm. Je größer, um so höher ist der Abtrag. Kleine Durchmesser bedeuten in der Regel aber einen feineren Schliff. Manche Exzenterschleifer ermöglichen eine Umschaltung des Schwingkreisdurchmessers (z.B. der recht beliebte Metabo Turbotec SXE450 oder der etwas preisgünstigere AEG EX 150 E).

Gutes Werkzeug, mit dem man vernünftig arbeiten kann, kostet Geld. Man sollte hier nicht zu sehr sparen. Brauchbare Geräte gibt es ab 100-150 Euro. Billige Geräte machen viel Krach und bringen so gut wie keine Schleifleistung. Ein Drehzahlsteller ist sehr sinnvoll, billigen Geräten fehlt dieser. Auch eine gute Staubabsaugung, am besten mit der Möglichkeit, einen Staubsauger anschließen zu können, ist wichtig. Neben geringer Staubbelastung geht es hier vor allem darum, dass sich das Papier nicht zusetzt.

Bei Fußböden wird der Feinschliff mit einer Tellerschleifmaschine gemacht. Für den Grobschliff braucht es in der Regel eine schwere Bandschleifmaschine (auch "Hummel" genannt, wiegt ca. 80 Kg). Randnahe Bereiche werden mit Rand- und Eckenschleifern bearbeitet. Auch die Festool Rotex kommt hier gerne zum Einsatz.

Nach dem Schleifen muss die Oberfläche immer gut entstaubt werden. Am besten zuerst mit einem Staubsauger und aufgesetzter Bürstendüse. Dann mit Lappen oder Druckluft. Poriges Holz sollte mit einer feinen Messingbürste ausgebürstet werden.

Auch bei einem Wechsel der Körnung sollte die Oberfläche abgesaugt werden. Denn es können einzelne Körner auf der Oberfläche liegengeblieben sein, die dann für grobe Kratzer sorgen.

Was kann schief gehen?

Manchmal schwitzt das Holz ein wenig Öl wieder aus. Natürlich nur so lange, wie es noch flüssig ist. Auf der Holzoberfläche sieht man dann ein paar ganz kleine glänzende Flecken. Diese sollte man möglichst frühzeitig mit einem Lappen oder einer Roßhaarbürste entfernen, so lange das Öl noch flüssig ist. Später kann man sie nur noch durch schleifen wieder entfernen, muss dann aber nochmal erneut drüberölen. Die geölten Holzteile sollten auch immer im Schatten stehen, pralle Sonne führt zum Ausschwitzen von Öl, auch noch nach Tagen. Am besten hält man die Umgebungstemperatur beim Ölen und Trocknen nahezu gleich, denn jede Temperaturveränderung kann dazu führen, dass Öl wieder aus der Oberfläche austritt. Bei fertigen Holzölen ist es meist weniger problematisch, weil diese innerhalb weniger Stunden oberflächlich getrocknet sind. Bei Leinölfirnis hingegen ist es mir noch nach mehreren Tagen passiert, dass durch Sonneneinstrahlung Öl aus der Oberfläche ausgetreten ist.

Mitunter schwitzt Öl auch nach dem abwischen nochmal aus. Ist eine makellose Oberfläche wichtig, passt man den Zeitpunkt ab, wo das Öl schon recht zäh wird und geht dann nochmal mit dem Lappen drüber. Bei vielen Ölen, die innherhalb von 24 Stunden aushärten, ist dies nach etwa 4-8 Stunden der Fall. Zu diesem Zeitpunkt ist das Öl schon so zäh, dass es nicht weiter ausschwitzen kann, aber noch weich genug, damit man die Ausschwitzungen weggewischt bekommt. Öle verhalten sich hier auch unterschiedlich, manche neigen stärker zum Ausschwitzen, bei anderen tritt es kaum auf.

Bedenken muss man auch, dass tief eingedrungenes Öl mehrere Wochen brauchen kann, bis es zumindest hinreichend trocken ist. Während dieser Zeit sollte man die geölte Fläche nicht thermisch belasten. Auf einen geölten Tisch oder einer Arbeitsplatte stellt man also auch nach 14 Tagen noch keine heißen Suppenteller oder Kaffeetassen ab. Hiermit sollte man mindestens 8 Wochen warten. Oder - wenn man es doch tut - muss das ausschwitzende Öl recht bald mit einem Lappen wegpoliert werden. Dann ist es nicht tragisch.

--

Licht beschleunigt den Aushärtungsvorgang, manche Öle benötigen auch zwingend Licht, sonst härten sie nicht aus.

--

Mitunter kommt die Idee auf, die Oberfläche würde glatter und strapazierfähiger, wenn man das Öl auf der Oberfläche stehen lässt und nicht abreibt. Das führt in der Regel zu klebrigen unbenutzbaren Oberflächen, die wieder aufwändig heruntergeschliffen, oder mit Ziehklinge bearbeitet werden müssen. Man sollte dieser Versuchung widerstehen. Bei manchen Ölen darf man eine haudünne Schicht stehenlassen, in dem man mit einem leicht öligen Lappen die Oberfläche abreibt. Weil eine klebrige Oberfläche der häufigste Anfängerfehler ist, empfehle ich, bei ersten Objekten sehr gründlich abzuwischen. Zum Schluß nochmal mit einem Lappen, der noch nicht von Öl durchtränkt ist.

Um zu dick aufgetragenes Öl herunterzuholen, kann man zuerst mal probieren, mit Schleifvlies (bei Fußböden mit beigen Pad) und ein klein wenig frischem Öl die Oberfläche zu bearbeiten. Danach wieder gut evtl. Überstände/Abrieb abnehmen. Sollte das nicht helfen, lässt man Orangenöl/Orangenterpene einwirken und paddet dann das überschüssige Öl herunter. Dieses Lösemittel weicht auch hart geworden Öle an und verfliegt auch nicht zu schnell. Bereits nach 5-15 Minuten sollte schon eine deutliche Wirkung erreicht sein. Nachträglich wird nochmal ganz dünn frisches Öl aufgebracht.

Es gibt auch spezielle Reiniger, die zu dick aufgetragens Öl herunterholen. Von Livos gibt es z.B. den TEKNO-Öl-Wachs-Entferner.

Bei Öl hilft auch manchmal einfach warten. Zwar wird "heftig zu dick" nie hart, aber ein wenig zu dick ist manchmal in ein paar Wochen doch noch hart durchgetrocknet. Besonders bei schichtbildend verarbeitbaren Ölen ist das der Fall.

-- Abgeschliffene und neu geölte Teilflächen heben sich deutlich ab? Einerseits kann das am falschen Korn des Schliffes liegen. Dann entsprechend feiner oder gröber schleifen. Andererseits fällt eine geschliffene Stelle immer auf, denn die oberste Holzschicht wird von der Sonne farblich verändert. Die hat man nun abgeschliffen und die ursprüngliche Holzfarbe ist anders. Ebenso kann sich durch etwas eingelagerten Schmutz eine dunklere Patina gebildet haben. Man sollte hier nicht zu pingelig sein und erstmal loslassen, nach einem Jahr hat sich alles wieder angeglichen.

--

Wurde eine Oberfläche geölt und dann gewachst, kann nachträglich nicht mehr nachgeölt werden. Das gilt zumindest für Öle, die kein Lösemittel enthalten. Man sollte grundsätzlich die Oberfläche erstmal mit Stahlwolle oder eine Schleifvlies vom Wachs befreien (Schleifpapier ist ungeeignet, setzt sich schnell zu). Evtl. auch nachträglich mit einem 240er Schleifpapier anschleifen und nochmal mit Waschbenzin drübergehen. Erst dann ölen. Enthält das verwendete Öl jedoch ein Lösemittel wie Terpentin, Testbenzin, Orangenöl oder Isoparaffin, könnte ein direktes drüberölen funktionieren. Das Wachs wird angelöst und das Öl kann hindurchdringen. Am besten dann gut einpolieren. Ob das im gegeben Fall wirklich funktioniert, muss man ausprobieren. Im Zweifelsfall besser den Wachs runterschleifen.

--

Wird Holz nicht von beiden Seiten gleich behandelt, kann es sich verziehen. Die Gefahr ist bei Öl nicht so groß, wie bei Lack. Dies liegt an der Dampfdurchlässigkeit, womit das Holz auch nach Ölung noch genauso quellen und schwinden kann. Bei Lack hingegen sperrt man die Oberfläche ab und behindert die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit unsymetrisch, wenn man nur eine Seite beschichtet.

--

Manche Hölzer beinhalten Stoffe, die die Trocknung von Ölen verzögern oder andere Probleme aufwerfen. Dies ist z.B. die Gerbsäure bei Eiche, Kastanie und Esche. Die meisten Hersteller haben für solche Hölzer eine Grundierung oder Vorbehandlung. Hier sollte man in den Datenblättern der Hersteller recherchieren. Hat man nicht vorbehandelt und merkt nun, dass das Öl nicht richtig aushärtet, hilft Geduld. Nach 1-2 Wochen sollte die Oberfläche dann trotzdem ausgehärtet sein.

--

Mitunter kann es beim Ölen passieren, dass bestimmte Bereiche dunkler werden und man eine etwas fleckige Oberfläche bekommt. Manchmal sind es nur kleine Flecken, die dunkler erscheinen, manchmal Streifen im Holz. Diese Effekte haben meist etwas damit zu tun, wie gut das Holz das Öl aufnehmen kann. Weil Holz natürlich gewachsen ist, ist es nicht homogen. Diese Inhomogenität, was die Porengröße und damit Saugfähigkeit angeht, wird eben erst durch den Auftrag von Öl sichtbar. Je tiefer das Öl eindringen kann, um so dunkler wird eine Stelle. Entscheidend dabei ist vor allem der erste Ölauftrag. Alle folgenden Aufträge bewirken hier nur noch wenig.

Übrigens: Auch stumpfe Hobelmesser können die Oberfläche des Holzes unterschiedlich stark gepresst haben. Beim Ölen kann dies durch Fleckigkeit auffallen. Dort, wo das Messer stumpf war, wurde das Holz komprimiert und so die innere Struktur geändert.

Um unnatürliche Fleckigkeit zu vermeiden, ist es auch wichtig, nicht zu viel Öl aufzubringen und dieses auch gleich zu verteilen. Damit das Öl möglichst gleichzeitig überall einzieht. Extrem verkehrt wäre z.B., ein Pfütze Öl auf das Holz auszukippen, welche man erst 15 Minuten später verreibt. Dort, wo die Pfütze stand, ist das Öl schon viel tiefer eingezogen und das kann einen dunkleren Fleck hinterlassen.

Eine einfache sichere Lösung für eine möglichst gleichmäßige Oberfläche ist mir nicht bekannt. Manches ist sicherlich auch eine Einstellung zur Sache: Warum soll denn überhaupt alles möglichst homogen aussehen? Warum will man diese natürliche Inhomogenität des Holzes nicht sichtbar werden lassen? Mitunter kann das aber auch sehr unnatürlich wirken, es wäre also gut, diesen Prozess etwas beeinflussen zu können.

Einen Einfluss darauf hat auch die Auswahl des richtigen Öles. Manche Öle ziehen tief ein und feuern das Holz stark an, wobei auch die Inhomogenitäten des Holzes mehr auffallen. Andere Öle bleiben mehr an der Oberfläche und das Erscheinungsbild wird gleichmäßiger. Mitunter kann man auch tief einziehende Öle kürzer einwirken lassen, man nimmt den Überstand dann z.B. beim ersten Ölen nach 5-10 Minuten wieder ab. In vielen Fällen reicht die damit erreichte Imprägnierung völlig.

Entscheidend ist auch, dass man die Fläche, die man behandelt, möglichst schnell einpinselt. Sonst könnte es passieren, dass mancher Punkt auf der Fläche schon seit 10 Minuten Öl hat, eine andere Stelle jedoch jetzt erst Öl bekommt. Diese unterschiedlichen Einwirkzeiten können dann unterschiedliche Ergebnisse bringen.

Produkte, die nicht so tief einziehen und deshalb wenig zu Fleckigkeit neigen, sind z.B. das Hartwachsöl von Osmo oder das Livos Arbeitsplattenöl.

--

Es gibt noch eine anderen Grund für Fleckigkeit: Holzoberflächen, die man überarbeitet, können ungleichmäßig abgeschliffen sein. Über die Jahre hat sich durch UV-Licht die Färbung der Oberfläche verändert. Schleift man nun diese obere Schicht ungleichmäßig ab, fällt das beim nachträglichen Ölen besonders auf. Zuvor war es vielleicht gar nicht sichtbar. In diesem Fall hilft, einfach nochmal nachzuschleifen. Entweder, wenn das Öl noch flüssig ist - dann muss das Öl aber noch so lange flüssig sein, dass man den Überstand nach dem Schleifen gut abnehmen kann. Oder man schleift, wenn das Öl getrocknet ist.

--

Bei Möbeln, die zuerst lackiert waren und dann geölt werden sollen, muss man sehr sorgsam den Lack herunterschleifen. Wird zu wenig geschliffen, können noch Lackreste in den Poren sein. Eine dann geölte Oberfläche sieht sehr ungleichmäßig aus, weil das Öl an einigen Stellen nicht richtig eindringen kann.

--

Problematisch sind auch Hirnholzflächen. Hier zieht das Öl mitunter besonders gut und tief ein und färbt dann die Oberfläche in dieser Umgebung dunkler. Es scheint hier besser zu sein, beim ersten Auftrag nicht immer wieder Öl nachzufüttern, wenn es weggegzogen ist. Erst beim zweiten Auftrag (nach 24 Stunden) wird dann Öl satt aufgetragen, welches dann nicht mehr so tief einzieht. Übrigens: Auch wenn man Bohrungen im Holz hat, entstehen Hirnholzflächen im Loch, wo Öl viel besser seitlich einzieht. Dann wird der Bereich um das Loch unschön dunkler. Hier macht es dann genauso Sinn, erstmal vorsichtig beim ersten Ölauftrag zu sein. Evtl. macht es auch Sinn, zuerst die Flächen zu ölen und erst nach 24 Stunden das Hirnholz. Dann ist nämlich die Fläche schon gesperrt und Öl, was über die Hirnholzflächen eintritt, kann nicht mehr die Oberfläche beeinflussen.

--

Multiplex und Furniere zu ölen, kann im Einzelfall auch mal Probleme machen. Wenn die Furnierschicht sehr dünn ist, dringt das Öl bis zur Leimung hindurch. Dadurch kann die Oberfläche fleckig werden. Man sollte hier besser Öle verwenden, die nicht so tief eindringen. Das Öl sollte auch nicht so lange einwirken, nach 5-10 Minuten reichen. Auch Vorversuche sind sinnvoll, um ein Gefühl für den richtigen Prozessablauf zu bekommen.

--

Sehr unangehm wird es beim Ölen, wenn man zu lange mit dem Abnehmen des Überstandes wartet. Mit einem Pinsel kann man sehr gut erkennen, ob man schon am Limit ist: Der Pinsel muss gut über die geölte Oberfläche gleiten. Spürt man größeren Widerstand, ist es höchste Zeit, schnellstmöglich das Öl abzunehmen.

Wenn man doch den Zeitpunkt verpasst hat, alles nur noch klebt und die Oberfläche nicht mehr richtig von Öl zu befreien ist, hilft bei lösemittelhaltigen Ölen, frisches Öl nachzugeben. Meist ist es nämlich so, dass das Öl noch nicht abbindet, sondern lediglich so viel Lösemittel verdunstet ist, dass der Rest klebrig wird. Frisches Öl führt Lösemittel hinzu und so ist meist noch alles zu retten.

Stattdessen kann man auch direkt mit Lösemittel und Lappen die Oberfläche bearbeiten. Man sollte ein Lösemittel nehmen, was zum Öl passt: Benzin, Terpentin oder Orangenöl. Letzteres hat den Vorteil, dass es nicht so schnell verfliegt. Und es hat eine gute Lösekraft, selbst wenn Öle schon abbinden. Lösemittel braucht es auf jeden Fall bei lösemittefreien Produkten. Hier bindet das Öl wirklich schon ab und es würde nichts bringen, frisches Öl nachzugeben. Nach Trocknung sollte man aber auf jeden Fall nochmal nachölen, weil das Lösemittel evtl. die Oberfläche ausgewaschen hat.

Öl, was auch durch Lösemittel nicht mehr völlig flüssig wird, muss evtl. mit einem Edelstahlspachtel oder Kunststoffspachtel heruntergeholt werden. Das gelingt gut, wenn das Öl noch geleeartig ist. Die Klinge sollte jedoch erstklassig gerade und etwas stumpf sein, damit man keine Kratzer ins Holz macht.

Die andere Alternative wäre, nach der Trockung den Überstand herunterzuschleifen. Das ist aber eine meist klebrige Angelegenheit, bei der auch das Schleifpapier sich permanent zusetzt. Eine Ziehklinge kann hier dann das bessere Werkzeug für gerade Flächen sein.

Wenn Überstände bereits länger getrocknet sind, helfen noch 3 Lösemittel: Orangenöl, wenn man es länger einwirken lässt. Es löst das Öl nicht direkt an, aber es macht es gummiweich. Der Überstand kann dann leichter mit Spachtel oder Ziehklinge abgezogen werden. Um es länger einwirken zu lassen, kann man Frischhaltefolie (aus der Küche) drüberlegen. Nach 15-60 Minuten sollte ein guter Effekt spürbar sein.

Ethanol (96%) lässt auch viele ausgehärtete Öle erweichen. Nimmt man Spiritus, sollte man eine geruchsmilde Sorte verwenden. Weil Ethanol schnell verdampft, ist hier die Frischhaltefolien-Technik auch sehr sinnvoll. Noch eine Nummer härter ist Aceton, was getrocknetes Öl recht schnell löst. Bei beiden Lösemitteln könnte es aber sein, dass das im Holz verbleibende Öl geschädigt wird. Erfahrungswerte fehlen mir hier.

Zur Not - wenn nichts anderes greifbar - kann man auch Versuche mit Nagellackentferner machen, welcher meist aus Aceton oder Ethylacetat besteht. Weil im Nagellackentferner aber auch (unbekannte) Öle enthalten sind, sollte man nachträglich nochmal mit Waschbenzin säubern, ehe man neu ölt. Auch sollte man vor dem Nachölen die Oberfläche erstmal ordentlich trocknen lassen und dann leicht anschleifen.

Bei großen Flächen, wie Fußböden, sollte man die enorme Lösemittelbelastung bedenken und ggf. auf andere Verfahren ausweichen. Bei Einsatz von Lösemitteln auf jeden Fall gut lüften und Handschuhe tragen.

--

Manchmal hat die Oberfläche einen unterschiedlichen Glanzgrad, weil man nicht überall gleichmäßig abgewischt hat. So können partiell dünnste glänzende Schichten verblieben sein. In diesem Fall kann man probieren, mit Wasser + Seife die Oberfläche mit einem Lappen, Schwamm, Schleifpad oder Bürste zu bearbeiten. Nach dem Trocknen erhält man so mitunter eine einheitliche matte Oberfläche. Bei kleinen Stellen reicht auch die trockene Bearbeitung mit einem Schleifvlies. Hat man durchweg zu viel Glanz, den man nicht mag, reicht oft schon, einfach mal feucht abzuwischen, wobei man mit etwas Druck über die Oberfläche reibt. Es soll nämlich etwas Wasser in die Oberfläche einmassiert werden, damit das Holz ein klein wenig aufquilt.

--

Die Oberfläche fühlt sich noch rau an? Es gibt mehrere Ursachen dafür. Entweder sind es aufgestellte Holzfasern, weil nicht zwischengeschliffen wurde. Oder das Schleifpapier war generell zu grob - bei einem 180-240er Papier sollte man auf fast jedem Holz eine recht glatte Oberfläche bekommen. Es kann aber auch sein, dass sich Fusseln beim Abwischen auf die Oberfläche gesetzt haben. Oder bestimmte Bereiche wurden nicht gut vom aufliegenden Öl befreit. Meist hilft es, mit einem feinen Schleifvlies ein paar mal über die Oberfläche zu gehen. Mitunter funktioniert auch die harte Seite eines Spülschwammes. Danach kann man nochmal ganz dünn mit einem nicht fusselnden Lappen Öl aufpolieren.

--

Kann man Flächen noch mit einem härtenden Holzöl behandeln, wenn zuvor mit einem nichthärtenden Öl behandelt wurde? Es ist gar nicht so selten, dass man gerade Küchenarbeitsplatten vorfindet, die jahrelang mit Paraffinöl, Olivenöl, Rapsöl oder sonstigen Küchenölen behandelt wurden. Meine Erfahrung ist, dass sich auch bei solchem Holz noch ein Ölen mit einem härtenden Holzöl möglich ist. Hierzu habe ich versuchsweise Livos Kunos Naturölsiegel mal Paraffinöl und auch Rapsöl zugemischt, etwa 30%. Beide Proben wurden trotzdem hart. Diese Öle scheinen die Trocknung also nicht stark zu behindern. Trotzdem würde ich solche Platten erstmal so gut es geht grundreinigen: Mit Spülmittel + Wasser und Bürste die Oberfläche bearbeiten, so dass sich das Öl dort herauslöst. Oder einen speziellen Intensivreiniger für Holzoberflächen verwenden. Manche empfehlen auch Wasch-Soda, weil es sehr gut Fette und Öle verseift. Aufpassen muss man aber bei gerbstoffhaltigen Hölzern, wie Eiche. Diese Hölzer können sich dunkel verfärben - immer erstmal Vorversuche machen. Nach der Behandlung mit Soda sollte mit Essig neutralisiert werden. Zu Soda am besten mal das Infoblatt bei Kreidezeit.de lesen.

Danach sollte die Fläche erstmal eine Woche trocknen - man glaubt gar nicht, wieviel Wasser bei so einer Aktion das Holz aufnimmt. Das muss erst wieder raus. Dann nochmal die Oberfläche glatt schleifen und dann ölen. Klar, dass man bei furnierten Flächen kein Wasser einsetzen sollte, das führt schnell zu Schäden. Hier würde ich eher zu Lösemitteln greifen, z.B. Waschbenzin.

Geruchsbildung

In diesem Bereich herrscht oft Verwirrung: Was übel riecht, muss giftig sein und was geruchslos ist, muss ökologisch einwandfrei sein. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man schnell, das dem nicht so ist. Es gibt giftige Ausdünstungen, die geruchlos sind. Und es gibt z.B. sehr intensiv riechende Pflanzen, die aber nicht giftig sind. Sie belästigen mitunter aber - man riecht es nicht gerne.

Auf Gerüche reagieren viele Menschen empfindlich. Und hier sind die Empfindungen sehr individuell - was für den einen lecker riecht, kann der nächste kaum ertragen. Manche riechen kaum etwas, andere nehmen extrem schwache Gerüche noch wahr. Gerüche sind auch stark in unserem Bewusstsein verankert und mit alten Erfahrungen verbunden. Der Geruch aktiviert diese alten Erfahrungen. Wenn diese gut waren, löst der Geruch gute Gefühle in uns aus. Umgedreht können auch unangenehme Erfahrungen in uns aktiviert werden, was dann Abwehr oder Ekel auslöst.

Wir müssen also klar unterscheiden: Welche Gerüche mag ich, welche kann ich nicht ertragen? Im Gegensatz zu: Was ist gesundheitsschädlich?

Bei Holzölen werden vorwiegend Leinöl und Tungöl als Grundstoffe eingesetzt. Beide haben einen deutlichen Eigengeruch, der von vielen als nicht sonderlich angenehm empfunden wird. Leinöl riecht eher streng, Tungöl fischig oder wie Pommesbude.

Dieser Geruch ist nicht gesundheitsschädlich und natürlichen Ursprungs, kann aber manch einen ganz schön nerven oder verunsichern. Die meisten Holzöle benötigen einige Wochen, bis sich der Geruch legt. Nach 1-2 Wochen ist der Geruch schon deutlich reduziert, nach 6 Wochen riechen die meisten geölten Flächen kaum noch. Nach 3 Monaten sollte in aller Regel nichts mehr riechbar sein, wenn man auf einer frei belüfteten Oberfläche riecht. Anders sieht es aus, wenn man große Flächen - z.B. Fußböden - geölt hat. Hier können Gerüche bei schlechter Lüftung der Räume noch gut wahrnehmbar sein.

Jedes Holzöl riecht übrigens anders, für manche habe ich eine echte Vorliebe nur wg. des Geruchs entwickelt, andere setze ich diesbezüglich eher ungern ein. Auch was die Verblassung des Geruchs angeht, verhalten sich Öle verschiedener Hersteller unterschiedlich. Wer große Flächen ölt oder eine empfindliche Nase hat, sollte erstmal ein Muster ölen und dies dann ausführlich beschnuppern.

Es gibt beim Ölen einen wichtigen Grundsatz: Öle niemals Schrankinnenflächen!

Die Geruchsbildung hört nämlich über lange Zeit hinweg nicht wirklich auf. Sie ist nur so gering, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. In Schränken jedoch konzentriert sich der Geruch, weil der Sauerstoffaustausch gering ist. Und hier kann dann eine geölte Fläche zu massiver Geruchsbelästigung führen.

Ich dachte mir, wenn man lange genug trocknen lässt, ist das mit Geruch kein Problem. Also ölte ich ein Ikea Schrankteil mit Leinos Holzöl und lies es 3 Monate offen trocknen. Nach Einbau der Türen war in kürzester Zeit ein intensiver Geruch im Innenraum. Selbst nach 1 Jahr weiterer Durchlüftung mit ausgebauten Türen war der Geruch nicht weg...

Es wäre sicherlich nochmal ein Forschungsfeld, welche Öle sich auch für Schrankinnenteile eignen - sicherlich gibt es hier Unterschiede von Hersteller zu Hersteller. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je tiefer ein Öl ins Holz einzieht, um so größer die Geruchsgefahr. Und Öle, die nicht auf Leinöl/Tungöl basieren, können evtl. besser abschneiden.

Für Schrankinnenteile hat sich übrigens die Grundierung mit Schellack mit nachfolgendem Wachsen bewährt.

Geruchsbildung ensteht auch dann, wenn man z.B. auf ein recht frisch geöltes Regal Bücher mit recht dichtem Umschlag hineinlegt. Weil darunter der Luftaustausch gestört ist, werden an diesen Stellen Gerüche abgesondert. Oder Teppiche, die man auf geöltem Boden auslegt. Hier empfehlen die Hersteller, mindestens 2-4 Wochen damit zu warten. Asuso empfiehlt sogar 2-3 Monate.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz beim Ölen ist übrigens: Sorge während der Trocknungsphase für viel Sauerstoff!

Es gibt Hinweise darauf, dass gerade die Sauerstoffzufuhr in den ersten 1-2 Tagen der Trocknung von entscheidender Bedeutung ist. Wird hier geschlampt, können sich angeblich Gerüche bilden, die man auch durch späteres Lüften nicht mehr so schnell wegbekommt. Bei Fußbodenölung sollte man z.B. die Fenster offen lassen, manche Hersteller empfehlen sogar zusätzlich noch, Ventilatoren aufzustellen.

Noch ein Hinweis für Selbermischer: Meine Versuche mit Tungöl zeigten, dass selbst nach einem Jahr die Geruchsabgabe noch deutlich ist, sobald man die Fläche mal für kurze Zeit abdeckt. Im Gegensatz riecht Auro PurSolid nach 2-3 Monaten fast gar nicht mehr, obwohl es auch in großen Teilen auf Tungöl basiert. In Sachen Geruchsbildung scheinen die Hersteller also auch Optimierungen vorzunehmen.

Ein anderer Ursprung von Geruch sind die meist enthaltenen Lösemittel. Diese sind vor allem während der Verarbeitung wahrnehmbar und entweichen innerhalb von 1-2 Tagen fast vollständig. Sind sie von intensivem Geruch, kann man sie aber auch noch über Wochen hinweg wahrnehmen. Orangenöl konnte ich z.B. noch 6-8 Wochen nach Ölung noch wahrnehmen.

Vor zu hoher Lösemittelkonzentration sollte man sich natürlich schützen. Augenmerk gilt hier vor allem bei den neueren Isoaliphaten oder Isoparaffinen - diese sind nämlich fast geruchlos, man nimmt sie nicht wahr und hat damit keine Signalwirkung. Bei allen Anstrichstoffen, die Lösemittel enthalten, sollte immer gut gelüftet werden. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche lösemittelreie Öle, die man evtl. einsetzen kann. Dann erspart man sich Lösemittelbelastung.

Bei Wachsen muss man genauer hinschauen. Die meisten Wachsrohstoffe sind geruchlos. Unter der Bezeichnung Wachs werden aber oft Gemische verkauft, die alles mögliche enthalten, so auch Öle oder sogar Alkydharze oder Acrylate. Reine Wachsprodukte enthalten neben Wachs und Pigmenten oft nur Lösemittel. Wenn diese verdunstet sind, sind sie geruchlos. Oder ein leichter Geruch nach Bienenwachs bleibt zurück, der von vielen als angenehm empfunden wird. Wachse eignen sich so auch für Schrankinnenflächen.

Wenn jedoch Öl im Wachsprodukt ist, dann ist auch hier mit Geruchsbildung zu rechnen. Meist jedoch nicht so intensiv, weil Wachse nicht sehr tief ins Holz einziehen und damit wesentlich schneller durchtrocknen.

Manche Hersteller überdecken unangenehme Gerüche übrigens durch Zugabe ätherischer Öle. Früher wurde viel mit Orangenöl gearbeitet, welches als Hauptlösemittel eingesetzt wurde. Wegen neuer Verordnungen ist der Einsatz rückläufig, jedoch wird es als kleiner Zusatz immer noch gerne eingesetzt. Wer sein Öl selbst mischt, kann natürlich auch Orangenöl zusetzen. Ich denke, viele weitere ätherische Öle, die in der Regel rückstandsfrei verdunsten, wird man nutzen können. Kleine Zusätze von 1-5 % reichen in der Regel.

Holz-Wachse

Wenn man sich mit dem Ölen von Holz beschäftigt, wird man auch irgendwann über Wachse stolpern.

Wachse veredeln vor allem die Oberfläche. Sie bilden eine zusätzliche Schutzschicht. Ähnlich wie ein Autowachs auf dem Lack. Wachse können aufpoliert werden und schaffen dann eine glänzende Oberfläche. Im Gegensatz zu einer nur-geölten Oberfläche, die eher seidenmatt ist.

Bei Wachs assoziiert man schnell Kerzenwachs und Bienenwachs mit ihrer recht weichen Konsistenz. Viele Holzwachse sind jedoch wesentlich härter. Eines der härtesten Wachse ist Carnaubawachs, welches in Holzwachsen oft zu finden ist. Gewachste Oberflächen können so sehr widerstandsfähig werden. Andere Wachse bestehen fast ausschließlich aus Bienenwachs. Diese sind nicht so beanspruchbar, bieten aber auch interessante Resultate.

Klassische pastöse Holzwachse bestehen meist aus diversen Wachsen (Carnauba, Bienenwachs, Paraffine, Montanwachs, Erdwachs) und Lösemitteln (Petroleum, Benzin, Terpentin, Orangenöl). Mitunter enthalten sie noch Pigmente, um den Wachs einzufärben. Solche Wachse wirken vor allem auf der Oberfläche. Man kann sie polieren und sie wirken wasserabweisend - Wasser perlt darauf ab. Auch Staub und Schmutz hält sich auf so einer Oberfläche weniger stark. Ein trockener Staublappen gleitet gut darüber.

Der Schutz ist aber nur oberflächlich, so ein klassischer Wachs verhindert nicht das Eindringen von Wasser in die Holzfaser. Wenn man auf so einer Oberfläche einen Tropfen Wasser mit dem Finger leicht einmassiert, wird diese Stelle matt und die Holzfasern stellen sich auf.

Es braucht also fast immer einen Tiefenschutz, etwas, was stärker in die Holzfaser eindringt und diese imprägniert. Hierfür kann man ein Holzöl verwenden, also zuerst wie gewohnt ölen und dann wachsen.

Eine Alternative ist ein Grundierlack. Entweder trägt man ihn so dünn auf, dass er vollständig von der Faser aufgesaugt wird, man also so gut wie keine Schichtbildung hat. Oder man schleift nach Auftrag die Oberfläche ganz fein, z.B. mit Stahlwolle. Ökologisch sinnvoll ist Schellack als Grundierung. Auch Sanding-Sealer (Schellack + Bimsmehl) wird gerne verwendet, um Poren zu schließen und so die Oberfläche glatter zu machen. Technisch spricht nichts gegen andere dünnflüssige farblose Lacke. Nach dem grundieren wird dann das Wachs aufgetragen.

Mittlerweile ist die Zeit vorbei, dass sich die Wachsprodukte alle irgendwie ähneln. Der Begriff "Wachs" kommt heute sehr gut bei den Kunden an und das Marketing hat ihn für sich entdeckt. So kommen die unterschiedlichsten Produkte auf den Markt, die nicht mehr viel mit den klassischen Wachsen zu tun haben. Insofern ist es schwer, hier allgemeingültige Aussagen zu machen.

Neben den klassischen Wachsen sind solche verbreitet, die auch ein härtendes Öl enthalten, meist Leinöl. Diese sind ideal, um bereits geölte Flächen zu behandeln. Meist werden sie in pastöser Form angeboten. Sie müssen meist vor Aushärtung des Öles poliert werden. Typische Vertreter sind Auro Hartwachs oder Naturhaus Hartwachs. Diese Produkte brauchen eine längere Zeit zur vollständigen Aushärtung, typisch 1-2 Wochen.

Wenn die Kombination mehr Öl als Wachs ist, dann spricht man von Holzwachsölen. Das Öl soll in der Tiefe schützen und der Wachs einen Oberflächenschutz aufbauen. Gleichzeitig wird die Oberfläche polierbar. Damit sind sie schnell und unkompliziert zu verarbeiten, weil ölen und wachsen in einem Arbeitsgang geschieht. Meine Erfahrung ist jedoch, dass viele dieser Produkte sich eher wie ein Lack an der Oberfläche ansiedeln und nicht wie ein Öl tief in das Holz eindringen. Das muss je nach Anwendungsfall nicht ungünstig sein, es ist aber ein anderes Resultat, was man bedenken sollte.

In letzter Zeit kommen viele wasserbasierte Wachsprodukte auf den Markt. Über einen Emulgator wird Wachs und Öl in Wasser lösbar. Und Wasser ist ein umweltfreundliches Lösemittel. Wasserbasierte Produkte sind etwas schwieriger in der Verarbeitung, weil durch das Wasser das Holz quilt und sich die Fasern aufstellen. Eine rauhe Oberfläche ist das Resultat, die man dann nochmal schleifen muss.

Daneben gibt es Wachse, die eher an Farbe oder Lasur erinnern. Die typischen wachsartigen Eigenschaften lassen sich hier nicht mehr erkennen.

Die Verarbeitung der Wachse unterscheidet sich stark. Das Wachs von Kreidezeit ist z.B. recht schwer aufzutragen und klebt beim Polieren. In der Endqualität ist es sehr gut. Das Wachs von Auro oder Naturhaus hingegen lässt sich so leicht, wie eine Schuhcreme auftragen und später genauso leicht polieren. Die Endqualität ist gut. Allerdings altert es sehr schnell in der Dose, so dass angebrochene Gebinde recht schnell verbraucht werden müssen. Naturhaus liefert auch in der praktischen Kartusche, die Sauerstoff vom Wachs fern hält, womit die Haltbarkeit auch bei angebrochener Kartusche recht lang ist.

Osmo bietet ein Wachs an, der ohne vorheriges Ölen zu einer sehr haltbaren Oberfläche führt. Zudem können mit diesem Dekorwachs auch farbige Oberflächen erzeugt werden. Dekorwachs kann man durchaus auch schon als Farbe oder Lasur bezeichnen.

PNZ Holzwachs ist auch mehr Farbe/Lasur, als Wachs. Es bildet eine recht harte Oberfläche.

Neben den normalen Holz-Wachsen gibt es auch noch Pflegewachse, die regelmäßig zur Pflege aufgetragen werden. Meist sind es wässrige Emulsionen, mitunter können sie auch ins Wischwasser gegeben werden. Sie sorgen gerade bei beanspruchten Flächen dafür, dass eine gewisse wasser- und schmutzabweisende Oberfläche erhalten bleibt. Ähnlich, wie das auch Autowachs, Bohnerwachs oder Schuhcreme macht. Produkte wären z.B. die Carnaubwachs-Emulsion von Kreidezeit oder die Bodenmilch von Leinos oder der Hartglanzwachs von Natural.

Soll man überhaupt zusätzlich wachsen? Das ist keine einfach zu beantwortende Frage. Manche raten vom wachsen ab. Selbst Hersteller wie Kreidezeit schreiben, dass eine gut geölte Oberfläche widerstandsfähig genug ist und es keinen Wachs braucht. Wenn man wachst, kann man nicht mehr so gut nachölen. Das ist sicherlich ein Nachteil. Andererseits erscheinen mir gewachste Oberflächen doch etwas weniger anfällig für Verschmutzung. Mit Wachs polierte Oberflächen können jedoch auch wieder pflegeintensiver werden, weil das Auge auf glänzenden Oberflächen mehr wahrnimmt. Wachs erweicht zudem bei höheren Temperaturen. Wenn man also auf einer Küchenarbeitsplatte etwas heißes abstellt, schmilzt die gewachste Oberfläche (Schmelzpunkt: Carnaubawachs=80-87 Grad, Bienenwachs=62-65 Grad). Gewachste Oberflächen sind auch für Feuchtigkeit empfindlich, es entstehen schnell Flecken.

Hier sollte man je nach Anwendungsfall gut abwägen und selber experimentieren, zwingend notwendig ist Wachs jedenfalls nicht. Auf Tischen und Arbeitsplatten verzichtet man in der Regel darauf. Bei Schränken ist es in der Regel gut machbar. Bei Fußböden ist es Geschmackssache. Für den Außenbereich verwendet man in der Regel keine Wachse (wohl aber Öle, die auch Wachse enthalten können).

Wer den Seidenglanz von gewachsten Oberflächen will, ohne sich die Nachteile von Wachsen einzuhandeln, kann auch auf schichtbildende Öle zurückgreifen, wie z.B. Natural Finish-Öl oder Livos Naturöl-Siegel.

Gefärbte Öle und Wachse

Mitunter möchte man ein Holz tönen. So kann man aus einem hellen Holz ein dunkles Holz machen. Oder gar ein Schwarzes. Mitunter möchte man auch bunt werden: blau, rot, grün, gelb. In letzter Zeit sind auch geweißte Oberflächen recht beliebt.

Im einfachsten Fall hat man ein gut saugfähiges Holz und ein farblich pigmentiertes Öl. Im Öl sind kleinste Farbpigmente, die auch mit in die Holzoberfläche einziehen. Dies bringt eine sehr schöne Oberfläche: Die Farbe ist ins Holz eingezogen und das Öl schützt die Oberfläche. Es liegt keine Schicht auf dem Holz, man hat also direkt Kontakt mit dem Holz. Die Maserung bleibt schön sichtbar.

Leider klappt diese Art der Behandlung öfters nicht: In viele dichtere Hölzer (z.B. Buche) können Pigmente nicht oder nicht gleichmäßig eindringen. Ähnlich ist es, wenn zuvor lackierte Hölzer abgeschliffen wurden: Lackreste im Holz können verhindern, dass die Färbung gleichmäßig funktioniert. Und zuvor geölte Hölzer haben natürlich auch kaum noch eine Möglichkeit, Pigmente aufzunehmen.

Daneben gibt es noch Probleme mit unterschiedlicher Saugfähigkeit des Holzes: Dort, wo Holz mehr saugt, wird die Färbung meist wesentlich intensiver. Das betrifft vor allem Hirnholz. Äste im Holz saugen auch wieder ganz anders.

Fazit: Färbung von Holz durch pigmentierte Öle hängt stark von der konkreten Situation ab und die Gefahr, dass es misslingt, ist groß. Man sollte auf jeden Fall zuerst Proben machen.

Tipp: Öle lassen sich auch selber einfärben. Manche Hersteller haben dafür spezielle Abtönpasten. Auch gibt es Universal-Pigmentlösungen, wie Mixol, oder pulverförmige Pigmente z.B. bei Kremer-Pigmente.

Das farbliche Resultat hängt natürlich auch immer von der ursprünglichen Holzfarbe ab. Die Pigmente wirken auf einem hellen Holz ganz anders, als auf einem dunklen Holz. Insofern sind Farbmuster der Hersteller nur ein ganz grober Richtwert. Mitunter geht man auch den Weg, vor dem Beizen das Holz zu bleichen, um einen anderen Farbton zu erreichen. Das bedeutet aber wieder Einsatz gefährlicher Chemie.

Wichtig bei gefärbten Ölen: Es hängt viel vom Schliff ab, wie das Holz die Pigmente aufnimmt. Ein sehr fein geschliffenes Holz hat auf der Oberfläche kaum noch Poren oder Riefen, wo sich Pigmente ablagern können. Ein grob geschliffenes Holz hingegen kann mehr Pigmente aufnehmen, weil diese sich in der groben Oberfläche einlagern können. So empfiehlt z.B. Asuso bei farbigen Ölen und Fußböden, nicht feiner als Körnung 80, evtl. auch 100 zu gehen. Bei Fußböden ist dies auch gut möglich, weil man diese ja sowieso nicht so fein schleift. Man sollte auf jeden Fall Versuche mit unterschiedlich geschliffenem Holz machen.

Eine zweite Alternative, im Holz zu färben, sind Beizen. Eine Beize würde man vor dem Ölen auftragen. Sie besteht meist aus Farbstoffen, die z.B. in Wasser gelöst werden und dann in die Oberfläche eindringen. Solche Farbstoffe können in fast alle Hölzer gut eindringen - im Gegensatz zu den Pigmenten in Ölen. Aber: Sie färben wirklich nur die Oberfläche, dringen vielleicht 1/10 mm tief ein. Man kann hier den Test mit Schleifpapier machen: Meist reichen ein paar Schleifbewegungen selbst mit 240er Papier und die ursprüngliche Holzfarbe kommt wieder zum Vorschein.

Dies bedeutet auch: Man darf nach dem Beizen nicht mehr schleifen. Weil sich durch Wasserbeizen aber die Fasern aufstellen - die Oberfläche also rau wird - muss zuvor gewässert werden. Also: wässern - trocknen - schleifen. Und das bis zu 3 mal. Erst dann trägt man die Beize auf. Wenn die Beize vollständig durchtrocknet ist, kann man ölen. Und trotzdem: Durch ein wässrige Beize wird die Oberfläche immer wieder eine gewisse Rauheit entwickeln.

Eigentlich sind die Wasserbeizen - wie man sie heutzutage fast ausschließlich vorfindet - nicht sonderlich geeignet für nachträgliches Ölen. Der Grund ist einfach: Getrocknete Beize bleibt wasserlöslich, geölte Oberflächen bleiben diffusionsoffen. Wasserflecken und farbliche Ausblutungen sind vorprogrammiert. Dagegen helfen nur sehr schichtbildende Öle oder die Benutzung von Spiritusbeizen.

Bei Spiritusbeizen werden die Farbstoffe in Alkohol gelöst. Sie sind nicht wasserlöslich und somit ist die behandelte Fläche nicht so wasserempfindlich. Jedoch gibt es auch wieder eine Empfindlichkeit bei alkoholischen Getränken oder Desinfektionsmitteln. Spiritusbeizen sind auch nicht ganz so einfach gleichmäßig aufzubringen. Das braucht schon etwas Geschick, gerade wenn man mit Pinsel oder Schwamm arbeitet. Auch bei Spiritusbeizen stellen sich übrigens ganz leicht Holzfasern auf, so dass man auch hier keine super glatte Oberfläche hinbekommt.

Spiritusbeizen haben einen Vorteil: Selbst auf bereits geölten Oberflächen lässt sich noch so eine Beize aufbringen. Die geölte Fläche wird leicht angelöst und Farbstoffe dringen ein. Spiritusbeize kann auch ganz leicht schichtbildend verarbeitet werden, es bildet sich also eine haltbare Farbschicht auf schon mit Öl gesättigtem Holz. Wenn man erst nach dem ersten Ölen beizt, hat das noch weitere Vorteile: Die Tönung wird gleichmäßiger und es stellen sich keine Holzfasern mehr auf. Danach arbeitet man mit einem schichtbildenden Öl weiter, wobei der erste Auftrag sehr vorsichtig heruntergewischt werden sollte. Lösemittelhaltige Öle lösen nämlich die Beize wieder an. Ob dieses Verfahren im konkreten Fall funktioniert, sollte man auf jeden Fall in Vorversuchen ermitteln. Mehr als ein paar Testmuster habe ich hier auch noch nicht gemacht. Die Spiritusbeize war hierbei von Clou. Grundieren sollte man am besten mit einem dünnflüssigen Öl, z.B. Halböl (Firnis+Lösemittel 1:1).

Für Beizen (insbesondere Wasserbeizen) bieten manche Hersteller auch Fixierungen an, damit diese nicht mehr feuchtigkeitsempfindlich sind, z.B. die Firma Adler mit dem Produkt Legnofix. Beize und Fixierung sollten vom selben Hersteller stammen, damit die Kompatibilität gewährleistet ist.

Nachteile der Beizmethode:

  • Je nach verwendeten Öl und Beize kann die Oberfläche leicht abfärben. Dem kann man entgegenwirken, in dem man schichtbildende Öle verwendet (z.B. Osmo-Hartwachsöl, Osmo Topoil, Natural-Finish-Öl, Livos Naturöl-Siegel), Fixierungen einsetzt oder lösemittelhaltige Beizen verwendet.
  • Weil keine schützende Schicht auf dem Holz liegt - was ja eigentlich auch schön ist - ist die Oberfläche entsprechend empfindlich. Wenn die oberste Holzschicht abgetragen wird, kommt die ursprüngliche Holzfarbe durch. Das kann an Kanten und Ecken sehr schnell gehen. Klar, dass so eine Behandlung auf strapazierten Flächen nicht gemacht werden sollte. Abhilfe schaffen hier auch schichtbildende Öle.
  • Die Reparatur von gebeizt-geölten Oberflächen ist kaum machbar. Nach dem Ölen ist ja die Holzfaser durchtränkt, kann also nichts mehr aufnehmen. Man kann später also Fehlstellen nicht mehr nachbeizen. Beize dringt in geölte Hölzer nicht mehr ein. Man müsste zuerst das von Öl durchtränkte Holz gänzlich abschleifen. Spiritusbeizen hinterlassen auch einen Farbfilm auf der Oberfläche, ohne ins Holz einziehen zu müssen. Damit hat man noch bessere Chancen bei Nachbesserungen.
  • Beizen funktioniert nur auf rohem Holz. Schon einmal geölte Hölzer sind nicht mehr saugfähig und können nur sinnvoll gebeizt werden, wenn man alle Beschichtungen vollständig runterschleift. Ausnahme sind Spiritusbeizen.

Osmo Hartwachsöl und Osmo Topoil nimmt übrigens eine Sonderstellung ein. Es bildet eine recht beanspruchbare und fast wasserdichte Oberflächenschicht. Darunter sind gebeizte Hölzer recht sicher aufgehoben, vorausgesetzt, die Schichtdicke ist groß genug.

Fazit: Beizen und Ölen geht bei weniger beanspruchten Oberflächen recht gut, auch schon mit Standard-Ölen. Wer mehr Schutz braucht, nimmt schichtbildende Öle und lösemittelhaltige Beizen. Für höher belastete Oberflächen sollte man auf Beizen verzichten. Ebenso nicht für Möbelstücke, die eine lange Lebensdauer haben. Wasserbelastung kann auch schnell unschöne Flecken hinterlassen, insofern ist dieses Verfahren z.B. völlig ungeeignet für Küchen-Arbeitsplatten und Tischoberflächen. Bei Sitzmöbeln spielt das Abfärberisiko eine Rolle, gerade wenn man sich auf eine dunkle Beize mit weißen Klamotten draufsetzt.

Wenn man das Holz selbst nicht ordentlich durchfärben kann oder die Nachteile nicht haben möchte, bleibt noch die Färbung durch ein Schichtaufbringung auf dem Holz.

Hier gibt es Wachs-Produkte, die das machen. Manche werden als Wachs-Beizen bezeichnet, viele Hersteller haben aber eigene Namen. Natural hat das Bienenwachsbalsam Aqua, PNZ hat die PNZ-Wachs-Beize, Osmo den Dekorwachs, Biopin die Bienenwachslasur. Manche Produkte haben einen eher wachsartigen Oberflächencharakter, andere sind auch schon fast wieder Farben. Es gibt wasserbasierte und lösemittelbasierte Systeme. In der Verarbeitung sind sie oft recht unterschiedlich. Wasserbasierte Produkte haben wieder den Nachteil, die Oberfläche aufzurauhen.

Weil auch solche Produkte teilweise ins Holz einziehen können, kann sich auch hier ein ungleichmäßiges Bild ergeben. Insofern kann es mitunter Sinn machen, zuvor die Holzfaser mit einer Grundierung zu sättigen, so dass die färbenden Produkte nur auf der Oberfläche wirken. Als Grundierung kann man im einfachsten Fall irgendein Standard-Öl verwenden. Die meisten Wachse vertragen sich mit zuvor geölten Oberflächen.

Daneben gibt es noch die ölhaltigen Lasuren: Sie sind ähnlich wie eingefärbte Öle, können jedoch auf dem Holz zusätzlich eine Schicht bilden. Entweder wischt man hier einen Überstand gar nicht ab oder man poliert den Überstand ganz dünn mit einem Lappen ein. Als Ergebnis hat man dann eine hauchdünne Schicht. Dies kann man je nach Deckungsgrad dann mehrfach wiederholen. Manche pigmentierte Öle darf man auch so vearbeiten. Hier gilt übrigens auch: Mitunter macht es Sinn, zuerst mit einem nichtfärbenden Öl zu grundieren, damit die Oberfläche dann gleichmäßig Farbe annimmt.

So eine Grundierung hat noch einen Vorteil: Man hat dann nur eine färbende Schicht auf dem Holz liegen und damit ist so eine Oberfläche gut nachzuarbeiten: Gefällt einem die Färbung nicht mehr, ist sie leichter zu entfernen, als Pigmente, die tiefer in die Oberfläche eingezogen sind.

Über farbige Wachse, Öle oder Lasuren kann man übrigens meist noch farblose Schutzschichten aufbringen: Es gibt schichtbildende Öle, farblose Lasuren und farblose Wachse. Die Hersteller erwähnen diese Behandlung auch meist in ihren Merkblättern. Bedenken sollte man: Diese Finish-Produkte können den farblichen Eindruck nochmal stark beeinflussen. Hier sollte man zuerst an einem Muster ausprobieren.

Trotzdem: Für hochbelastete Flächen ist die Einfärbung von geölten oder gewachsten Oberflächen problematisch. Hier sollte man besser auf Lacke zurückgreifen. Ein typisches Beispiel wäre ein geölter Fußboden, den ich nicht einfärben würde. Ebenso keine wasserbelasteten Oberflächen, wie Küchen-Arbeitsplatten.

Es gibt Öle, die gut färben, aber eigentlich nichts mehr mit den klassischen Ölen zu tun haben. Es sind vielmehr Farben auf Ölbasis, die eine farbige Schicht auf dem Holz bilden. Das Ergebnis unterscheidet sich dann nicht von einer lackierten Oberfläche. Ein Beispiel dafür ist das PNZ Coloröl, was ich als Farbe bezeichnen würde. Vermutlich heißt es nur aus Marketing-Gründen Coloröl. Wer hier ein Öl erwartet, was tief ins Holz einzieht und dabei dieses von innen färbt, wird enttäuscht sein. Als Farbe betrachtet ist es hingegen ein interessantes Produkt.

Viele Hersteller haben weiße Öle im Angebot. Sie enthalten als Pigment meist Titandioxid. Manchmal soll damit wirklich eine geweißte Oberfläche entstehen, oft sind die Pigmente aber nur dazu da, um der Anfeuerung heller Hölzer entgegenwirken, sozusagen den Farbeindruck zu erhalten, den ein Holz vor dem Ölen hatte. Gleichzeitig sollen die Pigmente einen UV-Schutz bieten, damit das Holz nicht so schnell nachdunkelt oder ausbleicht. Gelingen wird das hier genauso nur bei Hölzern, die auch Pigmente in die Faser aufnehmen können. Und auch dann ist der Farbeindruck meist nicht so, wie ein unbehandeltes Holz. Bedenken muss man hier auch, dass ein Öl im Holz eine schöne Tiefe entstehen lässt, es gibt sozusagen einen gewissen 3D-Effekt bei manchen Hölzern, womit Oberflächen sehr ansprechend wirken. Weißpigmente hingegen verdecken diesen Effekt, das Holz kann dadurch langweiliger wirken. Ein weiteres Problem ist, dass wegen der Inhomogenität einer Holzoberfläche sich Pigmente manchmal verstärkt partiell ansiedeln können, womit dann dort deutlich das Weißpigment sichtbar wird. Gleiches gilt für Hirnholz, schlecht geschliffene Stellen, Ästen, Kratzer oder sonstigen Beschädigungen der Holzoberfläche. Kurzum, weiß pigmentiertes Öl ist nicht ganz unproblematisch, bei bestimmten Anwendungsfällen kann man aber aber gute Ergebnisse erzielen.

Auf dunklen Hölzern funktionieren solche Öle übrigens meist nicht: Auf Buche wird z.B. das Holz meist dunkel angefeuert und oben drauf liegen deutlich sichtbar die weißen Pigmente. Einige wenige Öle können aber auch hier akzeptable Ergebnisse erzielen, z.B. das Parkettöl weiß von Natural. Vermutlich werden hier mikronisierte Pigmente verwendet, die dann kaum sichtbar sind.

Verträglichkeit von Ölen für den Menschen

Im ausgehärteten Zustand sind die meisten Öle ausgezeichnete Produkte, um ein gutes Raumklima zu gewährleisten. Sie dünsten keine Lösemittel oder Schadstoffe aus, wie manch andere Systeme zur Oberflächenkonservierung. Die meisten Produkte von Naturfarbenherstellern sind zur Behandlung von Kinderspielzeug freigegeben (DIN EN71-3), sind speichel- und schweißecht (DIN 53 160) und können auch für Bereiche verwendet werden, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, z.B. Küchenarbeitsplatten oder Küchenschränke.

Unter den strengen Richtlinien von Ökotest schneiden viele Produkte sehr gut ab, genaueres kann man dort nachlesen.

Insofern sind sie gerade für die Menschen erste Wahl, die sich ökologisch sinnvoll orientieren.

Während der Verarbeitung gibt es jedoch auch in Ölen einige Stoffe, die zu Problemen führen können. Einerseits sind es Lösemittel - auch wenn viele Naturfarbenhersteller hier natürliche verwenden. Natürlich heißt aber nicht gleich gut verträglich. Die Natur bringt auch Stoffe hervor, die problematisch für den menschlichen Organismus sind. Natürliches Terpentinöl, Orangenöl, Zitrusöle und ätherische Öle können die Haut belasten, angreifen oder Allergien auslösen.

Beim Terpentinöl ist es vor allem der Duftstoff delta-3-Caren, der Allergien auslösen kann. Es gibt mittlerweile Terpentinöle, die von diesem Stoff weitgehend gereinigt wurden und damit in wesentlich geringerem Umfang reizend sind (z.B. Kreidezeit Balsam-Terpentinöl).

Daneben findet man Isoaliphate, Isoparaffine und Testbenzin als Lösemittel, die relativ harmlos sind - insofern sie entaromatisiert wurden. Bei Naturfarbenherstellern ist dies in aller Regel der Fall. Auch konventionelle Hersteller achten in den letzten Jahren immer mehr darauf. Denn Aromate wie Benzol oder Toluol gelten als krebserregend.

Ob nun natürliche Lösemittel oder Lösemittel der Petrolchemie gesamtheitlich besser sind, lässt sich schwer sagen. Man darf sich hier auch nicht von manchen Aussagen verwirren lassen: Meist ist es so, dass Naturfarbenhersteller, die sich für Petrolchemie entscheiden, gegen natürliche Lösemittel wettern und umgedreht. Meist sind die Aussagen überzogen. Für mich zeigt dies lediglich: Beides ist nicht optimal und was das kleinere Übel ist, ist schwer zu sagen. Persönlich arbeite ich lieber mit natürlichen Lösemitteln.

Orangenöl wird aber vermutlich in den nächsten Jahren kaum noch eingesetzt werden. Denn gerade für die Naturfarbenhersteller gibt es mittlerweile (2009) eine sehr ungünstige Einstufung, was die Kennzeichnung angeht: Neben dem Symbol Reizend muss nun auch das Gefahrensymbol "Umweltgefährdend" auf die Dosen. Und welcher Naturfarbenhersteller möchte schon ein Symbol mit totem Fisch und totem Baum auf seiner Dose prangern haben? Ganz unabhängig davon, wie man das Thema Orangenöl sehen kann. Kleinste Mengen Orangenöl, welches eher als Duftstoff zugesetzt wird, ist aber weiterhin ohne Kennzeichnung erlaubt.

Manche verwenden Butanonoxim als Hautverhinderungsmittel, ein Stoff, der zwar in fast allen herkömmlichen Lacken enthalten ist, der jedoch als nicht ganz unproblematisch eingestuft werden kann. Hier geht es vor allem darum, professionelle Verwender zufrieden zu stellen, die Hautbildung auf Produkten nicht akzeptieren würden. Mich persönlich stört das wenig und ich greife lieber auf Produkte ohne diesen Zusatzstoff zurück.

Als Trockenstoffe findet man Kobalt- und Mangan-Verbindungen. Beide sind für den menschlichen Organismus ab einer gewissen Dosis problematisch. Vorsicht ist hier vor allem beim Schleifen geboten. Das gilt übrigens für fast alle herkömmlichen Lacke. Kobalt wird von fast allen Herstellern als Sikkativ eingesetzt, mitunter jedoch nur als "bleifreie Trockenstoffe" deklariert. Einige wenige Produkte verzichten auf Kobalt und nutzen nur Mangan- oder Zirkononiumverbindungen. Die schlechteren Trocknungseigenschaften nimmt man zugunsten der Verträglichkeit in Kauf. Gerade im privaten Bereich spielt es oft keine große Rolle, wie schnell eine Oberfläche fertig ist.

Blei findet man zum Glück heutzutage bei keinem Hersteller mehr. Es ist auch gesetzlich verboten, solche Produkte dürfen normal nicht auf den europäischen Markt. Nur in der Denkmalpflege sind sie noch mit Ausnahmegenehmigung zugelassen.

Oft werden natürliche Baumharze in Holzölen hinzugemischt, um strapazierfähigere Oberflächen zu erreichen. Am meisten wird Kolophonium genutzt - ein Harz von Kiefern, Fichten und Tannen. Kolophonium ist für viele völlig unproblematisch, andere bekommen allergische Reaktionen. Viele Hersteller verwenden deshalb modifiziertes Kolophonium, sogenannte Kolophoniumglycerinharzester. Bei diesen sind keine reizenden oder sensibilisierenden Wirkungen bekannt.

Manche Öle enthalten Tungöl, was mitunter auch als "chinesisches Holzöl" oder nur "Holzöl" deklariert wird. Tungöl enthält giftige Stoffe, weshalb man im flüssigen Zustand damit nicht in Kontakt kommen sollte (reizend). Im ausgehärteten Zustand soll es unproblematisch sein. Es wird zumindest in kleinen Mengen gerne zugesetzt, weil es die Trockungseigenschaften des Öles verbessert und das Endprodukt strapazierfähiger macht.

So enthält z.B. das Möbel Hartöl von Natural oder das PureSolid von Kreidezeit Tungöl. Gleichzeitig sind sie für Kinderspielzeug geeignet (DIN 71-3) und werden auch für Arbeitsplatten empfohlen. Livos hingegen verzichtet beim Kunos Arbeitsplattenöl auf Tungöl. Beim Koimos Parkett-Öl ist es hingegen enthalten. Beide sind auch für Kinderspielzeuge geeignet (DIN 71-3).

Beim Trocknungsprozess von pflanzlichen Ölen entstehen geruchsintensive Aldehyde (Hexanal, Propanal, Pentanal), Stoffe, die reizend wirken können. Es sind Stoffe, die vielfach in der Natur vorkommen, z.B. werden diese auch bei frisch geschnittenem Rasen emittiert. Bei der Trocknung von Holzölen können sensible Personen mit Unwohlsein auf die Gerüche reagieren. In der Regel ist die Polymerisation bei handelsüblichen Holzölen in den ersten 2-4 Wochen weitestgehend abgeschlossen, womit dann auch die Emissionen nachlassen.

Bei wasserbasierten Produkten muss man zudem noch acht geben, ob allergene Konservierungsmittel enthalten sind. Diese benötigt man, damit die Produkte im Gebinde nicht schimmeln, auch wenn sie längere Zeit lagern. Wasser ist allerdings eine gute Brutstätte für alle möglichen Mikroorganismen, wie z.B. Schimmelpilze. Zumal dann, wenn die Produkte sehr ökologisch sind und damit auch keine giftigen Stoffe enthalten, die Mikroorganismen stören könnten. So ist es gerade für Naturfarbenhersteller eine große Herausforderung, bei wasserbasierten Produkten einer Verkeimung entgegenzuwirken, ohne auf problematische Chemie zurückzugreifen.

Bei konventionellen wasserbasierten Produkten findet man meist Isothiazolinone als Topfkonservierungsmittel. Für viele Menschen sind diese in den eingesetzten Konzentrationen unproblematisch, man findet sie auch in fast jedem Haushaltsreiniger und in Spülmitteln (auch einige, die von Ökotest mit gut bewertet wurden). Höhere Konzentration können jedoch allergenisierend wirken und manche, die bereits eine Allergie gegen diesen Stoff haben, reagieren bereits bei sehr geringen Konzentrationen. Naturfarbenhersteller verzichten in aller Regel auf solche Hilfsstoffe, Livos hat aber z.B. wegen Schimmelproblemen seit 2012 Parmetol MBX in manchen Produkten, welches auch auf Isothiazolinonen basiert. Das zeigt, wie schwierig es auch für Naturfarbenhersteller ist, manche Effekte auf natürliche Weise in den Griff zu bekommen, so dass sie auf synthetische Stoffe zurückgreifen müssen. Und es zeigt, das wasserbasiert ja eigentlich ökologisch gut ist, man sich hier aber neue Probleme einhandelt, die zusätzlich Chemie brauchen, um sie in den Griff zu bekommen.

Achtung: Es gibt Holzöle, die ausschließlich für den Außenbereich gedacht sind. Diese können Biozide enthalten und dürfen nicht im Innenbereich eingesetzt werden. Biozide dünsten aus und belasten die Innenluft. Auch im Außenbereich kann man in den meisten Fällen auf biozidhaltige Ölprodukte verzichten. Biozidhaltige Produkte sollten grundsätzlich auch nicht auf Tischen und Stühlen im Außenbereich angewendet werden, weil hier Haut- und Lebensmittelkontakt wahrscheinlich ist.

Zusammenfassend kann man sagen: Im Vergleich zu den Chemie-Cocktails, die man in manchen herkömmlichen Holzlacken und Lasuren findet, ist die Verarbeitung von Holzölen recht unproblematisch.

Die meisten Naturfarbenhersteller haben übrigens eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe, wodurch man selber abwägen kann, welchen Stoffen man sich aussetzen möchte.

Bei konventionellen Anbietern von Holzölen findet man vor allem mehr Erdölprodukte, weil diese meist wesentlich billiger sind. Weil man hier oft keine Volleklaration bekommt, weiß man nicht, welchen Chemikalien man sich aussetzt. Es ist wahrscheinlich, dass hier mit wesentlich mehr problematischen Stoffen zu rechnen ist. Stoffe mit nachgewiesenem Gefährdungspotenzial finden sich übrigens immer im Sicherheitsdatenblatt, was seit einigen Jahren zu jedem Produkt existieren muss. Meist ist das Sicherheitsdatenblatt im Internet zu finden.

Man sollte sich übrigens nicht vom Geruch verwirren lassen: Wo etwas lecker nach Orange riecht, kann man unbewusst zu einem leichtfertigen Umgang verleitet werden. Manche Lösemittel riechen auch gar nicht, hier wird man nicht gewarnt. Isoaliphate und Isoparaffine sind z.B. so gut wie geruchlos. Manches riecht aufdringlich ekelig, ist aber eher unproblematisch. Der Geruch ist kein guter Ratgeber für die Verträglichkeit.

In jüngster Zeit kommt ein weiteres Thema in die Diskussion: Nanopartikel. Im Zusammenhang mit Ölen und Wachsen geht es hier vor allem um extrem feine Pigmentpulver mit Korngrößen im Nanometer-Bereich (Definition: 1-5nm). Durch diese kleinen Korngrößen können völlig neue Produkteigenschaften entstehen. Hier wird intensiv geforscht und es besteht großes Potenzial von Produktverbesserungen.

Nanopartikel sind jedoch nicht unkritisch, besonders in ungebundener Form. Sie können tief in den menschlichen Organismus eindringen, z.B. in die Lunge oder in die Haut. Es gibt keine Langzeiterfahrungen über das Gefahrenpotenzial von Nanopartikeln. Von konventionellen Farbenherstellern werden sie schon länger eingesetzt. Bei den Naturfarbenherstellern gibt es keine klare Richtung: Manche experimentieren damit und setzen sie ein, andere sind strikt dagegen. Ob sogenannte Mikropigmente auch schon Nanopartikel sind, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Firma Auro ist strikt gegen Nanopartikel, was man in diesem Fachartikel nachlesen kann. Problematisch ist, dass Nanopartikel oder mikronisierte Partikel in Produkten nicht deklarationspflichtig sind. Ob ein Pigment also in normaler Form oder als Nanopartikel zum Einsatz kommt, weiß man nicht. Renommierte Naturfarbenhersteller sollten aber darüber Auskunft geben.

Daneben muss betont werden, dass auch in normalen Pigmenten ganz natürlich Korngrößen im Nanometerbereich zu finden sind - so ist das bei fast allen pulverförmigen Stoffen. Jedoch findet man sie hier nicht in dieser selektiven hohen Konzentration.

Wer Holzöle verarbeitet, sollte:

  • Beim Schleifen eine Atemschutzmaske tragen.
  • Für gute Belüftung sorgen
  • Schutzhandschuhe tragen.
  • Nach Verarbeitung mit viel Seife die Hände waschen und eincremen.
  • Sich nicht zu lange hohen Konzentrationen von Lösemitteln aussetzen. Dies gilt vor allem, wenn man große Mengen verarbeitet (Parkett, Böden).
  • Auf die Selbstentzündungsgefahr von Ölen achten.
  • Produkte achtsam auswählen. Man kann sehr oft auf recht naturbelassene Öle zurückgreifen.

Verträglichkeit verschiedener Produkte untereinander

Zuerst die gute Nachricht: Die meisten Holzöle basieren zum Großteil auf Leinöl. Man kann so ein anderes Produkt auf eine bereits geölte Oberfläche aufbringen. Die Beständigkeit unterschiedlicher Öle kann natürlich recht unterschiedlich sein, je nach Anteil von Harzen und sonstigen Zusatzstoffen.

Holzöle unterschiedlicher Hersteller im flüssigen Zustand miteinander zu vermischen, sollte man vermeiden. Es wird zwar oft funktionieren, kann aber die Qualität negativ beeinflussen. Denn ein Öl ist nach bestimmter Rezeptur hergestellt - eine optimierte Mischung aus Ölen, Harzen und Lösemitteln. Diese Rezeptur verändert man, wenn man mehrere Produkte untereinander mischt. Und was dann dabei herauskommt, ist wenig vorhersehbar. Vor allem bei den Lösemitteln unterscheiden die Produkte sich stark, ein Produkt mit Terpentinöl als Lösemittel, sollte man nicht mit einem Öl mischen, was mit Isoaliphaten verdünnt wurde.

Schwieriger sieht es mit Wachsöl-Produkten aus. Hier unterscheiden die Hersteller sich sehr stark. Ein Osmo-Hartwachsöl ist etwas völlig anderes, als ein PNZ-Hartwachsöl - auch im harten Zustand. Man kann hier also ein Produkt von Hersteller X nicht auf ein Produkt von Hersteller Y auftragen, bzw. das Ergebnis ist wenig vorhersehbar. Hier hilft nur, möglichst bei einem Produkt zu bleiben, oder bei Produktwechsel die Oberfläche gut abzuschleifen. Alle Produktreste müssen zumindest von der Oberfläche verschwinden. Was ins Holz eingezogen ist, lässt sich nicht entfernen, die Haftung auf der Oberfläche ist aber meist gut genug, um andere Produkte auftragen zu können.

Bei reinen Wachsprodukten, die man typischerweise nach dem Ölen aufträgt, gibt es viele recht ähnliche Produkte, die untereinander austauschbar sind. Es gibt zahlreiche Produkte, die nur aus Wachsen + Lösemitteln basieren. Als Wachs findet oft Carnauba, Candelilla, Bienenwachs und Paraffinwachs Verwendung. Diese Produkte vertragen sich untereinander meist recht gut. Typischerweise sind Produkte mit der Bezeichnung "Antikwachs" von dieser Art.

Dann gibt es ölbasierte Wachsprodukte: Wachse, die in Öl geschmolzen werden, als Öl kommen meist härtende Naturöle zum Einsatz (Leinöl, Tungöl, Safloröl).

Auch wasserbasierte Wachse gibt es. Hier werden Wachse in Wasser emulgiert. Es gibt sie auch als Pflegeemulsion als Zugabe für das Wischwasser.

Am besten bleibt man bei der Pflege immer bei einem Produkt, wenn man jedoch wechselt, sollte man zumindest auf ein Produkt der gleichen Machart verwenden.

Geölt, gewachst und dann nochmal nachölen? Streng genommen kann man gewachste Oberflächen nicht mehr nachölen. Das Wachs auf der Oberfläche verhindert, dass das Öl eindringen kann. Mitunter funktioniert es trotzdem, wobei das Öl dann zumindest einen ordentlichen Anteil Lösemittel beinhalten sollte. Dieses löst die Wachsschicht an und durchdringt den Wachs. Die Ergebnisse sind aber wenig vorhersehbar. Vernünftig geht es nur, in dem man die Wachsschicht entfernt. Das geht gut mit Schleifvlies oder Stahlwolle. Nachträglich sollte nochmal mit Waschbenzin oder Abwachser nachbehandelt werden. Normalerweise ist aber eine Nachbehandlung mit Öl erst nach vielen Jahren wieder nötig. Eine regelmäßig mit Wachs gepflegte Oberfläche hält lange.

Grundsätzlich gilt: Wer keine bösen Überraschungen erleben möchte, sollte am besten bei einem Produkt bleiben. Man sollte gut dokumentieren, welches Möbelstück man mit was behandelt hat. Am unkritischsten sind Hartöle auf Leinölbasis, hier bleibt man offen für die Nachbehandlung mit Hartölen vieler anderer Hersteller.

Beanspruchbarkeit von geölten/gewachsten Oberflächen

Holzoberflächen werden je nach Anwendungsfall ganz unterschiedlichen Beanspruchungen ausgesetzt. Ein Holzfußboden wird z.B. mechanisch stark beansprucht (Abrieb), eine Küchenarbeitsplatte ist Feuchtigkeit ausgesetzt, ein Tisch kann Bier, Wein und Milch abbekommen. Neben der normalen Beanspruchung gibt es noch "Haushalts-Unfälle" - verschüttete aggressive Reiniger, kaputte Vasen oder herunterfallende harte Gegenstände.

Geölte und/oder gewachste Oberflächen haben einen großen Vorteil gegenüber lackierten. Man kann partiell reparieren. Man kann einen Teilbereich abschleifen und neu behandeln. Bei Lack geht dies meist nicht, weil man Übergänge sehen würde. Bei geölten Flächen muss man bei Reparaturen jedoch auch mit Farbunterschieden rechnen: Die Holzoberfläche wird durch UV-Licht in der Farbe verändert, auch kann sich eine Patina gebildet haben. Wenn man nun die Oberfläche anschleift, trägt man diese farblich veränderte Fläche ab, darunter kommt wieder die Ursprungsfarbe des Holzes zum Vorschein. Meist verschwindet dieser Farbunterschied aber mit der Zeit wieder.

Das ist schonmal sehr praktisch - überall mal eben schleifen und neu ölen zu können. So ist eine Überarbeitung keine große Sache, sondern kann mal eben nebenbei gemacht werden.

Hier ein Überblick über verschiedene Belastungen:

  • Abrieb: Mechanische Beanspruchung tritt vor allem auf Treppen und Fußböden auf. Während bei einer lackierten Oberfläche ausschließlich der Lack abgetragen wird, ist es bei geölten/gewachsen Flächen vor allem das Holz, was Abrieb erfährt. Und Harthölzer können hier extrem beständig sein. Wenn das Öl typisch 0.5-2mm tief in die Oberfläche eingedrungen ist, kann man theoretisch so viel Holz abtragen, bis die Oberfläche dann ungeschützt ist und neu imprägniert werden muss. Praktisch schützt man beanspruchte Holzoberflächen noch durch Wachse oder Pflegeöle, die eine hauchdünne Oberflächenschicht bilden. Diese wird z.B. bei hochbeanspruchten Fußböden in öffentlichen Einrichtungen wöchentlich aufgefrischt (gebohnert). Dadurch hält das darunterliegende Holz wesentlich länger. Oberflächen, die mit pigmentierten Ölen behandelt wurden, sind durch Abrieb gefährdet. Denn die färbende Schicht ist oft nur ganz an der Oberfläche angesiedelt und kann schnell abgetragen werden. Hier ist es dann besonders wichtig, schützende Schichten von Wachs oder speziellen Ölen aufzutragen. Und es muss immer früh genug nachgepflegt werden. Nach Möglichkeit sollte aber bei z.B. Fußböden oder Treppen ganz auf pigmentierte Öle oder Wachse verzichtet werden.
  • Kratzer: Die Kratzempfindlichkeit hängt hauptsächlich verwendeten Holz ab. Bei Weichhölzern (z.B. Fichte) können hart auftrocknende Öle eine spürbar verfestigende Wirkung haben. Bei Hartzhölzern wie Eiche oder Buche wird die Oberfläche kaum härter. Diese sind aber von sich aus hart genug, um z.B. auch für beanspruchte Böden eingesetzt zu werden. Gewachste Oberflächen sind oft noch empfindlicher, weil man auch Kratzer in der Wachsschicht sieht. Diese Kratzer lassen sich aber mit einem Tuch wieder schnell wegpolieren. Bei Lacken ist es hingegen heutzutage so, dass sie die Oberfläche stark verfestigen können. Damit kann man Oberflächen erzielen, die auch fingernagelfest sind. Verkratzte geölte Flächen behalten jedoch ihren Schutz, weil das Öl tiefer in die Oberfläche eingedrungen ist. Bei zerkratzten lackierten Flächen kann ungeschütztes Holz freigelegt werden.
  • Chemikalien: Geölte Oberflächen vertragen kurzzeitig viele Haushalts-Chemikalien, man sollte sie aber nach Möglichkeit nicht damit stressen. Denn sie können dafür sorgen, dass mit der Zeit Öl aus der Oberfläche abgetragen wird. Manche Chemikalien reagieren auch ungünstig mit dem Holz. Man muss bedenken, dass alle flüssigen Chemikalien ins Holz einziehen, weil die Imprägnierung ja offenporig ist. Problematisch kann es z.B. werden, wenn ein Küchenarbeitsplatte permanent mit Spülmittel in Berührung kommt. Dann muss öfters nachgeölt werden. Gewachste Oberflächen werden z.B. von Benzin, Aceton, Verdünner oder Orangenöl angelöst. Ätherische Öle können generell sehr aggressiv sein, hier ist Vorsicht geboten. Spiritus (Alkohol), Aceton, Desinfektionsmittel und Orangenöl ist auch für die meisten Öle kritisch. Ebenso sind manche Haushaltsreiniger sehr aggressiv oder verfärben das Holz. Bei lackierten Flächen kann es passieren, dass Chemikalien die Oberfläche zerstören und aufwändig komplett neu lackiert werden muss. Geölte Flächen lassen sich hier auch partiell schnell nacharbeiten.
  • Färbende Flüssigkeiten: Sind eine große Gefahr für geölte Oberflächen. Das Holz ist ja in gewissem Maße noch aufnahmefähig, womit solche Flüssigkeiten in die Oberfläche einziehen können. Und dort bekommt man sie nicht mehr raus. Man hat nun einen Fleck, den man nicht mehr so leicht herausbekommt, oftmals geht nur schleifen. Es geht hier vor allem um die optische Beeinträchtigung, auf einer Werkbank hingegen würde das wenig stören. Fräbende Flüssigkeiten sind z.B. Tinte, Filzstifte, Kugelschreiber oder färbende Lebensmittel wie Rotwein. Auch mit ganz feinen Pulvern muss man aufpassen, z.B. Toner aus Kopiergeräten oder Laserdruckern. Für Flächen, die oft färbenden Flüssigkeiten ausgesetzt sind, sollte besser eine Lackierung erfolgen, denn hier hat man eine dichte Oberflächenschicht, von der man alles problemlos abwischen kann. Wachs auf geölten Flächen kann die Anfälligkeit etwas minimieren.
  • Wasser: Kurzzeitig sind geölte Flächen sehr gut wasserbeständig. Wasser wird mit der Zeit in die Oberfläche eindringen, was das Holz etwas quellen lässt, sonst aber nicht schädlich ist. Das Holz muss natürlich zwischendurch immer wieder die Möglichkeit haben, ordentlich zu trocknen. Hauptproblem bei Wasser ist, dass es Flecken hinterlassen kann. Eine undichte Vase kann z.B. solche Flecken hinterlassen. Auch unter Tassen, Flaschen oder Töpfen hält sich Wasser sehr lange. Die Kaffeetasse, die man jeden morgen auf den geölten Schreibtisch stellt, wird mit Sicherheit auch recht bald Flecken hinterlassen. Hier hat man wieder die Problematik, dass das Holz eigentlich keine Probleme damit hat, jedoch der optische Eindruck leidet. Schwierig wird es auch im Bad: Wenn man die nasse Duschgel-Flasche auf ein geöltes Holzregal stellt, hat man gleich eine Mehrfachbelastung: Tenside zestören mit der Zeit das Öl, Farbstoffe und Wasser hinterlassen Flecken. Insofern ist es keine wirklich gute Idee, einen Waschtisch zu ölen. So ein Objekt muss immer sehr sorgfältig behandelt werden. Wenn überhaupt, sollte man Öle oder Wachs-Öl-Kombinationen verwenden, die eine fast dichte Oberflächenschicht ausbilden und damit den Lacken sehr ähnlich sind. Oberflächen, die mit pigmentierten Ölen behandelt wurden, haben ein erhöhtes Risiko von Fleckenbildung. Ebenso Flächen, die zuvor gebeizt wurden.

    Oberflächen, die nur gewachst sind (reine Wachsprodukte), haben keine Tiefenimprägnierung. Wasser zieht nach kurzer Zeit tief ins Holz ein. Das zerstört den Glanz und Holzfasern können sich aufstellen.

    Ein anderer Effekt, den länger einwirkendes Wasser hat, ist die Aufweichung des Ölfilms. Getrocknetes Öl nimmt nämlich Wasser auf, quillt auf und wird weich. Harte schichtbildende Öle verlieren so ihre Widerstandsfähigkeit meist schon nach 1-2 Stunden. Der Vorgang ist reversibel - ist der Film wieder getrocknet, hat er auch wieder seine Härte. Gerade bei schichtbildenden Ölen und ölbasierten Lasuren muss dies beachtet werden, weil so die Schicht auf dem Holz gefährdet ist, wenn sie längere Zeit nass ist und gleichzeitig mechanisch beansprucht wird.
  • Staub: Durch Öl oder Wachs imprägnierte Oberflächen sind recht gut von Staub zu reinigen. Das geht sowohl trocken, wie auch mit einem leicht angefeuchteten Tuch.
  • Schmutz und Dreck: Durch die Imprägnierung ist das Holz grundsätzlich vor dem Eindringen von Schmutz geschützt. Man kann also die Oberfläche trocken oder feucht abwischen und so von Schmutz befreien. Jedoch ist die Oberfläche auch nicht ganz glatt und homogen. Vielmehr wird durch das Holz eine Oberflächenstruktur geschaffen, die viele Mikrofurchen und kleinste Unebenheiten aufweist. Hier kann sich besonders feiner Schmutz partiell auch mal verhaken. Wachs verhindert dies nochmal etwas besser. Mit der Zeit kann es jedoch dazu kommen, das stark beanspruchte Flächen deutlich dunkler wirken, sich sozusagen eine Patina gebildet hat. Nachträglicher Wachsauftrag bei der Pflege konserviert diese Verschmutzung zusätzlich noch. Manche mögen diese "benutzt wirkenden" Oberflächen, andere wiederum wollen eine klinisch reine Oberfläche. Dann sollte Lack vorgezogen werden. Bei wenig beanspruchten Oberflächen, wie es bei vielen Möbeln der Fall ist, gibt es normal keine Probleme mit Verschmutzungen.
  • Öl und Fett: Sollten in der Regel mit einer milden Seifenlauge zu entfernen sein. Schwarze Schmiere kann jedoch zu Verfärbungen führen, die tief ins Holz einziehen. Hier hilft dann nur abschleifen.
  • Druckstellen und mechanische Verletzungen: Fällt ein harter Gegenstand auf einen Holzfußboden, kann dies Dellen oder mechanische Verletzungen im Holz verursachen. Geölte Oberflächen bleiben bis zu einer gewissen Tiefe noch gut geschützt. Dellen können mit feuchtem Lappen und Bügeleisen in gewissem Umfang herausgebügelt werden. Mechanische Verletzungen sollte man mit Öl kurz nachimprägnieren. Wen sie stören, kann man sie auch mit Wachs ausfüllen.
  • Handschweiß: Ist interessant für Gegenstände, die man oft in der Hand hält. Ein Gewehrschaft wäre z.B. ein typisches Beispiel und das Ölen ist hier eine typische Oberflächenbehandlung. Öle sind nämlich recht unempfindlich gegenüber Handschweiß. Teile, die man oft handhabt, können problemlos geölt werden. Mit der Zeit kann sich oberflächlich ein wenig Schmutz festsetzen, meist ist der aber mit etwas Seifenwasser wieder zu entfernen. Bei der Konstruktion muss beachtet werden, dass durch die offenporige Imprägnierung das Holz durch die Handfeuchte quellen wird.
  • Urin: Wer nicht stubenreine Haustiere hat, der wird bei einem geölten Parkett echte Probleme bekommen. Denn Urin ist Gift für eine offenporige Imprägnierung. Es zieht ins Holz ein und kann später unangenehme Gerüche freisetzen. Farbstoffe verfärben zudem das Holz. Sofortiges Aufwischen kann das Schlimmste verhindern.
  • Wein, Bier, Milch: Das sind typische Belastungen für Tische. Sofort weggewischt machen sie keine Probleme. Lässt man sie länger einwirken, können Flecken bleiben.
  • Temperatur und Hitze: Geölte Flächen sind gegenüber Hitze recht unempfindlich. Öl wie Holz halten Temperaturen bis 150 Grad kurzzeitig problemlos stand. Enthält das Öl auch Harze, wie Kolophonium, kann die Temperaturbeständigkeit auch niedriger sein (wobei die heute eingesetzten Kolophonium-Ester bessere Eigenschaften haben). Getrocknetes Leinöl selber kann kurzeitig auch Temperaturen von 250-300 Grad aushalten. Deshalb ist z.B. für Werkbänke eine geölte Arbeitsfläche eine gute Idee. Aber Vorsicht: Frisch geölte Oberflächen brauchen mindestens 8 Wochen, um bei Hitze nicht wieder Öl auszuschwitzen, was tief im Holz noch nicht getrocknet ist. Gewachste Oberflächen sind hingegen grundsätzlich recht temperaturempfindlich. Carnaubawachs wird bei ca. 80 Grad flüssig, Bienenwachs schon ab 60 Grad. Hier kann eine heiße Kaffeetasse bereits Spuren hinterlassen. Das ist übrigens auch ein Grund, warum man Küchenarbeitsplatten und Tische nicht wachsen sollte. Neben der Beständigkeit von Holz, Öl und Wachs muss man das Quell- und Schwindverhalten des Holzes bei unterschiedlicher Temperatur und Luftfeuchte beachten. Durch die diffusionsoffene Oberfläche kommt es schnell zu einer Feuchtigkeitsanpassung des Holzes. Konstruktiv muss man diese Größenveränderung von Holz immer berücksichtigen.
  • UV-Strahlung: Die UV-Strahlung der Sonne ist sehr aggressiv gegenüber unterschiedlichsten Materialien. Öle und Naturharze werden mit der Zeit durch UV zersetzt und wittern ab. Wichtig ist dies vor allem für Objekte im Außenbereich. Tests haben mir gezeigt, dass eine dünne Schicht Öl schon nach 1 Jahr freier Bewitterung vollständig abgewittert sein kann. Im Innenbereich ist die Belastung meist wesentlich geringer: Fensterglas fängt einen Großteil UV-Strahlung ab und viele Stellen im Haus werden auch nur relativ kurz täglich von der Sonne bestrahlt.
  • Wassertropfen + Sonne: Wassertropfen wirken wir Lupengläser und bündeln das Sonnenlicht. Im Außenbereich habe ich schon mehrfach beobachtet, dass manche Öle und Lasuren partiell zerstört werden oder Blasen werfen - genau dort, wo Wassertropfen auf dem Holz standen. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen.
  • Insekten: Im Außenbereich knabbern Wespen gerne an Hölzern. Am liebsten an vergrauten Hölzern, mitunter fressen die aber auch Ökolasuren und geölte Hölzer an. Weil die Rohstoffe aus der Natur kommen, scheinen die zu schmecken.

Pflege von geölten/gewachsten Oberflächen

Wenn es geht, reinigt man geölte oder gewachste Oberflächen trocken mit Tuch, Besen oder Staubsauger. Beim Staubsauger verwendet man natürlich eine Düse mit Borsten - die meisten Fußbodenaufsätze lassen sich ja entsprechend umschalten und für Möbel gibt es auch entsprechende Borstendüsen.

Wenn nötig, kann man auch mit einem leicht feuchtem Tuch reinigen. Keine Microfasertücher verwenden, die könnten auch Öl oder Wachs abtragen. Nur lauwarmes Wasser verwenden und nicht zu feucht wischen. Keine scharfen Haushaltsreiniger verwenden, besser ist eine milde Pflanzenseife, wie Marseiller Seife. Gibt es z.B. bei Kreidezeit oder im Bioladen. Auch Frosch Neutralreiniger oder andere Neutralseifen eignen sich gut. Mitunter wird auch der Gebrauch von Frosch Essigreiniger empfohlen, Erfahrungen habe ich damit nicht. Ein recht preiswertes Produkt aus dem Ökoladen ist noch der Ecover Allzweckreiniger mit etwa 3,20 Euro pro Liter (http://www.ecover.com). Und auch der Klar Haushaltsreiniger für etwa 4,40 Euro pro Liter (http://www.klar.org). Beide Firmen haben auch spezielle Bodenreiniger, die aber nach meinen Recherchen nicht für geölte Böden geeignet sind.

Wasser sollte nach kurzer Zeit abgetrocknet sein, also nicht zu feucht arbeiten.

Bei Küchenarbeitsplattten habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch normales Spülmittel relativ unproblematisch ist. Hier kann man es ja eh nicht vermeiden, dass Spülmittelwasser auch mit der Oberfläche in Berührung kommt. Eventuell ist Spülmittel etwas aggressiver und man muss früher mal wieder nachölen.

Typischerweise für Holzfußböden haben diverse Hersteller Wachs-Emulsionen im Angebot, die man dem Wischwasser hinzugeben kann oder auch pur aufträgt. Grundsätzlich macht das Sinn und beugt der Verschmutzung vor. Pflegt man mit solchen Wachsen, muss man vor einer Nachölung natürlich gründlich die Fläche von Wachs reinigen.

Je nach Beanspruchung einer geölten Holzfläche, braucht diese eine gewisse Nachbehandlung. Bei Möbelstücken kann es sein, dass man 10 Jahre gar nichts machen muss. Bei geölten Fußböden hingegen ist regelmäßige Pflege alle paar Wochen wichtig. Und auch Arbeitsplatten in der Küche müssen je nach Beanspruchung alle 3-12 Monate eine Pflegebehandlung bekommen. Man erkennt es daran, dass das Holz stellenweise heller, rauher und ausgetrocknet wirkt.

Bevor man irgendein Pflegeprodukt aufträgt, sollte die Oberfläche ordentlich gereinigt werden. Sonst wird nämlich der aufliegende Schmutz hineinkonserviert und die Oberfläche wirkt dann dauerhaft schmutzig. Marseiller Seife und handwarmes Wasser haben sich bewährt. Manche Hersteller haben auch spezielle Reinigungsmittel im Angebot. Lappen, oder bei starken Verschmutzungen auch eine nicht zu harte Naturhaarbürste, sind das Handwerkszeug.

Hartnäckige Verschmutzungen kann man mit Waschbenzin, Balsam-Terpentin oder Orangenschalenöl entfernen. Manche Hersteller bieten spezielle Intensivreiniger an. Wenn auch das nicht hilft, bleibt noch die mechanische Variante - mit einem feinen 240er-320er Schleifpapier schleift man die Verschmutzung einfach weg. Auch ein Schleifvlies eignet sich gut oder die harte Rückseite eines Spülschwammes.

Zum Schluß wischt man nochmal mit klarem Wasser nach, um letzte Seifenreste oder Schleifstaub zu entfernen.

Ist die Fläche gut gereinigt und gut getrocknet (mindestens 4 Stunden warten!), kann nun ein Pflegeprodukt aufgetragen werden. Wer die Oberfläche nur geölt hat, kann gleiches Öl zur Nachpflege benutzen. Bleibt man beim gleichen Produkt, handelt man sich keine Schwierigkeiten von evtl. Unverträglichkeit ein. Es ist jedoch so, dass die meisten Holzöle auf Leinölbasis gut untereinander kompatibel sind. Sollte die Fläche rau sein, kann man sie vor Ölauftrag mit einem feinen Schleifpapier (240-320) glatt schleifen, danach aber den Schleifstaub gut entfernen. Auch ein feines Schleifpad eignet sich gut.

Das Öl kann zur Nachpflege ganz dünn mit Lappen aufpoliert werden, der Verbrauch ist hierbei sehr gering: 3-10 ml pro Quadratmeter reichen aus. Bei lösemittelfreien Ölen kann man etwas großzüger mit Lappen aufpolieren, 20 Minuten warten und dann nochmal nachpolieren. Das Öl hat so Zeit, etwas einzuziehen und die Überstände wischt man beim nachpolieren weg. Lässt sich lösemittelfreies Öl schlecht auftragen, kann man es auch 30-50% mit Lösemittel verdünnen.

Lösemittelhaltige Produkte werden mitunter sehr klebrig, wenn das Löseimittel verdunstet ist. Und das geht bei dünnsten Schichten innerhalb weniger Minuten. Hier muss man recht schnell endpolieren.


Öl wird ganz dünn mit kreisenden Bewegungen eingerieben. Zum Schluß wird die ganze Fläche nochmal in Faserrichtung auspoliert.

Bei stark beanspruchten Flächen, wie Arbeitsplatten, sollte man Anfangs öfters mal nachölen, z.B. alle 1-3 Monate. Hierfür reicht ein ganz dünnes Einreiben der Oberfläche mit einem Lappen. Nach ca. 20-30 Minuten wischt man dann ggf. nochmal nach, so dass auch hier kein Öl auf der Oberfläche stehen bleibt. Mit der Zeit wird das Holz so immer mehr gesättigt und die Oberfläche gut beanspruchbar. Nach einem Jahr kann man die Pflegeintervalle dann auf z.B. einmal jährlich erhöhen.

Auch bei der Pflege immer auf die Lappen achten, die sich selbstentzünden können!

Hat man eine Oberfläche geölt und dann gewachst, trägt man diesen Wachs wieder auf. Das Öl wirkt ja weiterhin als Tiefenschutz und die Oberfläche wird erneut mit Wachs versiegelt und poliert.

Wer ein anderes Finish-Produkt eingesetzt hat, nimmt dieses dann ebenfalls zum Auffrischen. Ein Beispiel wäre das Finish-Öl von Natural-Farben.

Grundsätzlich gilt: Wer irgendein Finish-Produkt oder ein wachshaltiges Pflegeprodukt benutzt hat, kann nicht ohne weiteres nochmal nachölen. Das Finish verhindert oder erschwert das Eindringen des Öles.

Mitunter ist jedoch eine Intensivnachpflege nötig, wo man nochmal eine tiefe Imprägnierung mit einem Öl wünscht. In diesem Fall muss zuerst das Finish mit einem feinen Schleifpapier (240er-320er) heruntergschliffen werden. Erst dann kann wieder geölt werden. Ich empfehle, hierfür ein Öl mit Lösemitteln zu verwenden bzw. diesem ein passendes Lösemittel hinzuzusetzen (Herstellerangaben berücksichtigen). Bei Kreidezeit PureSolid - was ja kein Lösemittel enthält - kann man z.B. 10-20 % Balsam-Terpentin hinzusetzen. Das Lösemittel hat den Vorteil, dass verbliebene Wachsreste auf der Oberfläche angelöst werden können. Das bewahrt einen nicht vor vernünftigem Abschleifen, aber es bringt ein Stück mehr Sicherheit in den Prozess.

Neben diesen Möglichkeiten bieten diverse Hersteller noch Pflege-Öle oder Pflege-Wachse an. Bei Livos gibt es z.B. Kunos Fußbodenpflege Nr. 1862 als Pflege-Öl für die Kunos-Serie. Natural-Farben hat das Pflegewachsöl oder den Intensivreiniger und Auro das Pflegeöl oder Pflegewachs. Will man solche Produkte benutzen, schaut man am besten beim Hersteller seiner Wahl nach.

Auch in fast jedem Drogeriemarkt findet man Reinigungsmittel, die für Holzfußböden geeignet sind, z.B. von Pronto oder Emsal. Über die Qualität dieser Produkte kann ich keine Angaben machen. Eins würde ich aber vermeiden: Es gibt Pflegeöle für Holz, die nicht hart werden. Es bleibt also ein ständig-öliger Film auf der Oberfläche. Dieser zieht Schmutz an und kann Fettflecken auf Papier hinterlassen. Außerdem behindert er eine Nachölung mit einem härtenden Öl. Im Zweifelsfall sollte man das Produkt erstmal auf einer Glasscheibe dünn auftragen. Wird es nach 1-2 Tagen nicht hart, ist es ungeeignet. Viele Möbelpolituren sind übrigens aus nicht härtenden Ölen aufgebaut. Paraffinöl wird dafür gerne genommen.

Eine Ausnahme bilden Hölzer im Küchenbereich, die ständig Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Ein Küchenbrettchen kann man durchaus regelmäßig mit einem nichthärtenden Öl einreiben. Dafür braucht es aber keine besonderen Pflegeprodukte, hier reicht ein Küchenöl, z.B. Rapsöl oder Olivenöl. Warum sollte man hier z.B. ein Mineralöl (Erdöl) aufs Brettchen schmieren, wie es von Ikea angeboten wird (Produkt SKYDD)?

Was bei Küchenbrettchen besser ist - nur härtende Öle oder Pflege mit nichthärtenden Ölen - ist nicht ganz klar. Beides funktioniert. Nichthärtende Öle haben einen Vorteil: Auf einer ölig bleibenden Oberfläche haftet Schmutz nicht so gut. Ob nun Ei, Marmelade oder Ketchup - alles lässt sich wieder leichter herunterwaschen. Dafür bieten härtende Öle einen besseren Langzeitschutz, ohne ständig nachölen zu müssen. Man kann durchaus beides kombinieren: Einmal im Jahr mit Hartöl behandeln und als Pflege zwischendurch Olivenöl nehmen. Vor einer Neubehandlung mit Hartöl müssen allerdings Reste von Olivenöl völlig heruntergewaschen werden.

Fazit: Wer es einfach und unkompliziert will, ölt seine Oberflächen nur und nutzt gleiches Öl zur Nachbehandlung. Zur Reinigung nutzt man eine milde Seife seiner Wahl, die man auch für viele andere Sachen im Haushalt verwenden kann - selbst zum Händewaschen (z.B. Marseiller Seife auf Olivenölbasis, Frosch Neutralreiniger). In den meisten Fällen reicht das aus. Wer Pflege, Reinigung, Haltbarkeit und Aussehen optimieren will, nimmt spezielle Produkte der Hersteller.

Populäre Irrtümer

Viele stellen sich vor, eine geölte Oberfläche wäre ölig. Das Öle härten oder trocknen, ist weitläufig nicht bekannt. Ein getrocknetes Öl hat nichts mehr mit dem zu tun, was man sich unter einem Öl vorstellt. Es ist eher harzig oder zähelastisch.

Viele Öle werden sogar richtig hart wie ein Lack. Gerade um die Abriebeigenschaften z.B. im Fußbodenbereich zu verbessern, werden Öle dahin optimiert. Manche Hersteller nennen ihr Öl deshalb auch Hartöl. Wenn man eine Ölprobe dünn auf eine Glasscheibe aufträgt, kann man das nachvollziehen. Während man bei Leinölfirnis mit einem Fingernagel gut Spuren hinterlassen kann, ist das z.B. bei Natural-Finishöl, Livos Objektöl oder Leinos Objektöl kaum noch möglich. Diese sind sehr hart.

Genaugenommen trocknen Öle nicht, sie polymerisieren mit Hilfe des Luftsauerstoffs. Es ist eine chemische Reaktion, bei der sich Moleküle zu langen Molekülketten verbinden, wodurch ein zähelastisches Material entsteht. Damit dieser Vorgang schneller abläuft, verwendet man Katalysatoren aus Metallsalzen, die hier auch Sikkative genannt werden. --

Intuitiv könnte man darauf kommen, ein Öl durchtränkt das ganze Holz. In Wirklichkeit zieht ein Öl jedoch mitunter nicht sehr tief ein. Ein Buchenholz ist z.B. von den Fasern sehr dicht. Versuche - selbst mit verdünntem Öl - haben gezeigt, dass die Eindringtiefe stark variiiert. In manchen Bereichen zieht das Öl 5mm tief in die Oberfläche, an anderen Stellen im gleichen Holz hingegen weniger, als 1mm. Eine typische Eindringtiefe in Buchenholz ist 1-4 mm. Bei Proben auf Eiche waren es gerade mal 0.3-0.5mm, egal ob Halböl oder unverdünntes Leinöl-Firnis. Bei Fichte-Proben waren es 0.5-1mm. Auch ein Lack-Leinöl führte auf Fichte nach 24 Stunden zu nicht mehr Eindringtiefe, als ca. 1mm.

Wie tief ein Öl eindringt, kann man nur durch nachträgliches Aufschneiden des Holzes erfahren. Man sollte sich nicht täuschen lassen: Wenn man eine Platte ölt, sieht es stirnseitig manchmal so aus, als ob das Öl tief mehrere Millimeter eingezogen ist. Das ist aber nur oberflächlich, schneidet man es auf, ist die Eindringtiefe meist wesentlich geringer. Am besten macht man sich eine mindestens 10 cm lange Probe, die man mittig aufschneidet, wobei man auch vermeidet, das Hirnholz mit Öl zu benetzen. Wie kommt es überhaupt, dass die Seitenflächen einem vorgaukeln, das Öl wäre tief eingedrungen? Leinöl hat wunderbare Kriecheigenschaften, es zieht also überall hin und arbeitet sich auf Oberflächen weiter voran. Bei den Seitenflächen kommt noch dazu, dass die Schwerkraft dem Öl zusätzlich Vorschub gibt.


Wahnsinn, wie tief dieses blau gefärbte Öl einzieht. Von wegen! Das Öl ist nur oberflächlich ins Hirnholz gekrochen. Schneidet man es auf, erkennt man gerade mal 0.5-1mm Eindringtiefe!

Ebenso irrig ist übrigens das Holz-Stab-Phänomen: Stellt man einen Holzstab zu 1/3 in ein Gefäß mit Öl, ist irgendwann der ganze Holzstab ölig. Das Öl ist also bis nach oben hochgezogen. Dann meint man schnell, der ganze Stab wäre durchtränkt, in Wirklichkeit ist das Öl aber nur auf der Oberfläche nach oben gekrochen. Holzöl hat eine super Kriechfähigkeit.

--

Wenn man Öl hört, kann man sich nicht vorstellen, dass darauf noch lackiert oder geleimt werden kann. Auch hier spielt wieder die Vorstellung eine Rolle, welche Konsistenz flüssiges Öl hat. Ein durchgehärtetes Öl ist jedoch etwas anderes.

Die Kleb- oder Verleimfähigkeit lässt in der Tat nach, es gibt aber trotzdem noch die Möglichkeit, mäßig beanspruchte Verklebungen durchzuführen. Außerdem befindet sich das Öl meist nur in der obersten Schicht, die man an der Klebestelle evtl. herunterfräsen kann. Vorsicht ist jedoch bei Ölen geboten, die Wachse enthalten. Nicht nur die sogenannten Hartwachsöle enthalten Wachse. So enthält z.B. das Livos Objektöl ebenfalls Wachs, um die Verarbeitung zu optimieren. Wachse verhindern in der Regel eine vernünftige Verklebung. Entweder, man nutzt ein Produkt ohne Wachs oder man muss die Oberfläche vor dem Kleben gut schleifen. Schleifen bringt übrigens immer eine Menge für eine gute Haftvermittlung, weil sich Leime und Klebstoffe so gut mechanisch verankern können und die Oberfläche enorm vergrößert wird.

Geölte Oberflächen lassen sich auch lackieren. Hierfür braucht man spezielle ölbasierte Lacke. Klassische Geigenlacke gibt es auf Ölbasis (http://www.hammerl.com). Auch der Bootslack von Le Tonkinois (http://www.letonkinois.de) sollte funktionieren. Lacke auf Alkydharzbasis können meines Wissens über Leinöl-Firnis gestrichen werden, weil sie selber als Basis oft Leinöl beinhalten. Die Sehestedter-Naturfarbenwerke (http://www.chito.com/) haben auch ölbasierte Lacke im Angebot. Ebenso Livos, z.B. Tunna Klarlack. Oder Osmo, z.B. Landhausfarbe. Ebenso gibt es viele wasserbasierte Öllacke von Naturfarbenherstellern, z.B. Biopin Fußbodenlack oder Auro Klarlack, welche man verwenden kann. Vor Auftrag sollte natürlich die Oberfläche gereinigt und angeschliffen werden.

Mittlerweile gibt es sogar einige Hersteller von modernen wasserbasierten Acryl- oder PU-Lacken, die auf geölte Untergründe aufgebracht werden können. Eigene Tests mit OLI-AQUA STANDARD Parkettsiegel haben die gute Haftung bestätigt. Natürlich wird kein Hersteller die Garantie übernehmen, dass das auf beliebigen Ölen anderer Hersteller funktioniert und so bleibt diese Vorgehensweise experimentell, wenn man nicht im System bleibt. Auch Junckers und Berger-Seidle haben wasserbasierte Acryllacke, die auf geölten Böden aufgebracht werden können.

Wer seine Oberflächen hingegen nachträglich gewachst hat, hat schlechte Karten. Dann muss zumindest das Wachs heruntergeschliffen werden. Zusätzlich sollte man die Oberfläche noch mit Terpentin oder Waschbenzin reinigen. Es gibt auch spezielle Entwachser, mitunter sind auch Anlauger oder Intensivreiniger hilfreich.

Auch ölbasierte Lasuren lassen sich auf geölte Oberflächen auftragen. Die gibt es z.B. von Auro (Lasur classic oder auch Aqua) oder Livos (Kaldet, Spielzeuglasur).

Versuche, Schellack auf geölte Flächen aufzubringen, funktionierten nach Anschliff auch recht gut. Das wäre ein sehr natürliche Oberflächenbehandlung. Interessant wird dies z.B., wenn man versehentlich auch Schrankinnenflächen geölt hat, die starke Gerüche absondern. Mit Schellack könnte man so eine Absperrschicht aufbringen.

--

Es kursiert die Ansicht, man solle Öl nicht mit Lösemitteln verdünnen, weil man dann genau das Gegenteil erreicht - es zieht nicht tiefer ein. Die Vorstellung ist, dass dann nur das dünne Lösemittel tief eindringt und dort die Aufnahme von Öl blockiert. Ich halte diese Vorstellung für verkehrt, weil sich Öl und Verdünnung im Holz nicht trennen/entmischen. Es dringt also ein dünnflüssigeres Gemisch aus Lösemittel und Öl in das Holz ein. Dieses dünnflüssige Gemisch kann meist tiefer eindringen. Praktische Untersuchungen zeigten mir aber auch, dass es Fälle gibt, wo das Eindringverhalten durch Verdünnung nicht positiv beeinflusst wurde. Holz ist ein inhomogener Werkstoff, der sich sehr verschiedenartig verhalten kann. Sicher ist aber, dass Lösemittel schnell recht tief ins Holz einziehen. Bei einem Test auf Buche zogen innerhalb von 15 Minuten etwa 800g/m² Waschbenzin in die Oberfläche ein. Bei Leinölfirnis ist meist schon bei 150g/m²-300g/m² Schluß, selbst nach einigen Stunden Einzugszeit. Auch Wasser zieht übrigens mit 700g/m² recht gut ein.

Die meisten am Markt erhältlichen Holzöle sind übrigens mit Lösemitteln verdünnt, oft im Verhältnis 1:1. Dies jedoch auch deshalb, weil Harze und Standöle im Produkt enthalten sind, die es sehr dickflüssig machen. Viel dickflüssiger, als z.B. Leinöl-Firnis. Insofern muss hier wieder verdünnt werden. Auch müssen Öle, die sehr schnell trocknen, auch schnell einziehen. Und hier hilft Verdünnung auf jeden Fall.

Verschiedene Hersteller empfehlen zudem, bei schlecht saugenden Untergründen das Öl zu verdünnen, z.B. Auro oder Kreidezeit bei ihren lösemittelfreien Ölen.

Verdünnte Öle ziehen auf jeden Fall schneller ein. Das sieht man, wenn man mal ein lösemittelhaltiges und ein lösemittelfreies High-Solid-Öl aufträgt. Hier darf man sich aber nicht täuschen lassen. Nach 30 Minuten können beide Öle genauso tief eingezogen sein.

--

Manche meinen geölte Oberflächen wären genauso beanspruchbar, wie lackierte oder kunststoffbeschichtete Oberflächen. Diese Vergleiche sind bei genauer Betrachtung so nicht machbar. Eine geölte Oberfläche hat in vielerlei Hinsicht andere Eigenschaften, als eine Kunststoff-Oberfläche. Beide wird man im Alltag anders handhaben müssen. Beide Oberflächen haben ihre Vorzüge und ihr eigenes Erscheinungsbild. Eine beanspruchte geölte Oberfläche lebt wie eine Jeans-Hose - man sieht ihr die Beanspruchung an. Sie wirken damit nicht so steril. Lackierten Oberflächen hingegen sieht man die alltäglichen Belastungen weniger an, sie werden jedoch sehr unschön, wenn die Lackschicht irgendwo beschädigt wird. Auch Kratzer lassen sich bei lackierten Flächen nur schwer entfernen. Geölte Flächen hingegen kann man partiell mühelos schleifen und nachölen.

Bei hochbeanspruchten Flächen, wie Parkett, hat sich gezeigt, dass der Pflegeaufwand von geölten Böden höher ist. Er muss regelmäßig nachgeölt oder gewachst werden. Verschmutzungen können besser in die Oberfläche eindringen und sind dort schwerer entfernbar. Färbende Verunreinigungen, wie Wein oder Schuhcreme können ebenso in die Oberfläche eindringen, dann hilft manchmal nur Schleifpapier.

In einem Privathaushalt ist der erhöhte Pflegeaufwand oft kaum wahrnehmbar, wenn man aber in einem öffentlichen Gebäude einen so behandelten Boden einsetzt, muss hingegen die nachfolgende Pflege bezahlt und einkalkuliert werden.

Bei Möbeln hingegen ist eine geölte Oberfläche pflegeleicht, insofern man nicht außergewöhnlich beansprucht. Wer hingegen einen Esstisch braucht, bei dem er verschütteten Wein stundenlang auf der Oberfläche stehen lassen kann, der wird mit einer geölten Oberfläche nicht glücklich. Ebenso, wenn die Kinder nach Herzenslust mit Filzstiften und Farben den Tisch "verschönern".

Entscheidend ist, dass es genügend Beispiele gibt, wo sich geölte wie auch lackierte oder kunststoffbeschichtete Flächen für den selben Anwendungsfall bewähren. Mit was jeder besser klar kommt und vor allem, was man mag, ist sehr individuell.

--

Im Internet findet man immer wieder Empfehlungen, irgendein Speiseöl zum Ölen zu verwenden. Und da wird empfohlen, was man gerade da hat: Rapsöl, Rizinusöl, Mandelöl oder Olivenöl. In den meisten Fällen ist dies keine gute Idee. Diese Öle härten nicht aus, sie bleiben über lange Zeit flüssig-ölig. Und das bedeutet, dass solche Holzoberflächen Schmutz und Staub anziehen und die Oberfläche schnell dauerhaft dreckig wird. Desweiteren zieht mit der Zeit das Öl tiefer ein und von der Oberfläche weg. Diese ist dann nicht mehr geschützt. Bei einem härtenden Holzöl ist das anders: Bereits nach 24 Stunden ist es soweit ausgehärtet, dass es harzig fest ist. Es bildet so einen zähelastischen Schutz.

Daneben gibt es noch die Problematik, dass die Öle mit der Zeit ranzig werden und sehr unangenehme Gerüche verbreiten können. Man wäre nicht der erste, der den intensiven Geruch von mit Walnussöl behandelten Küchenschränken nicht mehr ertragen kann. Eine gedrechselte kleine Schale hingegen ist unproblematisch, weshalb in Drechslerkreisen der Tipp Walnussöl öfters mal auftaucht.

Aus dem Küchenbereich funktionieren lediglich Walnussöl, Hanföl und Leinöl, weil sie aushärten. Diese Küchenöle brauchen jedoch für die Aushärtung typisch 6-12 Wochen, weil das Öl in dieser Zeit weiter einzieht, muss öfters mal nachgeölt werden. Ein Küchenbrettchen kann man durchaus mit solchen Ölen behandeln, bei einem Schrank würde ich es niemandem empfehlen, der Fehlschläge nicht ertragen kann. Das Öl ist nicht für diesen Zweck aufbereitet und ob es funktioniert, hängt vom konkreten Fall und der Ölqualität ab. Aufbereitung bei Leinöl heißt z.B., dass Schleim- und Schwebstoffe entfernt werden (chemisch oder durch Kochprozesse).

Sonnenblumenöl trocknet zwar, bleibt aber klebrig und weich. Meine Erfahrung ist, dass damit geölte Oberflächen wenig beanspruchbar sind und schnell dreckig werden. Gar nicht zu vergleichen mit Leinöl-Firnis.

Distelöl (Safloröl) und Sojaöl trocknet auch, erscheint mir aber ähnlich ungeeignet wie Sonnenblumenöl. Behandelte Flächen sind nur wenig beanspruchbar, was Praxistests bestätigten. Aus der Oberfläche löst sich schnell das Öl wieder heraus, das Holz wird spröde und fasrig, Schmutz dringt ein.

Es gibt zwar von Naturfarbenherstellern Holzöle, die auf Sojaöl, Sonnenblumenöl und Distelöl basieren, hier werden jedoch durch eine bestimmte Rezeptur und weitere Stoffe ganz andere Eigenschaften erzielt.

Bliebe noch das Mohnöl, welches auch trocknet, aber wohl auch nicht so gute Eigenschaften wie Leinöl haben soll. Außerdem ist es sehr teuer und wird deshalb fast nur für Künstler-Ölfarben verwendet.

Ob ein einzusetzendes Öl überhaupt trocknet, kann man selber testen: Dünn mit einem Wattestäbchen auf einer Glasscheibe aufgebracht, kontrolliert man über die nächsten Tage und Wochen, ob es eindickt und später klebrig oder zähelastisch wird. Am besten legt man die Probe in Fensternähe, weil Licht den Prozess beschleunigt.

Noch eine allgemeine Warnung zu allen Speiseölen: Diese Öle sind nicht gereinigt und enthalten Pflanzenreste. Speiseleinöl enthält Schweb- und Schleimstoffe. Diese sind optimale Nahrung für Schimmelpilze. Es passiert häufig, dass sowieso schon schimmelgefährdete Oberflächen heftig anfangen zu schimmeln, wenn man sie mit Speiseölen ölt. Schimmelgefährdet sind Oberflächen, die öfters feucht werden. Im bewitterten Außenbereich führen Speiseöle regelmäßig zu Problemen. Aber auch in recht feuchten Innenräumen. Einmal geölt, kann man das Problem nur noch schwer beseitigen.

--

Oberflächen, die mit leinölbasierten Produkten behandelt werden, bekommen einen leichten Gelbton durch das Öl. Wider erwarten verringert sich der Gelbton durch Sonnenlicht und verstärkt sich beim Mangel von Licht. Stellt man also geölte Möbel längere Zeit in den dunklen Keller, kann es zu einer stärkeren Vergilbung kommen. Diese Vergilbung soll reversibel sein: Einige Wochen Sonne hellen die Oberfläche wieder auf. Daneben spielt es natürlich eine Rolle, wie das Holz selber auf Sonne reagiert - manche Hölzer werden dunkler (Kiefer), andere heller (Nussbaum).

--

Wachs auf der Oberfläche muss doch besonders wasserfest sein! Wirklich? Das ist oft ein Trugschluß. Von einem gewachsten Auto kennt man es, dass das Wasser abperlt. Das müsste doch so auf Holz auch funktionieren. Und in der Tat perlt auf einer frisch gewachsten Holz-Oberfläche das Wasser ab. Allerdings dichtet eine Wachsschicht das Holz recht schlecht ab. Sehr schnell kommt es dazu, dass Wasser ins Holz eindringt. Und jetzt verhält sich Holz anders, als das Blechdach eines Autos: Es quilt auf. Und weil Wachs wenig elastisch ist, macht es diese Quellbewegung nicht mit. So wird die Wachsschicht weiter aufgebrochen und noch mehr Wasser dringt ins Holz ein. Trocknet dann das Holz wieder ab, fügt die so aufgebrochene Wachsschicht sich nicht wieder zu einem glänzenden Film zusammen. Deshalb erscheinen diese Stellen dann als matte Flecken.

Insofern ist Wachs keine gute Idee, um Oberflächen vor Feuchtigkeit zu schützen. Was Wachs gut kann: Es setzt sich in die kleinen Unebenheiten der Oberfläche und schützt davor, dass sich dort Dreck hineinsetzen kann. Es schafft eine glattere Oberfläche, die leichter pflegbar ist. Und es schafft einen gewissen Film, der das Holz vor mechanischer Abnutzung schützt. Besonders dann, wenn regelmäßig nachgewachst wird. Insofern ist es für Fußböden eine Option, für Tischoberfächen wg. Fleckengefahr eher nicht. In Feuchträumen sollte man grundsätzlich auf Wachse verzichten, auch wegen der Fleckengefahr.

Wenn ich hier von Wachs spreche, meine ich die vielen Produkte, die fast ausschließlich aus Wachs und Lösemitteln bestehen. Daneben gibt es heutzutage eine Menge Produkte, die das Wort Wachs auch in der Produktbezeichnung haben, die aber fast gar nichts mehr mit den klassischen Wachsen zu tun haben. Mitunter sind es Lack- oder Lasurähnliche Produkte, die keine Eigenschaften mehr im Sinne herkömmlicher Wachse haben. Hierfür gelten diese Aussagen dann nicht. So ist z.B. das Hartwachsöl von Osmo ein typisches Beispiel für ein zäh-elastisches Beschichtungssystem mit recht guter Wasserfestigkeit ohne wachstypische Eigenschaften.

--

Bei Versuchen, bei denen man über das Gewicht die Aufnahme von Öl messen will, muss man bedenken: Das Holz verändert das Gewicht recht schnell durch unterschiedliche Luftfeuchte. Die Messzeitpunkte von Holzgewicht roh zu Holzgewicht geölt sollten also nicht weit auseinanderliegen. Manche Öle sollen zudem beim Trocknen an Gewicht zunehmen, bei einigen Tests, die ich dazu machte, war der Effekt aber nicht nachweisbar. Vermutlich ist die Gewichtszunahme sehr gering.

--

Industriell geölte Parkettböden werden oft mit UV härtenden Ölen behandelt. Diese Form des Ölens ist nicht mit dem klassischen Ölen vergleichbar. Es ist eher eine Beschichtung, ähnlich einer Lackversiegelung. Sie kann nicht partiell ausgebessert werden und man kann auch nicht mit klassischen Ölen nachbehandeln.

--

Je härter ein Öl, um so beanspruchbarer? Das ist ein Trugschluss. Bei nicht schichtbildenden Ölen wirkt dieses im Holz und nicht auf der Oberfläche. Hierbei ist es wichtig, dass es im Holz verankert bleibt, dazu muss es aber nicht sonderlich hart sein. Es braucht sogar eine gewisse Elastizität, damit es beim Schwinden und Quellen des Holzes mit geht. Der Abrieb der geölten Oberfläche wird vorwiegend von der Härte des Holzes bestimmt.

Aber auch dann, wenn Öle leicht schichtbildend verarbeitet werden, gibt es 2 Strategien, die zu hoher Beanspruchbarkeit des Films führen: Entweder hart oder elastisch. Harte Schichten kennt man z.B. von Fußbodenfliesen. Was hart ist, wird wenig abgetragen und kann auch nur von noch härterem Material zerkratzt werden.

Elastische Schichten hingegen verformen sich bei Belastung und gehen dann wieder in ihren Ursprungszustand zurück. Wie haltbar elastische Materialien sein können, sieht man an Autoreifen oder Schuhsohlen.

Bei Ölen geht die Entwicklung tatsächlich in beide Richtungen - es gibt sowohl sehr harte wie auch sehr elastische Öle, die beide hoch beanspruchbar sind.

Öle hingegen, die ausgehärtet weder hart noch sonderlich elastisch sind, werden mechanisch recht schnell abgetragen oder aus den Holzporen herausgelöst. Sie haben auch nicht die Fähigkeit, einen Verbund zwischen den Holzfasern herzustellen, der belastbar genug ist. Als Folge lösen sich Holzfasern - die Oberfläche wird rauh und neigt zur Schmutzaufnahme.

Ein dünner Auftrag auf eine Glasscheibe und man kann nach Trocknung mit dem Fingernagel herausfinden, wie sich ein Öl verhält.

--

Handwerkliche Arbeit muss heute vor allem schnell gehen. Zeit ist Geld. Da klingt es sehr verlockend, wenn Hersteller von Ölen in ihren Merkblättern schreiben, dass nur einmal geölt werden muss. Nur ein Auftrag - das spart jede Menge Zeit. Einerseits kann man sagen, dass einmal geölt je nach Holz schon relativ gut schützen kann. Bei hochbeanspruchten Flächen, wie Fußböden und Arbeitsplatten halte ich aber gar nichts davon. Mit einigen dieser Öle habe ich Tests gemacht. Dem Holz fehlte eindeutig Öl, was zu deutlich weniger Beanspruchung führte. Auch kann es passieren, dass durch Feuchtigkeit eine rauhe Oberfläche entsteht, weil sich noch Fasern aufstellen.

Bei Hölzern, die viel Öl aufnehmen können, sind die negativen Effekte besonders spürbar. Buche ist z.B. ein Holz, was sehr viel aufsaugt. Ölt man nur einmal, zieht das Öl nach dem abwischen noch weiter tief ins Holz und dünnt so die Oberfläche aus. Die Oberfläche ist also nicht mehr gesättigt und das ist ungünstig. Ist jedoch der erste Auftrag durchgetrocknet, ist das Holz schon gut gesperrt und neues Öl zieht dann kaum noch weg. Bei Buche braucht es jedoch je nach Öl auch schonmal 3 oder 4 Aufträge. Bei einem gut sperrenden Öl reichen 2 Aufträge.

--

Auch wenn Holzöle auf pflanzlichen Ölen basieren: Manche Menschen reagieren allergisch, gerade wenn man größere Flächen, wie Fußböden ölt. Oder manche vertragen den Leinölgeruch nicht, der bei großen Flächen recht lange von empfindlichen Nasen wahrgenommen werden kann. Im Zweifelsfall sollten vorher Tests gemacht werden, ob man bestimmte Gerüche gut verträgt. Es gibt Menschen, die können den natürlichen Geruch von Leinöl oder Tungöl nicht ertragen, haben hingegen keine Probleme bei modernen Lacken auf Erdölbasis.

--

Teaköl, Hartöl, Holzwachs - das sind alles Begriffe, die nirgendwo klar definiert sind. Manchmal liest man: "Benutze Teaköl, das funktioniert sehr gut." Solche Aussagen sind wenig sinnvoll, da Teaköl von verschiedenen Firmen etwas völlig anderes sein kann. Manchmal sind es ganz normale Holzöle, manchmal eingefärbte Öle oder solche, die besonders gut für den Außenbereich geeignet sind. Ebenso habe ich Hartöle getestet, die wesentlich weicher, als Leinölfirnis waren. Und im Bereich Wachse gibt es extrem unterschiedliche Produkte.

--

Geölte Flächen quellen und schwinden weniger? Im nicht bewitterten Bereich - also auch im Innenbereich - stimmt das nicht. Das Holz nimmt genauso, wie nicht behandeltes Holz, Feuchtigkeit über die Luft auf oder gibt sie ab. Hierfür bleibt das Holz ziemlich offen. Das ist ja gerade ein Vorteil von offenporigen Holzbeschichtungen, dass das Holz atmen kann. Versuche auf Buche haben die gleichen Quelleigenschaften, wie rohes Holz, bestätigt.

Im bewitterten Außenbereich ist es etwas anders. Wasser dringt bei unbehandeltem Holz in die Oberfläche ein und kann dort auch längere Zeit verweilen. Öl auf dem Holz hat hingegen eine gewisse Sperrwirkung gegen Wasser. Das Wasser zieht nur ganz langsam in die Oberfläche ein, an stehende Flächen perlt es evtl. auch ab. Auch trocknen geölte Flächen schneller duch Wind und Sonne. Damit kann es in der Tat möglich sein, dass die Holzfeuchte bei geöltem Holz dauerhaft niedriger bleibt.

Haltbarkeit

Die Haltbarkeit von Ölen und Wachsen ist begrenzt. Ein Öl fängt auch in der Dose irgendwann an, einzudicken. Solches Öl dringt dann nicht mehr tief genug ins Holz ein und sollte nicht mehr für anspruchsvolle Arbeiten verwendet werden.

Zugesetzte Sikkative verlieren ihre Wirksamkeit, so dass sich die Trocknungszeiten verlängern.

Wasserbasierte Produkte enthalten Emulgatoren, die an Wirksamkeit nachlassen, Öl und Wasser entmischen sich so. Ebenso neigen diese Produkte zum verkeimen.

Hersteller geben typisch Haltbarkeiten in gut verschlossenen Gebinden von 1-3 Jahren an. Bei noch original verschlossenen Gebinden wird eine Lagerfähigkeit je nach Hersteller von bis zu 5 Jahren angegeben.

Mein Erfahrung ist, dass die meisten Öle 3-7 Jahre gut verarbeitbar sind, auch wenn die Dose schonmal geöffnet war. Manche Öle sind auch schon nach 2-3 Jahre unbrauchbar.

Hier ein paar Empfehlungen, um die Haltbarkeit zu erhöhen:

  • Produktreste nie wieder in das Originalgebinde zurückkippen. Das führt zu Verunreinigungen, die auch Trocknungsprozesse beschleunigen können.
  • Öl in kleinere Gebinde umfüllen, damit in das Originalgebinde so selten wie möglich Sauerstoff kommt. Am besten füllt man in Gebindegrößen, die man innerhalb von 2-6 Monaten aufbraucht und dann wiederbefüllt.
  • Kühl und dunkel lagern. Braunglasflaschen eignen sich gut als Umfüllgebinde.
  • Nicht direkt aus dem Gebinde arbeiten, stattdessen die benötigte Menge für die Arbeit entnehmen und in ein Glas/Schale füllen.

Pures Leinöl hingegen soll angeblich unbegrenzt lagerfähig sein (Quelle: http://www.leinoelpro.de). Eigene Langzeiterfahrungen habe ich nicht.

Beim Einkauf sollte man darauf achten, frisch hergestellte Ware zu kaufen, insofern man nicht sofort die komplette Menge verarbeiten möchte. Angebrochene Dosen sollten wieder ordentlich verschlossen werden. Man lagert sie am besten auf dem Kopf stehend, weil dann das Öl den Verschluss abdichtet und kein Sauerstoff eindringen kann.

Kunststoffflaschen aus PET, PP oder PE können für kurzzeitige Aufbewahrung genutzt werden. Längerfristig sind sie meist problematisch. Durch sie diffundieren nämlich Lösemittel. Man erkennt das daran, dass mit Öl gefüllte Plastikflaschen sich mit der Zeit zusammendrücken. Auch werden Verschlüsse aus PE oder PP mit der Zeit spröde und reißen. Besonders echtes Terpentinöl ist aggressiv zu Kunststoffen. Flaschen aus PET haben sich bei mir am besten bewährt.

Manche Wachse in Dosen neigen zur Hautbildung, z.B. Auro Hartwachs. Hier sollte man die Oberfläche schön glatt streichen und eine passend geschnitte Plastikfolie oben auf legen. Dann kommt weniger Luftsauerstoff an den Wachs und man vermeidet die Hautbildung.

Ein eingedicktes Öl, was man mit Terpentin wieder dünnflüssig macht, ist trotzdem minderwertig. Man bekommt es zwar dünner, aber der Anstrich damit wird nie so gut, wie bei einem frischen Öl.

Eindringvermögen und Verbrauch

Hölzer sind von der Saugfähigkeit sehr unterschiedlich. Auch hängt es vom Produkt und der Einwirkzeit ab, wie weit dieses in das Holz eindringt. Produktinformationen erhält man in den Merkblättern der Hersteller.

Bei Buche erreicht man bei Ölen ohne Lösemittel typisch 100 - 150 ml/m^2, bei Fichte und Kiefer typisch 40-70 ml/m^2, bei Eiche typisch 10-20 ml/m^2. Bei einem Halböl (1:1 mit Lösemittel verdünnt) kann es bis doppelt so viel sein.

Weil Holz zudem sehr unterschiedlich wächst, kann man hier keine genauen Angaben machen.

Herstellerangaben werden gerne zu niedrig angesetzt. Grund: Man möchte beim Preis pro Quadratmeter möglichst günstig abschneiden, weil das die eigentliche Kalkulationsgrundlage für Verbraucher ist.

Beachten sollte man auch, dass man wesentlich mehr Öl aufträgt, als später auf dem Holz verbleibt. Auch Arbeitsgeräte verbrauchen zusätzlich Öl (Pinsel, Rolle). Gerade bei Oberflächen, die optimal imprägniert und durchdrungen werden müssen, ist satter Auftrag wichtig. Typisch wird so die Hälfte des aufgetragenen Öles wieder abgenommen.

So kommt man dann bei 2-3 Anstrichen bei Buche auf 2-4 qm pro Liter. Wenn man sehr sparsam zu Werke geht, können es auch 5-10 qm sein. Die Werte gelten für ein typisches Holzöl.

Beim ersten Anstrich saugt das Holz am meisten, alle weiteren Anstriche verbrauchen wesentlich weniger. Saugt das Holz beim ersten Anstrich 100ml/m^2, sind es beim zweiten Anstrich oft weniger als 5ml/m^2. Auch das hängt wieder stark vom Produkt ab.

Bei salbenartigen Wachsen ist der Verbrauch relativ gering, man will ja nur eine hauchdünne Schicht auf der Oberfläche. Hier kommt man typisch mit 10-20g/m^2 aus.

Preise

Hier mal beispielhaft eine kleine Orientierung, was Holz-Öle kosten:

ProduktPreis pro Liter Euro
Auro Arbeitsplattenöl45,80
Auro 2 in 1 Öl-Wachs PurSolid35,86
Auro Einmalöl32,90
Auro Einmalöl-Wachs66,53
Auro PurSolid Hartöl38,53
Biofa Arbeitsplattenöl26,20
Biofa Möbelöl36,33
Biopin Arbeitsplattenöl21,33
Hesedorfer Harttrockenöl20,93
Kreidezeit PureSolid22,00
Kreidezeit Fußbodenhartöl18,80
Kreidezeit Leinöl-Firnis8,15
Leinos Hartöl25,00
Leinos Hartöl LF36,60
Livos Kunos Natursiegel36,40
Natural Möbel-Hartöl28,14
Natural Parkett-Öl35,60
Naturhaus Hartöl32,00
Osmo Hartwachs-Öl26,10
Osmo Topoil27,00
Rustins Danish Oil16,20
Sehestedter Leinöl-Holzöl21,53
Trip-Trap Holzbodenöl27,95
Noname Leinöl-Firnisab 4,00
Tungöl16,00

Stand: 07/10, Preise: Recherche bei Internetshops, meist auf Basis 0.75l Gebinde

Holzöle untersuchen und kennenlernen

Auch wenn man die meisten Holzöle ganz ähnlich anwendet, so unterscheiden sie sich doch in ihren Eigenschaften mitunter stark. Mit der Zeit hab ich zahlreiche Testverfahren entwickelt, wie man recht schnell die Eigenschaften von einem Holzöl herausfinden kann. So bekommt man recht schnell einen Einblick über produktspezifischen Eigenschaften, ohne erst jahrelange Praxiserfahrungen zu sammeln.

Für alle Tests ist es gut, einen Referenzpunkt für sich zu haben. Dafür eignet sich Leinölfirnis ganz gut. Man sollte also erstmal einige praktische Erfahrungen mit Leinölfirnis machen, um eine gute Vergleichsbasis zu haben.

Technische Daten

Ist ein technisches Merkblatt und eine Sicherheitsdatenblatt vorhanden, schaut man erstmal dort hinein, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie das Öl aufgebaut ist. Enthält es Harze? Enthält es Lösemittel, wenn ja, welche? Welche Grundöle werden verwendet? Enthält es Wachse? Werden chemisch stark veränderte Stoffe eingesetzt, z.B. Kunstharze? Unterscheidet die Verarbeitung sich stark vom Standard-Verfahren? Wie lange ist die offene Zeit, wie lange soll das Öl einziehen? Über die Datenblätter erhält man schonmal einiges an Information, um ein Öl einsortieren zu können.

Das flüssige Öl beurteilen

Das Öl füllt man am besten in eine kleine Glasflasche, um zu beobachten, wie es aussieht und welche Konstistenz es hat. Setzen sich Bestandteile ab? Ist es trüb oder klar? Trübe Öle deuten auf Wachsanteile hin. Hier sieht man auch, ob es sehr wichtig ist, die Gebinde vor Einsatz gut zu schütteln. Auch die Dünnflüssigkeit ist in einer Glasflasche halbwegs zu erkennen.

Lösemittelanteil ermitteln

Mit einer genauen Feinwaage kann man ermitteln, wie viel Lösemittel im Öl enthalten ist. Hierfür wird eine kleine Probe z.B. auf einen flachen Teller gegeben. Ich verwende gerne die Rückseite einer Pulmoll-Dose. Das Öl soll sich darin so ausbreiten, dass die Schicht nicht zu dick wird. Man trägt z.B. genau 2 Gramm auf. Nach 1-2 Tagen sind nahezu alle flüchtigen Anteile verflogen und man kann nun den Gewichtsverlust messen. Daraus kann man den Lösemittelanteil berechnen.

Geruchliche Eigenschaften

Der Geruch eines Öls ist auch wichtig, manche Gerüche können nämlich gerade bei größeren Flächen unerträglich sein. Am besten ölt man hierfür eine kleine Holzprobe von z.B. 10x10cm. Bei frischem Öl riecht man vor allem die Lösemittel, falls vorhanden. Dieser Geruch ist wichtig während der Verarbeitung. Nach einem Tag sind die Lösemittel verflogen und man riecht nur hauptsächlich den Geruch des Öles. Nun sollte man weiter beobachten, wie schnell der Geruch sich legt. Bei manchen Ölen riecht man bereits nach 3-5 Tagen kaum noch was, bei anderen ist ein Geruch auch noch nach 6 Wochen wahrnehmbar. Auch kleine Geruchseindrücke sind wichtig, weil diese viel stärker auftreten, wenn man z.B. einen ganzen Fußboden damit behandelt.

Öle sollte man nicht für Schrankinnenteile verwenden. Dort ist wenig Luftaustausch möglich, weshalb es zu vestärkter Geruchsbildung kommt. Die meisten Öle produzieren in solchen Bereichen sehr lange noch Gerüche. Um dies zu testen, ölt man eine Probe und lässt sie erstmal 4-6 Wochen trocknen. Dann legt man sie in eine luftdicht verschließbare Plastiktüte oder in eine Tupperdose. Darauf achten, dass die Behältnisse an sich geruchsneutral sind. Nach einem Tag kann man nun schonmal einen Geruchsttest machen. Dies wiederholt man nochmal nach mehreren Tagen Luftabschluß. Selbst geringe Gerüche sollte man nicht unterschätzen, denn bei größeren geölten Flächen verstärkt sich das entsprechend.

Konstistenz nach Lösemittelverdunstung

Interessant ist, wie die Konsistenz eines Öles ist, wenn die Lösemittel raus sind, das Öl selber aber noch nicht polymerisiert, also aushärtet. Es ist nämlich so, dass zahlreiche Öle gar nicht ölig sind, sondern eher eine klebrige Masse ergeben, wenn die Lösemittel fehlen. Es ist wichtig zu wissen, ob ein Öl in der Praxis zu Klebrigkeit neigt, falls man zu lange mit dem Abwischen wartet. Auch haben klebrige Öle in der Regel eine gute Sperrwirkung. Um das zu testen, reibt man ganz dünn (!) mit einem Wattestäbchen etwas Öl auf eine Glasplatte. Nun wartet man 30 Minuten. Die meisten Öle sollte in dieser Zeit noch nicht polymerisieren, stattdessen sollte das Lösemittel während dieser fast raus sein. Der Auftrag muss dafür aber so dünn wie nur möglich gemacht werden. Nun prüft man nach gegebener Zeit mit dem Finger, ob sich der Auftrag eher klebrig oder ölig anfühlt.

Was die Verarbeitbarkeit angeht, so kann man auf einer schon einmal geölten Probe mit dem Lappen nochmal Öl aufreiben und dieses dann mit kreisenden Bewegungen einmassieren. Hier beobachtet man, wie sich das Öl in den nächsten Minuten verhält. Manche werden recht schnell klebrig, andere können sehr lange einmassiert werden. Hierbei geht es eher wieder darum, ein Gefühl für die Verarbeitung zu bekommen.

Härte des getrockneten Ölfilms prüfen

Die Glasplatte können wir weiterhin gut dafür verwenden, die Härte des Öles im getrockneten Zustand zu prüfen. Ebenso, um zu beobachten, wie schnell ein Öl härtet. Hierfür bringt man wieder mit einem Wattestäbchen eine Probe dünn und eine Probe etwas dicker auf. Die dickere Probe zeigt, wie sich das Öl verhält, falls es versehentlich zu dick aufgetragen wird. Manche neigen zu Klebrigkeit, die meisten sind bei dickem Auftrag wesentlich weicher, ganz wenige werden aber auch bei dickem Auftrag sehr hart. Man beobachtet die Probe, überprüft z.B. nach 1, 2, 4, 6, 8, 12, 18, 24 Stunden. Die Trocknungsfortschritt erkennt man z.B. ganz gut, wenn man mit einer Nadel durch die Schicht zieht. Anfangs verläuft das Öl wieder, später nicht mehr. So erkennt man auch, wann sich eine festere Schicht ausbildet. Die meisten Öle sollte eine gute Härte nach einem Tag haben. Nach einigen weiteren Tagen kann man nochmal kontrollieren, ob die Härte angestiegen ist. Auch kann man mit dem Finger checken, ob die Oberfläche klebrig ist. Ein Gefühl für die Härte bekommt man durch Kratzversuche mit dem Fingernagel. Die Trocknungstests möglichst immer bei gleicher Temperatur durchführen.

Eindringtiefe

Wie tief ein Öl einzieht, ist auch ein interessantes Kriterium. Man kann nicht sagen, je tiefer, um so besser. So gibt es Produkte, die bewusst kaum einziehen und gute Ergebnisse liefern. Stark einziehende Öle feuern in der Regel stärker an und Inhomogenitäten im Holz werden stärker hervorgehoben. Für einen Test macht man sich wieder ein 10x10cm Testbrettchen. Ich verwende standardmäßig erstmal Buche. Man wiegt mit einer Feinwaage das Testbrettchen. Dann gibt man satt Öl auf die Oberfläche und lässt es einziehen. Darauf achten, dass es nicht an den Rändern herunterläuft. Nach einer definierten Einzugszeit nimmt man den Überstand vollständig ab und wiegt erneut. Die Ölaufnahme rechnet man am besten in Gramm pro m² hoch. Nach Trocknung ölt man erneut und misst auch hier die Ölaufnahme bei der zweiten Ölung. Dies gibt z.B. Aufschluss, wie gut das Öl beim ersten Auftrag bereits gesättigt/gesperrt wurde. Gleiches kann man noch mit einem dritten Auftrag machen. Man muss allerdings bedenken: Holz ist sehr inhomogen und das kann die Ergebnisse verfälschen. Man sollte so einen Test nur als ersten Hinweis sehen, der nochmal mit mindestens 2 weiteren Proben überprüft werden sollte. Es lohnt sich auch, mit verschiedenen Einzugszeiten zu experimentieren. Auch mit anderen Hölzern kann man arbeiten.

Belastungstests

Die entstandenen gut geölten Proben kann man nun übrigens für weitere Tests benutzen. Sie sollten bei normalen Ölen erstmal 4 Wochen gut trocknen können. Dann wird die Oberfläche erstmal mit Wasser und Neutralseife 2-3 Minuten bearbeitet. Nach Trocknung sollten sich keine Holzfasern aufgestellt haben. Nun kann man einen Wassertropfen drauf geben, den man mit einer kleinen Kappe abdeckt, damit er nicht zu schnell verdunstet. Nach 1 Stunde wird er abgenommen und das Holz darunter inspiziert: Ist es deutlich gequollen? Ist es leicht matt geworden? Ist überhaupt nichts zu sehen? Gleicher Test wird nun an anderer Stelle mit 2 Stunden, 4 Stunden, 8 Stunden und 24 Stunden gemacht. Auch hier beobachtet man wieder, wie das Holz reagiert. Buche hat sich für diese Tests gut bewährt, weil es gut quillt.

Ein Glas mit kochendem Wasser kann man auf die Probe stellen, um herauszufinden, ob die Oberfläche temperaturempfindlich ist.

Zum testen der Temperaturempfindlichkeit könnte man auch eine dünne Ölprobe auf ein Blech auftragen, gut durchtrocknen lassen und dann in einem Ofen auf eine definierte Temperatur erhitzen (z.B. 150 oder 200 Grad). Mit einem Infrarotthermometer/Pyrometer kann man die Temperatur überwachen (schwarze Messfläche am Blech anlegen, weil reflektierende Oberflächen das Ergebnis verfälschen).

Nun kann man auch mit färbenden Flüssigkeiten experimentieren. Hierfür gibt man z.B. einen Tropfen rote Wasserbeize auf die geölte Oberfläche. Den Tropfen entfernt man nun wieder nach 30 Minuten, 1 Stunde, 2 Stunden usw. und überprüft, ob Farbstoffe in die Holzoberfläche eingedrungen sind.

Die Verschmutzungsempfindlichkeit kann man trocken und feucht testen. Trocken reibt man z.B. schwarzes Farbpigment mit dem Finger auf und testet, wie gut es sich wieder entfernen lässt. Das gleiche kann man auch zusätzlich mit Wasser machen.

Ein guter Alltags-Belastungstest ist, wenn man einen Buche-Holzbaustein von z.B. 30x30x20 mm anfertigt (Kanten und Ecken verrunden), den man rundherum 3 mal gut ölt. Nach etwa 6-8 Wochen Trocknungszeit kann man diesen nun regelmäßig durch die Hände gleiten lassen und ihn mit warmen Handschweiß stressen. Zwischendurch wäscht man ihn immer mal wieder mit Seife und Wasser ab. Am besten trägt man ihn immer in der Hosentasche dabei, wo er zusätzlich noch gestresst wird. Bei manchen Ölen zeigt sich schon nach wenigen Tagen, dass sie keinen Stress vertragen. Andere Öle hingegen können so stabil sein, dass die Oberfläche nach Monaten noch sehr gut aussieht. Etwas Patina oder Anschmutzung, gerade in den Ecken, wird natürlich bei jedem Öl der Fall sein. Nach ein paar Teststeinen bekommt man ein Gefühl für die Unterschiede. So ein Test offenbart, ob ein Öl gute Gebrauchseigenschaften für Gegenstände hat, die oft in der Hand gehalten werden, z.B. Gewehrschäfte oder Kinderspielzeug.

Geölte Oberflächen kann man noch mit anderen Mitteln stressen. Auf der Glasplatte kann man erste Tests mit Lösemitteln machen. In der Regel sind die meisten Öle recht beständig gegen Benzin. Spiritus oder Orangenöl mögen die meisten hingegen nicht. Auch kann man diverse Handcremes oder Öle testen. Gerade die teuren Hautcremes, die bei Ökotest regelmäßig durchfallen, sind gute Testobjekte. Auch auf Holzproben kann man dann testen. Butter und Margarine sollte auch nicht fehlen.

Will man herausfinden, ob ein Öl z.B. für Küchenarbeitsplatten gut funktioniert, kann man eine Probe täglich mehrmals mit einer harten Spülbürste + Spülmittel bearbeiten.

Spannend ist auch, wie gut eine Oberfläche noch ist, wenn durch Abrieb die oberste Schicht weg ist. Hierfür macht man sich ein Normgewicht, unter welches man Schleifpapier befestigt. Das Gewicht wird nun definiert einige male an einem Faden über die Oberfläche gezogen. Damit schleift man nun eine gewisse Schicht von der Oberfläche ab. Hierfür kann man z.B. Korn 240-320 verwenden. Die so behandelte Oberfläche kann man nun wieder mit verschiedenen bereits genannten Tests überprüfen. Gerade bei Fußböden ist es ja interessant, wie sich die Oberfläche nach Abrieb verhält.

Hirnholztest gleichmäßige Aufnahme

Buche Hirnholz ist ein guter Indikator, wie gleichmäßig das Öl einzieht. Zuerst muss die Hirnholzfläche sauber geschliffen sein, hoch bis etwa Korn 180. Nun bringt man zuerst einmal ein paar kleine Punkte Öl auf verschiedene Stellen und lässt die 3 Minuten einwirken. Erst jetzt benetzt man die ganze Fläche. Verschwinden die Punkte? Wenn ja, ist das Öl recht unkritisch anzuwenden auf Hirnholz. Wenn nein, dann muss man später auf eine schnelle und einheitliche Benetzung bei Hirnholz acht geben. Auf Hirnholz beobachtet man auch das Einzugsverhalten - die meisten Öle ziehen dort sehr schnell weg. Nach Trocknung begutachtet man, ob die Hirnholzfläche einheitlich aussieht. Hier auch acht geben, dass Holz sehr inhomogen ist und man mehrere Proben machen muss, um herauszfinden, ob es am Öl oder am Holz liegt. Hirnholz ist auch gut, um herauszufinden, wie die Sperreigenschaften des Öles sind. Wie viele Aufträge braucht es dort, bis das Holz nicht mehr saugt? Wie verhält sich das Hirnholz, wenn man es feucht macht? Quellen die Fasern oder bleibt es glatt?

Schichtbildung

Weiter geht es mit Schichtbildung. Auf einer Probe, die schon einmal geölt wurde und getrocknet ist, trägt man nun die zweite Schicht auf. Hier hinterlässt man aber mit ölgetränktem Lappen eine dünne Schicht auf der Oberfläche, wenn man abwischt. Später begutachtet man, wie diese Schicht ausfällt. Ist sie klebrig? Wirkt sie einheitlich? Ist sie glänzend, seidenglänzend oder matt? Wie verhält sie sich beim Fingernageltest?

UV-Langzeitstabilität

Wie UV-Stabil ein Öl ist, lässt sich testen, in dem man auf ein senkrecht nach Süden ausgerichtetes Blech (z.B. Zinkblech) diverse Proben dünn mit Pinsel aufbringt. Dieses Blech befindet sich im Außenbereich. Will man die reine UV-Stabilität wissen, sorgt man dafür, dass es nicht bewittert wird, wohl aber möglichst lange tagsüber Sonne abbekommt. Typischerweise wittern die Öle nach 6-24 Monaten deutlich sichtbar ab. Hat man alle Proben zum gleichen Zeitpunkt aufgetragen, kann man gut vergleichen. Gerade bei Außenölen ist es sehr interessant, wie UV-Stabil sie sind. Im Innenbereich filtern die Fensterscheiben ja UV erheblich raus.

Sperrwirkung und Eindringverhalten

Interessant ist auch, wie sich ein Öl auf stark saugenden Untergründen verhält. Hierfür macht man am besten eine Probe aus MDF. Hier interessiert vor allem, wie viel Öl eingesogen wird und wie oft man ölen muss, bis die Oberfläche gesättigt ist. Manche Öle sperren schon nach dem ersten Auftrag sehr gut und die Ölmenge beim zweiten Auftrag ist sehr gering. Andere Öle haben geringe Sperrwirkung und selbst nach dem fünften Auftrag werden noch erhebliche Menge Öl aufgesogen. Man wiegt die Probe am besten vor und nach jedem Ölvorgang, um die Aufnahmemenge herauszufinden.

Dichtheit der Oberfläche

MDF eignet sich auch gut, um herauszufinden, wie dicht eine geölte Oberfläche ist. Das liegt an dem starken Quellverhalten. Man kann hier also wieder den Wassertropfentest machen und erkennt sehr gut, ob Wasser die Öloberfläche durchwandert hat.

Eindringtiefe

Wie tief ein Öl ins Holz einzieht, kann man auch prüfen, in dem man nach dem Ölen das Holz aufschneidet. Leider ist es nicht so leicht, die Schnittfläche so sauber hinzubekommen, dass man wirklich sieht, wie tief ein Öl eingedrungen ist. Manchmal hilft, mit dem Messer die Schnittkante zu bearbeiten. Oder man färbt das Öl zuvor ein, damit es deutlicher sichtbar wird. Einfärben sollte man hier mit geeigneten Farbstoffen, nicht mit Pigmenten, weil diese nicht so tief ins Holz wandern. Eine andere Methode wäre, dass man verschieden dicke Furniere ölt und schaut, ob das Öl bis auf die Rückseite hindurchwandert.

Weichwerden durch Feuchtigkeit

Getrocknete Öle können durch Wasser wieder quellen und auch weich werden. Will man diesen Effekt untersuchen, trägt man wieder eine dünne Probe auf einer Glasplatte auf. Nach guter Durchtrocknung (z.B. 2 Wochen) legt man die Probe für eine definierte Zeit ins Wasser (z.B. 1-2 Stunden) oder tropft Wasser auf, welches man aber wegen Verdunstung geeignet abdecken muss. Dann untersucht man z.B., wie sich die Kratzfestigkeit/Härte des aufgetragenen Öls verändert hat. Manche Öle werden durch Wasseraufnahme auch milchig. Die Aufquellung/Dickenveränderung der Schicht könnte man mit geeigneten Messmitteln auch nachmessen. Die Wasserbeständigkeit ist überall dort wichtig, wo Öle ein Holz schützen sollen, welches unter längerer Wasserbelastung stärker mechanisch belastet wird, z.B. Bootsteile, Paddel, Küchenarbeitsplatten. Weichwerden eines Öles ist aber auch wieder vorteilhaft, weil das Öl so mit der Quellbewegung des Holzes mitgehen kann. Die Abriebfestigkeit nimmt aber stark ab.

Hersteller von Holz-Ölen

Es gibt zahlreiche erstklassige Hersteller von Holz-Ölen. Klare Empfehlungen kann ich nur für einige wenige geben, die ich auch getestet habe. Alle hier aufgeführten Hersteller beobachte ich jedoch schon länger und sie wurden immer wieder in diversen Foren empfohlen. Einige findet man auch in Testberichten von Ökotest.

Übrigens: Fußbodenhartöle können in den meisten Fällen genauso gut für Möbel verwendet werden. Sie sind meist sehr widerstandsfähig, was z.B. bei Tischplatten ebenso sinnvoll ist. Manchmal gibt es jedoch Fußbodenöle, die nicht für den Lebensmittelbereich geeignet sind, z.B. für Arbeitsplatten in der Küche.

  • http://www.kreidezeit.de - Habe ich seit Jahrem im Einsatz und kann es empfehlen. Lösemittelfrei gibt es das recht neue Hartöl - pure solid. Früher waren die Öle lösemittelhaltig und etwas dünnflüssiger, wie das Fußbodenhartöl.
  • http://www.auro.de - Auch ein Favorit, deren Produkte ich sehr gerne einsetze.
  • www.livos.de/ - Auch von Livos nutze ich einige Produkte sehr gern. Als Lösemittel werden bei Livos meist Isoaliphate eingesetzt, welche nicht so intensiv riechen, wie z.B. Terpentin. Livos ist einer der ältesten Naturfarbenhersteller mit sehr viel Erfahrung.
  • http://www.biopin.de
  • http://www.leinos.de
  • http://www.biofa.de/
  • http://www.chito.com - Sehestedter-Naturfarben: Ein sehr kleiner Hersteller, auf dessen Homepage man viel Hintergrundwissen findet. Das Sortiment ist sehr umfangreich und wird über einen eigenen Online-Shop vertrieben.
  • http://www.naturhaus.net
  • http://natural-farben.de
  • http://www.natural.at/
  • http://www.osmo.de - Osmo ist kein Naturfarbenhersteller, man hat also nicht den Anspruch, nur auf natürliche Rohstoffe zurückzugreifen. Trotzdem wird versucht, weitestgehend natürliche Rohstoffe zu verwenden. Als Lösemittel wird meist Testbenzin eingesetzt, ebenso findet man in einigen Produkten Butanonoxim als Hautverhinderungsmittel, was nicht ganz unbedenklich während der Verarbeitung ist. Osmo Produkte sind sehr beliebt, weil sie herausragende Produkteigenschaften haben. Manchmal greife ich deshalb auf Osmo zurück, wo reine Naturfarbenhersteller diese speziellen Eigenschaften einfach nicht hinbekommen.
  • http://www.trip-trap.de/ - Trip-Trap, neuerdings Woca (mir unverständlich, wie man so eine gängige Marke umbenennen kann). Ist ein Klassiker und wird von vielen Holzprofis empfohlen. Keine Inhaltsdeklaration vom Hersteller. Kein Naturfarbenhersteller. Kommt aus Dänemark (http://www.triptrap.dk). Vertrieb in Deutschland über bioraum GmbH.
  • http://www.faxeshop.de - Faxe kommt ebenso wie Trip-Trap aus Dänemark (http://faxedesign.dk), hat einen ähnlich guten Ruf und wird zufälligerweise auch über die bioraum GmbH in Deutschland vertrieben. Auch die Produktpalette ähnelt sich stark.
  • http://www.rustins.co.uk/ - Rustins mit seinem Danish Oil ist ebenfalls ein Klassiker. Der Hersteller veröffentlicht leider keine Inhalts-Deklaration. Freigegeben für Spielzeuge nach EN71-3. Kein Naturfarbenhersteller.
  • http://leinoelpro.de/ - Leinölprodukte. Viele Infos zu Leinöl.
  • http://www.pnz.de
  • http://www.lintop.de/
  • http://www.beeck.de - Beek'sche Farbwerke. Aglaia Naturfarben.
  • http://www.hesedorfer.de - Hesedorfer Naturfarben. Harttrockenöl hat Ökotest "sehr gut".
  • http://www.atw-naturfarben.de/ - ATW Naturfarben.

Eigene Rezepturen

siehe: HolzOelenRezepte

Online-Shops

Viele Baumärkte führen keine Produkte von Naturfarbenherstellern. Man findet sie meist in kleineren Läden, die sich auf Vollholzverarbeitung spezialisiert haben. Die Hersteller führen meist ein Lieferanten-Verzeichnis, wo man einen Händler in der Umgebung finden kann. Eine praktische Alternative ist auch die Bestellung über den Online-Versandhandel. Hier einige Adressen:

* http://www.livos.de/online-shop.html%%

Einkauf im Baumarkt

Viele Produkte, die hohen ökologischen Ansprüchen genügen, wird man im Baumarkt nicht finden. Jedoch setzt sich auch hier der Ökotrend langsam durch und Ökoprodukte werden platziert. Nicht selten natürlich welche, die oberflächlich gut nach Öko aussehen, wo bei den Inhaltsstoffen aber sehr kostenoptimiert ausgewählt wird.

Bei Bauhaus gibt es:

  • Das komplette Osmo Sortiment.
  • Öle von Liberon, die sich gut verarbeiten, bei denen aber eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe fehlt. Der Hersteller ist sehr zurückhaltend mit Informationen. Das Parkett-Öl hat bei Ökotest befriedigend abgeschnitten. Abgewertet wurde vor allem wegen aromatischen Kohlenwasserstoffen.
  • Öle von Ultranature. In den Merkblättern findet man eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe. Der Hersteller ist die Reincke-Naturfarben GmbH, welcher ebenso seit 2007 neuer Inhaber der Marke Leinos ist. Leinos hat einen erstklassigen Ruf, vermutlich ist Ultranature eine preisoptimierte Baumarkt-Variante. 2005 gehörte Ultranature noch der ultrament GmbH aus Bottrop. Eigene Erfahrungen habe ich mit den Produkten nicht.

Bei Obi gibt es:

Bei Hagebau gibt es:

  • Produkte von PNZ

Weblinks Know-How

Weblinks Firmen