Persönliches Weblog
19. April 2006 :: Seine Berufung finden
Letztens in Leute-Night war ein Interview mit Petra Bock. Sie ist Coach und hilft Menschen, ihre Berufung zu finden. Ich finde das ein spannendes Thema: Jenseits jeder Verpflichtung und jedes Eingebundensein in Strukturen mal zu schauen:
- Was möchte ich wirklich machen?
- Was kann ich gut und wozu bin ich hier auf dieser Welt?
- Was würde ich tun, wenn ich alle Freiheiten der Gestaltung hätte?
In dem Interview spricht sie 3 wesentliche Fragen an, die sie Klienten immer wieder stellt:
- Was würdest du machen, wenn du im Lotto gewinnst und jetzt immer genügend Geld hättest?
- Was würdest du machen, wenn du nur noch 1 Jahr zu leben hättest?
- Was möchtest du hinterlassen?
Fragen, die einem zum Wesentlichen kommen lassen, worum es in meinem Leben geht. Manchmal vergisst man, dass das Leben nicht ewig dauert. Und so vergisst man vielleicht, wesentlich zu werden und das zu leben, was der eigene Lebenssinn ist.
Wer sich weiter inspirieren lassen will, Petra Bock hat ein Buch herausgebracht: "Die Kunst, seine Berufung zu finden", ISBN: 3502140065
19. Januar 2006 :: Unser krankes Gesundheitssystem
Ich bin immer wieder fasziniert, das Gegenteil von dem zu finden, was man eigentlich erwartet. Vermuten könnte man, das Menschen, die ein Gesundheitssystem aufbauen und darin wirken, sich darum bemühen, auch ein gesundes System aufzubauen. Gerade die Menschen, die von Gesundheit etwas verstehen sollten, bauen jedoch ein System, was ganz offensichtlich extrem ungesund ist.
Gestern habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, wo ein Arzt im Krankenhaus 20 Stunden an einem Tag gearbeitet hat. Zeit für echte Pausen hat er keine, weshalb er sich schnell einen Schokoriegel und eine Cola aus dem Automaten zieht. Dafür hat er 5 Minuten Zeit, dann geht es weiter zum nächsten Patienten. Nach 20 Stunden legt er sich zum Bereitschaftsdienst schlafen, wo er dann 2 Stunden später wieder geweckt wird. Ist das ein gesunder Umgang mit dem eigenen Leben? Wer ist dafür verantwortlich, der Arzt oder das System, in dem er eingebettet ist? Oder war das alles nur Show für's Fernsehen?
Bühnenwechsel: Ich höre von einer Bekannten, dass Sie 4 Monate in einer psychiatrischen Klinik war. Während dieser Zeit hat die Klinik täglich schätzungsweise 300-500 Euro für sie als Patientin erhalten. Innerhalb von 14 Tagen gab es dafür ein 10 minütiges Arztgespräch, ansonsten bestand ihr Tag dort aus Rauchen, Fernsehen und Zeit absitzen. Es gab so gut wie keine Angebote. Das Pflegepersonal hatte keine Lust, sich irgendwie hilfreich um die Patienten zu kümmern. Als ich sie mal besuchte, konnte ich die Zustände dort auch ein Stück weit erleben.
Und jetzt sind es die Ärzte, die demonstrieren, weil ihnen zu wenig Geld zum Leben bleibt. Hier hört man auch, dass wir eigentlich viel zu viel niedergelassene Ärzte haben und deshalb das Geld fehlt. Andererseits stehen mancherorts die dicken Wagen vor der Tür, die nicht so recht in das Bild des armen Arztes passen wollen. Und dann wäre da noch der skandalöse Umgang mit Medikamenten und Geräetemedizin. Überall gibt es Anreize, möglichst viel davon einzusetzen, obwohl oft völlig sinnlos. So verpulvern wir jede Menge Geld für nichts.
Das in unserem Gesundheitssystem kräftig der Wurm drin ist, das erkennt denke ich jeder. Es kann kaum offensichtlicher werden. Und dies ist nicht erst seit gestern bekannt.
Es reicht aber nicht, dass allen dieser Umstand klar ist. Es braucht auch Kraft, Energie, Motivation und Macht, um an solchen Umständen was zu ändern. Es braucht sozusagen die guten Kräfte, die an solchen Missständen etwas tun.
Und hier setzt sich die Krankheit fort. An den Stellen, wo eigentlich die Macht für die Veränderung solcher Umstände sein sollte, gibt es zu wenig gesunde Kräfte. Die Politik scheint dazu nicht mehr in der Lage. Die gesunde Kraft, die ja auch hier irgendwie existiert, ist zu schwach, um sich gegen die Erkrankung durchzusetzen. Als zentrale Ursache dieser Erkrankung sehe ich die Gier der Menschen, die irgendwie nur schwer in den Griff zu bekommen ist.
Bleibt für mich fraglich, ob wir gerade in einer Zeit leben, wo Gier besonders um sich greift? Hat die schwere der Erkrankung unserer Gesellschaft damit zugenommen? Einiges spricht dafür. Es gibt nur noch wenig, was die Gier reguliert.
Vielleicht ist es aber auch die veränderte Wahrnehmung. Die Medien haben eine unglaubliche Macht auf das, wie wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht tritt erst jetzt etwas in den Wahrnehmungsbereich vieler Menschen, was zuvor nicht sichtbar war. Vielleicht interessiert man sich jetzt erst für Missstände, wo es einem selber nicht mehr gut genug geht, um alles Unschöne verdrängen zu können. Vielleicht ist jetzt der Wille besonders groß, alle möglichen Missstände ans Tageslicht zu befördern.
Für mich ist das schwer auseinanderzuhalten, ob wir als Gesellschaft wirklich kränker geworden sind oder ob sich nur die Wahrnehmung verändert hat.
Davon unberührt: Unser Gesundheitssystem ist ein ziemlich krankes Gebilde. Wann wird sich da etwas ändern?
16. Oktober 2005 :: Gesunde Gesellschaft
Die letzten Wochen haben mich, wie sicherlich viele im Lande, etwas mehr mit Politik beschäftigen lassen. Durch die Wahlen und das ganze Dilemma, was mit dranhängt, hat sich das Thema doch sehr in den Medien und so auch im Bewusstsein der in Deutschland Lebenden ausgebreitet. Vielerorts wird darüber diskutiert.
Ich schnappte heute irgendwo im Radio den Ausspruch "Gesunde Gesellschaft" auf. Der Sinnzusammenhang war in dem Moment gar nicht wichtig. Vielmehr drückt es etwas aus, was mir in den letzten Tagen durch den Kopf geht. Für mich ist es die zentrale Sache, worum sich eine Gesellschaft kümmern sollte: Gesund zu werden.
Was ist eine gesunde Gesellschaft? Hier einige Ideen:
- In einer gesunden Gesellschaft wird dafür gesorgt, dass alle Menschen gute Möglichkeiten vorfinden, sich zu entfalten, sich zu entwickeln.
- Es wird versucht, das jeder seine Fähigkeiten nützlich für die Gemeinschaft einbringen kann.
- Gesellschaftliche Entscheidungen werden auf der Grundlage getroffen, dass die meisten sie so mittragen können. Es wird um Lösungen gerungen, die die Interessen aller genügend berücksichtigen.
- Ob reich oder arm, ob alt oder jung, ob Theoretiker oder Pragmatiker, ob Denker oder Gefühlsmensch, ob krank oder gesund - alle haben ihren Raum und ihre Platz und genügend Macht, sich für ihre Interessen einsetzen zu können.
- Kultur und Kunst sind ein wichtiger Ausdruck menschlicher Schaffenskraft, sie wird deshalb gefördert.
- Bildung ist ein wichtige Grundlage für eine Fortentwicklung der Menschheit und einen rechten Platz in der Weltgemeinschaft. Sie wird deshalb stark gefördert - für alle gesellschaftlichen Schichten.
- Eine gut funktionierende Wirtschaft ist wichtig, um die grundlegenden materiellen Bedürfnisse zu bedienen. Genauso wichtig ist jedoch die eine grundlegende Orientierung für sein Menschsein zu finden, Werte, Sinnhaftigkeit des Lebens, Ziele, für die es sich lohnt zu leben, weil sie nicht egozentrisch sind.
- Eine Gesellschaft macht sich Gedanken über Visionen von einem guten und sinnerfüllten Leben. So entstehen Dinge, die Menschen darin unterstützen, ein gutes Leben zu führen - nicht materiell, sondern ganzheitlich.
Was mir in diesem Zusammenhang für Mängel in unserer derzeitigen Gesellschaft auffallen, die eine gute Gemeinschaft stören:
- Große Unternehmen mit einer einseitigen Sicht auf Gewinnmaximierung werden immer machtvoller und breiten sich aus. So wird auch der einseitige Gedanke der Gewinnmaximierung generell immer mehr unsere Gesellschaft prägen. Alles andere geht verloren. Kleine und mittelständische Unternehmen haben es immer schwerer, sinnvoll zu handeln und dabei zu überleben. Die Macht der Großunternehmen beeinflusst auch immer stärker politisches Handeln.
- Das Potenzial von vielen Menschen, die arbeitslos sind oder Sozialhilfe bekommen, wird nicht genutzt, verkümmert. Ich habe den Eindruck, dass es viele Jahre für den Staat eine billige Lösung war, Menschen mit problematischen Lebensgeschichten lieber ein paar hundert Euro Sozialhilfe zu bezahlen, als sie in ihren Fähigkeiten zu fördern. Erst jetzt, wo immer mehr Menschen keine Möglichkeit mehr haben, sich um ihren eigenen Broterwerb zu kümmern, entsteht Bewegung. Ob die in die richtige Richtung geht, ist für mich zur Zeit noch ziemlich fraglich. Ich glaube, wir haben derzeit keine Antwort darauf, wie all die Menschen sich sinnvoll in unsere Gesellschaft einbringen können, die derzeit von staatlicher Unterstützung leben. Die wirtschaftliche Orientierung, die scheinbar kaum aufzuhalten ist, wird dieses Problem wohl eher verschlimmern.
- Bildung und Kultur wird in Zeiten knapper Kassen eher vernachlässigt, als dass man hier fördert. Bildung und Know-How könnte unser wichtigster Wert in der Weltgemeinschaft sein, weil wir in Sachen Produktion in vielen Bereichen schon lange verloren haben. Kultur wird immer mehr kommerzialisiert und schließt damit breite Bevölkerungsschichten aus. Staatlich geförderte Kultur wird immer mehr abgebaut. Kultur jedoch gibt Impulse, Lebenslust, Lebensinhalt, schafft Lebendigkeit. Kultur ist auch Bildung und öffnet die Augen. Kultur schafft ein Bewusstsein, was weiter und differenzierter ist.
- Konsum macht nicht glücklich, sondern lenkt oft von eigentlichen Lebensinhalten ab. Konsum führt sogar dazu, dass sich Menschen voneinander entfremden, was z.B. viele bestätigen, die früher in der DDR lebten und die Wende bewusst miterlebt haben. Mit der Wende kam der Konsum und das materielle Glück rückte ins Zentrum. Das Klima wurde gleichzeitig kälter, warme und herzliche Beziehungen zwischen den Menschen verschwanden. Gleichzeitig spürten viele, dass die materielle Welt nur sehr begrenzt zu wirklichem Glück verhelfen kann. Insofern sind wir heute an einem interessanten Wendepunkt angekommen. Die fetten Jahre sind vorbei. Viele müssen kürzer treten und haben große Angst und Sorge, weniger materiellen Wohlstand zu haben. Nach einer Zeit der Entwöhnung wird man aber vielleicht feststellen, dass vieles gar nicht so relevant und wichtig war. Vielleicht entsteht dadurch wieder mehr Raum für sinnvollere Lebensinhalte.
- Wir haben in Deutschland einen Werteverfall. Es gibt keine Werte mehr, die einem wichtig sind, an denen man sich orientiert. Geld zu machen und persönlich-egozentrisch voranzukommen, scheint immer mehr der einzige Motor für das Handeln vieler Menschen zu werden. Damit verschwindet auch das Vertrauen in Menschen. Denn man weiß ja, dass viele Menschen an nichts mehr gebunden sind, keine Ideale haben, denen sie sich verbunden fühlen. Sie handeln nur noch aus dem heraus, was für sie und ihren nächstem Umkreis gewinnbringend ist. Die vielen Skandale, die in den letzten Jahren in Wirtschaft und Politik aufgedeckt wurden, zeigen es eindrucksvoll. Vielleicht ist es das Vakuum, was durch den Verlust der Macht der Kirche, noch nicht wieder sinnvoll gefüllt ist.
- Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Damit steigt die Anzahl der Menschen, die immer weniger Chancen bekommen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, von materiellem Glück zu profitieren, sondern eher darum, dass man ohne materielle Grundlage auch keine Grundlage für ein sinnvolles Handeln findet, in dem man seine Fähigkeiten auf gute Weise einbringen kann.
- Je mehr Menschen in einer Gesellschaft schlechte Bedingungen haben und je mehr Ungerechtigkeiten auftreten, um so mehr Spannungen entstehen in einer Gesellschaft. Solche Spannungen können schnell zu Destruktion werden. Diese Destruktion kann viele Werte einer Gesellschaft zerstören. Und sie bindet Kräfte, die nicht mehr konstruktiv und sinnvoll genutzt werden.
- Wir haben wenig Visionen, sind nicht offen für Neues. Wir versuchen Probleme zu lösen, um etwas aufrecht zu erhalten, wie es bisher gewesen ist. Vielleicht wird das in der heutigen Zeit jedoch nicht mehr funktionieren. Damit ist die Kraft vergeudete Kraft, die die bisherigen Zustände vielleicht noch ein paar Jahre länger aufrecht erhalten wird. Nur was kommt dann? Wo kann es hingehen? "Sich neu erfinden." war in der letzten Zeit ein oft genutzter Satz der Politiker, der aber eigentlich dahinzielte, dass die andere Partei sich den eigenen Bedürfnissen anpassen soll. "Sich neu erfinden." erscheint mir aber eher ein Satz zu sein, den unser Land jetzt besonders nötig hat. Wirklich kreativ zu werden und neue Wege zu erfinden. Die Politik hat dafür jedoch oft überhaupt keine Gesprächskultur, sie vernichtet jeden neuen Impuls sofort im Keim, in dem sie auf (noch vorhandenen) Widersprüchen und Problemen herumreitet. Neues, was anfangs immer erstmal auch widersprüchlich ist, hat so keine Chance, sich zu entfalten.
Das wir derzeit als Land in einer Krise stecken, hat mittlerweile sicherlich jeder bemerkt. Ich glaube fest daran, dass es diesmal keinen einfachen Weg da heraus gibt, dass wir das nicht einfach aussitzen können. Wir werden diesmal wohl ganz grundlegend Veränderungen in Gang setzen müssen. Und die Krise muss auch noch eine Menge Kräfte mobilisieren, um Menschen aus der bequemen Konsumhaltung zum eigenen verantwortlichen Handeln zu aktivieren.
Ich hoffe, dass schlussendlich eine gesündere Gesellschaft entstehen wird, in der jeder wieder genügend Gestaltungsfreiraum hat und sein Leben Sinn- und Inhaltsvoll leben kann. Eine gesündere Gesellschaft - das ist eine Idee, die mich motiviert. Noch mehr Konsum, mehr Großunternehmen und beständiges Wirtschaftswachstum dagegen nicht.
14. Mai 2005 :: Euro = DM
Glaubt man der Bundesstatistik, so ist durch die Euroumstellung nichts teurer geworden. Ich bin beeindruckt, wie man Wahrheit mathematisch korrekt so verzerren kann. Denn jeder weiß natürlich, dass vieles teurer geworden ist, dass mitunter 1:1 umgerechnet wurde.
Heute hatte ich wieder ein gutes Beispiel. Ich wollte ein Uhrenarmband kaufen. Die Modeuhr hat nur 7 Euro vor ein paar Monaten gekostet, da hat sich wirklich nichts verteuert. Ein neues Armband dagegen soll 19,50 Euro kosten! In anderen Läden war es ähnlich, ja ging sogar bis 24,50 Euro hoch. Da hab ich zu Hause nochmal nachgeschaut, und 3 Armbänder gefunden, die ich vor etwa 4 Jahren gekauft habe, noch zu DM-Zeiten. Alle 3 Bänder kosteten damals zwischen 17,50 DM und 19,50 DM.
Das ist ein schönes Beispiel, wie 1:1 umgerechnet wurde. Man stelle sich mal vor, man hätte früher 40 DM für ein Armband bezahlen müssen. Das wäre vielen frech und unakzeptabel vorgekommen. 20 Euro dagegen schluckt man irgendwie.
Wer steckt sich das Geld nun ein? Wer profitiert davon? Uhrenarmbänder sind ein typisches Produkt, wo enorm hohe Aufschläge drauf sind. Er wird sie vielleicht für 2-5 Euro einkaufen. Vielleicht sind sie im Einkauf tatsächlich 10-20 Prozent teurer geworden, mehr ist unwahrscheinlich. Das wären dann 10 Cent - 1 Euro mehr. Verkaufen tut er aber für 10 Euro mehr. Also verdient hauptsächlich der Uhrenladen daran. Bei der Currywurst um die Ecke wird es ähnlich sein, auch die ist im Einkauf nicht teurer geworden, Personalkosten auch nicht, ein paar Nebenkosten vielleicht. In der Kneipe zahlt man für die Cola ebenso jetzt 2 Euro anstatt früher 2 DM. Auch Cola ist nicht teurer geworden und die Personalkosten sind ebenfalls nicht gestiegen.
Trotzdem klagen gerade die kleinen Firmen, obwohl es denen doch besonders gut gehen müsste. Vielleicht ging der Schuss nach hinten los. Dadurch, dass die Preise jetzt so hoch sind, wird viel weniger gekauft. Die Krisensituation derzeit verstärkt das natürlich noch.
Langsam scheinen das manche kleinere Firmen zu erkennen und senken ihre Preise wieder. Die Pizza bei uns um die Ecke hat jetzt 10-30 Prozent die Preise reduziert. Bei mir mit Erfolg. Hatte ich doch meinen Pizzakonsum stark eingeschränkt. Natürlich hätte ich es irgendwie bezahlen können, aber darum ging es nicht. Ich fand diese Preise einfach nicht gerechtfertigt, hatte immer das Gefühl, abgezockt zu werden. Jetzt habe ich ein Stück mehr das Gefühl, einen realen und fairen Preis zu bezahlen.
Dieses Gefühl, abgezockt zu werden, ist es vor allem, was mich zum Nichtkäufer macht. Ich kaufe aus Protest nicht, weil ich diesen unfairen Handel nicht mitmachen will.
In einem Bereich allerdings sinken die Preise tatsächlich bzw. man bekommt immer mehr für's Geld: Computertechnik. Heute habe ich für 45 Euro einen DVD-Brenner gekauft, der vor ein paar Monaten noch 100 Euro gekostet hat. Ein guter TFT-Monitor kostete vor einem Jahr noch 600 Euro und ist heute für 300 Euro zu bekommen.
06. Mai 2005 :: 3 Tage im Kopf gelebt
Eine Bekannte brachte es schön auf den Punkt. Ich erzählte ihr, dass ich momentan gar nicht richtig in der Welt bin, weil ich die letzten Tage viel programmiert habe. "Ah", sagte sie, "da hast du die letzten Tage im Kopf gelebt." Das passte; ich fand das sehr schön formuliert.
Wenn man programmiert, dann setzt man sich intensiv mit einer Gedankenwelt auseinander. Die Aufmerksamkeit ist auf die Gedanken gerichtet, auf Ideen, auf Vorstellungen, Konzepte und Probleme. Dinge wollen verstanden werden oder etwas drängt nach Lösung. Selbst wenn ich dann eine Runde spazieren gehe, ist meine Aufmerksamkeit im Kopf und ich durchdenke die Dinge weiter. Beim spazierengehen oft in einer etwas entspannteren Form.
Was im außen ist, nehme ich dann kaum noch wahr, es ist irgendwie ausgeblendet.
Interessant ist das mit den Erinnerungen. Zeiten in meinem Leben, wo ich stark in einer Gedankenwelt eingespannt war, kann ich nur wenig erinnern. Da ist oft nur ein graues Loch, wo vor allem Emotionen fehlen. Wenn ich dagegen irgendwo im Urlaub am Strand war oder frühmorgens den Sonnenaufgang erlebt habe, dann war das emotional etwas so kostbares, dass die Erinnerung mich berührt und Sehnsucht aufkommt.
27. April 2005 :: Auto und ATU - nein Danke
Bisher haben wir für Kleinigkeiten wie Bremsen oder Auspuff unseren Wagen zu ATU gebracht. Das ging schnell und problemlos. Jetzt sind wir aber ziemlich auf die Nase gefallen, fühlen uns abgezockt.
Eigentlich sollten nur die hinteren Bremsbacken gewechselt werden. Am Telefon meinte man dann, dass auch die Bremszylinder, die Bremstrommeln, die Radlager, die vorderen Bremsklötze, die Bremsleitungen und noch einiges gewechselt werden müsse. Insgesamt sollte das etwa 1200 Euro kosten. Da ich selber etwas Ahnung davon habe, war mir klar, dass einiges davon nicht sein kann. Als ich den Wagen so wieder abholen wollte, meinte man, das ginge nicht, so würden die den Wagen nicht mehr rausgeben, weil der fahruntüchtig sei. Dann müsse ich schon mit einem Abschleppwagen kommen. Blöderweise lies ich mich am Telefon davon beeindrucken und verhandelte dann, damit nur das Allernötigste gemacht wird.
Bremstrommeln müssen nach 100 tkm nicht gewechselt werden. Zumal wir vielleicht max. 5 Km mit abgefahrenen Bremsbelägen gefahren sind. Doch der Meister beharrte darauf, ohne Trommelwechsel würde er den Wagen nicht fertig machen. Zum Schluß blieben also immer noch ca 800 Euro übrig. Ich lies mich zähneknirschend drauf ein, weil ich keine andere Möglichkeit sah. Abholen ging ja angeblich nicht.
Heute war ich in meiner Stammwerkstatt und die haben mir auch nochmal bestätigt, dass die Bremstrommeln mit ziemlicher Sicherheit völlig unnötig gewechselt wurden. Hätte ich es dort machen lassen, hätte man die maximal einmal für 15 Euro abgedreht. Aber selbst das macht man typisch erst bei doppelter Laufleistung. Auch die Vorderbremsen: Die waren völlig in Ordnung und selbst der TÜV hat sie nicht bemängelt.
Fazit: Nach meiner Einschätzung etwa 500 Euro unnötigerweise für die Reparatur bei ATU bezahlt. Ab jetzt geht es nur noch in unsere Stammwerkstatt, die sich um guten Kundenkontakt und langfristig gute Beziehungen bemühen.
22. März 2005 :: Jetzt schon Frühling?
Unglaublich, wie extrem dieses Jahr der Wetterumschwung ist. Hatten wir vor ein paar Wochen noch viel Schnee hier, sind jetzt Temperaturen bei 20 Grad und Sonnenschein.
Da lockt es mich natürlich raus. Die Arbeit verlagert sich jetzt nach draußen - ich habe gestern und heute ein wenig am Roller geschraubt. Macht Spaß, bei diesem schönen Wetter draußen tätig zu sein.
:reintechnisch beschäftigt uns derzeit unsere Waschmaschine. Sie produziert weiße Flecken auf der Wäsche, ja es setzt sich richtig heftig ein weißes Pulver ab. Alle Tipps aus dem Internet sind wir schon nachgegangen, entkalkt, Flüssigwaschmittel, Flußensieb gereinigt usw. Kein Erfolg. Von der letzten Hose habe ich etwa 1 g dieses Zeugs abgekratzt und analysiere das jetzt mal. Von Zitronensäure ist es jedenfalls unbeeindruckt, da löst sich nichts auf. Kalk scheint es also nicht zu sein. Ich frage mich nur, wo soviel weißes Zeug herkommen könnte - das muss doch irgendwann mal wieder aufhören. Die Welt ist schon manchmal unbegreiflich...
Ich bin ziemlich happy, dass ich jetzt wieder voll in der Programmiersprache Ruby drin bin. Ich wollte ja unbedingt wieder Zeit finden, mich damit zu beschäftigen und es klappte die letzten Wochen ganz gut. Wenn ich monatelang nicht programmiert habe, ist die Möglichkeit erstmal weg, eben mal ein Problem programmtechnisch zu lösen. Jetzt bin ich aber wieder voll im Geschehen und so kommt es jetzt häufig vor, dass ich für die tägliche Arbeit mal eben ein kleines Skript schreibe.
24. Februar 2005 :: Winter ist da

Na siehst du! Geht doch. Nun ist endlich der Schnee da, auf den ich gewartet habe. Und wir sind auch dazu gekommen, letzten Samstag Nachmittag rauszukommen. Ins Sauerland, Wanderung durch Winterlandschaften.
Und es ist kaum zu glauben, die nächsten Tage wird es verschneit bleiben. Klasse! Ich hoffe, wir finden genügend Zeit, rauszukommen. Am liebsten würde ich ja mal wieder zur Postwiese zum Skifahren. Am Wochenende darf man sich dort aber nicht sehen lassen, ist zuviel los. Warten am Lift 15 min und mehr. Für 4 Minuten Abfahrt.
Die letzten Tage konnte ich mich dem Studium von Ruby weiter zuwenden. Das ist schon ein klasse Programmiersprache. Ich arbeite immer wieder gerne damit. Das RubyWeblog hier ist die letzten Tage auch um einiges gewachsen. Es gibt noch viel Dokumentationsbedarf, damit die Sprache sich in Deutschland mehr verbreitet.
Wenn man fremde Programme liest, kann man eine ganze Menge lernen. Jede Menge Tricks und Anregungen, die man von unterschiedlichen Autoren lernen kann. Jeder hat halt so seine Art und von jeder kann man was lernen.
Ich bin mal wieder erstaunt, was mittlerweile alles über Ebay versteigert wird. Zufällig hatte ich entdeckt, dass dort Kurzreisen angeboten werden. Jetzt werde ich die nächsten Tage mal auf ein Hotel im Siegerland steigern. Für etwa 120 Euro für 2 Personen und 2 Übernachtungen in einem guten Hotel - das ist doch was. Ich muss mir das mal merken. Bevor ich irgend wofür Geld ausgebe, sollte ich erstmal bei Ebay gucken.
05. Februar 2005 :: Webfrontends
Der Trend geht hin zu Webfrontends, auch für Anwendungen im internen Netzwerk. Dies beobachte ich schon seit Jahren und diese Technik hat auch viel Verlockendes.
Immer mehr Geräte kommen auf den Markt, die per Webfrontend bedienbar sind. Die bekanntestenen sind sicherlich die Firewall-Router. Aber auch Druckserver, kleine Festplatten-Links, Webcams oder Embeddedsysteme kommen mit einem Webserver daher. Viele merken darüber, dass diese Sache wirklich praktisch ist. Und so verbreitet sich der Gedanke, für alles mögliche ein Webfrontend zu nehmen.
Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass man eine beliebigen Clientrechner haben kann, wo lediglich ein Webbrowser installiert sein muss. Also keine Softwareinstallation und auch keine Plattformabhängigkeit. Ob Linux, Mac oder Windows oder noch was anderes, es läuft immer. Gerade in einer Zeit des Umbruchs, wo immer mehr aus unterschiedlichsten Gründen von Windows weg wollen, ist das ein guter Pfad, den man damit einschlägt. Und auch die Zentralisierung hin zum Server ist ein leichter Trend. Früher lief alles zentral, dann machte man immer mehr dezentral. Und jetzt scheint Zentralisierung wieder für so manches Sinn zu machen.
Ich war heute in der Bibliothek in Dortmund und auch dort hat man die Suche nach Büchern komplett auf ein Webfrontend umgebaut. Zuvor war es eine alte Anwendung im Windows 3.1 Look, die manch einer nicht bedienen konnte.
Das ist im übrigen auch ein Argument für Webfrontend: Es kann fast jeder bedienen. Die Web-Technologie ist generell bedienerfreundlich. Und surfen ist eines der ersten Sachen, die Leute lernen, wenn sie heutzutage vor einem Computer sitzen.
Webfrontends lassen sich natürlich auch für alle innerbetrieblichen Anwendungen nutzen. Gerade im Bereich betriebliche Organisation und Informationsverarbeitung ist vieles möglich. Ob nun Adressdatenbank, Wissensdatenbank, Vorgangsbearbeitung, Rechnungswesen oder Controlling - grundsätzlich geht vieles.
Wo ist aber ein Webfrontend wirklich geeignet? Und wo läuft man eher einem Trend hinterher, der für die konkrete Anwendung nicht sinnvoll ist?
Webfrontends sind etwas träge. Und so eignen sie sich nicht, wo man schnell sein muss, wo viele Aktionen in kurzen Zeiträumen erledigt werden müssen. Auch für reine Tastaturbedienung, die ja für immer wiederkehrende Dinge oft schneller ist, sind sie nur bedingt geeignet.
In einem Dental-Labor staune ich immer wieder, wie schnell die Angestellte dort die Rechnungen einhackt. So schnell kann ich gar nicht gucken, da sind schon 3 Rechnungen eingetippt. Sowas würde natürlich nicht mit einem Webfrontend funktionieren. Es ist ein Bereich, wo viel Aktion in kurzer Zeit wirkt. Die Handgriffe sind gewohnt und das macht dann auch die Geschwindigkeit aus.
Die Suche für jemensch in der Bibliothek ist das blanke Gegenteil. Dort sind Menschen zu Gange, die sowas vielleicht alle paar Monate mal benutzen, also nicht geübt im Umgang damit sind. Und sie brauchen nicht 50 Suchergebnisse pro Minute. Dort ist die Trägheit der Oberfläche überhaupt kein Problem, zumal die Datenbanksuche sowieso einiges an Zeit beansprucht. Dort ist der Einsatz also sinnvoll.
In einer Firma, wo täglich nicht mehr als 10-20 Anfragen pro Mitarbeiter zu einer Adressdatenbank laufen, ist ein Webfrontend sicherlich auch gut geeignet. Ebenso zur Terminplanung.
Ein weiteres Kriterium ist, ob man mit den beschränkten Möglichkeiten eines Webfrontends wirklich die Aufgaben umsetzen kann. Eine Firewall soll z.B. überall funktionieren, auch wenn Leute einen alten Browser verwenden oder kein Java installiert haben. Hier ist man nur solche Technologie verwenden, die jeder Browser auch versteht und das ist recht mager.
Innerbetrieblich kann man dagegen für bestimmte Anwendungen durchaus auf solche erweiterten Möglichkeiten, die Java bietet, zurückgreifen. Und wenn man dies tut, ist nahezu alles möglich. Allerdings braucht es dann auch Anwendungsentwickler, die sowas programmieren können. Java ist nicht PHP, der Lernaufwand ist beträchtlich.
Für Softwareentwickler heißt es jetzt auch immer öfters: Das Thema Design wird wichtiger. Hatte man bei herkömmlichen Oberflächen für Programme kaum eine Designwahl und musste auf Standard Bedienelemente zurückgreifen, ist beim Webfrontend viel Freiraum. Sowohl eine ansprechende aber auch aufgeräumte Oberfläche hinzubekommen, ist dabei gar nicht so einfach, erfordert Fähigkeiten, die früher nicht wichtig waren. Ich finde das gut. Schickes Design fordert die rechte Gehirnhälfte, die bei Sofware-Entwicklern zuvor eher verkümmerte. Rationales und abstraktes denken, emotionslos, war bisher eher dominierend. Jetzt darf man sich von schicken Oberflächen berühren lassen und Lust haben, etwas Kunstvolles zu designen. Das der neue Freiraum natürlich auch chaotischere Programme hervorbringen kann, als zuvor, ist auch klar.
Ich hatte mir letztens eine Plattform angeschaut, die mit Post-Nuke umgesetzt war. Es war einfach grauenhaft. Hunderte von vorgefertigten Strukturinformationen auf einer Seite, die kein Newcomer versteht. Nur das, worum es wirklich ging, hätte man in 3 Links und 2 Sätzen zusammenfassen können.
Mich bestärkt das alles, nun endlich mal mit Webfrontend-Programmierung mit Ruby anzufangen. Rails ist dafür ja eine geniale Basis.
31. Januar 2005 :: Monatsrückblick

Schade, vor ein paar Tagen hatten wir hier noch Schnee. Ich mag die wunderbare Winterlandschaft. Leider hatte ich wenig Zeit, dies auch wirklich zu genießen. Und jetzt ist wieder Schmuddelwetter. Es ist wärmer geworden und es regnet. Fast den ganzen Tag.
Ich überarbeite ja gerade meine reintechnisch-Homepage. In den letzten Wochen bin ich gut voran gekommen. Es macht Spaß. Solche Dinge funktionieren meist schubweise. In der intensiven Auseinandersetzung baut sich eine Energie auf, die dann vieles möglich werden lässt. Und dann werden wieder andere Dinge im Leben wichtig und das Projekt ruht dann erstmal. Auch gut, denn ruhen heißt ja trotzdem, dass die Informationen genutzt werden. Nur komme ich dann selten dazu, neue Informationen einzupflegen.
Mit dem Wiki geht das jetzt schon wesentlich besser. Gestern habe ich einen interessanten Artikel über Grub gelesen. Früher hätte ich diesen Link erstmal in eine Aufgabenliste zur Homepage gepackt, irgendwann meinen Grub-Artikel mal überarbeitet, den Quelltext übersetzt, die ganze Homepage generiert und ein ftp-Upload gemacht. Alles viel Aufwand und deshalb hat solche Information erstmal lange gelegen. Jetzt mit dem Wiki geht das ganz einfach: Meinen Grub-Artikel im Browser aufrufen, auf ändern klicken, Link einfügen, fertig. Egal, an welchem Rechner ich gerade sitze.
Derzeit nervt es mich, dass so einige Projekte nicht fertig werden, auf die ich schon einige Zeit warte. Debian Sarge sollte im Dezember 2003 fertig sein, jetzt ist schon ein weiteres Jahr vergangen und immer ist noch kein Ende in Sicht. Ich wollte diesmal aber eisern auf die neue Release warten und nicht schon jetzt installieren. So muss mein neuer Server noch warten. Ebenso wollte ich möglichst zügig auf Pmwiki 2 umstellen. Aber auch da verzögert sich die Release noch. Einerseits blockiert mich das etwas, andererseits ist es aber gar nicht so wichtig. Ich habe viele andere Dinge, die mich interessieren und die meine Zeit in Anspruch nehmen. Und wenn ich die Entwicklung beobachte, dann muss ich einfach sagen - es ist so, wie es ist. So eine Distri wie Debian rund zu bekommen, ist eine verdammt komplexe Aufgabe, die man nur schwer unter Kontrolle bekommt. So, wie es im Moment strukturiert ist, dauert es einfach so lange. Und in der Zwischenzeit gibt es schon wieder jede Menge Updates zu den Paketen, die wieder eingepflegt werden müssen. Da mal einen stabilen Zustand mit allen Paketen hinzubekommen, ist schon echt schwer. Ich bin ja in dieser Sache dafür, eine Grund-Distribution mit wenigen wichtigen Paketen zu machen, die z.B. alle halbe Jahre eine neue Release erhält. Alles andere muss dann zu dieser Release früher oder später passend gemacht werden. Das Ganze also mehr dezentralisieren. Debian ist einfach ein zu schwerer Brocken geworden. Eine Verschlankungskur täte bestimmt gut.
Was mir dieses Jahr wichtig ist: Ich möchte endlich mal wieder mehr mit Ruby machen. Die letzten Monate kam ich überhaupt nicht mehr zum programmieren. Seit Jahren wollte ich mich mal mit Webprogrammierung beschäftigen, weil ich einige Anwenderprogramme webbasiert schreiben möchte. Jetzt ist die Zeit reif, weil es nun ein echt geniales Ruby Web-Framework namens Rails gibt. Damit werde ich mich wohl bald mal auseinandersetzen.
...gerade ist das Linux Magazin eingetrudelt. Mal schauen, was interessantes drin steht.